Zurück zum Anfang
Wie war das mit der Umweltepidemiologie im BIPS?

Interne Veränderungen des Bremer Instituts für Präventionsforschung und Sozialmedizin (BIPS) werden in der kritisch recherchierenden Presse zum Teil mit aktuellem Bezug, zum Teil aber auch schlecht recherchiert wiedergegeben und kommentiert. Eklatantes Zeichen für ungenügende Recherche anlässlich der Meldung über die Schließung der Abteilung Epidemiologie der Umwelt und des Arbeitslebens war die inkorrekte Darstellung des Institutsnamens, obwohl eine website-Anschrift beigefügt war (siehe taz Nr. 7227 v. 6.12.2003).
Wenn ein Institut auf Fördermittel (sog. Drittmittel) angewiesen ist, muss von der verantwortlichen Behörde auf die Zusammensetzung seiner Kompetenzen und Arbeitsgebiete geachtet werden, um die Arbeiten und Angebote so auszurichten, dass Drittmittelakquisition erfolgversprechend verlaufen kann. Nicht immer bleiben Forschungsrichtungen aktuell und versprechen über Dekaden hinaus ungeminderte Aktualität.
Dies schien vor 10 Jahren, als die Abteilung gegründet wurde, deren Zielrichtung eindeutig Umweltepidemiologie neben der Risikoforschung in der Arbeitswelt sein sollte, allerdings ebenso unwahrscheinlich wie heute, wo sich Umweltforschung noch immer als dringlich erweist. Da einige arbeitsmedizinische Themen und akquirierte Studien nicht in die dafür eingerichtete Abteilung, sondern in eine andere Abteilung vergeben wurden, erschien in den jährlichen Berichten immer seltener die zuständige Zuordnung, was bei buchhalterischer bzw. bürokratischer Betrachtung einen formellen Anlass für kritische Überprüfung ergab. Dabei blieb es aber nicht.
Anstatt mit dem Näherrücken der Pensionierung des Leiters der Abteilung rechtzeitig eine Nachfolge zu organisieren, wurde sowohl seitens der Behörde als auch der Universität Bremen die Gelegenheit ergriffen, dieses Gebiet zumindest nicht unter der Denomination weiter zu betreiben. Trotz der frühzeitigen Bemühungen der Dekanin des Fachbereichs Gesundheitswissenschaften, wozu Epidemiologie als klassische Disziplin gehört, die Neubesetzung der Stelle zu erreichen, war aufgrund der Sparmaßnahmen an der Universität hierfür keine Priorität gesehen worden. Dagegen wurde eine neue Abteilung und Professur mit Denomination Methoden und Ursachenforschung in einem anderen Fachbereich vorangetrieben, um demonstrativ die statistiklastige Methodenforschung auf Kosten der sozialmedizinischen Kompetenz zu entwickeln, da kritische Anwendung der international anerkannten und längst bewährten Methoden offenbar als nicht ausreichend angesehen wird. Ob dieser neuen Richtung der entsprechende Erfolg beschieden sein wird, bleibt abzuwarten.

Eine gute Tradition der kritischen Umweltforschung ist jedoch nicht von einzelnen Instituten abhängig, sondern von Personen, und da ergibt sich bezüglich der nachfolgenden Generation doch so mancher Lichtblick, nicht nur opportunistisch zu denken und angepasst zu handeln, sondern auf den Traditionen der forschenden Epidemiologie aufzubauen. Denn, wie es Jörn Olsen 1995 in Bremen anlässlich einer während der deutschen EU-Präsidentschaft von uns organisierten Konferenz "Environmental Epidemiology in Europe" formuliert hatte:
"Any civilized society is recognized for its concern for the people. This concern requires access to information. Epidemiologists, toxicologists, clinicians and others should be prepared to provide this information whether it is asked for or not."

In diesem Sinne soll ein Symposium am 27.2.2004
(pdf, 316 kb) im Zentrum für Umweltforschung und Umwelttechnologie der Universität diesem Aspekt gewidmet werden, um nicht zuletzt zu verdeutlichen, wie lebendig die Forschung noch bleiben kann, wenn die richtigen Fachleute und geeignete Wege gefunden werden können.

Kontakt:
Prof. Dr. Rainer Frentzel-Beyme
Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin (BIPS)
Linzer Str. 8
28359 Bremen
Tel.: 0421/59596-0
Fax: 0421/59596-65
E-Mail: beyme@bips.uni-bremen.de

zurück zum Seitenanfang