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Wir bleiben sauber: Gen-Food - nein danke!
Landwirte und Imker, Verarbeiter, Ärzte und Verbraucher demonstrierten gemeinsam gegen Gentechnik in der Landwirtschaft und in Lebensmitteln

Über 10.000 Menschen haben am heutigen Sonntag in der Stuttgarter Innenstadt demonstriert. Ein Schlepper-Corso mit mehr als 300 Traktoren legte den City-Ring der Landeshauptstadt lahm. Tausende gelber Luftballons stiegen symbolisch als unlenkbare Gentechnik-Pollen in die laue Frühlingsluft. Landwirte und Verbraucher setzten ein eindrucksvolles Zeichen für eine Landwirtschaft ohne Gentechnik. Unter dem Motto "Wir bleiben sauber - keine Gentechnik in der Landwirtschaft und in Lebensmitteln" waren sie dem Aufruf des Aktionsbündnisses "Gentechnikfreie Landwirtschaft" gefolgt. Hinter dem Bündnis stehen 50 Verbände und Organisationen aus der Landwirtschaft, dem Umwelt- und Verbraucherschutz.1
Auf der anschließenden Kundgebung auf dem Schlossplatz forderte Professor Ernst Ulrich von Weizsäcker (MdB), Gründer des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie, die Politik auf zu verhindern, dass Pflanzen durch eine Handvoll weltweit agierender Großkonzerne patentiert werden. "Wer die Macht über Saatgut in die Hände weniger gibt, kann die Ernährung der Bevölkerung später nicht mehr gewährleisten."

Mehrfach kritisierten die elf Redner die CDU-dominierten Landesregierungen, die im Bundesrat bzw. im Vermittlungsausschuss eine Verwässerung des Gentechnikgesetzes betreiben und das Haftungsrisiko der Allgemeinheit aufhalsen wollen. "Akzeptieren Sie diesen breiten Protest endlich als unmissverständlichen Wählerauftrag und sorgen Sie in den anstehenden Gesetzgebungsverfahren für einen effektiven Schutz der gentechnikfreien Landwirtschaft und gentechnisch unveränderter Lebensmittel", appellierte Thomas Dosch, Bund für Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), an die Politik.

Dosch verwies auf eklatante Regelungslücken bei Milch, Eiern und Fleisch in der neuen Kennzeichnungsverordnung für gentechnisch veränderte Lebensmittel, die am 18. April 2004 in Kraft tritt. Sie biete dem Verbraucher keine ausreichende Sicherheit beim Einkauf und müsse deshalb dringend nachgebessert werden. Christian Reuter, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Tübingen, berichtete von einer stark zunehmenden Bereitschaft unter den Landwirten, sich freiwillig in gentechnikfreien Regionen zusammenzuschließen. Die Politik müsse hierzu die rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen. Er forderte aber auch die Verbraucher auf, ihrer in zahlreichen Umfragen geäußerten Ablehnung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln Taten folgen zu lassen: "Nur durch den Einkauf gentechnisch unveränderter Lebensmittel können wir verhindern, dass die Gentechnik bei uns Einzug hält."

Die Vertreter vom Aktionsbündnis "Gentechnikfreie Landwirtschaft" freuten sich über die großartige Resonanz. Der Funke sei übergesprungen und der Widerstand werde in den nächsten Wochen auf vielfältige Weise weitergehen. "Die Gentechnik ist eine Risikotechnologie, die - einmal auf unseren Äckern ausgesät - nicht mehr kontrollierbar ist. Wird Gentechnik auf den Feldern angebaut, kann eine Auskreuzung auf natürlich gewachsene Pflanzen nicht mehr verhindert werden. Ein Nebeneinander in Koexistenz ist nicht möglich.
Dies belegen die Erfahrungen der Landwirte in Kanada und Argentinien", fasste Jürgen Binder vom Aktionsbündnis zusammen. Wenn die Gentechnik erst einmal großflächig zum Einsatz kommt, gibt es bald keine Lebensmittel mehr, für die Gentechnik-Freiheit garantiert werden kann. Genmanipuliertes Saatgut gefährdet die Existenz von allen Imkern, Bauern und Gärtnern, die ohne Gentechnik arbeiten.
Diese Technologie birgt ungeklärte Risiken für Natur und menschliche Gesundheit und eignet sich schon gar nicht zur Lösung der Probleme in der Dritten Welt.

1 Unterstützer sind u.a. Deutscher Erwerbs- und Berufsimkerbund, Eurotoques, gepa Fair Handelshaus, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Bundesverband, Ärzte-Initiative Bodensee, Bioland Bundesverband, BNN Einzelhandel, BNN Herstellung und Handel, BÖLW, Brot für die Welt, BUKO Agrar Koordination, Demeter Bundesverband, Deutscher Naturschutzring (DNR), Euronatur, Gen-ethisches Netzwerk, GLS Gemeinschaftsbank, Naturland, NEULAND, Ökologischer Ärztebund, Slow Food Deutschland, Stiftung Ökologie & Landbau (SÖL), Zukunftsstiftung Landwirtschaft

(Quelle: Aktionsbündnis Gentechnik-freie Landwirtschaft in Baden-Württemberg, Pressemitteilung v. 18. Apr 2004; www.gentechnik-freie-landwirtschaft.de)

Kontakt:
AK Gentechnik in Ernährung und Landwirtschaft
Ökologischer Ärztebund e.V.
Angela von Beesten
Auf der Worth 34
27389 Vahlde
Tel.: 04267/1770
Fax: 04267/8243
Angela.vonbeesten@dgn.de

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