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Deutscher Umweltpreis 2005 vergeben

Die Träger des Deutschen Umweltpreises 2005 stehen fest: Der mit 500.000 Euro höchst dotierte Umweltpreis Europas geht an den Wissenschaftler, Ökologen und Umweltbildungsexperten Prof. Dr. Berndt Heydemann (Nieklitz, Mecklenburg-Vorpommern) und den Physiker, Forscher und Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg, Prof. Dr. Joachim Luther.
Heydemann erhält die Auszeichnung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) für seine wissenschaftlichen Leistungen im Naturschutz und als Pionier der Bionik. Luthers Engagements sei zu verdanken, dass Deutschland heute weltweit eine der führenden Nationen in der Sonnenenergienutzung sei. Mit dem Ehrenpreis für sein Lebenswerk wird der Kameramann, Regisseur, Produzent, Autor und Tierfilmer Professor Heinz Sielmann (Duderstadt) geehrt. Bundespräsident Horst Köhler zeichnete die Preisträger am 16. Oktober in Lübeck aus.

"Ob Naturschutz, Ökologie, Bionik oder Umweltbildung - für Prof. Heydemann sind diese Themen nie nur fachlich interessant, sondern von großem gesellschaftlichen Rang. Dabei geht es ihm nicht um Schreckensszenarien. Für ihn spielen Lösungsansätze die entscheidende Rolle." - Mit diesen Worten würdigte Dr. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU, Osnabrück), das Schaffen von Prof. Dr. Berndt Heydemann (75). Der gebürtige Kieler, erste Umweltminister von Schleswig-Holstein und emeritierte Professor ist - war u.a. vom Sachverständigenrat für Umweltfragen vorgeschlagen worden.

Heydemanns Arbeiten über die Salzwiesen des Wattenmeeres seien wesentlich für die Gründung von Nationalparks gewesen, so wie viele seiner Studien wichtige Anstöße für Naturschutzgebiete in Deutschland und international gegeben hätten, betonte Brickwedde. Als Wissenschaftler habe er geholfen, Bionik (Kunstwort, das sich aus "Biologie" und "Technik" zusammensetzt und damit zum Ausdruck bringt, wie für technische Anwendungen Prinzipien verwendet werden können, die aus der Biologie abgeleitet wurden.) und Ökotechnologie an der Universität Kiel zu etablieren, zu Ökosystemen des Bodens geforscht, den Bereich "Marine Ökologie und Ökotechnologie" aufgebaut und sich für das "Forschungs-Technologie-Zentrum Westküste (FTZ)" in Büsum eingesetzt. Als Präsident des Deutschen Bundes für Vogelschutz (DBV), dem heutigen Naturschutzbund NABU, habe er die Weiterentwicklung des Vereins zu einem Umweltverband mit breitem Aufgabenspektrum angestoßen.

Auch nach seiner Emeritierung habe Heydemann sein Engagement unermüdlich fortgesetzt. Sein jüngster Coup: das Ökotechnologie-Zentrum in Nieklitz (Mecklenburg-Vorpommern). Dessen Umweltinformations- und Bildungszentrum "Zukunftszentrum Mensch - Natur - Technik - Wissenschaft" (ZMTW) zeige originell und faszinierend Wissenschaft zum Anfassen. Auf rund 18 Hektar - das entspricht der Größe von 25 Fußballfeldern - ist ein Themenpark mit Wald, Wiesen und Äckern entstanden, der an etwa zwanzig Experimentier- und Forschungsfeldern darstellt, wie die Natur technische, sensorische, kommunikative und ästhetische Herausforderungen meistert. Nach dem Prinzip "von der Natur lernen" zeigen die Modelle die Potenziale der Bionik für Technik und Wirtschaft.

Getragen wird das Zentrum von der Nieklitzer Ökologie- und Ökotechnologie-Stiftung (NICOL), die Heydemann 1998 gründete. Ihm sei es gelungen, zahlreiche Kooperationspartner für eine langfristige Zusammenarbeit mit dem Zentrum zu gewinnen, darunter die Universitäten Kiel, Rostock, Lüneburg und Wismar; dort startet im beginnenden Wintersemester ein internationaler, englischsprachiger Master-Studiengang "Ökotechnologie", der mit dem ZMTW durchgeführt wird und auf Heydemanns Initiative zurückgehe. Die DBU investierte 2,7 Millionen Euro in das Zentrum.

Besonders Unternehmen und Existenzgründer hätten großes Interesse zu erfahren, wie sich die Ideen der Natur in Produkte und Konzepte umsetzen ließen. Inzwischen habe sich Heydemanns Zentrum deshalb zu einem Anziehungspunkt entwickelt - auch für Touristen. Um die Attraktivität der Küstenregion Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns zu stärken, ohne den Umweltschutz zu schwächen, kooperiere Heydemann mit dem Bundesverband Mittelständische Wirtschaft. So seien die "Natur-Kooperation Insel Rügen" und die Mustervereinbarung "Biosphärenreservat Schaalsee" entstanden, in die jeweils viele mittelständische Unternehmen aus Landwirtschaft, Tourismus, Gastronomie und örtlichem Handwerk eingebunden seien.

