Earth-Charter - Erd-Charta
Beim Weltgipfel für Nachhaltige Entwicklung Ende August/Anfang September in Johannesburg soll die Erd-Charta als ein verbindlicher Vertrag der Völker der Welt angenommen werden. Sie wurde federführend erstellt von dem Internationalen Erd-Charta Sekretariat (www.earthcharter.org). Die deutsche Übersetzung ist ein Gemeinschaftsprodukt der Ökumenischen Initiative Eine Welt e.V. (ÖIEW) und des BUND (www.erdcharta.de/ie/ie5/800/fr_erd.html).
Grußwort
Wir zitieren aus dem Grußwort von Klaus Töpfer (Executive-Director of the United Nations Environment Programme - UNEP, Nairobi):
"Der Gegensatz zwischen der Armut eines Großteils der Erdbevölkerung und dem Reichtum einer Minderheit ist seit dem Umweltgipfel in Rio de Janeiro 1992 gestiegen. Das Ziel von UN-Generalsekretär Kofi Annan, bis zum Jahre 2015 die absolute Armut um 50 Prozent zu halbieren, ist nur mit einer grundsätzlichen veränderten Haltung der Solidarität zwischen den Ländern des Nordens und des Südens zu realisieren.
Neben der dramatischen und weiter ansteigenden Armut in den Entwicklungsländern ist das exzessive Konsumverhalten und die ineffiziente Ressourcennutzung in den hochentwickelten Ländern das sicherlich größte Gift für die Stabilität von Natur und Umwelt und für eine friedliche Gestaltung dieser Welt.
Ein Beispiel soll diesen Zusammenhang verdeutlichen: Der afrikanische Kontinent hat gegenwärtig einen etwa 13-prozentigen Anteil an der Weltbevölkerung, aber nur einen Anteil von 3,2 Prozent an den globalen CO2 -Emissionen, dem wichtigsten - das Klima beeinflussende - Treibhausgas. Die Auswirkungen des Treibhauseffektes sind aber gerade in Afrika besonders dramatisch: Extreme Wetterbedingungen wie Dürren und sintflutartige Regenfälle, fortschreitende Wüstenbildung mit dem Verlust von Anbauflächen. Immer stärker werden begrenzte Wasservorräte zum Gegenstand von Konflikten. Immer mehr Menschen werden zu "Umweltflüchtlingen".
Das Beispiel zeigt: Die hochentwickelten, "reichen" Nationen dieser Welt wälzen bedeutende Teile ihrer Wohlstandskosten gerade auf die unterentwickelten Länder ab. Diese "ökologische Aggression" ist Ausgangspunkt und bleibende Ursache für Konflikte. Globale Umweltvorsorge-Politik wird somit zu einer entscheidenden Komponente regionaler Friedenspolitik.
Zu den notwendigen Verhaltensänderungen in den hochentwickelten Staaten gehört auch die Rückbesinnung auf gemeinsame Werte und die Erkenntnis, dass die gesamte Menschheit Verantwortung trägt für den Schutz der Umwelt, den Erhalt der Artenvielfalt, die effiziente Nutzung der begrenzten Ressourcen unseres Planeten.
Die Erd-Charta verdeutlicht diese Zusammenhänge auf bestechende Weise. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen unterstützt die in der Charta formulierten Grundsätze und wird sich weiterhin dafür einsetzen, die Kultur der Solidarität zwischen den Kontinenten, zwischen Regierungen und Zivilgesellschaft voranzutreiben. Dies ist kein blauäugiger, sondern ein realistischer Optimismus, der darauf aufbaut, dass mit dem Wissen um die wachsenden Probleme auch die technischen Möglichkeiten und das ethische Verantwortungsgefühl für ihre Lösung gestiegen sind. Es ist meine Hoffnung, dass die in der Erd-Charta formulierten Prinzipien als Leitsätze für Regierungen, Nichtregierungsorganisationen, Industrie und Wissenschaft weltweit und als Grundlage für die Vorbereitungen des Weltgipfels in Johannesburg dienen mögen."
Was ist die Erd-Charta ?
Die Erd-Charta versteht sich als eine inspirierende Vision grundlegender ethischer Prinzipien für eine nachhaltige Entwicklung und sie soll ein verbindlicher Vertrag der Völker auf der ganzen Welt werden. Grundlegend sind die Achtung vor der Natur, die allgemeinen Menschenrechte, soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit und eine Kultur des Friedens.
Die Grundsätze der Erd-Charta ergeben zusammen ein Konzept für eine nachhaltige Entwicklung und stellen grundlegende Richtlinien für den Weg dorthin dar. Diese Grundsätze sind hergeleitet aus dem Völkerrecht, aus Wissenschaft, Philosophie, Religion, UN-Gipfeltreffen und den bisherigen Erd-Charta-Gesprächen über eine globale Ethik.
Die Erd-Charta stellt fest, dass die ökologischen, ökonomischen, sozialen, kulturellen, ethischen und spirituellen Probleme und Hoffnungen der Menschheit eng miteinander verbunden sind. Die Herausforderungen zu Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden sind eng verknüpft mit dem Schutz der Umwelt und der Sorge um das wirtschaftliche Wohlergehen. Nur in einer globalen Partnerschaft und in gemeinsamer Verantwortung können umfassende Lösungen gefunden werden.
