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10. Frankfurter Kolloquium Umwelt & Gesundheit
(17.-19.3.06, Frankfurt) Erik Petersen Auf dem vom Interdisziplinären Arbeitskreis Umwelt und Gesundheit (IAK) und dem Arbeitskreis Gesundheit des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) organisiertem Kolloquium trafen sich Umweltmediziner mit Betroffenen zu einem regen Austausch über das Thema "Die Ergebnisse der PISA-Studie: auch eine Folge neurotoxisch wirkender Schadstoffe in der kindlichen Umwelt?"
Bei der Bewertung der von Schulen oder ähnlichen Einrichtungen ausgehenden Gesundheitsgefahren für Kinder und Lehrer würden die zuständigen Behörden oftmals vollkommen fachfremde Prioritäten setzen, verdeutlichte Dagmar von Lojewski-Paschke (BBU) an Hand von konkreten Beispielen. In der Mehrzahl der Fälle würden sich Umwelt- und Gesundheitsbehörden keineswegs mit den zuständigen Fachfragen aufhalten, sondern machten sich zum Büttel der Ordnungs- und Finanzpolitik. Ruhe bewahren und Geld sparen sei offenbar die erste Bürgerpflicht und auch Pflicht der zuständigen Beamten, denen ansonsten mit Maulkörben und Disziplinarverfahren gedroht würde, sollten sie sich nicht an Weisungen halten, die vorgefertigte Ergebnisse verlangten. Dabei ist der Druck mittlerweile so hoch, dass es schon gar nicht mehr um Sanierungen geht, in einem Fall konnten Eltern nur per Gerichtsentscheid durchsetzen, dass ihr Kind wenigstens in eine unbelastete Schule wechseln konnte. Die Tagungsteilnehmer kritisierten übereinstimmend, dass wenn überhaupt, nur nach massiven Protesten von Schülern und Eltern saniert würde, es sei ganz offensichtlich, dass die Gesundheit der Kinder und Lehrer keine Priorität habe. Allerdings müsse auch gesehen werden, dass selbst Schulneubauten belastet sein können: mit hormonell wirksamen Weichmachern (PVC-Fußböden!), bromierten Flammschutzmittel (Computer), Lösemitteln (Farbe) und Schimmelpilzen (insbes. bei Flachdächern).
Dass die Ergebnisse der PISA-Studie zumindest zum Teil auch in der hohen Schadstoffbelastung deutscher Schüler eine Ursache haben, darin waren sich die versammelten Experten einig. Auch die unstrittige Zunahme von Allergien, Konzentrationsmängeln und Lernstörungen sollten unter diesem Gesichtspunkt betrachtet werden, meinte Frank Bartram von der Interdisziplinären Gesellschaft für Umweltmedizin (IGUMED). Er stellte an Hand von Untersuchungen aus seiner Praxis fest, dass Biozide, Schimmelpilze, Amalgam, Lösemittel und Formaldehyd immer noch die Schwergewichte unter der Belastung der Bevölkerung seien und dass es sich in mindestens der Hälfte der Fälle um Mischexpositionen handeln würde.
In einem vielbeachteten Vortrag zum aktuellen Stand der PCB-Problematik stellte der Kieler Toxikologe Hermann Kruse fest, dass aufgrund der hohen Hintergrundbelastung der Bevölkerung die bisher als sicher geltenden Grenzwerte angepasst werden müssten. Neueste Forschungen hätten die gerade noch tolerierbare Zufuhr auf 1 µg/Person Tag festgelegt. Aus der Zufuhr über die Nahrung würden sich jedoch bereits Mengen von 2,1-5,6 µg/Person Tag ableiten lassen. Für die Raumluft müsse demnach nach dem Minimierungsgebot ein Vorsorgewert von 100 ng/m3 (heute: 300 ng/m3) eingeführt werden.
Einen Überblick über die neue pädiatrische Morbidität gab der Kinderarzt Jürgen Bilger (Ökologischer Ärztebund). Die Zeit der klassischen Kinderkrankheiten in einer Zeit des Mangels sei zumindest in den Industrieländern vorbei (1900-1955). Auch die Phase der neuen Kinderkrankheiten v.a. psycho-soziale Dysfunktionen wie ADHS u.ä. werde abgelöst durch eine Zeit jenseits neuer Kinderkrankheiten, v.a. soziale Verwerfungen, politischer Verdruss und neuen Epidemien wie AIDS, Gewalt, Drogen.
Weitere Referate hielten Dr. med. Peter Germann (IGUMED) über "Umweltgeschädigte Patienten in der Hausarzt-Praxis", Carolin Zerger (BUND) zu "Schadstoffe im Alltag und aktuelle Lösungsansätze aus der Politik", Prof. Dr. Wolfgang Huber (dbu) zu "Innenraumschadstoffe - Schäden im Immun- und Nervensystem" und Prof. Dr. Rainer Frentzel-Beyme (IGUMED) über "Aktuelle Forschungsergebnisse zu Kindergesundheit und Umwelt".
Fazit
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