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Volker Remmers
Volker Remmers

Nachruf

Volker Remmers hat sich als Kritiker des Umgangs der Schulmedizin mit der Problematik umweltbedingter Krankheiten 1998 in "Arzt und Umwelt" geäußert, wobei ihm Erfahrungen aufgrund seiner neurologischen Praxis erlaubten, die prinzipiellen Lücken in den Kenntnissen der meisten Ärzte aufzuzeigen. Er zweifelte nicht daran, dass ein Praktiker das Recht hat, angesichts des alarmierend schlechten Kenntnisstandes auf die Missstände hinzuweisen. Angesichts eines "Cocktails" neurotoxischer Umweltchemikalien mit zumeist noch unbekannten Langzeiteffekten trotz bekannter kurzzeitiger Wirkprinzipien war seine Kritik an der praktischen Schulmedizin zeitgemäß und ist bedauerlicherweise auch nach fast 10 Jahren immer noch hochaktuell.
Der Neurologe scheute sich nicht, das mildere Urteil über die Qualität der Auseinandersetzungen als von Unverständnis geprägt durch den Begriff "selbstherrlicher Umgang mit der Problematik und aggressiv verpackte eigene Unsicherheit" so zu verstärken, dass dieses häufig praktizierte Verhalten - "möglicherweise selbst durch aggressionsfördernde Umwelteinflüsse gefördert" (wie wahr und weise!) - angesichts der weltweiten Schadstoffproduktion nur noch als anachronistisch zu bezeichnen ist.
Nach Erörterung der "Unmöglichkeit der toxikologischen Prüfung" beim Menschen und Darlegung der Überforderung der Schulmedizin führte er anhand der typischen neurotoxischen Symptome aus, wie in einem Land wie Deutschland ein derartig unübersehbarerer und kaum noch zu ordnender Filz entstehen konnte, der von Richtern im Begriff "Mindermeinung" gipfelt, wenn von den verabredeten Mustern abgewichen wird. So nahm Kollege Remmers die Revision des Merkblattes für die BK 1317 praktisch um Jahre voraus, als ob ihm nicht genügend Zeit verbleiben würde, sollten die Missstände noch länger bestehen bleiben. Hing das mit einer Vorahnung zusammen, das Schicksal des frühen Todes zu erleiden?
Sein Vermächtnis wird bleiben, dass er sich auch über "Chancen einer lebendigen Schulmedizin" voller Hoffnung äußerte, als ob sich das Leben dort fortsetzen könnte, wenn die Botschaft vernommen würde, dass auch in der Kausalitätsforschung und Prävention die längst fälligen Fortschritte erstrebenswert erschienen, die in der Therapie inzwischen allenthalben zu sehen sind. Hierzu gehörte aber ein Umdenken zum Selbstverständnis der Umweltmedizin als nicht nur bestehende Zustände bewahrende und Schäden reparierende Disziplin, sondern als Vorreiter der Verhütung von Langzeitfolgen beruflicher und exogener Einwirkungen. Bedauerlich, dass dieser mutige Arzt und Fachexperte viel u früh von uns gehen musste und wieder eine Lücke in der fürsorglichen Versorgung vieler Betroffener entstanden ist, ohne dass gleichwertiger Ersatz sofort zu finden sein wird. Das Gedenken an Volker Remmers soll uns an die Aufgaben erinnern, die eigentlich jeder Arzt und Umweltschützer hat.

Prof. Dr. med. Rainer Frentzel-Beyme

REMMERS, V (1998): Über den Stellenwert der Schulmedizin in der zunehmenden Umweltproblematik, Vortrag auf dem 2. Kolloquium Ökotoxikologie und Umweltmedizin, Frankfurt/M, 8./9.3.1997, Arzt und Umwelt 11: 225-229.