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Fehlendes Bedauern nach Hirnschädigung
Hinweis für die umwelt- und arbeitsmedizinisch neurologische Diagnostik
Bei einigen MCS-Kranken und insbesondere bei Chemikalienexponierten werden mehr als gelegentlich pathologisch SPECT- und PET-Hirnbefunde - insbesondere im Vorderhirn - erhoben, deren Interpretation Schwierigkeiten macht. Jetzt wurde eine Arbeit veröffentlicht, die mit ganz anderen Motiven (als mit dem Ziel, eine toxische Enzephalopathie als Berufskrankheit zu erkennen) zu solchen Befunden eine Interpretation anbietet.
Französische und italienische Forscher untersuchten Gesunde und mit Patienten mit Läsionen im frontalen Kortex. Die Probanden wurden bei zwei Arten von Glücksspielen beobachtet und untersucht, wobei - wie üblich - der Gewinner mit Geld belohnt, der Verlierer mit Geldverlust bestraft wurde.
Während Hirngesunde beim Verlieren immer ihr Bedauern ausdrückten, wurde dies bei orbito-frontalen Läsionen in den meisten Fällen unterdrückt. Nach einigen Verlierer-Spielen versuchten Gesunde, ihr anfänglich geäußertes Bedauern wegzustecken.
Hirnverletzte waren dagegen dazu nicht in der Lage. Die erkrankten Hirnregionen lagen dabei - ein- oder beidseitig - immer in den basalen und ventro-medialen Teilen des Frontalhirns. Die Autoren vom Institut für Kognitionswissenschaften in Bron bei Lyon veröffentlichten diese Arbeit in der Zeitschrift Science.
Bei MCS-Kranken und bei Chemikalienexponierten - besonders auch bei denen mit einem Hirnbefund im frontalen Kortex bei bildgebenden Verfahren - sollte immer auch die Frage nach der Fähigkeit, etwas zu bedauern, gestellt werden.
Die ärztliche Diagnostik, Beobachtungen und Aufzeichnungen sollten diese neuropsychychologische Besonderheit - das Fehlen des Bedauerns - auf keinen Fall übersehen. (K.-R. Fabig)
(Quelle: CAMILLE N, CORICELLI G, SALLET J, PRADAT-DIEHL P, DUHAMEL J-R, SIRIGU A (2004): The Involvement of the Orbitofrontal Cortex in the Experience of Regret. Science 304: 1167-1170)
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