Während der Verband der Betriebs- und Werksärzte (VDBW) vor Panikmache warnt und feststellt, das Gesundheitsgefahren durch Druckertoner wissenschaftlich nicht nachweisbar seien, bekräftigt die Interessengemeinschaft Tonergeschädigter (ITG) ihre Ansicht, dass Toner massive Gesundheitsstörungen hervorrufen.
ITG: Schädigungen sind Fakt
ADen Feststellungen des VDBW entgegnet die ITG , dass es Fakt ist, dass es seit über 20 Jahren Hinweise auf Schädigungen von Menschen durch Toner gibt und dass seit über 15 Jahren internationale Humanstudien wissenschaftlich belastbare Hinweise für irritative und sogar gentoxische Wirkungen durch Toner liefern (Zusammenstellung siehe Umweltmed Forsch Prax 2006; 11(5): 269ff.). Endgültige wissenschaftliche Beweise für die immer behauptete Ungefährlichkeit gibt es ebenso wenig, wie für die Gefährlichkeit, da es an geeigneten Großstudien fehlt. Dies ist ein schweres Versäumnis der Berufsgenossenschaften und Behörden. Erst auf Initiative der ITG und mit politischem Druck wurde eine Tonerstudie durch die Bundesbehörden in Auftrag gegeben. Die Universität Gießen hat erstmals die Emissionen von 63 Laserdruckern, sowie auch die Gesundheit der 69 Bürobeschäftigten in vier deutschen Städten unter realen Bedingungen untersucht. Es wurden höchst unterschiedliche und z.T. erhebliche Emissionen v.a. im Bereich feiner und ultrafeiner Stäube, sowie ein spezifisches Krankheitsbild von Reizungen der Atemwege, der Augen, der Haut und Kopfschmerzen festgestellt. Dies entspricht dem Sick-Building-Syndrom (SBS) unter dem weltweit Millionen Menschen leiden, wobei die Ursachen oft unklar sind. Eine aktuelle englische Studie zum SBS an 342 finnischen Bürobeschäftigten bestätigt, dass Drucker und bedruckte Papiere für die Beschwerden verantwortlich sind (JAAKOOLA et al: Office work exposures and respiratory and sick building syndrome symptoms, Occup Environ Med. 64(6): 428, 2007). Die toxische und krebserregende Wirkung von Feinstäuben, Ultrafeinstäuben und NP ist wissenschaftlich hinreichend belegt.
Neue Forschungsergebnisse
So wiesen spanische Forscher bei einer Sekretärin nach, dass die Schädigung der Stimme und Atemwege durch Tonerstaub verursacht wird (MUNOZ et al.: Occupational vocal cord dysfunction due to exposure to wood dust and xerographic toner, http://www.galenicom.com/en/medline/article/17460804/
Occupational+vocal+cord+dysfunction+due+to+exposure+
to+wood+dust+and+xerographic+toner).
Schon 2003 hatten polnische Wissenschaftler bei einer Schulsekretärin nachgewiesen, dass die asthmatischen Atemwegsbeschwerden durch den Toner ihres Kopierers ausgelöst wurden (WITTCZAK, T et al.: Occupational asthma and allergic rhinitis due to xerographic toner, Allergy. 58(9): 957, 2003).
Anfang August hatte eine australische Studie weltweit für Aufregung gesorgt. 40 % der untersuchten Laserdrucker, emittierten gefährliche ultrafeine Stäube. 17 Geräte, darunter 16 Laserjets des Marktführers Hewlett-Packard, hatten sehr hohe Emissionen, die im Spitzenbereich Zigarettenrauch entsprachen.
Analysen der letzten Jahre zeigen immer wieder, dass die Schadstoffbelastungen der Toner, die zum Großteil aus China kommen, von Hersteller zu Hersteller, ja sogar von Produkt zu Produkt erheblich differieren. Der Verbraucher erhält darüber keine Informationen.
Schon 1992 hatten skandinavische Forscher (WOLKOFF P et al.) in einem Prüfkammertest festgestellt, dass die Testpersonen mit Reizungen der Atemwege, der Augen und der Haut, sowie Kopfschmerzen auf die Emissionen eines Laserdruckers und eines Kopiergerätes reagierten. Dies berichtete 1995 die US-Umweltbehörde und erklärte zugleich, dass von der Innenraumluft die größten Risiken für die nationale Gesundheit ausgehen.
