Bis zum Ende dieses Jahrhunderts könnte es in Deutschland wegen des Klimawandels insgesamt merklich wärmer werden. Dies zeigen erste Ergebnisse eines Klimamodells der Firma Climate & Environment Consulting Potsdam GmbH (CEC) zur regionalen Klimamodellierung im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA): Bis zum Ende des Jahrhunderts ergeben die Modellrechnungen - gegenüber den Jahren 1961 bis 1990 - einen Anstieg der Temperaturen zwischen 1,8 und 2,3 Grad Celsius.
Für die WETTREG-Modellrechnungen legten die Potsdamer Forscherinnen und Forscher zwei verschiedene Szenarien für die künftig möglichen, überwiegend vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen zugrunde: Ein erstes "höheres Emissionsszenario" geht - unter anderem - von einer global orientierten Entwicklung mit starkem Wirtschaftswachstum und einer weiteren Nutzung der fossilen Energieträger Kohle, Öl und Gas aus. Gleichzeitig steigt in diesem Szenario der Anteil klimafreundlicher, erneuerbarer Energien - wie Biomasse, Wind- und Wasserkraft sowie Geothermie. Das zweite, "niedrige Emissionsszenario" beruht - unter anderem - auf einer verstärkten Einführung emissionsarmer und Ressourcen schonender Techniken. Auch das "niedrigere Emissionsszenario" wäre jedoch nicht geeignet, abrupte Klimaänderungen und drohende unumkehrbare Klimafolgen zu verhindern.
Temperatur
Auf Basis beider Emissionsszenarien ergibt das Klimamodell WETTREG deutlich höhere Tagesmitteltemperaturwerte in Deutschland bis zum Ende dieses Jahrhunderts. Das höhere Emissionsszenario zeigt für die Jahre 2071 bis 2100 einen über ganz Deutschland gemittelten Temperaturanstieg von 2,3 Grad Celsius gegenüber den Jahren 1961 bis 1990. Beim niedrigeren Emissionsszenario steigen die Temperaturwerte im Mittel noch um 1,8 Grad Celsius. Die Simulationen für den 30-Jahreszeitraum 2071 - 2100 zeigen in Abhängigkeit von den Emissionsszenarios folgende Muster:
- stärkste Erwärmung im gesamten Norden Deutschlands (mit Ausnahme der Küstenregionen) und im Voralpenraum
- vergleichsweise geringe Erwärmung an der Nord- und Ostseeküste, in den zentralen Mittelgebirgen und im Osten Bayerns
- über ganz Deutschland gemittelte Temperaturzunahme ergibt für das höhere Emissionsszenario (A1B) einen Wert von 2,3°C und für das niedrigere Emissionsszenario (B1) einen Wert von 1,8°C
- Maxima der Erwärmung werden mit 2,5°C und Minima mit Werten um 1,5°C simuliert
- Im Südwesten Deutschlands zeigen die Simulationsergebnisse von beiden Emissionsszenarios die deutlichsten Unterschiede im gesamten Simulationsgebiet; das höhere Emissionsszenario (A1B) resultiert in starker Erwärmung und das niedrigere Emissionsszenario (B1) in geringer Temperaturzunahme.
Niederschlag
Auch die Auswertung des Niederschlags erfolgt im Vergleich der Zeiträume 1961 - 1990 (Kontrolllauf) und 2071 - 2100. Bei der Bewertung der Ergebnisse ist zu beachten, dass der Niederschlag eine meteorologische Größe ist, die sich im Vergleich zur Temperatur deutlich weniger genau modellieren lässt. Der Parameter Niederschlag ist äußerst variabel, so dass eine repräsentative Auswertung vornehmlich als Mittelung über 3 Jahrzehnte erfolgen sollte.
Die WETTREG-Simulationen des Niederschlags zeigen klare, jedoch gegenläufige Tendenzen für die Jahreszeiten Sommer und Winter und somit wenig Änderung im Hinblick auf den Jahresniederschlag. Deshalb und wegen der Bedeutung sommerlicher Niederschläge für die Vegetation ist es sinnvoll, die Auswertung für Sommer und Winter getrennt vorzunehmen.
