Das Robert Koch-Institut hat erste Ergebnisse des bundesweiten Kinder- und Jugendsurveys - kurz KiGGS - vorgestellt. Die im Rahmen der Studie erhobenen Daten bieten einen breiten Überblick über den Gesundheitszustand der Kinder und Jugendlichen in Deutschland. Sie sind im internationalen Vergleich einmalig. Besonders für Umweltmediziner interessant dürften die Ergebnisse des Kinder-Umwelt_Survey (KUS) sein, eine von mehreren themenbezogenen Erhebungen.
Bei der Eröffnung sagte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit, Marion Caspers-Merk: "Mit dem Kinder- und Jugendsurvey hat das Robert Koch-Institut ein richtungsweisendes Erhebungskonzept entwickelt. Die vorliegenden Informationen ermöglichen es, nicht nur Aussagen darüber zu machen, was Kinder krank macht. Wir können mit diesen Daten auch besser verstehen, welche Einflüsse Gesundheit fördern und erhalten. Damit wird eine verlässliche Basis für Initiativen und Maßnahmen geschaffen, die auf die frühe und zielgerichtete Prävention von Störungen und Erkrankungen gerichtet sind."
Mit 17.641 Teilnehmern liefert die europaweit einmalige Studie erstmals ein umfassendes Bild von der Gesundheit der Heranwachsenden in Deutschland, das alle Altersstufen umfasst und auch Laborbefunde einschließt. Die Kinder und Jugendlichen im Alter von 0-17 Jahren wurden im Rahmen der seit Mai 2003 durchgeführten Studie medizinisch untersucht und Jugendliche ab 11 Jahren auch ärztlich befragt. Bei Kindern unter 11 Jahren erfolgte eine Befragung der Eltern. Darüber hinaus wurden zahlreiche Blut- und Urinproben ausgewertet. Im Mittelpunkt standen dabei die körperliche und seelische Gesundheit. Angaben zum gesundheitsbezogenen Verhalten, wie Ernährung, Bewegung, Drogen- und Alkoholkonsum sowie zum Impfstatus und Vorsorgeverhalten ermöglichten erstmals einen Rückschluss auf mögliche Erkrankungsursachen und deren Vorbeugung. Auch die Auswirkungen von Umwelteinflüssen wurden bewertet. Die dreijährige Untersuchungsphase der bundesweit repräsentativen Datenerhebung endete im Mai 2006.
Marion Caspers-Merk weiter: "Die vorliegenden Ergebnisse der KiGGS-Studie liefern uns erste Antworten zu vielen wichtigen Fragen. Zum Beispiel: Welche besonderen Lebensumstände ermöglichen es manchen Eltern, ihre Kinder zu den Vorsorgeuntersuchungen zu bringen, während andere fernbleiben. Wir erfahren, dass 15 % der Kinder im Alter zwischen 3 und 17 Jahren übergewichtig sind. Weitere 6 % leiden an Adipositas. Wobei Kinder aus sozial benachteiligten Schichten und Kinder mit Migrationshintergrund besonders betroffen sind. Wichtig sind in diesem Zusammenhang auch die Angaben zu Sport und Bewegung bei Kindern und Jugendlichen. Fast täglich spielen 77 % der Kinder im Freien und 52 % machen wenigstens einmal in der Woche Sport. Aber auch hier zeigt sich, dass Kinder aus Migrantenfamilien und den sozial schwächeren Schichten deutlich weniger sportlich aktiv sind. Wir werden diese Informationen nutzen, um mit unseren Maßnahmen im Bereich der Prävention noch gezielter anzusetzen."
Weitere Ergebnisse: Bei einer Rumpfbeuge erreichen 43 % aller 4- bis 17-Jährigen in Deutschland nicht das Fußsohlenniveau. 15 % der Kinder und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren sind übergewichtig. Unter einer allergischen Erkrankung leiden aktuell 16,7 % aller Kinder im Alter bis zu 17 Jahren. Bei 21,9 % aller 11- bis 17-Jährigen findet man Auffälligkeiten beim Essverhalten.
"Die KiGGS-Ergebnisse sind die Basis für eine bundesweite Gesundheitsberichterstattung zu Kindern und Jugendlichen und liefern Ansatzpunkte für gezielte Interventionen und Präventionsstrategien", sagte Bärbel-Maria Kurth, Studienleiterin und im Robert Koch-Institut Leiterin der Abteilung für Gesundheitsberichterstattung und Epidemiologie, bei der Eröffnung des Symposiums. "Erstmals gibt es nun verknüpfbare Daten aus den verschiedenen Ebenen des gesundheitlichen Geschehens der Heranwachsenden", unterstreicht Bärbel-Maria Kurth.
So sind zum Beispiel Übergewicht und Adipositas häufiger bei Kindern aus sozial benachteiligten Schichten, bei Kindern mit Migrationshintergrund und bei Kindern, deren Eltern ebenfalls übergewichtig sind. Bei Jugendlichen mit Essstörungen ist der Anteil der Auffälligen mit niedrigem sozioökonomischem Status mit 27,6 % fast doppelt so hoch wie der in der oberen Sozialschicht (15,5 %). Die als auffällig Klassifizierten weisen höhere Quoten an psychischen Auffälligkeiten und Depressivitätsneigung auf. Sie sind weniger zufrieden mit ihrem Körperselbstbild, rauchen mehr und berichten häufiger über die Erfahrung sexueller Belästigung. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, bereits im frühen Jugendalter über Essstörungen aufzuklären, Betroffene frühzeitig zu erkennen und Hilfsangebote zielgerichtet zu erweitern.
Die bundesweite Untersuchung wurde vom Bundesministerium für Gesundheit initiiert und mit 9,36 Mio. Euro zum größten Teil finanziert. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung beteiligte sich mit 2,5 Mio. Euro. Weitere Bundesministerien und das Land Schleswig-Holstein unterstützten einzelne themenbezogenen Erhebungen.
(Quelle: Robert Koch-Institut (RKI) Pressemitteilung v. 25.9.2006, BMG-Pressemitteilung v. 25.9.2006; Abstracts unter www.rki.de; weitere Informationen: www.kiggs.de)
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