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Ist Feinstaub ein Dieselabgasprodukt?
Rainer Frentzel-Beyme Prof. Dr. med. Rainer Frentzel-Beyme
Tab. 1: Typische Konzentrationsbereiche von PM10 (µg/m_) im Jahr 2001 an deutschen Messstationen (nach FRENTZEL-BEYME 2005).
Tab. 2: Typische Konzentrationsbereiche von PM2.5 (µg/m_) im Jahr 2001 an deutschen Messstationen (nach FRENTZEL-BEYME 2005). Diese neuen Erkenntnisse zur Kinetik von Partikeln machen die unvernünftige Propaganda Behauptung, es handele sich hier um eine Hysterie besonders unglaubwürdig. Inzwischen sind viele Jahre ohne einschlägige Forschung in Deutschland verstrichen, lediglich einige Messungen in Ost und West geben Hinweise auf die Zunahme der Diesel-bedingten Feinstaubanstiege nach Einführung der wegen Spareffekten beliebten Pkw in die neuen Bundesländer. Prompt stiegen in Erfurt die Partikel mit Durchmessern unter 0,1 µm von 1991 graduell bis auf 60 % der Gesamtstaubmenge im Jahr 1999 an (WICHMANN et al. 2000). Wer will oder kann beweisen, dass dieser Effekt (harte Daten aus Messwarten) nur aus Laserdruckern oder sonstigen viel unwahrscheinlicheren Quellen (Lufttransport aus Polen?) stammen soll? Die geschätzten Ziffern aufgrund von Untersuchungen von Künzli et al. (2000, 2001, 2004) und Lambrecht et al. (1999) sagen aus, dass etwa 6 % der Gesamtsterblichkeit (40.000 Todesfälle) durch Luftverschmutzung bedingt sind, davon die Hälfte auf Verkehrsemissionen zurückgeführt werden können, ebenso wie 25.000 Neuerkrankungen an chronischer Bronchitis bei Erwachsenen, mehr als 29.000 Bronchitisepisoden bei Kindern und rund 500.000 Asthmaattacken bei Kindern und Erwachsenen, was zu mehr als 16 Millionen Personentagen mit eingeschränkter Aktivität (also zwar keinen Todesfälle, aber krank und arbeitsunfähig sowie ohne Lebensqualität) pro Jahr führt. Inhalierbarer Schwebstaub der Größe bis 10µm (PM10) macht ein Drittel der Emissionen aus und hält sich 1-3 Tage im Körper bei gesunder Regulierung der Selbstreinigung unserer Lungen, der lungengängige Feinstaub mit Partikelgrößen unter 2,5 µm (PM2.5) dagegen macht bis zu 60 % aus und hält sich 30-3.000 Tage (über 7 Jahre) im Organismus, wo er zu Entzündungsreaktion durch körperliche Abwehr, aber auch zu direkten chemischentoxischen Wirkungen durch absorbierte Substanzen beitragen kann, aufgrund der Tatsache, dass die Partikel persistieren und durch Überwindung der alveolären Membranen der Lunge wie der Sauerstoff in den Kreislauf gelangen. Bei bereits vorgeschädigten Kranken, kann das zur Todesfolge führen (geschätzte 8.000 bis 17.000 pro Jahr), was die hohen Schätzwerte erklären hilft, die inzwischen aufgrund eines WHO Gesundheitsberichts kursieren (WHO 2002). Wie viele vorgeschädigte Kinder werden aber demnächst schon frühzeitig chronisch erkrankte Dauerpatienten mit um ein oder mehr Jahren verkürzter Lebenserwartung sein (bisher wird schon ein verlorenes Lebensjahr mit Anstieg der Partikelmengen um 25 mg/m_ angenommen). Die Zeit der Schuldzuweisungen oder Leugnung der Dringlichkeit mit dem zynischen Wort Hysterie sollte längst vorbei sein, was in der EU und teilweise auch in Bayern bereits verstanden wurde, wo Aktionen erfolgen sollen, nur in hinterwäldlerischen Regierungskreisen wegen kurzsichtiger Befürchtungen um Arbeitsplätze noch nicht. Krankheitskosten werden immer noch nicht als gefährliche Bürde in der Zukunft begriffen, was auch für den Bereich der Folgenabschätzung für Mobilfunk zutrifft, insbesondere für