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Tensidhaltige Totalherbizide in der Landwirtschaft

Oft werden die in der Landwirtschaft eingesetzten Spritzmittel in ihrer Toxizität über einen Kamm geschoren. Als am bedenklichsten gelten Fungi- und Insektizide. Doch sind offenbar die glyphosathaltigen Totalherbizide für viele Menschen und Tiere ganz besonders belastend, weil sie bei Menschen zu Atemwegs- und Kreislaufproblemen und z.B. bei Hunden nach Spaziergängen im Wingert oder am Feldrand zu krampfartigen "epileptischen" Anfallen geführt haben. Die am häufigsten eingesetzten Totalherbizide dieser Art sind die "Roundup"-Produkte des US-Herstellers Monsanto. Im Gegensatz zu dem alten "Roundup" bis 1995 sind den neueren Mitteln hochmoderne lungen- und zellgängige Tenside zugesetzt, die durch Aerosolbildung sehr weitreichende Abdriftprobleme nach sich ziehen.

Unbrauchbare Abdriftversuche
Als ich mich in Rheinhessen nach Abdriftversuchen erkundigte, beruhigte man mich, dass dies schon alles geschehen sei und dass ich aufgrund der positiven Ergebnisse beruhigt sein könne. Auf meine Frage, ob die Versuche mit "Roundup Ultra" oder "Roundup UltraMax" durchgeführt worden seien, erfuhr ich von dem für Rheinhessen zuständigen Herrn, dass es verboten sei, die Versuche mit den Mitteln selbst zu machen, da dies zu giftig und gefährlich sei. Man nähme vielmehr "vergleichbare wässrige Lösungen"!
Ob denn in diesen wässrigen Lösungen die neuen Tenside enthalten wären? "Nein, natürlich nicht", denn die sind seines Wissens nur dem Hersteller und der Zulassungsbehörde in Braunschweig bekannt und unterliegen der patentrechtlichen Geheimhaltung! Wenn aber die Abdriftversuche ohne die neuen Tenside gemacht werden, können sie die Problematik, um die es geht, gar nicht abbilden. Deshalb müssen endlich brauchbare Abdriftversuchen mit den Originalprodukten "Roundup Ultra" und "Roundup UltraMax" durchgeführt werden!

Artenschwund und Waldsterben
Da die behandelten landwirtschaftlichen Flächen meist nah an Wäldern liegen, muss auch untersucht werden, ob die Schädigung der Wälder in Deutschland sowie der dramatische Artenschwund in Flora und Fauna insgesamt nicht mit dem Einsatz dieser Totalherbizide a la Vietnam zusammenhängen. Auch im Hinblick auf das zur Zeit vieldiskutierte Bienensterben muss die Beteiligung der Totalherbizide geklärt werden.

Abdriftfolgen
Für Regionen, in denen sowohl Wein- als auch Ackerbau betrieben wird, besteht das besondere Problem, dass die Abdrift von der letzten Wingert-Spritzung (ca. Juli/August) auf die benachbarten Getreidefelder gelangt, kurz bevor diese abgeerntet werden. Das geerntete Getreide dürfte demnach erheblich herbizidbelastet sein. Wenn dann später Ende August/September - meist zur Zeit der Wingertshut - auf den abgeernteten Äckern erneut gegen Unkraut gespritzt wird, gelangt die Abdrift auf den Wein, kurz bevor er geerntet wird. Ein solcher Wein dürfte ebenfalls belastet sein oder zumindest Geschmackseinbußen erleiden. Außerdem dürfte der Weinstock geschädigt werden.
In der Tat lässt sich beobachten, dass benachbarte Wingerte oder auch Obstplantagen frühzeitig ihr Laub abwerfen.
In beiden Fällen werden durch die Nichtbeachtung der Abdrift die Spritzfristen im Hinblick auf den Erntezeitpunkt verletzt. Die Abdrift kann sich ohne jeden Schutz weit verteilen. Mittel wie "Roundup Ultra" und "Roundup UltraMax" mögen für Regionen in den USA geeignet sein, in denen großflächig Monokulturen angebaut werden. Auf dem rheinhessischen Flickenteppich z.B. mit seinem Wein und Getreide, seinen Rüben, Sonnenblumen und Erdbeeren, dem Spargel und dem Obst kann diese Technologie nur zu schweren Schäden führen. Und diese zahlt vor allem der Winzer, wenn er - statt zu ernten und zu verkaufen - seinen Wingert neu anlegen muss.

Ausblick
Winzer und Landwirte sitzen hier in einem Boot. Es geht darum, gemeinsam dafür zu sorgen, dass die Zulassung der Monsanto-Herbizide im Hinblick auf Abdriftverhalten und gesundheitliche Unbedenklichkeit überprüft wird. Auch wäre zu überlegen, welche anderen Herbizide möglicherweise mit geringerem Risiko verwendet werden können, in Frage käme hier z.B. "Basta", das statt auf der Basis von Tensiden auf der Basis von Photosynthese wirken und keine mit den "Roundup"-Produkten vergleichbare Abdriftfolgen hätte.

Seit neuestem wird für ein Mittel geworben, das "bis tief in die Fasern der Pflanze hinein" dafür sorgen soll, dass Rosen nicht von Blattläusen befallen werden. Es ist vom Wortlaut her zu befürchten, dass sich der Einsatz von Nano-Tensiden in der Landwirtschaft nicht länger auf den Bereich der Totalherbizide beschränkt, sondern jetzt auch die Insektizide betrifft. Von der Logik her dürften die neuesten Fungizide dann ebenfalls auf der Basis der Nano-Tenside wirken.

(Quelle: Presseinformation vom 22.4.2007)

Kontakt:
Marion Hahn
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