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Zwei Initiativen zu Agent Orange
Zwei Meldungen der letzten Monate in Sachen Agent Orange - Spätfolgen in Vietnam ragen heraus. Zum einen gibt es eine Petition für Dioxinopfer, die im Internet nach Aufruf von http://petitiononline.com/AOVN/ online unterschrieben werden kann. Das zweite Ereignis ist ein Schweizer Parlamentsantrag zum Thema Chemiewaffeneinsätze der USA. Unterstützung der Opfer. Diese beiden bemerkenswerten Initiativen werden dokumentiert. Internationale InternetPetition für Dioxinopfer Eine internationale Petition im Internet ruft dazu auf, die Aktionen der vietnamesischen Dioxinopfer auf Wiedergutmachung zu unterstützen. Initiator der Aktion ist der Engländer Len Aldis, seit vielen Jahren Vorsitzender der Britisch - Vietnamesischen Freundschaftsgesellschaft. In der Petition werden der US-Präsident Bush, UN Generalsekretär Kofi Annan sowie 38 US-Chemiefirmen aufgefordert, den Dioxinopfern in Vietnam zu helfen. Aldis erinnerte in einem Interview mit Viet Nam News daran, dass US-amerikanische Dioxinopfer aufgrund eines außergerichtlichen Vergleichs bereits Entschädigungen erhalten haben und dass sich die Rechtslage inzwischen mit dem wissenschaftlichen Nachweis des ursächlichen Zusammenhangs zwischen Agent Orange und den bekannten Missbildungen und anderen Erbschädigungen zugunsten der Opfer geändert hat. Er will erreichen, dass auch die vietnamesischen Opfer eine Entschädigung erhalten. Bereits über 444.000 Menschen haben weltweit die Seite besucht und die Petition unterstützt. Len Aldis hofft dass der Strom von 20.000 täglich hinzukommenden Unterschriften weiter anhält und dass bis zum Jahresende 2004 die Millionengrenze erreicht wird. Auch unsere französischen Schwesterorganisation hat sich der Aktion angeschlossen. Die Petition befindet sich auf folgender Homepage: http://petitiononline.com/AOVN/ Zum Unterzeichnen der Petition klicken Sie bitte auf den Button "Click here to sign the petition" und geben Ihren Namen Ort, Nation sowie Ihre E-Mail-Adresse ein. Hier eine Übersetzung der Petition An den Präsidenten der USA und andere Die Chemikalie AGENT ORANGE tötete, tötet noch immer und verursacht schwere Leiden bei über drei Millionen Menschen in Vietnam Bitte helfen Sie mit, indem Sie diese Petition unterzeichnen. Wir begrüßen und unterstützen die Zivilklage der "Vietnamesischen Gesellschaft der Opfer von Agent Orange/Dioxin" sowie von vietnamesischen Opfern. Die Klageschrift wurde an einem Gerichtshof in New York im Namen aller Betroffenen des Chemikalieneinsatzes der US Streitkräfte während ihrer Kriegsführung in Vietnam eingereicht. Die ist der erste Klage, die von Agent Orange Opfern bei einem Gericht eingereicht wurde. Wir rufen den US Präsidenten, die US Regierung sowie die in der Klage als Hersteller genannten Chemieunternehmen auf, sich ihrer Verantwortung für die durch sie angerichteten Schäden zu stellen und für die Folgen Ihrer Handlungen und Auswirkungen ihrer Produkte voll Wiedergutmachung an die Opfer zu leisten." Hochachtungsvoll Zum Hintergrund Von 1961 1971 hat die US Luftwaffe über weite Gebiete in Südvietnam dioxinhaltige Pflanzenvertilgungsmittel versprüht, um den Urwald zu entlauben, in dem sich die Kämpfer der Befreiungsfront versteckt hielten. Außerdem sollte durch die Sprühaktionen gezielt der Reis und das Gemüse der Menschen in diesen Regionen zerstört werden, um sie von einer Unterstützung der Befreiungsfront abzuhalten. Die dioxinhaltigen Pflanzengifte führten und führen bis heute zu Krebs und vor allem zu