Deutsche Tonerstudie
Der Bericht der deutschen Tonerstudie, die von der ITG im September 2004 initiiert und vom Institut für Innenraum- und Umwelttoxikologie der Universität Gießen durchgeführt worden war, liegt seit Ende Juli dem Bundesinstitut für Risikobewertung vor, wird aber nicht herausgegeben. Die Untersuchungen hatten insbesondere hohe Belastungen mit Feinstäuben und ein tonertypisches Beschwerdebild ergeben. Lungengängige Tonerpartikel wurden zudem als gefährliche Schwermetalle und flüchtige organische Verbindungen identifiziert. Weitere Ergebnisse sind unveröffentlicht.
Begleituntersuchungen zur Tonerstudie mit menschlichen Lungenzellen ergaben gentoxische Effekte. Gleichwohl verharmlost das BfR in der Erklärung vom 3.8.2007 in verantwortungsloser Weise weiterhin die Risiken durch Toner und verweist dabei abermals auf die wenigen Fälle von Vergiftungsmeldungen. Seit 2006 wurden dem Amt nur 4 Fälle gemeldet. Dieses Informationsdefizit ist zum Großteil selbstverschuldet, denn das Amt hat über fünf Jahre auf die gesetzlich vorgeschriebenen Sofortmeldungen durch die Berufsgenossenschaften verzichtet. Berufsgenossenschaften unterlaufen die gesetzliche Meldepflicht und leugnen gemeinsam mit der Druckerindustrie seit Jahren die Risiken durch Laserdrucker (vgl. Erklärung des Bitkom vom 3.8.2007). Die behauptete Ungefährlichkeit ist wissenschaftlich unhaltbar und allzu durchsichtig.
Weiteres Vorgehen
Das Bundesumweltministerium hat signalisiert, weitere von der ITG und der Uni Gießen vorgeschlagene Nachuntersuchungen zur Tonerstudie zu unterstützen, mit denen endlich die Wirkungen der Emissionen untersucht werden sollen. Die Druckerindustrie soll kurzfristig Vorschläge zur Emissionsminderung machen.
Die ITG hat Bundesminister Seehofer, der wiederholt angekündigt hat, gegen die Volksseuche Allergien zu Felde zu ziehen, um Unterstützung gebeten und ihn unter Hinweis auf das Informationsfreiheitsgesetz aufgefordert, den Bericht der Tonerstudie sofort frei zu geben. Die durch die Studie festgestellten Dreckschleudern müssen namhaft gemacht und von den Herstellern zurückgerufen werden.
Der Sprecher der ITG, Achim Stelting, erklärte: „Die Verdachtslage gegen Laserdrucker hat sich weiter erhärtet. Der ITG wurden über 1.600 Verdachtsfälle von Erkrankungen durch Toner gemeldet, darunter allein 150 Betroffene aus dem Bereich der Polizei. In weit über 100 Fällen liegen medizinische Beweise vor. Die für Toner typischen entzündlichen Erkrankungen der Atemwege, der Augen und der Haut nehmen dramatisch zu. Alles weist auf ein enormes Dunkelfeld. Es ist unverantwortlich die Atemluft von Millionen Menschen mit einem ungefilterten und kaum definierbaren Mix aus Giftstoffen, gefährlichen Feinstäuben und lungengängigen Partikeln zu belasten. Wer die Schädigung von Menschen in Kauf nimmt, handelt kriminell. Wir fordern die Behörden auf, jetzt mit aller Entschlossenheit gegen die Dreckschleudern vorzugehen, die Bevölkerung zu informieren und zu schützen. Klimaschutz ist dringend notwendig, auch in Innenräumen! Die ITG wird mit aller Entschlossenheit die Schädigungen von Menschen durch Toner weiter aufklären und gegen die verantwortungslose Belastung der Atemluft vorgehen.
Tonergeschädigte Polizisten haben hierzu eine "Soko Toner" gebildet. Auf einer "Tour gegen Toner" wird die ITG bundesweit von September bis November 2007 informieren.“
(Quellen: Krank-durch-Toner-ITG-Information v. 10.7.2007 und 31.8.2007; Pressemitteilung des Verbandes der Betriebs- und Werksärzte (VDBW) v. 9.7.2007)
Kontakt:
ITG im BBU e.V.
Interessengemeinschaft Tonergeschädigter im
Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz e.V.
Arbeitsgruppe Innenraumschadstoffe und Gesundheit
c/o H.-J.Stelting, Immenhorstweg 100, D-22395 Hamburg
Tel. +49 (0)40 67998110, Fax +49 (0)40 67998115
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