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Januar 2014

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Recycling zuerst: Energiewende ohne Müllverbrennung

(30.1.2014) Um einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, muss die Abfallwirtschaft auf Recycling statt auf Müllverbrennung setzen. Zur Energiewende kann sie nur dann beitragen, wenn sie Abfall möglichst umfassend stofflich verwertet und verbleibende Abfallstoffe flexibel und effizient zur Energieerzeugung einsetzt. Dies sind zentrale Ergebnisse der am 30.1. vorgestellten Studie „Beitrag der Kreislaufwirtschaft zur Energiewende“ des Öko-Instituts im Auftrag des BDE Bundesverbands der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e.V.

Recycling steht an erster Stelle
Schon heute leistet das Recycling einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz und spart Ressourcen ein – etwa 15 Millionen Tonnen Sekundärrohstoffe können so zweitverwertet werden. Zusätzlich werden knapp fünf Millionen Tonnen Kompost produziert, die wertvolle Ressourcen wie Torf und Mineraldünger schonen, die Bodenfruchtbarkeit steigern und ebenfalls zum Klimaschutz beitragen. Diese Anteile können und müssen weiter gesteigert werden, so die Experten des Öko-Instituts. Denn vor allem die aus Erdöl hergestellten Kunststoffe, die nicht verwertet, sondern in ineffizienten Grundlastanlagen verbrannt werden, belasten mit hohen CO
2-Emissionen das Klima.
"Erhöhen wir den Anteil der rückgewonnenen Kunststoffe durch das getrennte Sammeln, Sortieren und Aufbereiten, entlastet dies die Müllverbrennung und spart Primärrohstoffe ein. Das vermindert den CO
2-Ausstoß um rund sechs Millionen Tonnen", erläutert Günter Dehoust, Wissenschaftler am Öko- Institut mit Schwerpunkt Kreislaufwirtschaft. "Damit werden gleichzeitig weitere hochwertige Materialien effizienter zurückgewonnen, die ebenfalls wertvolle Beiträge zum Klima- und Ressourcenschutz liefern."

Müllverbrennungsanlagen sind keine flexiblen Kraftwerke
Mit den Abfallstoffen, die nicht recycelt werden können, soll schließlich nicht mehr Strom in Grundlastkraftwerken gewonnen werden. Vielmehr sollten diese Stoffe möglichst flexibel für die Stromerzeugung eingesetzt werden. Gleichzeitig müssen die Emissionen aus Müllverbrennungsanlagen massiv reduziert werden, um eine deutschlandweite CO
2-Einsparung von 80 bis 90 Prozent bis 2050 zu erreichen. "Mit dem weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien ändert sich das Strom- marktsystem fundamental: Wir benötigen deutlich weniger Grundlastkraftwerke, jedoch mehr flexible Reserven, die dann Strom erzeugen, wenn der Wind nicht weht oder die Sonne nicht scheint", so Ralph Harthan, Klimaschutz-Experte im Institutsbereich Energie & Klimaschutz am Öko-Institut. "Damit Strom aus Abfall möglichst wenig CO2 verursacht, müssen die fossilen Anteile durch Recycling möglichst reduziert werden."

Reststoffe zu hochwertigem Ersatzbrennstoff aufbereiten und erst dann energetisch nutzen
Damit die verbleibenden Reststoffe flexibel für die Stromerzeugung genutzt werden können, müssen sie qualitativ hochwertig aufbereitet werden und lagerfähig sein. Die Müllverbrennung, so folgert das Öko-Institut, solle im Zuge der Energiewende künftig nur noch die schadstoffhaltigen Abfälle beseitigen, die nicht anderweitig verwertet werden können.

Biogaspotenzial aus Abfall besser nutzen
Außerdem zeigt das Öko-Institut in seiner Analyse, dass auch die Sammlung und Nutzung von Bioabfällen weiter verbessert werden muss. Werden heute etwa 50 bis 60 Prozent des anfallenden Bioabfalls getrennt erfasst und verwertet, sollte dies künftig nahezu vollständig erfolgen. Aus ökobilanzieller Sicht kann dieser organische Abfall dann idealerweise zunächst in Vergärungsanlagen zu hochwertigem regenerativen Biogas umgesetzt werden, das als Reservekapazität zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt werden kann. Neben der energetischen Nutzung des Biogases solle der Rest des organischen Abfalls aus den Vergärungsanlagen zudem stofflich als Kompost Einsatz finden und als Ersatz für Mineraldünger und Torf zur Düngung und Bodenverbesserung eingesetzt werden.