schweren Missbildungen bei den Kindern und Enkeln (!) der mit dem Gift in Berührung gekommenen Menschen. Obwohl die US Militärführung und die Regierung über das Gift Bescheid wussten, wurden bislang keinerlei Wiedergutmachung gewährt oder Schadensersatz geleistet. Nun nehmen die Opfer ihr Schicksal in die eigene Hand. Im Februar 2004 reichte der vietnamesische Rechtsanwalt Le Van Tran beim Federal Court von Brooklyn (New York) eine Klageschrift ein, um von den Produzenten von Agent Orange Schadensersatz für die erlittenen Qualen zu verlangen. Im Namen der "Vereinigung der Opfer von Agent Orange" klagen u.a. zwei Vietnamesinnen und ein Vietnamese. Frau Duong Hoa leidet an Brustkrebs. In ihrem Blut wurde Dioxin nachgewiesen. Frau Nguyen Thi Phi Phi hatte nach der Besprühung vier Fehlgeburten. Herr Nguyen Van Quy wurde mit Dioxin vergiftet und leidet an Lungenkrebs. Seine zwei Kinder haben Geburtsfehler. Schweizer Parlaments-Antrag zu Agent Orange " ...Der Bundesrat wird beauftragt, an die USA zu gelangen, um sie dazu zu bringen, ihre Verantwortung gegenüber den Opfern der Chemiewaffeneinsätze von 1961 bis 1971 in Vietnam, Laos und Kambodscha anzuerkennen und wahrzunehmen...." Antragsteller sind um 49 Parlamentarier der Schweiz, die für den im Folgenden gekürzt wiedergegebenen Antrag mit ihren Namen zeichnen: Chemiewaffeneinsätze der USA. Unterstützung der Opfer Eingereicht von Huguenin Marianne Einreichungsdatum 17.06.2004 Eingereicht im Nationalrat Stand der Beratung Im Plenum noch nicht behandelt Der Bundesrat wird eingeladen, sich energisch dafür einzusetzen, dass Herbizide und andere Pestizide als Kampfstoff verboten werden. Der Einsatz dieser Stoffe als Chemiewaffen muss endgültig untersagt werden. Der Bundesrat wird beauftragt, an die USA zu gelangen, um sie dazu zu bringen, ihre Verantwortung gegenüber den Opfern der Chemiewaffeneinsätze von 1961 bis 1971 in Vietnam, Laos und Kambodscha anzuerkennen und wahrzunehmen. Gleichzeitig soll sich der Bundesrat für dieses Anliegen auf internationaler Ebene zum Sprachrohr machen, insbesondere im Rahmen der Uno, und alle diesbezüglichen Bemühungen fördern und unterstützen. Schliesslich wird der Bundesrat beauftragt, im Rahmen der schweizerischen Entwicklungszusammenarbeit und Entwicklungshilfe für Vietnam, die Bedürfnisse der Opfer zu berücksichtigen. Laut Schätzungen des vietnamesischen Roten Kreuzes sind es drei Millionen Menschen, die von den Folgen der Chemiewaffeneinsätze betroffen sind. Die Bedürfnisse dieser Menschen sollen in Betracht gezogen werden: Es geht darum, die Opfer zu unterstützen und Studien durchzuführen, die noch nötig sind, um das Ausmass der vom Krieg hinterlassenen kostspieligen Lasten abzuschätzen. Begründung Ein Krieg ist mit dem Ende der Kampfhandlungen noch nicht vorbei. Lange danach gehen die Verwüstungen von Land, Geist und Körper noch weiter. Für die Opfer von chemischen Waffen ist diese Tatsache noch schwerwiegender. Während die ganze Welt sieht, dass im Irak noch keine chemischen Waffen gefunden wurden, obwohl deren mutmassliche Existenz als Vorwand für die amerikanische Intervention diente, kann in Vietnam das Ausmass der durch chemische Waffen verursachten Langzeitschäden immer noch nicht abgeschätzt werden. Die als Herbizide deklarierten Waffen waren vor 25 Jahren im Vietnamkrieg von denselben USA eingesetzt worden. Die jüngsten Opfer sind erst einige Tage alt: Neugeborene mit zum Teil sehr schweren Missbildungen. Sie sind die Enkelkinder von Personen, die während des Kriegs mit Dioxin verseucht worden waren. Tatsächlich