Brickwedde: "Eines steht bei Berndt Heydemann immer im Mittelpunkt: Die Zusammenführung verschiedener Wissenschafts-, Technik-, Natur- und Gesellschaftsbereiche zu einer ganzheitlichen Sicht der Beziehung von Mensch und Umwelt." Unter diesem Vorzeichen stünden auch die neusten Pläne des kreativen Vordenkers: Der Aufbau eines "Instituts für präventive und evolutive Nachhaltigkeitsforschung" auf dem Gelände des ZMTW.

"Professor Luther hat sich angesichts der feststehenden Endlichkeit von Gas, Kohle und Öl ganz dem zwingend notwendigen Wandel unserer Energiesysteme verschrieben. Wenn Deutschland heute weltweit eine der führenden Nationen in der Nutzung der Sonnenenergie ist, dann ist das seinem Wirken entscheidend zuzuschreiben." – umriss Brickwedde das Schaffen von Prof. Dr. Joachim Luther (64). Der gebürtige Hannoveraner, Physiker und vielfach ausgezeichneter Forscher ist Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg.

Prof. Luther habe in seiner 25-jährigen Tätigkeit in der Erforschung und Markteinführung solarer Energiesysteme Außerordentliches geleistet, so Brickwedde. Während seiner Professur an der Uni Oldenburg habe er die Energielabors aufgebaut und den Studiengang für erneuerbare Energien eingeführt. 1993 habe er das ISE übernommen und mit heute über 400 Mitarbeitern zum größten europäischen und einem der weltweit führenden Solarforschungsinstitute ausgebaut: mit Spitzenleistungen und Weltrekorden bei Wirkungsgraden von Solarzellen, neuen Material- und Systementwicklungen in der thermischen Wandlung und Speicherung von Energie sowie der Umsetzung neuer energiesparender Gebäudekonzepte.

ISE betreibt unter Luthers Leitung angewandte Forschung und Entwicklung mit dem Ziel, technische Voraussetzungen für eine wirkungsvolle und umweltfreundliche Energieversorgung sowohl in Industrieländern als auch in Schwellen- und Entwicklungsländern zu schaffen. Gemeinsam mit der Industrie arbeitet das Institut an einer weiteren Kostensenkung für Solarstrom durch dünnere Zellen mit höheren Wirkungsgraden, an einer netzunabhängigen Stromversorgung für ländliche Regionen, an verbesserten Mess- und Simulationsverfahren sowie an der Wasserstofftechnologie als Baustein einer künftigen, nachhaltigen Energiewirtschaft. Daneben liegt der Schwerpunkt auch auf energieeffizienten Gebäuden - Fenster, Fassaden oder Solarsysteme für Strom und Wärme, die nur noch ein Zehntel des Energieverbrauchs heutiger Gebäude benötigen.

Mit besonderem Geschick und weitreichender fachlicher Kompetenz sei es Luther gelungen, stets die Verbindung von erkenntnisorientierter Grundlagenforschung einerseits und industrienaher Entwicklung und praktischer Anwendung andererseits in einer überaus erfolgreichen Weise zu schaffen. Durch anwendungsnahe Forschung zusammen mit der deutschen Industrie hätten vielfältige Technologien solarer Energiesysteme wie z. B. Beschichtungstechnologie für thermische Solarabsorber, Technologien für Solarzellen, Wechselrichter für Photovoltaik-Systeme, Brennstoffzellen oder solare Kühlung erfolgreich am Markt eingeführt werden können. Bedenke man, dass zwei Milliarden Menschen in ländlichen Regionen keinen Zugang zum öffentlichen Stromnetz hätten, seien seine Initiativen zur Verbreitung solarer Energiesysteme vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern von herausragender Bedeutung.

Durch seine zahlreichen Funktionen und Mitgliedschaften in internationalen Gremien auf Forschungs- und politischer Ebene unterstütze Prof. Luther seit vielen Jahren entscheidend die internationale Vernetzung der Aktivitäten. Durch die Politikberatung trage er dazu bei, dass die Solarenergie zu einem wichtigen Standbein zukunftsorientierter Energieversorgung habe werden können. Luther verfüge über hohes internationales Renommee. Über sein Engagement bei der International Solar Energy Society hinaus engagierte und engagiert er sich in zahlreichen internationalen und nationalen Gremien. Von 2000 bis Ende 2004 beriet er die Bundesregierung als Mitglied des "Wissenschaftlichen Beirats Globale Umweltveränderungen". Von 1996 bis 1998 gehörte er der Arbeitsgruppe "Energieforschung des Wissenschaftsrats der Bundesrepublik Deutschland" an. 1997 bis 2002 war er Präsident der EUREC Agency, die 40 Forschungsinstitute aus allen Ländern der Europäischen Union (EU) zusammenschließt und Beraterstatus gegenüber der EU hat. Außerdem koordiniert Prof. Luther das Themenfeld Energie im Rahmen der Global Research Alliance, in der neun anwendungsorientierte Forschungseinrichtungen von internationaler Bedeutung kooperieren.