Empfehlungen für mehr Klimaschutz in der Kreislaufwirtschaft
Deshalb schlägt das Öko-Institut vor, die Getrennterfassung von Wertstoffen zu steigern. Dazu sollten deutschlandweit verursachergerechte Abfallgebühren vorgeschrieben sowie die einheitliche Wertstofftonne eingeführt und mit ambitionierten Quoten geregelt werden. Die Vorgabe zur getrennten Erfassung von Bioabfällen aus dem Kreislaufwirtschaftsgesetz muss konsequent umgesetzt und um technische Anforderungen an eine effiziente und emissionsarme Behandlung erweitert werden. Schließlich sollten die Überkapazitäten der Müllverbrennungsanlagen mit einem gezielten Programm zurückgefahren werden, um das Preisdumping in diesem Bereich zu unterbinden.

Quelle: Pressemitteilung 30.1.2014, Öko-Institut e.V.;
Studie "Beitrag der Kreislaufwirtschaft zur Energiewende. Klimaschutzpotenziale auch unter geänderten Rahmenbedingungen optimal nutzen" des Öko-Instituts unter:
www.oeko.de/oekodoc/1857/2014-004-de.pdf;
Gemeinsames Hintergrundpapier "Wesentliche Erkenntnisse aus der Studie des Öko-Instituts im Auftrag des BDE" unter:
www.oeko.de/oekodoc/1858/2014-005-de.pdf.

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Luftverschmutzung durch Dieselruß verschlechtert allergisches Asthma

(30.1.2014) Wissenschaftler des Cincinnati Children´s Hospital Medical Center konnten zeigen, dass die Belastung durch Dieselruß aus dem Straßenverkehr den Schweregrad von kindlichem Asthma erhöhen kann. Bei Kindern, die in hohem Maße Dieselruß ausgesetzt sind, erhöht sich im Blut der Gehalt an Interleukin-17 (IL-17A), einem Protein, das mit diversen chronischen Entzündungskrankheiten in Verbindung gebracht wird.

Das Team um Eric Brandt untersuchte 235 Kinder und Jugendliche im Alter von fünf bis 18 Jahren, die an Asthma litten. Die Wissenschaftler notierten die Adressen aller Studienteilnehmer und ordneten die Dieselbelastung dem Verkehr in der jeweiligen Wohnumgebung zu. Ebenso untersuchten sie Mäuse, die Dieselpartikeln und Hausstaubmilben ausgesetzt waren. Eine hohe Belastung mit Dieselruß wurde mit Werten größer als 0,46 _g/m
3 definiert. Die Häufigkeit von Asthmasymptomen dokumentierten die Wissenschaftler über einen Fragebogen.

Bei Kindern mit Asthma war eine hohe Belastung mit Dieselruß mit häufigeren Asthmasymptomen und erhöhten Interleukin-17-Werten im Blut verbunden. Bei Mäusen, die Dieselpartikeln und Hausstaubmilben ausgesetzt waren, führte dies zu schwererem Asthma als bei Tieren, die nur mit Hausstaubmilben konfrontiert wurden. Wurden die Interleukin-17-Level bei Mäusen neutralisiert, schwächten sich die durch Dieselruß entstandenen Atemwegsentzündungen ab.

Die Blockade der Ausschüttung von Interleukin-17 könnte demnach eine wirkungsvolle Strategie sein, um den Folgen der Luftverschmutzung durch den Straßenverkehr zu begegnen, insbesondere bei Kindern mit allergischem Asthma, die einer hohen Dieselruß-Belastung ausgesetzt sind.

Quelle: Lungeninformationsdienst 3.2.2014; Originalstudie: Brandt, Eric B. et al.: Diesel exhaust particle induction of IL-17A contributes to severe asthma. In: Journal of Allergy and Clinical Immunology, 2013; DOI: 10.1016/j.jaci.2013.06.048.