Geschichte der Erd-Charta
Die Initiative für eine Erd-Charta hat weltweit bereits eine längere Geschichte:
Im Jahr 1987 schlug die Weltkommission der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung in ihrem Abschlussbericht, dem sog. Brundtland-Bericht, eine Charta der Erde vor, die die Fragen von Umwelt und Entwicklung auf Dauer stärker miteinander vernetzen sollte. Die Brundtland-Kommission hat auch die Zielvorstellungen von einer "nachhaltigen Entwicklung" (sustainable development) zum ersten Mal populär gemacht. Nachhaltige Entwicklung wurde zum führenden Leitbild der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung (UNCED) 1992 in Rio de Janeiro.
In dem Handlungsprogramm "Agenda 21" wurde es weiter konkretisiert und danach weltweit in vielen lokalen, regionalen und nationalen Agenda 21-Prozessen im Idealfall mit Leben erfüllt.
Mit der Erd-Charta sollte ein grundlegender und verbindlicher ethischer Rahmen für verschiedenen Aufgaben und Anliegen der "Agenda 21" beschrieben und vereinbart werden. Das ist im ersten Anlauf nicht gelungen. Trotz der Anstrengungen von Regierungsvertretern und Nichtregierungsorganisationen gab es in Rio 1992 noch zu viele inhaltliche Streitpunkte um sich auf einen gemeinsamen Text zu verständigen. Insbesondere Gruppen aus den sogenannten Entwicklungsländern sahen sich in der ersten Erdcharta nicht repräsentiert.
Nach ersten Enttäuschungen kamen dann neue Impulse für eine Erd-Charta-Initiative vom "Rat der Erde" (Earth Council in Costa Rica) und vom "Internationalen Grünen Kreuz" (1992 von Michail Gorbatschow ins Leben gerufen); gemeinsam engagierten sie sich weiter für die Entwicklung einer Erd-Charta. Unterstützt wurden sie dabei auch durch die niederländische Regierung.
Bei einem gemeinsamen Treffen mit anderen NRO's wurde 1995 in Den Haag eine Kommission für die Erd-Charta gegründet mit dem Auftrag, in den nächsten Jahren eine weltweite Konsultation durchzuführen und den Entwurf einer Erd-Charta vorzulegen. Das Sekretariat dieser Kommission befindet sich bis heute beim Earth Council in Costa Rica.
Es wurde eine breite Diskussion in allen Erdteilen initiiert, in deren Verlauf 1997 ein erster und 1999 ein zweiter Textentwurf vorgelegt wurde. Hunderte von Organisationen und Gruppen und Tausende von Einzelpersonen nahmen an diesem Prozess teil. Im März 2000 wurden bei einem Treffen der Kommission in Paris die letzten Eingaben eingearbeitet und die Erd-Charta in einer endgültigen Fassung veröffentlicht. Der offizielle "Stapellauf" fand im Juni 2000 im Friedenspalais in Den Haag statt.
Zehn Jahre nach Rio soll die Erd-Charta nun erneut auf die Tagesordnung kommen und zwar beim "Weltgipfel zu nachhaltiger Entwicklung" im Sommer 2002 in Johannesburg. Dort soll die Erd-Charta angenommen und bestätigt werden. Der vorliegende Text soll aber auch ein "empowering document" sein: er soll in einer weltweiten Initiative Menschen zeigen, wie sie in einer nachhaltigen Art und Weise zusammen leben können, und er soll einen breiten Dialog über gemeinsame Werte fördern.
Dieses Anliegen ist getragen von der Hoffnung, dass immer mehr Menschen, Gruppen und Initiativen, Institutionen und Regierungen dieser ganzheitlichen ethisch-ökologischen Betrachtungsweise zustimmen.
Inzwischen gibt es über vierzig nationale Erd-Charta-Komitees, die diese Initiative mittragen und vor Ort ins Gespräch bringen. Ziele der internationalen Erdcharta-Initiative sind:
- einen weltweiten Dialog über gemeinsame Werte und globale Ethik zu fördern;
- eine Erd-Charta zu entwerfen, die in knappen Worten eine inspirierende Vision grundlegender ethischer Prinzipien für eine nachhaltige Entwicklung darlegt;
- die Erd-Charta auf der ganzen Welt als Vertrag der Völker bekannt zu machen, der Bewusstsein und Engagement für die Werte der Erd-Charta weckt und deren Umsetzung voran bringt;
- im Jahr 2002 eine Bestätigung der Erd-Charta durch den "Weltgipfel zu nachhaltiger Entwicklung" in Johannesburg zu erreichen.
Kontakt:
ÖIEW-Geschäftsstelle
Laurentiushof Wethen
Mittelstr. 4
34474 Diemelstadt-Wethen
Tel.: 05694/1417
Fax: 05694/1532
info@oeiew.de
www.oeiew.de