heranwachsende Generationen. Kein Diesel ohne Filter Ende 2002 startete der Aufruf der Deutschen Umwelthilfe Kein Diesel ohne Filter(siehe umg 1/2003, S. 5) mit Unterstützung u.a. vom Ökologischen Ärztebund. Auf Quellen des Feinstaubs in der modernen Bürosphäre machte Stelting ebenfalls auf dem bereits erwähnten Würzburger Kongress aufmerksam (STELTING 2003). Deutlich ist, dass die Herkunft von Feinstaub zwar mehrfacher Art sein kann, weshalb aber wegen der weiter oben ausgeführten Daten als Hauptquellen für die enorme Zunahme in den Jahren nach Einführung von Dieselmotoren für Pkw diese Entstehungsorte für Emissionen auch bevorzugt vermieden werden müssen. Die eindrucksvollsten Hinweise auf die Rolle des Straßenverkehrs ergeben sich aus Analysen der Messstationen und jährlichen Trends in städtischen versus ländlichen Gebieten (siehe Tabelle 1 und 2) und den Spitzenwerten, so dass die Einhaltung der Grenzwerte für die Hauptzeit des Jahres als Maßnahme der Prävention eine Mindestforderung sein muss. Die nach Lambrecht et al. (1999) angesetzte mittlere Immissionskonzentration durch Kfz-Abgase hat folgende gerundeten Modellparameter ergeben: - Derzeitige mittlere PM10-Konzentration in Deutschland: 25 µg/m_ PM10 - Derzeitige mittlere PM2.5 -Konzentration in Deutschland: 15 µg/m_ PM2.5 - Derzeitige mittlere PM2.5-Konzentration durch Diesel-Abgase i. D.: 3 µg/m_ PM2.5 Aus diesen Betrachtungen ergibt sich theoretisch ein Minderungspotential durch Partikelfilter in Dieselfahrzeugen von 3 µg/m_ PM2.5. Lambrecht et al. (1999, Tab. 11, S. 34) haben Szenarien untersucht, nach denen das reale Einsparspotential bei der Partikelkonzentration (Ruß) durch Partikelfilter bei 92-95 % des maximalen Potentials liegt. Daher wird vereinfachend mit einem Minderungspotential von 3 µg/m_ PM2.5 gerechnet (FRENTZEL-BEYME 2005). Bei Abnahme der Ölreserven in den zukünftigen Produktionsdekaden für Automobile sollte das gesundheitsschädliche Konzept ohnehin nicht mehr prioritär verfolgt werden. Nachweise FRENTZEL-BEYME, R. (2005): Die gesundheitliche Belastung durch Dieselabgase in der EU, Internistische Praxis (im Druck) GROSS, J. (2003): Luftverschmutzung durch Partikel. Ein Handlungsfeld für Public Health, umg 16(4): 214-244. GROSS, J. (2005): Luftverunreinigung durch Partikel. Ursachen und Prävention. Arzneim.-, Therapie-Kritik 37: 77-84 KÜNZLI, N. et al. (2000): Public health impact of outdoor and traffic related air pollution. Lancet 356: 795-801 KÜNZLI, N. et al. (2001): Assessment of deaths attributable to air pollution: should we use risk estimates based on time series or on cohort studies? Amer J Epidemiol 153: 1050-1055. KÜNZLI, N. et al. (2004): Association of subclinical atherosclerosis (carotid intima media thickness) with residential ambient PM2,5 in healthy adults. Epidemiology 15: 23 LAMBRECHT, U. et al. (1999): Immissionsnaher Risikovergleich von Diesel- und Ottoabgasen. Bericht im Auftrag des UBA, Berlin, 1999 STELTING, H. J. (2003): Krank durch Toner ? Informationen zur gesundheitsschädigenden Wirkung bestimmter Toner. Umwelt-Medizin-Gesellschaft, 16(4): 268-273. WHO (2002): World Health Report 2002 (www.who.int/whr/en) WICHMANN HE, SPIX C, TUCH T, WÖLKE G, PETERS A, HEINRICH J, KREYLING WG, HEYDER J (2000): Daily Mortality and Fine and Ultrafine Particles in Erfurt, Germany, Part I: Role of Particle Number and Particle Mass in HEI-Report. Cambridge, 98, 1-96. zurück zum Seitenanfang |
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