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NABU legt Studie zum Umweltrisiko Glyphosat vor

(30.1.2014) Das Totalherbizid Glyphosat wird gerade einer Neubewertung in der EU unterzogen. Deutschland hat dafür die Verfahrensprüfung übernommen. Das zuständige Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) empfiehlt Glyphosat zur weiteren Genehmigung als Pflanzenschutzmittel - trotz eingeräumter Bedenken mit Blick auf den Schutz der biologischen Vielfalt. Damit wird das auf Pflanzen wirkende Totalherbizid vermutlich weitere zehn Jahre lang auch in Europa eingesetzt werden dürfen. Vor diesem Hintergrund erneuert der NABU seine Kritik und legt die Kurzstudie "Umweltrisiko Glyphosat" vor. Sie untersucht die Belastung von Gewässern mit Glyphosat und anderen Pestiziden in Brandenburg.

Das Ergebnis ist alarmierend: Neben Glyphosat sind weitere bedenkliche Pestizide in Gewässern zu finden, die Amphibien und aquatische Ökosysteme schädigen. Der Nachweis im Jahr 2013 von Gewässerbelastungen in westlichen Landkreisen Brandenburgs belegt, dass es sich bei bereits dokumentierten Pestizideinträgen aus den Vorjahren nicht um regional begrenzte Einzelfälle handelt. Erneut wurde in den beprobten Stillgewässern das Totalherbizid Glyphosat sowie dessen Abbauprodukt AMPA und Terbuthylazin, ein hauptsächlich im Maisanbau verwendeter, ökotoxikologisch bedenklicher Herbizidwirkstoff, dokumentiert. Es wurden Missbildungen bei Kaulquappen registriert, die sich ursächlich mit den Herbiziden in Verbindung bringen lassen.

Angesichts der Zunahme von Biogasanlagen und dem damit verbundenen Maisanbau, der mit einer beachtlichen Steigerung des Pestizideinsatzes verbunden ist, sieht der NABU wachsende Gefahren für die Umwelt. "Es besteht der dringende Verdacht, dass der Einsatz von Glyphosat akut und langfristig aquatische Ökosysteme und Böden gefährdet. Vorschläge für die Reduktion des Pestizideinsatzes und die Ausweitung von Gewässerrandstreifen, wie sie das Umweltbundesamt vorschlägt, sind Mindestanforderungen. Dass allerdings die negativen ökologischen Folgen bei der Neuzulassung von Glyphosat in Brüssel nicht beachtet werden, ist skandalös", sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

In Deutschland werden alljährlich etwa 34.000 Tonnen Pestizidwirkstoffe verbraucht. Herbizide sind mengenmäßig mit etwa 60 Prozent dabei die wichtigste Gruppe. Weltweit der Verkaufs-Renner unter den Herbiziden ist der Wirkstoff Glyphosat, der für eine Vielzahl von Kulturen und für den Einsatz in der sogenannten pfluglosen Bodenbearbeitung propagiert wird, sei es in Gartenbau,
Land- und Forstwirtschaft oder im Siedlungsbereich. Auch in Brandenburg ist Glyphosat der am häufigsten verkaufte Pestizidwirkstoff, Tendenz steigend.

"Wir wissen kaum, wie Glyphosat und dessen Metabolit AMPA sich in Lebensräumen von Amphibien verhalten. Die wenigen Daten dazu stammen überwiegend aus Ländern außerhalb Europas. Untersuchungen in Deutschland - etwa in Sachsen, Niedersachsen, Bayern oder in Brandenburg - weisen darauf hin, dass auch in Deutschland die Belastung von Oberflächengewässern mit Glyphosat und AMPA ebenso wie mit weiteren Pestiziden beträchtlich ist. Solange der Verdacht besteht, dass Glyphosat z.B. für Missbildungen bei Amphibien verantwortlich ist, muss das Vorsorgeprinzip gelten. Die erneute Zulassung für eine weitere Dekade ist daher fahrlässig", so NABU-Expertin Steffi Ober.

Quelle: NABU 30.1.2014; Studie zum Umweltrisiko Glyphosat unter:
www.nabu.de/themen/land wirtschaft/pflanzenschutz/roundup/16524.html.

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Deutscher Herzbericht 2013: Angeborene Herzfehler (AHF)

(29.1.2014) Jedes 100. Baby kommt mit einem angeborenen Herzfehler auf die Welt; in Deutschland sind das mehr als 7.000 pro Jahr. Damit sind angeborene Herzfehler die häufigste angeborene Fehlbildung des Menschen, die in sich auch noch eine große Vielfalt aufweisen.

