Dioxinfreisetzung bei Epichlorhydrin-Unfall?
Der Zusammenstoß zweier Güterzüge bei Bad Münder hat wieder einmal Unzulänglichkeiten bei der Bewältigung von Unfällen mit Beteiligung von giftigen Chemikalien gezeigt, die wiederum auf Kosten der Gesundheit der Helfer und der betroffenen Bevölkerung ausgetragen wurden. Die vielbeschworene Risikokommunikation erschöpfte sich in der Mitteilung eines Toxikologen des Gesundheitsamtes Hameln, dass abgesehen von einer akuten Beeinträchtigung weitere Gesundheitsfolgen auszuschließen seien - und dies bereits zu einer Zeit, als noch nicht einmal alle beteiligten Chemikalien identifiziert waren.
In einem Brief an die zuständigen Behörden wies K.-R. Fabig (Deutscher Berufsverband der Umweltmediziner) unter anderem darauf hin, dass es bei diesem Unfall mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu einer Freisetzung von Dioxinen gekommen sein dürfte.
Fabig: "Epichlorhydrin kann bereits als Produkt Dioxine (PCDD/PCDF) enthalten und das hochreaktive Epichlorhydrin entwickelt zudem bei Kontakt zu biologischen Materialien weiteres Dioxin."
Er verweist auf einschlägige Veröffentlichungen des Nestors der Dioxinforschung und Hauptveranstalter der jährlichen internationalen Dioxinkongresse Prof. Dr. O. Hutzinger. Dieser hatte bereits 1987 (zusammen mit A. Heindl) eine Arbeit veröffentlicht, in der industrielle Produkte wie Tetrachlorethen (PER) und Dichlorethan auf Dioxine (PCDD/PCDF) analysiert wurden. In einer von 3 Proben des Endproduktes Epichlorhydrin wiesen die Autoren 1987 folgende Dioxine und Furane nach (Abb. 1):

Auf der Seite 239 des VDI-Berichtes 634 ("Dioxin - eine technische, analytische, ökologische und toxikologische Herausforderung"), der im VDI-Verlag Düsseldorf 1987 erschien, schreiben Hutzinger und Heindl:
"Demnach sollten die jeweiligen Rückstände aus industriellen Synthesen ein Vielfaches der im Produkt gefundenen PCDD/PCDFs enthalten."
Fabig bat in seinem Schreiben daher um:
1. Analyse der materiellen Unfallhinterlassenschaften auf PCDD/PCDF,
2. Dioxinanalysen im Blutfett bei den Schwerst-Betroffenen,
3. Genaue Dokumentation und epidemiologische Studie,
4. Beachtung der Risikoerkennung und Risikokommunikation.
(Quellen: Tagespresse, Brief von K.-R. Fabig an die Stadtverwaltung Bad Münder, 15.9.02)
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