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Kempten West: Blutwerte besorgniserregend verändert

Die Bürgerinitiative Kempten West, die sich nach Aufstellung eines T-Mobile-Senders auf der Sparkasse (Lindauerstraße) gebildet hatte, legte jetzt die ersten Ergebnisse einer Blutuntersuchungen bei Anwohnern vor. Die Ergebnisse zeigen deutliche Veränderungen im Blutbild nach Inbetriebnahme des Senders hinsichtlich der Serotonin und Melatonin-Ausschüttung.

Die erste Blutentnahme erfolgte im November 2006 und damit vor Inbetriebnahme des Senders im Dezember 2006). Die zweite Blutentnahme erfolgte dann im Mai 2007, also fünf Monate nach Inbetriebnahme des Senders.
Alle 28 teilnehmenden Anwohner entfernten schnurlose DECT-Telefone und WLAN schon Wochen vor der ersten Blutentnahme aus ihren Haushalten und reduzierten ihre Handy-Nutzung auf wenige Gespräche außer Haus. Außerdem ließen 6 Familien die elektromagnetische Exposition ihrer Häuser durch den Messtechniker Herrn W. Jogschies, Wildpoldsried, sowohl vor und nach der Errichtung des Funkmasten untersuchen. Dabei ergab die zweite Untersuchung eine um das Vielfache erhöhte elektromagnetische Funkbelastung (die Messwerte liegen dem Ärzteteam vor).

Auf Anregung von Dr. med. M. Kern, Initiator der Allgäuer Ärzte-Initiative, und des Heilpraktikers E. Strodl entschloss sich die Bürgerinitiative für eine Untersuchung der Auswirkungen des Funkmasten auf diverse Laborparameter. Gleichzeitig ist diese Reihenuntersuchung Teil einer deutschlandweiten Untersuchung der Auswirkung von Mobilfunk auf den Menschen (Dr. med. Hans-C. Scheiner in München). Die Organisation, Durchführung und ärztliche Begleitung des Projektes Vorort und die erste Zusammenfassung der Ergebnisse lagen in der Hand der Ärztin Frau Anna Blanz.

Folgende Laborwerte wurden bestimmt:
* Das Differenzialblutbild aus dem Vollblut,
* Serotonin Tageswert aus dem Serum (8:00-9:00 Uhr vormittags),
* Melatonin und aus dem Serum (Tageswert),
* Bestimmung der nächtlichen maximalen Melatoninausschüttung durch Bestimmung des Melatoninabbauproduktes 6-Hydroxy-Melatonin-Sulfats (6-OH-M-S) im nächtlichen Sammelurin.

Bekanntlich werden sowohl das „Stimmungshormon“ Serotonin als auch das "Schlaf- und Abwehrhormon" Melatonin in der Zirbeldrüse des Gehirns gebildet, wobei das Serotonin eine Vorstufe des Melatonins darstellt.
Unter gesunden Verhältnissen wird dabei nachts ein Maximum an dem Schlafhormon Melatonin aus dem Serotonin gebildet, während tags das Stimmungshormon Serotonin auf Kosten des dann stark erniedrigten Schlafhormons Melatonin deutlich erhöht zeigt.
Zudem synchronisiert eine ungestörte Melatoninausschüttung vielfältige biologische und hormonelle Rhythmen im menschlichen Körper und sorgt für tiefen erholsamen Schlaf.
Gleichzeitig stellt das Melatonin eines der wichtigsten abwehrsteigernden Substanzen unseres Körpers dar und schützt als Radikalenfänger alle Körper- und Gehirnzellen vor Erbgutschäden, die als eine Vorstufe von Krebserkrankungen gelten.
Serotonin fungiert vor allem als Botenstoff des Nervensystems und wirkt im Gehirn als Stimmungshormon. Eine Verminderung von Serotonin geht deshalb einher mit Depression, Antriebs- und Freudlosigkeit, innerer Unruhe und vielen psychischen Störungen.

Auswertung
Die Auswertung von 25 Untersuchungsteilnehmern (13 Frauen, 9 Männern, 3 Jugendliche) die alle im Umkreis von 15-300 m um den Sendemast wohnen erbrachte nachfolgende Ergebnisse:

Melatonin im Urin
Nur 8 von 25 Teilnehmern p(TN) (28 %) wiesen bei der Erstuntersuchung Ausgangswerte im Normbereich auf. Es lag demnach ein bereits vorbelasteter Personenkreis vor.
- Bei 14 von 25 TN (56 %) kam es zu einem Abfall des 6-OH-M-S im Nachtsammelurin.
- Bei 7 von 25 TN (28 %) kam es zu einem Anstieg innerhalb eines zumeist tief pathologischen Bereiches.
- Nur einer von 25 TN (4 %) mit normalem Ausgangswert wies bei der 2. Untersuchung einen erhöhten 6-OH-M-S auf.