Die Versorgung der Patienten mit AHF erfolgt flächendeckend durch niedergelassene Kinderkardiologen und klinische kinderkardiologische Standorte mit invasiver Diagnostik und Operation. Herzprobleme haben nicht nur bei alten Menschen Relevanz. Jedes 100. Baby kommt mit einem angeborenen Herzfehler auf die Welt; in Deutschland sind das mehr als 7.000 pro Jahr. Damit sind angeborene Herzfehler die häufigste angeborene Fehlbildung beim Menschen und weisen in sich auch noch eine große Vielfalt auf. Die Versorgung der Patienten mit AHF erfolgt flächendeckend durch niedergelassene Kinderkardiologen und klinische kinderkardiologische Standorte mit invasiver Diagnostik und Operation.

Herzkatheter: 2012 wurden 8.492 Kinder herzkatheterisiert, davon die Mehrzahl (64 %) mit therapeutischer Intervention. In 33 Kliniken wurden Herzkatheter bei Kindern durchgeführt, in 18 Kliniken erfolgten jeweils mehr als 200 Katheteruntersuchungen.
Operationen: 2012 erfolgten 5.593 kardiale Operationen angeborener Herzfehler, davon 83 % mit Herz-Lungenmaschine am "offenen Herzen". In 14 Kliniken wurden jeweils mehr als 150 Operationen durchgeführt. Die DGPK begrüßt eine Konzentration der invasiv arbeitenden Zentren, die zwar etwas längere Wege für die Eltern und Angehörigen bedeutet, dafür aber eine erhöhte Routine und Ablaufsicherheit in der Versorgung der Patienten mit AHF bewirkt.

"Angeborene Herzfehler sind die Erfolgsstory der letzten 30 Jahre" In der gesamten Herzmedizin zeigen angeborene Herzfehler den prozentual stärksten Rückgang der Sterbeziffer bei Herzproblemen. Von 21.942 stationären Fällen starben zuletzt 483 (2%). Im Vergleich zu 1990 sind im Jahr 2011 sechzig Prozent weniger Menschen durch angeborene Fehlbildungen des Kreislaufsystems gestorben. Betroffen sind alle Altersgruppen, am stärksten jedoch die Säuglinge. Hier verzeichnen wir nach 20 Jahren sogar 70 % weniger Todesfälle. Dank der verbesserten diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten erreichen heute ca. 85 - 90 % dieser Kinder das Erwachsenenalter. So kann man in Zukunft von mehr als 200.000 Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern in Deutschland ausgehen.

Damit wächst eine neue Patientengruppe, die EMAH-Patienten, Erwachsene Mit Angeborenem Herzfehler. Korrigiert, teilkorrigiert oder operativ nur verbessert bedürfen diese Erwachsenen mit AHF weiterer kardiologischer Betreuung. Da sich deren Beschwerdebild und die therapeutischen Maßnahmen stark von dem der "üblichen Erwachsenenkardiologie" unterscheiden, haben die drei Fachgesellschaften DGPK, DGK und DGTHG diese Herausforderung angenommen und in einer Taskforce seit 2004 Empfehlungen zur Qualitätsverbesserung der interdisziplinären Versorgung dieser Patienten entwickelt.

Die derzeitige EMAH-Struktur in Deutschland besteht aus 12 überregionalen zertifizierten EMAH-Zentren und einer regionalen Schwerpunktklinik. In den Kliniken und Praxen gibt es aktuell 254 zertifizierte Ärzt/innen, darunter sind 181 Kinderkardiolog/innen und 73 Kardiolog/innen. Die zertifizierten EMAH-Ärzt/innen und EMAH-Zentren sind auf der Homepage der DGPK aufgeführt. Leider erlauben die Krankenkassen noch nicht allen EMAH-zertifizierten Herzspezialisten die Abrechnung der erbrachten Leistung bei Patienten jenseits des 18. Lebensjahres. Hier besteht noch politischer Handlungsbedarf, damit jungen Erwachsenen mit AHF die Versorgung durch den kompetenten Spezialisten ihrer Wahl ermöglicht wird.

Nationale Qualitätssicherung Angeborener Herzfehler (German Quality Assurance for Congenital Heart Disease): Die Kinderherzzentren haben sich zur freiwilligen Qualitätssicherung verpflichtet. Erfasst wurden erstmalig die Daten von Operationen und Katheterinterventionen (Struktur- und Prozessqualität) im Jahr 2012 in 25 Krankenhäusern mit Follow-up bis April 2013. Das Datenmanagement erfolgt durch das Kompetenznetz Angeborene Herzfehler e.V. und das Register für AHF e.V. und die Datenauswertung durch BQS Institut für Qualität und Patientensicherheit. Wir danken der Deutschen Herzstiftung für die finanzielle Unterstützung dieser Qualitätssicherung.

