Am 24.1.2007 stellte der Studienleiter, Herr Prof. Dr. Mersch-Sundermann, Direktor des Institutes für Innenraum- und Umwelttoxikologie der Universität Marburg-Gießen, Teilergebnisse der sog. Tonerstudie beim Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin der Begleitgruppe vor, die aus Vertretern der zuständigen Bundesbehörden (BfR, UBA, BAuA, BAM), der Industrie (BITKOM) und der Betroffenen (ITG) besteht. Der Industrieverband Bitkom war diesmal mit fünf Vertretern erschienen. Vertreter von Bundestagsabgeordneten waren nicht zugelassen worden.
Mit dieser Untersuchung - entstanden auf Initiative der Interessengemeinschaft Tonergeschädigter im Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz e.V. (ITG im BBU)- sind weltweit erstmalig die Emissionen von Druckern und Kopierern und die Gesundheit der Nutzer unter realen Bürobedingungen untersucht worden. Von Februar bis Oktober 2006 waren in Freiburg, Trier, Gießen und Berlin, in insgesamt 63 Büroräumen, u.a. in Abgeordnetenbüros des Deutschen Bundestages, umfassende Raumluftmessungen vorgenommen worden. Der größte Anteil mit 26 Büros betraf die Polizei Trier, wo wegen ungeklärter Erkrankungen durch die Büroluft bei Zweidrittel der 150 Mitarbeiter das Polizeipräsidium evakuiert worden war. Zudem waren im Rahmen der Studie 69 Nutzer der Büros medizinisch untersucht worden, von denen etwa die Hälfte gesundheitliche Beschwerden durch das Drucken angab.
Es hat sich gezeigt, dass entgegen aller Behauptungen die Büroluft durch den Druckbetrieb stark mit Stäuben belastet wird und zwar v.a. mit gefährlichen ultrafeinen Stäuben bis zur Nano-Ebene. Die Belastung mit ultrafeinen und Nano-Partikeln steigt im Druckbetrieb schlagartig um ein Vielfaches an und bleibt hoch. Man spricht von einem initialen Burst. Auch erhöhte Emissionen von gefährlichen flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) und Ozon waren gemessen worden. Im Einzelfall wurden Benzolemissionen von 5-6 µg festgestellt. Es hat sich aber auch wieder gezeigt, dass die Emissionen der Geräte höchst unterschiedlich sind. In einem Fall sind bei einer Nachuntersuchung plötzlich kaum noch Emissionen gemessen worden. Das Gerät war zwischenzeitlich gereinigt worden. Andere gesundheitlich relevante Raumluftfaktoren konnten ausgeschlossen werden.
Erste spezielle Untersuchungen dieser winzigen Partikel zeigen, dass es sich dabei auch um metallische Partikel (Eisen, Silizium, Aluminium) handelt, die z.T. mit VOC sog. Bubbles bilden. Auch Verbindungen mit Ozon seien möglich. Hier ergeben sich völlig neue Fragestellungen und weiterer Forschungsbedarf. Neueste europäische Forschungen weisen auf besondere Risiken hin.
Die Untersuchungen der Partikel dauern noch an. Auch Prüfkammerversuche mit Betroffenen sollen noch durchgeführt werden, um die unmittelbare gesundheitliche Wirkung der Druckemissionen zu untersuchen. Prof. Mersch-Sundermann erklärte, dass die Ergebnisse erheblichen weiteren Forschungsbedarf ergeben haben und skizzierte weiter Forschungsansätze.
Ende Februar sollen die Ergebnisse der medizinischen Untersuchungen der Begleitgruppe vorgestellt werden. In Begleitforschung zur Studie war festgestellt worden, dass einige Toner erbgutschädigende Wirkungen auf menschliche Lungenzellen haben. Da diese Ergebnisse aber wahrscheinlich erst in 2008 veröffentlicht werden, wird das BfR sie nicht bei der Risikobewertung berücksichtigen. Anzumerken ist, dass immer nur ein Druckgerät überprüft worden ist, auch wenn mehrere Geräte im Raum standen. Worstcase-Szenarien mit vielen Geräten und sehr hohen Druckleistungen sind nicht untersucht worden. Auch die Schwermetalle Nickel und Kobalt, auf die Tonergeschädigte häufig allergisch reagieren und die gefährlichen Organozinnverbindungen, darunter das Ultragift Tributylzinn, die immer öfter in Tonern nachgewiesen werden, sind nicht berücksichtigt worden.
Die Risikobewertung wird noch mehrere Monate dauern. Fragen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes und der Beseitigung der Gefahren werden dabei keine Rolle spielen. Eine Diskussion zwischen den Teilnehmern über Lösungsansätze wurde nicht zugelassen. Aufgrund des starken Medieninteresses hat das BfR die vorgestellten Ergebnisse bereits auf Ihrer Webseite http://www.bfr.bund.de/ veröffentlicht.
Die ITG hat dem BfR nochmals angeboten, die für das Risikobewertungsverfahren relevanten Fragen an die Betoffenen und deren Ärzte weiter zu leiten.
Prof. Mersch-Sundermann hat mit seinem Team eine hervorragende richtungsweisende Arbeit geleistet. Die ITG hat sich bemüht die Arbeit nach Kräften zu unterstützen. Es ist bedauerlich, dass die Industrie bisher keinen aktiven Beitrag zur Aufklärung der von ihr verursachten Emissionen und Wirkungen geleistet hat. Die ITG hat auch dem Bitkom Gespräche zur Lösung der Problematik angeboten.
Die ITG weist nochmals auf die dringend notwendige Aufklärung der Bevölkerung über Risiken und mögliche Schutzmaßnahmen hin. Es müssen umgehend Filtertechniken entwickelt und weitere Forschungen initiiert werden. Die Bundestagsfraktion der Grünen hatte die Bundesregierung am 17.1.07 aufgefordert, unverzüglich tätig zu werden. Auch auf EU-Ebene haben die Grünen eine Anfrage an die Kommission eingereicht.
Kontakt:
ITG im BBU e.V.
Interessengemeinschaft Tonergeschädigter im Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz e.V.
Arbeitsgruppe Innenraumschadstoffe und Gesundheit
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