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Der studieret Schafzüchter aus dem französischen Millau ist Sprecher der Bauerngewerkschaft "Confederation Paysanne" und kämpft seit 30 Jahren für den Erhalt der regionalen landwirtschaftlichen Kultur und eine gesunde Nahrung weltweit. Im Folgenden dokumentieren wir Auszüge aus der Laudatio von Anne Solbach-Freise anlässlich der Preisverleihung am 29.10.2005 in Bodenwerder.
Wie wahr! Nach Enttäuschungen bei den konventionellen, Gewerkschaften schließen Sie sich als Wortführer 1987 bis heute der Confédération Paysanne an. Ihr Leben als Schafzüchter (Milch für den berühmten Roquefort-Käse) begann mit Ihrer Frau Alice auf dem Larzac unter primitivsten Verhältnissen (ohne Wasser, Licht, ohne Technik). Diese Ehefrau Alice hat Ihre Aktionen entscheidend mitgetragen, mitgestaltet. Auch ihr gehört heute Anerkennung und Lob, ebenso wie dem engen Freund François Dufour aus der Bretagne, immer an Ihrer politischen Seite. Weit blickend und weit reisend protestieren Sie mit Ihren Mitstreitern auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Seattle 2000 gegen die schreiende Ungerechtigkeit des Nordens gegen den Süden. Die Armen unseres Globus mussten bei der Konferenz der Kapitalisten vor der Tür bleiben. Fürwahr, ein symbolischer Akt! Da haben sich diese Ausgeschlossenen zusammengetan, um selbst für ihr Recht zu streiten. Ein wichtiger Erfolg! Die Gentechnik, hier soll von der Agro-Gentechnik geredet werden (verharmlosend auch die grüne genannt), ist eine 100 %ige Tochter der Globalisierung. Ich habe in 20 Jahren mit immer mehr Entsetzen beobachtet, wie es von sehr vorsichtigen Versuchen im Labor zu höchst aggressiven Verbreitung auf dem Acker gekommen ist. Diese Entwicklung wurde allein von den inzwischen nur 5 Global Playern vorangetrieben an den betroffenen Menschen vorbei, ohne Einbeziehung anderer Fachrichtungen wie Soziologen, Ökonomen, Medizinern oder Ethikern oder gar der Politik. Für nichts anderes als Geld, sehr viel Geld! Was für ein Verständnis unserer Demokratie! 2004 hat selbst der Vorstandsvorsitzende der Aktionäre von BAYER, eine der 5 weltweiten Gewinner, gesagt: "Gentechnisch veränderte Lebensmittel haben für Anwender und Verbraucher keine Vorteile, sondern nur für die Produzenten."... Zum ersten Mal wird eine Pflanze einem Pestizid angepasst und nicht umgekehrt. Dabei lehnen nach wie vor europaweit 70 % der Landwirte und Verbraucher GVO-Lebensmittel ab. Wir wollen sie nicht, aber wir brauchen sie auch gar nicht. Die Testvorläufe, zumeist in hauseigenen Labors, sind lächerlich kurz und wenig aussagekräftig. Selbst Medikamente brauchen bis zur Risikoeinschätzung zur Zulassung länger! In der Menschheitsgeschichte finden wir viele große Irrtümer. Der letzte große war die Atomindustrie. So fürchterlich sie ist und in ihren Folgen bleibt, die Gentechnologie ist für mich noch gefährlicher. Zum ersten Mal geht es um Lebendiges, um Leben, das unwiderruflich weitergegeben wird bis in die tiefsten Meerestiefen. Für Sie José, bedeutet es die "Aneignung des Lebens". Da werden manipulierte Lebewesen und Menschenteile patentiert wie technische Erfindungen. Der Titel Ihres Buches "Die Welt ist keine Ware", spricht diesen Vorwurf aus. Sie haben vor 6 Jahren McDonalds gewählt für Ihre Aktion, weil dieses Unternehmen global die angestrebte Gleichschaltung auf unserem Globus darstellt: gleiche Kleidung, gleiches Mobiliar, gleiche Brötchen usw. Sie nennen diese Lebensmittel mit Recht: mal-bouffe = Schlecht-Essen, wir sagen Fraß dazu. Angestrebt ist die weltweite Beherrschung und finanzielle Ausbeutung des Lebens. Da ist Klonen nur konsequent. Als erstes stirbt die Artenvielfalt, z.B. sollen die über 100.000 Reissorten reduziert werden auf 5-6 Gen-Sorten Jahrtausendelang haben alle Landwirte der Welt ihr Saatgut selbst gezüchtet. Nun müssen sie es den Konzernen abkaufen, und, wie bei den Baumwollbauern in Indien, sich hoch verschulden. Nach den ersten Missernten dort haben sich 100erte Kleinbauern in der hoffnungslosen Schuldenfalle das Leben genommen. Aber auch in unseren Breiten werden die Landwirte zu Sklaven der GVO-Industrie. Neben dem Artensterben gibt es schon heute ein weltweites Bauernsterben. Das betrifft immer zuerst die armen Kleinbauern, z.B. in Afrika, die ohnehin schon durch unsere kapitalistische Handelsmentalität zu den Verlierern werden. Die Beteiligung am Welthandel