Tagesmelatonin im Serum
Der Tagesspiegel des Melatonins im Serum weist in der Regel sehr viel niedrigere Werte als das nächtliche Melatoninmaximum auf.
In der paradox erscheinenden Erhöhung des Tagesmelatonis spiegelt sich jedoch die generelle Neigung zur ausgeprägten Tagesmüdigkeit von Strahlenexponierten wieder.
- Bei allen 25 TN stieg der Melatoninwert deutlich an, im Durchschnitt um das 4,5-fache des Ausgangswertes.

Serotonin im Serum
Bei 21 von 25 TN fielen (84 %) fand sich bei der zweiten Messung eine Erniedrigung des Stimmungshormons Serotonin (im Tagesserum) um durchschnittlich 46,3 %.
Davon bei 10 TN um 50 % und mehr mit maximalem Serotoninabfall bis 68 %. Bei 3 TN blieben sie unverändert, bei 1 TN war der Wert leicht erhöht.

Bewertung der Ergebnisse
Besonders alarmieren muss die Tatsache, dass mit 84 % das beinahe gesamte Kollektiv von TN nach vermehrter Exposition durch Inbetriebnahme des neu errichteten Funkmasten mit einem massiven Serotoninabfall von durchschnittlich 46 % reagierte.
Mit deutlich vermehrten depressiven Störungen, Antriebsmangel, Freud und Lustlosigkeit, Appetitstörung, innere Unruhe und verminderte Lebensqualität beinahe aller umliegenden Anwohner muss demnach nach schulmedizinischen Kriterien geradezu zwingend gerechnet werden.

Betroffen machen muss weiterhin auch der doch beträchtliche nächtliche Melatoninabfall unter vermehrter Mobilfunkexposition. Um annähernd die Hälfte des Ausgangswertes bei mehr als der Hälfte des Kollektivs (56 %). Auch die leicht ansteigende Tendenz bei einem annähernden Drittel (28 %) stellt letztlich trotz leichten Anstiegs nur ein Schwanken in einem zumeist tiefpathologischen erniedrigten Bereich dar.
gen und Abwehrmangelerscheinungen gerechnet werden. Da von medizinischer Seite Schlafstörungen zunehmend als krebsfördernder Risikofaktor gesehen wird, müssen diese Zahlen ärztlicherseits als besorgniserregend bewertet werden.
Der Anstieg des auch normalerweise im Vergleich zum Nachtgipfel wesentlich niedrigeren Tagesmelatoninwertes weist auch auf eine Verschiebung der abgeflachten nächtlichen Ausschüttungskurve in Richtung Morgen hin. Normalerweise steigen die Spiegel etwa 1-2 Stunden nach dem Zubettgehen an, erreichen zwischen 2 und 3 Uhr nachts ein Maximum und fallen bis zu den Morgenstunden wieder steil ab.
Die Blutentnahme erfolgte morgens zwischen 8 und 9 Uhr. Alle Teilnehmer waren am Abend zuvor bis spätestens 23 Uhr zu Bett gegangen. Dieser Anstieg weist neben der nächtlichen Melatoninverminderung demnach auch auf eine Verschiebung der Ausschüttungskurve in Richtung Morgen hin. Das bedeutet:
1. relativer Melatoninmangel in der Nacht mit verkürzten Tiefschlafphasen. Dies zeigt sich in unruhigem Schlaf mit häufigem Erwachen und
2. erhöhte Melatoninspiegel zur Aufstehzeit. Symptomatisch dafür ist, dass man morgens schwer aus dem Bett kommt und sich „gerädert“ fühlt. Tagsüber treten Folgeerscheinungen wie Müdigkeit, Gereiztheit, Konzentrationsverlust usw. auf.
Tatsächlich klagen 16 Teilnehmer über Schlafstörungen, 6 geben an, regelmäßig zwischen 2 und 4 Uhr morgens wach zu werden und schlecht weiterschlafen zu können.

Da sich innerhalb der TN-Gruppe außer der Inbetriebnahme des Mobilfunkmasten mit gemessener, deutlich erhöhter Strahlenbelastung, keine offensichtliche Änderung der Lebensumstände ergeben hat, ist von einem direkten Zusammenhang auszugehen.

Schlussfolgerung
Da die durchgeführte Reihenuntersuchung von Anwohnern im Umkreis des in Betrieb genommenen Funkmasten ein drastisch gestiegenes Gesundheitsrisiko aufzeigt und belegt ist, ist unmittelbares Handeln von politischer und behördlicher Seite auf kommunaler, Landes- und Bundesebene gefordert.
Um eine weitere Gefährdung der Gesundheit von Anwohnern zu vermeiden, ist der Betrieb des Funkmasten aus ärztlicher Sicht unverzüglich einzustellen!

(Quelle: A. Blanz, M. Kern, H.-C. Scheiner, Mobilfunk in Kempten West, Oktober 2007)

Kontakt:
Dr. Markus Kern
Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Beim Flosserhäusle 8
87439 Kempten