Zusammenfassung
In Deutschland sind zwischen 1980 bis 2002 18.652 Babys am plötzlichen Säuglingstod gestorben. Im Jahre 2002 waren es 367 Fälle, im Vergleich dazu verstarben 287 Kinder bis zum 15. Lebensjahr an Krebserkrankungen (19 im ersten Lebensjahr) sowie 111 infolge von tödlichen Schul- und Wegeunfällen. Der plötzliche Säuglingstod ist damit weiterhin die häufigste Todesursache im Kindesalter jenseits der Neugeborenenperiode. Die Häufigkeit des plötzlichen Säuglingstodes ist in Deutschland seit 1991 um 67% von 1,55/1000 Lebendgeburten auf 0,51/1000 zurückgegangen. Etwa 6.300 Kinder verdanken ihr Leben den seit 1991 in Deutschland anlaufenden Präventionskampagnen (483 Babys pro Jahr bzw. 9 Babys pro Woche bzw. 37 Babys pro Monat). Ausgehend von der niederländischen Häufigkeitsziffer für das Jahr 2002 von 0,11/1000 und den im Regierungsbezirk Dresden in mehreren Jahrgängen mehrfach erreichten Ziffern von 0,08/1000 erscheint es als realistisch, dass die Häufigkeit des plötzlichen Säuglingstodes in Deutschland um weitere 288 bis 309 Todesfälle vermindert werden kann. Das aktuelle Ziel sollte deshalb sein, ca. 300 Babys pro Jahr bzw. 23 Babys pro Woche vor dem plötzlichen Säuglingstod zu bewahren.
Bereits bei der SID-Definition wird deutlich, dass weitere systematische Anstrengungen erforderlich sind, um Notärzte, betroffene Eltern, Polizisten, Staatsanwälte und Politiker in aktuelle Diskussionen, Schulungen, Leitlinien und Dienstanweisungen einzubeziehen, um die Obduktionsrate wesentlich zu erhöhen. Die Vermittlung des vorhandenen Kenntnisstandes an heterogene und sich ständig neu regenerierende Zielgruppen bleibt eine weitere kurz-, mittel- und langfristige Aufgabe. Die zielgruppenspezifische Ansprache und Motivation ist wesentlich zu verbessern, um wirklich möglichst viele Menschen zu erreichen.
umwelt-medizin-gesellschaft 18 (3): 217-224
Autor:
Prof. Dr. med. Ekkehart Paditz, Vorsitzender Babyhilfe Deutschland e.V.
Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der Technischen Universität Dresden
Fetscherstr. 74, D-01307 Dresden
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