Zusammenfassung
Die äußeren Grenzflächen eines Organismus (vor allem die Schleimhaut) wurden in der Vergangenheit eher als ein Hindernis in der Arzneimitteltherapie gesehen, als ein Ansatzpunkt für eine weiterreichende Therapie. Die äußeren Grenzen der inneren Organe sind stets von einem Epithelgewebe als Abgrenzung umgeben. Im Bereich der oberen Atemwege, des Urogenitalsystems und des Darmes finden sich zudem darauf ausgeprägte Mikrobiota mit unterschiedlicher Zusammensetzung.
Diese physiologische Besiedlung hat jedoch erheblichen Einfluss auf die morphologische Gestalt und die physiologische Funktion dieser Grenzgewebe. Ein enger Zusammenhang zwischen physiologischer Flora (Mikrobiota) und dem Immunsystem im Darm ist seit längerem nachgewiesen. Mikrobiologische Arzneimittel wirken dabei unmittelbar auf die verschiedenen Ebenen des Immunsystems wie Mastzellen, B-Zellen oder die zelluläre Abwehr. Ihr Anwendungsbereich erstreckt sich dabei auf alle Organsysteme mit einer Schleimhautauskleidung; von der Mundhöhle über Atemwege zu Verdauungs- und Urogenitalsystem.
Zahlreiche naturheilkundliche Vorstellungen über die Regulationsvorgänge finden in den neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen eine Bestätigung. Wenn auch die älteren Erklärungsmodelle sich als nicht haltbar erweisen, so belegen die neuen Daten jedoch einen Zusammenhang von medizinischer Intervention und physiologischer Reaktion. Dies wird am Beispiel der Probiotika in der vorliegenden Arbeit gezeigt.
umwelt medizin gesellschaft 21(2): 121-124
Autor: Dr. Uwe Peters, Institut für Mikroökologie, Auf den Lüppen 8, 35767 Herborn, Tel.: 02772/ 981-0, Fax: 0272/ 981-151, uwe.peters@mikrooek.de