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Das Vorsorgeprinzip - Stellenwert und Konkretisierung
Daniel Ammann

Zusammenfassung
Bereits eingetretene Schadensbeispiele aus der Agro- und Lebensmittel-Gentechnik sowie ungeklärte Risiken zeigen, dass ein vorsorglicher Ansatz für die Beurteilung dieser Anwendungsbereiche der Gentechnik mindestens fallweise seine Berechtigung hat. Generell sollte beim Umgang mit komplexen Technologien wie der Gentechnik die Vorsorge ein Ziel der Politik sein. Das Vorsorgeprinzip kann als methodischer und rechtlicher Ansatz diese Rolle übernehmen. Das Prinzip hat sich im Gesundheits- und Umweltschutz als Grundsatz des Völkerrechts etabliert. Einzelne Länder haben das Recht, ein Schutzniveau festzusetzen, das sie im Rahmen des Risikomanagements als angemessen erachten. Eine typische Anwendung des Vorsorgeprinzips liegt dann vor, wenn Massnahmen getroffen werden sollen, bevor ein vollständiges wissenschaftliches Wissen vorliegt. Ob das Vorsorgeprinzip in dieser Situation zur Anwendung kommt, entscheidet sich daran, ob genügende Informationen zur Sicherheit vorliegen und wie schlüssig, vollständig und sicher diese Informationen sind, um die angestrebte Sicherheit zu garantieren. Da in den Umschreibungen des Vorsorgeprinzips selten Ansätze zu einer Konkretisierung oder Operationalisierung vorliegen, bleibt heute das Vorsorgeprinzip weiterhin auslegungsbedürftig. Möglichkeiten zur Operationalisierung des Vorsorgeprinzips ergeben sich aus der Risikotypologisierung oder aus Checklisten.

umwelt-medizin-gesellschaft 19 (1): 27-35

Autoren:
PD Dr. Daniel Ammann, daniel ammann consulting dacon, Hottingerstrasse 32, 8032 Zürich, SCHWEIZ