Gebiete mit relativ niedrigem Niederschlag erstrecken sich im Nordosten und Osten Deutschlands sowie am Niederrhein, hohe Niederschläge werden besonders im Südwesten, dem Voralpenraum und den Alpen erkennbar. WETTREG simuliert eine deutliche Abnahme des mittleren sommerlichen Niederschlags bis zum Ende des 21. Jahrhunderts in der Größenordnung von 20 %. Der stärkste Rückgang ist im Nordosten Deutschlands erkennbar und beträgt gemäß höherem Emissionsszenario in Vorpommern verbreitet mehr als 40 %. Das niedrigere Emissionsszenario ergibt eine geringere Abnahme: Hier liegt der Rückgang in Mecklenburg-Vorpommern bei etwa 25 %. Damit projiziert das Modell einen Rückgang der mittleren sommerlichen Niederschläge für Gebiete, in denen bereits der Kontrolllauf 1961-1990 relativ geringe Niederschläge aufweist.
Die Änderung des winterlichen Niederschlags bis zum Zeitraum 2071 - 2100 wird - je nach Emissionsszenario - mit einer Zunahme im Mittel von 20 bis 30 Prozent simuliert. Für das höhere Emissionsszenario ist das Änderungssignal deutlich stärker ausgeprägt als für das niedrigere Emissionsszenario. Die stärkste Zunahme wird in der Westhälfte Deutschlands, besonders im Bereich von Eifel und Hunsrück (bis zu 80 Prozent), Odenwald, Spessart und Rhön sowie Unterfranken (stellenweise über 70 Prozent) simuliert. Auch eine Zunahme an der Schleswig-Holsteinischen Nordseeküste und im Donautal ist erkennbar. Relativ geringe Änderungen werden für die winterlichen Niederschläge im Osten Deutschlands, besonders in Brandenburg und Sachsen sowie für den Alpenraum projiziert.
Mit den nun vorliegenden Klimaprojektionen des Modells WETTREG (Wetterlagen-basierte Regionalisierungsmethode) lässt sich besser einschätzen, wie sich der Klimawandel in Deutschland regional auswirken kann und welche Regionen besonders betroffen sein könnten. Klimamodelle liefern jedoch keine Vorhersagen über das Klima der Zukunft. Klimamodelle stellen nur mögliche Klimaentwicklungen dar und geben so Aufschluss über Risiken der regionalen Klimaentwicklung.
Das UBA hält es auf der Grundlage der neuen Erkenntnisse für dringend erforderlich, eine bundesweite und fachlich fundierte Diskussion - quer über alle wirtschaftlichen Sektoren hinweg - zu den Auswirkungen des Klimawandels und den Anpassungsmöglichkeiten zu führen. Die im Oktober 2006 von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel gestartete Vorbereitung einer "Deutschen Strategie zur Anpassung an den Klimawandel" bietet hierfür eine gute Plattform.
(Quelle: UBA-Presseinformation 29.1.2007, Hintergrundpapier "Neue Ergebnisse zu regionalen Klimaänderungen - Das statistische Regionalisierungsmodell WETTREG" unter
http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-presse/hintergrund/
Regionale-Klimaaenderungen.pdf ).
Kontakt:
Umweltbundesamt
Postfach 1406
06813 Dessau
www.umweltbundesamt.de
Temperatur
Als Parameter, der der Auswertung zugrunde liegt, wird die Tagesmitteltemperatur gewählt. Das Papier betrachtet erstens die Tagesmitteltemperaturwerte des Zeitabschnittes 1961 bis 1990, die auf WETTREG-Simulationen auf Basis der ECHAM5-Kontrolllaufdaten beruhen. Zweitens wird die mit WETTREG simulierte Tagesmitteltemperatur im Zeitabschnitt 2071 - 2100 betrachtet.
Im Kontrolllauf 1961-1990 (Abbildung 1) sind die relativ hohen Temperaturwerte in den Tälern von Rhein und Mosel sowie der Kölner Bucht bis zum südwestlichen
Niedersachsen zu erkennen. Auch Teile Brandenburgs, Sachsen-Anhalts und Niedersachsens weisen höhere Temperaturwerte auf. Dagegen sind die niedrigeren Temperaturwerte in den Gebirgsregionen zu finden.
