Medienmissbrauch bei Kindern und Jugendlichen
Andreas van Egmond-Fröhlich, Thomas Mößle, Sabine Ahrens-Eipper, Gerhard Schmid-Ott, Rolf Hüllinghorst und Petra Warschburger
Zusammenfassung
PKinder und Jugendliche verbringen genauso viel Zeit mit passiven und interaktiven Bildschirm-Medien (Fernsehen, Bildschirmspielen und Online-Kommunikation) wie in der Schule. Die mit Bildschirmmedien verbrachte Zeit nimmt laufend zu.
Neben dem unbestreitbaren Nutzen der neuen Medien, auch im Gesundheitswesen, sind eine Vielzahl von somatischen und psychosozialen Störungen und Erkrankungen mit dem Medienkonsum assoziiert. Fernsehkonsum im Kleinkindalter, exzessiver Medienkonsum und dessen Gewaltgehalt sind signifikant mit ungünstiger Sprachentwicklung und Schulleistung korreliert.
Mangelnde soziale Kompetenz ist ein Risikofaktor für die Realitätsflucht in Computerspiele und Internet, doch die dort gemachten positiven Erfahrungen lassen sich in der Regel nicht in der sozialen Realität anwenden. Für das Übergewicht, orthopädische Beschwerden und aggressives Verhalten ist ein kausaler Zusammenhang mit Medienkonsum empirisch belegt. Das Risiko für Medienmissbrauch und sucht ist bei bildungsfernen Kindern und Eltern besonders hoch.
Präventionsmaßnahmen können wirksam in der Schule ansetzen, aber auch den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten kommt eine zunehmende Bedeutung zu: Sie sollten die Eltern über die Risiken des Medienmissbrauches bei Kindern und Jugendlichen und über medienkompetentes Verhalten informieren.
Interventionen bei Medienmissbrauch sind auch in der Behandlung und Rehabilitation von Folgeerkrankungen wie der Adipositas erforderlich. Zusätzliche verhältnispräventive Maßnahmen durch die Gesellschaft sind kurzfristig erforderlich, um kostspielige Fehlentwicklungen mit erheblichen Sofort- und Spätwirkungen einzudämmen.
umwelt medizin gesellschaft 21(2): 104-111
Autoren: Dr. Dipl.-Psych. Thomas Mößle, Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen, Hannover; Dr. Dipl.-Psych. Sabine Ahrens-Eipper, Praxis für Psychotherapie, Halle (Saale); Prof. Dr. med. Gerhard Schmid-Ott, Abteilung Psychosomatik, Berolina Klinik Löhne/Bad Oeynhausen und Abteilung Psychosomatik und Psychotherapie, Medizinische Hochschule Hannover; Dipl. Soz. Päd. Rolf Hüllinghorst, Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V., Hamm; Prof. Dr. Petra Warschburger, Institut für Psychologie, Beratungspsychologie der Universität Potsdam; Korrespondenz: Dr. A. van Egmond-Fröhlich, Kinder-Reha-Klinik Am Nicolausholz, Elly-Kutscher-Str. 16, 06628 Bad Kösen, E-Mail: A.vanEgmond-Froehlich@uglielje.de, www.kinderrehaklinik.de