Zusammenfassung
Die Medizinmeteorologie, die sich als Wissenschaft bis auf Hippokrates (460-375 v. Chr.) zurückverfolgen lässt, befasst sich mit den Reaktionen des Organismus auf die täglichen Wettererscheinungen. Auf der Suche nach dem Auslösefaktor dieser allbekannten "Wetterfühligkeit" entstanden besonders in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg verschiedene Arbeitskreise aus Ärzten und Meteorologen, die mit Hilfe unterschiedlicher meteorologischer Analysen- bzw. Klassifikationsmethoden für das tägliche Wetter das zeitgleiche Verhalten von z.B. physiologischen Parametern, von biologischen oder medizinisch-klinischen Untersuchungskollektiven bis hin zum Unfallgeschehen oder dem Verhalten motorisierter Verkehrsteilnehmer verglichen haben. Insgesamt kann dieses Vorgehen als ein zeitlich und räumlich groß angelegter Blindversuch angesehen werden, der schließlich eine gut gesicherte und differenzierte Phänomenologie eines Wettereinflusses auf Physis und Psyche von Mensch und Tier ergab. Die Frage nach dem wesentlichen, d. h. kausal wirksamen, Wetterfaktor blieb dabei allerdings offen oder nur hypothetisch.
umwelt medizin gesellschaft 20(3): 212-218
Autor: Dipl. Met. Walter Sönning, Ichoring 8, 82057 Icking