Die WETTREG-Simulationen für den 30-Jahreszeitraum 2071 - 2100 zeigen in Abhängigkeit von den Emissionsszenarios folgende Muster:
- stärkste Erwärmung im gesamten Norden Deutschlands (mit Ausnahme der Küstenregionen) und im Voralpenraum
- vergleichsweise geringe Erwärmung an der Nord- und Ostseeküste, in den zentralen Mittelgebirgen und im Osten Bayerns
- über ganz Deutschland gemittelte Temperaturzunahme ergibt für das höhere Emissionsszenario (A1B) einen Wert von 2,3°C und für das niedrigere Emissionsszenario (B1) einen Wert von 1,8°C
- Maxima der Erwärmung werden mit 2,5°C und Minima mit Werten um 1,5°C simuliert
- Im Südwesten Deutschlands zeigen die Simulationsergebnisse von beiden Emissionsszenarios die deutlichsten Unterschiede im gesamten Simulationsgebiet; das höhere Emissionsszenario (A1B) resultiert in starker Erwärmung und das niedrigere Emissionsszenario (B1) in geringer Temperaturzunahme.
Niederschlag
Auch die Auswertung des Niederschlags erfolgt im Vergleich der Zeiträume 1961 - 1990 (Kontrolllauf) und 2071 - 2100. Bei der Bewertung der Ergebnisse ist zu beachten, dass der Niederschlag eine meteorologische Größe ist, die sich im Vergleich zur Temperatur deutlich weniger genau modellieren lässt. Der Parameter Niederschlag ist äußerst variabel, so dass eine repräsentative Auswertung vornehmlich als Mittelung über 3 Jahrzehnte erfolgen sollte.
Die WETTREG-Simulationen des Niederschlags zeigen klare, jedoch gegenläufige Tendenzen für die Jahreszeiten Sommer und Winter und somit wenig Änderung im Hinblick auf den Jahresniederschlag. Deshalb und wegen der Bedeutung sommerlicher Niederschläge für die Vegetation ist es sinnvoll, die Auswertung für Sommer und Winter getrennt vorzunehmen.
Niederschlag im Sommer
Gebiete mit relativ niedrigem Niederschlag erstrecken sich im Nordosten und Osten Deutschlands sowie am Niederrhein, hohe Niederschläge werden besonders im Südwesten, dem Voralpenraum und den Alpen erkennbar. WETTREG simuliert eine deutliche Abnahme des mittleren sommerlichen Niederschlags bis zum Ende des 21. Jahrhunderts in der Größenordnung von 20%. Der stärkste Rückgang ist im Nordosten Deutschlands erkennbar und beträgt gemäß höherem Emissionsszenario in Vorpommern verbreitet mehr als 40 Prozent. Das niedrigere Emissionsszenario ergibt eine geringere Abnahme: Hier liegt der Rückgang in Mecklenburg-Vorpommern bei etwa 25 Prozent. Damit projiziert das Modell einen Rückgang der mittleren sommerlichen Niederschläge für Gebiete, in denen bereits der Kontrolllauf relativ geringe Niederschläge aufweist.
Niederschlag im Winter
Niederschläge sind auf den Nordseiten von Harz, Rheinischem Schiefergebirge, Thüringer Wald, Erzgebirge, Spessart, Odenwald und der Schwäbischen Alb sowie im gesamten Schwarzwald und dem Alpenbereich zu erkennen.
Die Änderung des winterlichen Niederschlags bis zum Zeitraum 2071 - 2100 wird - je nach Emissionsszenario - mit einer Zunahme im Mittel von 20 bis 30 Prozent simuliert. Für das höhere Emissionsszenario (A1B) ist das Änderungssignal deutlich stärker ausgeprägt als für das niedrigere Emissionsszenario (B1). Die A1B-Abbildung 8 zeigt die stärkste Zunahme in der Westhälfte Deutschlands, besonders im Bereich von Eifel und Hunsrück (bis zu 80 Prozent), Odenwald, Spessart und Rhön sowie Unterfranken (stellenweise über 70 Prozent). Auch eine Zunahme an der Schleswig-Holsteinischen Nordseeküste und im Donautal ist erkennbar. Relativ geringe Änderungen werden für die winterlichen Niederschläge im Osten Deutschlands, besonders in Brandenburg und Sachsen sowie für den Alpenraum projiziert.