Quelle: Pressemitteilung 29.1.2014, Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie e.V. (DGPK),
www.kinderkardiologie.org.

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Neuer Deutscher Herzbericht

(29.1.2014) "In Deutschland geht die Sterblichkeit in Folge von Herzerkrankungen weiter zurück. Ursache ist die immer bessere kardiologische Versorgung, die inzwischen ein ausgezeichnetes Niveau erreicht hat. Hier gibt es noch regionale Unterschiede, an denen gearbeitet werden muss. Auch alte Menschen profitieren immer mehr von den Entwicklungen der modernen Herz-Medizin".

So fasst DGK-Präsident Prof. Dr. Christian Hamm (Gießen) die zentralen Aussagen des aktuellen Deutschen Herzberichts zusammen, der heute in Berlin vorgestellt wurde. „Diese sektorenübergreifende Versorgungsanalyse, die bereits zum 25. Mal durchgeführt wurde, trägt sehr viel zum Verständnis der Trends in der herzmedizinischen Versorgung in Deutschland bei und liefert wesentliche Beiträge zu einer noch besseren Versorgungs- Planung.“

Wie viele Menschen in Deutschland an Herzkrankheiten erkranken
Herzkrankheiten machten im Jahr 2011 in Deutschland 8,2 Prozent (1.554.381
Fälle) der im Rahmen der Krankenhausdiagnose-Statistik erfassten Krankenhausaufnahmen (stationäre Morbiditätsziffer) aus. Von diesen Diagnosen entfielen 57,5 Prozent auf Männer und 42,5 Prozent auf Frauen.

Einige Ergebnisse im Detail:
- Bei den ischämischen, also durch gestörte Durchblutung bedingten Herzkrankheiten (Koronaren Herzkrankheit) betrug die Zahl der Krankenhauseinweisungen 806,5 pro 100.000 Einwohner. Die Zahl bei Männern war mehr als doppelt so groß wie bei Frauen.
- Beim akuten Myokard-Infarkt (ST-Strecken-Hebungs-Myokardinfarkt, "Herzinfarkt") gab es 266 Krankenhausaufnahmen pro 100.000 Einwohner, die Zahl bei Männern betrug mit 349,7 das 1,9-fache jener der Frauen. Bei Frauen und bei Männern war die Zahl der Herzinfarktdiagnosen ansteigend.
- Wegen Herzklappenkrankheiten wurden 95,5 von 100.000 Einwohnern in ein Krankenhaus aufgenommen. Der Wert bei Männern lag um 16,2 Prozent höher als bei Frauen, insgesamt ist ein Anstieg zu verzeichnen. "Es zeigt sich, dass die Patienten heute dank neuer Verfahren häufiger behandelt werden können, eine symptomatische Verbesserung erfahren, aber auch nach einer Behandlung noch klappenkrank bleiben. Deshalb fallen sie nicht aus der Statistik heraus, sondern verbleiben darin", kommentiert Prof. Hamm.
- In Folge von Herzrhythmusstörungen kam es bei 505,8 von 100.000 Einwohnern zu Krankenhausaufnahmen, die Zahl der Männer überstieg jener der Frauen um 14,9 Prozent. Bei der Morbiditätsziffer der Herzrhythmusstörungen ist ein Anstieg zu verzeichnen.
- Wegen Herzinsuffizienz (Herzmuskelschwäche) gab es 464,7 Krankenhauseinweisungen pro 100.000 Einwohner. Der Wert bei Männern lag um 4 Prozent unter jenem der Frauen. Prof. Hamm: "Die Herzsuffizienz ist die einzige Herzkrankheit, bei der die stationäre Krankheitshäufigkeit bei Frauen häufiger als bei Männern ist."
- Angeborene Fehlbildungen des Kreislaufsystems führten zu insgesamt 26,8 Krankenhauseinweisungen pro 100.000 Einwohner. Hier lag die Ziffer bei Männern um 13,1 Prozent über der bei Frauen.

