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Chemische Sensibilisierung als Folge einer Exposition gegenüber Holzschutzmitteln

In einer kürzlich an der Universität Bremen fertiggestellten Magisterarbeit „Chemische Sensibilisierung als langfristige und anhaltende gesundheitliche Folge aufgrund einer Exposition gegenüber Holzschutzmitteln. Eine Untersuchung betroffener Teilnehmer/innen“ wurden Ergebnisse einer umfangreichen Analysen von Daten mitgeteilt, die aus einer Gruppe von knapp 200 Menschen stammen, die Mitte der sechziger bis Ende der achtziger Jahre neurotoxisch wirkenden Holzschutzmitteln in ihrem Wohnumfeld ausgesetzt waren.

Dieser Kohorte wurde ein Fragebogen zugeschickt, dessen zentralen Kern ein schon getesteter Fragebogen zur Bestimmung der chemischen Sensitivität bzw. multiplen chemischen Sensitivität war (Schnellinventur für Umweltfaktoren und erhöhte Sensitivität - SUS nach Miller & Mitzel). Ein weiterer wesentlicher Aspekt war die Expositionserfassung, um das Risiko an MCS zu erkranken, zumindest im Ansatz, bestimmen zu können. Die Anklageschrift zum Holzschutzmittelprozess aus dem Jahr 1989 lieferte diese Daten, die durch die Befragten teilweise spezifiziert wurden.
Fast die Hälfte (91 Personen) der Angeschriebenen antworteten mit einem ausgefüllten Fragebogen. Diese geringe Anzahl machte Analysen des Datenmaterials schwierig. Dennoch konnten vorzeigbare Ergebnisse erzielt werden.

Es konnte gezeigt werden, dass
- ein großer Teil der ehemals holzschutzmittelbelasteten Personen eine mittlere bis starke chemische Sensibilisierung davongetragen hatte, die langfristig erhalten bleibt;
- Geschlechter- und Altersunterschiede in der Stärke der chemischen Sensibilisierung existieren, da Frauen als auch ältere Teilnehmer/innen häufiger betroffen waren und höhere Intensitäten aufwiesen;
- die Untersuchungsteilnehmer/innen pentachlorphenol- und lindanhaltigen Holzschutzmitteln ausgesetzt waren;
- die Expositionszeit (unter Berücksichtigung der wöchentlichen Aufenthaltsdauer) der wichtigste Risikofaktor war an MCS zu erkrankten;
- psychische Probleme erst während oder nach der Exposition auftraten;
- die Anzahl von Personen mit Allergien nach der Exposition stark angestiegen waren;
- es in der Kohorte extrem wenige Raucher gab und das Bildungsniveau der Teilnehmer/innen relativ hoch war.

Für die öffentliche Gesundheit spielen die Ergebnisse, die in dieser Arbeit erzielt wurden eine wichtige Rolle, denn sie könnten dazu beitragen, das Wissen über Umwelterkrankungen zu erweitern und der Gruppe der Holzschutzmittelgeschädigten, die Anfang der achtziger Jahre eine Selbsthilfegruppe (IHG e.V.) gründeten, mittels den eigenen Erfahrungen ihrer Mitglieder und den quantitativ ermittelten Schlussfolgerungen, den benötigten Rückhalt bieten. Die akuten Beschwerden sind zwar lange vorbei, aber langfristige Einschränkungen und Beschwerden sind geblieben. In Zukunft wäre wünschenswert, dass die chemische Sensibilisierung sowie andere umweltbedingte Beschwerdebilder in der Bevölkerung intensiver untersucht werden. Dadurch könnten umwelterkrankte Personen spezifischer beurteilt werden und auch mit ihren Beschwerden bei Ärzten und ganz allgemein in der Gesellschaft ernster genommen werden, wie es die Schwere der Spätfolgen verdient.
Es bleibt zum Schluss zu hoffen, dass auf dem Gebiet der Multiplen Chemischen Sensitivität sowohl international, aber auch national weiter geforscht wird, da die Lücken im Wissen über Ursachen, Verlauf, Diagnosemöglichkeiten und Therapien nach wie vor sehr groß sind.

(Quelle: Chemische Sensibilisierung als langfristige und anhaltende gesundheitliche Folge aufgrund einer Exposition gegenüber Holzschutzmitteln. Eine Untersuchung betroffener Teilnehmer/innen. Magisterarbeit von Jürgen Giersberg, Studiengang Öffentliche Gesundheit (Universität Bremen), März 2005. Die Originalarbeit (ca. 90 Seiten) oder die Zusammenfassung (ca. 45 S.) können bei der IHG angefordert werden. Preis steht noch nicht fest.)

Kontakt:
IHG-Geschäftsstelle Bayern
Altstadt 105
84028 Landshut
Tel. und Fax: 0871/ 9 74 55 55
Mail: ihg@landshut.org

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