haben die US-Streitkräfte in den 10 Jahren von 1961-1971 mindestens 76 Millionen Liter hochgiftige Herbizide über Vietnam ausgeschüttet. Das bekannteste war Agent Orange, eine Mischung von zwei in den USA häufig benutzten Herbiziden. Es wurde jedoch in total unkontrollierter Weise produziert und hatte im Endeffekt einen bis zu 1000-mal höheren Dioxingehalt als in der amerikanischen Landwirtschaft benutzte Produkte. Forscher schätzen, dass auf diese Weise mindestens 170 Kilo Dioxin verteilt wurden. Zum Vergleich: 1976 wurden in Seveso 250 Gramm Dioxin freigesetzt, mit den bekannten Folgen... Laut dem vietnamesischem Roten Kreuz sind drei Millionen Personen von Langzeitwirkungen dieser Gifte betroffen. Das giftigste und beständigste ist Dioxin. Es führt zu einer ständig zunehmenden Reihe von Behinderungen (Krebs, angeborene Missbildungen, zahlreiche Funktionsstörungen des Nerven-, Immun- und Endokrinsystems). Zehntausende von Kindern weisen die verschiedensten Missbildungen auf und die Zahl der Personen, die auf Grund dieses grössten jemals mit einer Zivilbevölkerung durchgeführten "Chemiewaffen-Versuchs" umkamen, ist unbekannt. Am 30. Januar dieses Jahres reichten Dioxin-Opfer beim "US Federal Court" in Brooklyn, New York, die ersten Klagen gegen mehr als drei Dutzend Firmen ein, die diese Gifte herstellten. Darunter befinden sich auch Unternehmen, die einen Sitz in der Schweiz haben, wie Pharmacia, Wyeth und Dow Chemical (das auch Napalm produzierte). Parallel zu den Klagen seitens der Opfer sind auch auf politischer Ebene Bestrebungen und Auseinandersetzungen notwendig, damit die Opfer anerkannt und von der amerikanischen Regierung entschädigt werden. Als Depositarstaat der Genfer Konventionen hat die Schweiz im Bezug auf deren Anwendung eine besondere Verantwortung. Die Uno-Generalversammlung hat 1969 die Resolution 2603 verabschiedet, die bekräftigt, dass das Genfer Protokoll von 1925 den Gebrauch chemischer oder biologischer Substanzen gegen Pflanzen in internationalen bewaffneten Konflikten verbietet. Als Verletzung dieser Konvention erwähnt die Resolution insbesondere den Gebrauch chemischer Kampf-Substanzen, weil sie eine direkte giftige Wirkung auf Personen, Tiere und Pflanzen haben. Herbizide werden dagegen nicht erwähnt, nicht einmal in der ergänzten Fassung des am 3. September 1992 von den Mitgliedstaaten der Abrüstungskonferenz in Genf verabschiedeten "Übereinkommens über das Verbot der Entwicklung, Herstellung, Lagerung und des Einsatzes chemischer Waffen und über die Vernichtung solcher Waffen". Angesichts des Leides von Millionen von Agent-Orange-Opfern in Vietnam, Laos und Kambodscha muss diese Lücke geschlossen werden. Die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften hat 1999 einen Aufruf zu Gunsten der Opfer von chemischen Waffen in Vietnam gemacht. Seither durchgeführte Nachforschungen haben ergeben, dass die Zahl der betroffenen Personen weit höher ist als bisher angenommen. Wir dürfen die Opfer dieses vergangenen Krieges nicht vergessen, auch wenn daneben andere Konflikte und andere Kriege unsere Aufmerksamkeit auf sich lenken. Amtliches Bulletin - die Wortprotokolle Zuständig Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) Berberat Didier, Bühlmann Cecile, Cavalli Franco und 46 weitere Unterzeichner (Quellen: Petition: http://www.fg-vietnam.de/ ); Parlamentsantrag: http://www.parlament.ch/afs/data/d/gesch/2004/d_gesch_20043352.htm ) Kontakt: K.-R. Fabig Immenhoeven 19 22417 Hamburg arztpraxis@fabig.org |
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