"Heinz Sielmann beherrscht eine seltene Kunst: Er schafft es, Menschen in den Bann der Natur zu ziehen und deren Schutz zu ihrem Anliegen zu machen. Seine Tierfilme sind lehrreich, aber nie belehrend - sie sind Werbefilme im besten Sinne für Tiere und Pflanzen. Heinz Sielmann hat die Natur in die Wohnzimmer gebracht." – hob Brickwedde mit Blick auf das Schaffen von Prof. Heinz Sielmann (88) hervor. Der vielfach ausgezeichnete Kameramann, Regisseur, Produzent, Autor und Tierfilmer wurde im Rahmen des Deutschen Umweltpreises 2005 mit dem "Ehrenpreis Lebensleistung" geehrt.

"Expeditionen ins Tierreich", "Herrscher des Urwalds", "Galapagos - Trauminseln im Pazifik" - die Tierfilme von Heinz Sielmann kenne noch heute jedes Kind, betonte Brickwedde. Sie seien weit über die Grenzen Deutschlands bekannt, wurden in 25 Sprachen synchronisiert und mit zahlreichen Filmpreisen ausgezeichnet. Sielmanns Kinofilme, Fernsehsendungen und Bücher hätten eines gemeinsam: Unterhaltsam und spannend erzählten sie von der Natur. Die Faszination, die von ihnen ausgehe, habe viel mit der Art zu tun, wie Sielmann erzähle: Seine Kamera gebe Einblicke in eine beeindruckende Welt, die - egal, wie fern sie sein mag, - mit einem Mal auf Augenhöhe erlebbar werde.

Sielmann gehörte zu den Ersten, die Tierdokumentationen im Fernsehen zeigten. Bis heute wurden mehr als 250 Folgen seiner "Expeditionen ins Tierreich" ausgestrahlt. Daneben drehte er Kinofilme, dreißig Unterrichtsfilme für Schulen und etwa hundert Dokumentationen für die Internationale Zoologische Film-Enzyklopädie des Instituts für den wissenschaftlichen Film (IWF) in Göttingen.
Brickwedde: "Besonders in den 60er und 70er Jahren gelang es ihm, Maßstäbe zu setzen. Er entwickelte neue Filmtechniken, dank derer er Aspekte des Verhaltens und der Biologie einheimischer und exotischer Wildtierarten filmen konnte, die zuvor noch nie dokumentiert worden waren." Später spürte Sielmann Tierfilme aus verschiedenen Ländern auf, um sie neben eigenen Produktionen in seinen Fernsehserien dem deutschsprachigen Publikum zu präsentieren.

In den vergangenen zehn Jahren trat Heinz Sielmann vor allem als Förderer des praktischen Naturschutzes in den Blickpunkt. 1994 gründete der damals 77jährige die Heinz Sielmann Stiftung. Ihr Ziel ist, Kinder und Jugendliche durch persönliche Erlebnisse an einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur heranzuführen. Dazu richtete Sielmann gemeinsam mit seiner Frau Inge das Natur-Erlebniszentrum auf Gut Herbigshagen bei Duderstadt (Niedersachsen) ein, das auch die Stiftung beheimatet. Das Zentrum bietet ein vielfältiges Programm für Kinder und Erwachsene. Insgesamt sind 48 verschiedene Seminare für Kindergärten, Grundschulen und Mittelstufen zu Themen wie Naturerleben, Fauna und Flora, Hof und Ernährung sowie Natur und Freizeit im Angebot, das im vergangenen Jahr knapp 15.000 Schülerinnen und Schüler nutzten. Zusätzlich zählte das Gut über 85.000 Tagesgäste.

Unter dem Leitsatz "Naturschutz als positive Lebensphilosophie" hat es sich die Stiftung außerdem zur Aufgabe gemacht, das Heinz-Sielmann-Archiv aufzubauen, die Öffentlichkeit für den Naturschutz zu sensibilisieren und letzte Natur-Refugien zu erhalten. Dazu kauft die Stiftung regelmäßig große, unzerschnittene Gebiete in Deutschland, um sie für den Naturschutz zu sichern. So erwarb sie mit den "Naturlandschaften Wanninchen" in Brandenburg über 3.000 Hektar - das entspricht etwa der Größe von 4.000 Fußballfeldern – einer Bergbaufolgelandschaft und gestaltete dort ein Naturparkzentrum. Ebenfalls in Brandenburg kaufte die Stiftung über tausend Hektar im Naturpark Dahme Heideseen sowie 3.400 Hektar eines alten Truppenübungsplatzes in der Döberitzer Heide. Kleinere Flächen schaffte sie auf dem ehemaligen innerdeutschen Grenzstreifen zwischen Niedersachsen und Thüringen an. In vielen der Gebiete wurden inzwischen Geschäftsstellen eingerichtet, die die Ziele der Stiftung durch Umweltbildung oder Öffentlichkeitsarbeit vor Ort umsetzen.

(Quelle: Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), Pressemitteilungen vom 5.10.2005, www.dbu.de)

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