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Zusammenfassung
Am 13. Februar 2001 erhielt die Kommission der EU das White Paper on a Strategy for a Future Chemicals Policy, das durch den besonderen Einsatz der Kommissarin Margot Wallström ausgearbeitet worden war. Es wurde darin die Deklaration von Rio in verantwortliches politisches Handeln umgesetzt mit dem Ziel, den Schutz von Verbrauchern und dem Ökosytem gegenüber den bisherigen Gepflogenheiten zu verbessern. Ein Prozess der Meinungsbildung setzte ein, der zu einer Optimierung der Vorlage führen sollte. Anfänglich stand die Chemische Industrie dem völlig ablehnend gegenüber. Sie erkannte aber schnell, dass dieses Vorhaben nicht grundsätzlich zu verhindern war. Also schuf man Organisationsstrukturen wie die cefic (European Chemical Industry Council), um durch verstärkte Lobbyarbeit die weitere Entwicklung gestalten zu können. So gelang es der Chemischen Industrie, die notwendige Diskussion zu inhaltlichen Gesichtspunkten in kurzer Zeit zu einer reinen Kostendebatte werden zu lassen.
Es ist Aufgabe der Ärzteschaft Deutschlands, dem Land der größten Produktion von Chemikalien in Europa und der führenden Hersteller von Chemikalien weltweit, die Diskussion auf eine sachliche Ebene zurückzuführen. Vor allem ist es die Pflicht, die aus ärztlicher Sicht notwendigen Inhalte und Positionen klar darzustellen und sich für deren Umsetzung unabhängig von der Chemischen Industrie oder den beteiligten Administrationen einzusetzen. Die Optimierung des Verbraucherschutz ist ein wesentliches Element der Prävention und damit der Verminderung von Krankheit und der Senkung von Kosten im Gesundheitswesen.
Die Bundesärztekammer (BÄ) war erst durch die Zusendung des nachfolgenden Papiers auf die gesamte Thematik aufmerksam gemacht worden. Eine eigenständige umfassende ärztliche Stellungnahme lag bis zur Drucklegung dieses Beitrags nicht vor. So wundert es nicht, dass auch bei der Anhörung im Europäischen Parlament in Brüssel kein offizieller Vertreter oder gar Redner dieser Standesorganisation anwesend war. Die beiden Autoren haben versucht, den Blick auf die ärztlichen Belange und die bessere Sicherung der Unabhängigkeit der medizinischen Forschung zu lenken. Eine rasch einsetzende breite Diskussion und eindeutige Positionierung ist in der deutschen Ärzteschaft dringend geboten, wenn sie nicht eine einmalige Chance der Mitgestaltung auslassen will. Sie muss sich dieser Verantwortung im Dienst ihrer Patienten aber auch der gesamten Gesellschaft stellen.
umwelt-medizin-gesellschaft 18 (3): 181-185
Autoren: Dr. med. Kurt E. Müller*, Dr. med. Peter Ohnsorge**, *Vorsitzender und **geschäftsführender Vorstand der European Academy for Environmental Medicine (EUROPEAM) und des Deutschen Berufsverbandes der Umweltmediziner (dbu).
Korrespondenzanschrift: Dr. med. Kurt E. Müller, Scherrwiesenweg 16, 88316 Isny
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