Zusammenfassung
Es ist die Aufgabe des verantwortungsbewusst tätigen Zahnarztes, im Vorfeld einer Behandlung die für jeden Patienten individuell optimale Lösung des Zahnersatzes auszuwählen und dabei eventuell bereits bestehende Sensibilisierungen oder Entzündungsprozesse zu berücksichtigen. Nach Einbringung von Zahnersatz sollten bei auftretenden Beschwerden allergische und entzündliche Reaktionen als mögliche Ursache erwogen und entsprechende Laboruntersuchungen veranlasst werden.
Die rasante Entwicklung der Dentalersatzstoffe, die Implantologie aber auch die Erweiterung des Wissens über immuntoxikologische Phänomene und die erkannte Bedeutung systemischer Entzündungsreaktionen hat die Labordiagnostik für die Zahnmedizin in den letzten Jahren umfassend erweitert. Für einige Fragestellungen ist der Lymphozytentransformationstest (LTT) in seiner Standardausführung an Grenzen gestoßen, z.B. bei der Titanunverträglichkeit. Auch für den Nachweis vieler komplexer Ersatzstoffe einschließlich der Acrylate mussten Standardprotokolle des LTT individuell modifiziert werden. Sensibilisierungen auf organische Abbauprodukte wie Mercaptane und Thioether sind auf Grund ihres körpereigenen Ursprungs mit dem LTT gar nicht nachweisbar.
Weit mehr als früher sieht man heute zahnmedizinische Problematiken im Zusammenhang mit bestehenden systemischen Entzündungserkrankungen. Bekannte Grunderkrankungen müssen auch bei der Auswahl der Labordiagnostik berücksichtigt werden. Häufig führt erst die Kombination allergologischer, immunologischer, toxikologischer und molekularbiologischer Testmethoden zum Ziel.
umwelt medizin gesellschaft 20(2): 99-105
Autor: Dr. med. Volker von Baehr, Institut für Medizinische Diagnostik, Nicolaistraße 22, 12247 Berlin-Steglitz, Phone: +49-30-77001-220, Fax: +49-30-77001-236, mailto:v.baehr@IMD-Berlin.de, http://www.IMD-Berlin.de