dieses ärmsten Kontinents, ist in den letzten 15 Jahren auf ein Minimum gesunken. Und da wirbt die Gentechnik mit der Bekämpfung des Hungers! Das ist Anmaßung und Verdummung gleichzeitig. Das Gegenteil wird eintreten! Wer soll denn die Lizenzen, die passenden Pestizide und den Dünger bezahlen? Ihr Kampf, José, gegen die Agro-Gentechnik entspricht folgerichtig ihrem Widerstand gegen militärische Einsätze und gegen Atomwaffen (wir erinnern uns alle an die Versuche auf dem Muroroa-Atoll). Denn die Gentechnik wird Kriege zwischen den gen-freundlichen Landwirten und der bewahrenden Landwirtschaft heraufbeschwören. Das ist sicher. Schon heute ist in Nordamerika die Schnüffelei zwischen Industrie und Landwirtschaft sehr aktiv. Es laufen hunderte Klagen gegen den Zwang der Agromultis. Ihre Proteste, José, sind kreativ, aber auch von einer bewundernswerten taktischen Hartnäckigkeit. 1998 die symbolische Vernichtung von Genmais der Firma Novartis, 1999 galt Ihr Kampf dem Gen-Reis. Sie nennen es Franckenstein-Food, ich, Leben aus der Retorte. Ihr solidarisches Handeln ist, in Absprache mit Ihren Freunden, weltweit folgerichtig. Ihr Auftreten zuletzt gegen Genmanipulation von Weinreben im Elsass, konsequent. Sie waren nie ein Einzelkämpfer, sondern haben es stets verstanden, Gleichgesinnte um sich zu sammeln. Nur so auch kann sich Umdenken ausbreiten. Ihr Anliegen war immer ein pädagogisch-aufklärerisches. Ihr Lieblingsautor ist Henri David Thoureau, der schon im 19. Jahrhundert über den zivilen Ungehorsam geschrieben hat. Gentechnologie stellt nicht nur ein ökologisches Risiko dar, sondern auch ein hochbrisantes gesundheitliches. Man weiß so gut wie nichts über die Auswirkungen auf den Menschen durch GVO veränderte Organismen die Humangenetik erschafft schon heute Horrorvisionen in der Fortpflanzungsmedizin. Gentechnologie stellt aber v.a. auch ethische Fragen: Darf der Mensch alles, was er kann? Darf er eine Milliarden Jahre alte Evolution in wenigen Jahren völlig verändern? Zum ersten Mal greifen Wissenschaftler als Handlanger der Industrie tief und unwiderruflich in Lebensvorgänge ein. Von Scheu und Respekt gegen über Naturwundern ist keine Rede mehr. Es ist ein Spiel ohne Regeln, es ist: "weiter werfen als man sehen kann". Als Attac-Aktivist widersetzen Sie sich diesem Ausverkauf des Lebens. Wie pervers das Leben von der kapitalistischen Industrie verstanden und gehandhabt wird, hier ein Beispiel: Damit ihr Saatgut nicht in falsche Hände gerät, haben sie eine Weizenart entwickelt, die ihren eigenen Samen unfruchtbar macht! .... Terminator-Weizen genannt. Dabei bräuchten wir weltweit nur gesunde Böden für gesunde Pflanzen, Tiere und Menschen! Gentechnik ist dabei Überflüssig und kontraproduktiv. "Kämpfen macht Spaß", sagen Sie. Auch ich selbst erlebe Proteste vor Ort als befreiend, eine Möglichkeit, seine Meinung deutlich zu machen. Ihre vielen Erfolge in diesen Kämpfen haben zu einer optimistischen Zukunftsprognose geführt. Darum beneide ich Sie ein bisschen, denn die Gleichgültigkeit der Mitmenschen zu diesem unserem Thema lässt mich manchmal verzweifeln. Aber sie haben Recht: man muss mit viel Hoffnung und Überzeugung in den Kampf ziehen, um siegen zu können. Deshalb möchte ich am Ende der Rede mit Ihnen an alle BürgerInnen appellieren, sich mit allen Mitteln diesem Ausverkauf des Lebens zu widersetzen; (der Kunde bestimmt, was hergestellt wird); die Bürgermeister und Ortsvorsteher aufrufen, das kommunale Land per Dekret vor Genanbau zu schützen (wie die gentechnikfreie Region München). Speziell wende ich mich an die Kirchen, die sich ja dem Leben besonders verpflichtet fühlen, keinen Zentimeter Land für genveränderte Pflanzen herzugeben. An der Wand hängt ein Spruch Ihres Landsmannes Maxence: "En période révolutionnaire, l'avenir on ne l'espère pas, on le fait." Für mich heißt das: "In Zeiten des Umbruchs erhofft man sich nicht die Zukunft, man setzt sich für sie ein." So verstehen Sie, José, Ihre Aufgabe, denke ich. Lieber José, in Anerkennung und Dankbarkeit für Ihren lebenswichtigen jahrzehntelangen Einsatz möchte ich Ihnen heute den 10. Preis für Zivilcourage der Solbach-Freise-Stiftung überreichen. Herzlichen Glückwunsch! Félicitations ! (Quelle: www.stiftung-zivilcourage.de) Kontakt: Solbach-Freise-Stiftung für Zivilcourage Anne Solbach-Freise Siegfriedstr. 2 37619 Bodenwerder |
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