Die Zahlen von 2011, so Prof. Hamm, bestätigen die schon beim Vergleich von 1995 und 2010 festgestellten Entwicklungen: Abnahme bei der koronaren Herzkrankheit in allen Altersgruppen. Zunahme bei den Herzklappenerkrankungen jenseits des 75. Lebensjahres, bei den Herzrhythmusstörungen ab dem 45. Lebensjahr in allen Altersgruppen, und bei der Herzinsuffizienz - insbesondere jenseits des 75. Lebensjahres.
"Die zunehmende Krankheitshäufigkeit bei einer Reihe von kardiologischen Erkrankungen bedeutet nicht, dass wir immer kränker werden", so Prof. Hamm. "Zum einen wird unsere Gesellschaft immer älter, und einige Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems kommen im fortgeschrittenen Alter häufiger vor. Zum anderen widmen wir kardiologischen Krankheiten immer mehr Aufmerksamkeit, nicht zuletzt wegen der immer besseren Diagnosemethoden, was in der Folge zu häufigeren Diagnosestellung führt."

Sterbeziffer geht bei Herzkrankheiten kontinuierlich zurück
Die Sterbeziffer (Verstorbene je 100.000 Einwohner) ist bei Herzkrankheiten im vergangen Jahrzehnt kontinuierlich zurückgegangen, allein zwischen 2010 und 2011 verringerte sie sich von 267,7 auf 257,4.
Unter den ausgewählten Diagnosen ist die koronare Herzkrankheit die prognostisch ungünstigste, gefolgt vom akuten Myokardinfarkt und der Herzinsuffizienz.

Die bereits 2010 beobachteten Geschlechtsunterschiede in der Sterblichkeit werden durch die neuen Daten bestätigt:
- Die Sterbeziffer bei ischämischen Herzkrankheiten lag in Deutschland bei
155,3 pro 100.000 Einwohner, wobei die Sterbeziffer der Männer (161,2) jene der Frauen (149,6) nur leicht überstieg.
- Die Sterbeziffer bei akutem Myokardinfarkt betrug 63,7, die der Männer
(71,2) lag um 20,7 Prozent über jener der Frauen (56,4). "Ein vergleichbarer Unterschied fand sich auch in den Vorjahren", kommentiert Prof. Hamm. "Somit scheinen Männer beim akuten Myokardinfarkt eine ungünstigere Prognose zu haben als Frauen."
- Die Sterbeziffer bei Herzklappenkrankheiten lag bei 16,2. Sie betrug für Männer 13 und für Frauen 21. „Der Wert für die Frauen war somit um 61,5 Prozent höher. Dieser Unterschied ist unerwartet groß und muss weiter untersucht werden“, so Prof. Hamm.
- Die Sterbeziffer bei Herzrhythmusstörungen beträgt 28,9, bei Frauen 35,1 gegenüber 22,6 bei Männern. "Dieser Unterschied verläuft zu Ungunsten der Frauen, ist mit 55,3 Prozent unerwartet groß und nicht ohne weiteres erklärlich", kommentiert Prof. Hamm.

- Die Sterbeziffer bei Herzinsuffizienz betrug 55,5, -- 36,8 bei Männern und 73,5 bei Frauen. „Dieser Unterschied von etwa 100 Prozent ist unerwartet groß und erfordert weitere Analysen“, so Prof. Hamm.

- Die Sterbeziffer bei angeborenen Fehlbildungen des Kreislaufsystems betrug insgesamt 0,6, bei Männern etwa gleich viel wie bei Frauen.

Regionale Unterschiede bei Herzkrankheiten

"Eine Analyse der Morbiditätsziffern (Krankenhauseinweisungen) ergibt deutliche Unterschiede für die einzelnen Krankheitsbilder zwischen den verschiedenen Bundesländern und bestätigt die Ergebnisse der Vorjahre“, so Prof. Hamm. „Die gesamte stationäre Morbiditätsziffer war für die untersuchten Herzkrankheiten in Hamburg, Bremen und Baden-Württemberg am niedrigsten und in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg am höchsten."

Die Spannweite zwischen der niedrigsten und der höchsten stationären Morbiditätsziffer pro 100.000 Einwohner reicht bei den ischämischen Herzkrankheiten von 617 in Hamburg bis 1069 in Sachsen-Anhalt. Beim akuten Myokardinfarkt lag die niedrigste (223) in Bayern und die höchste (379) in Bremen. Bei Herzklappenkrankheiten reichte die Spannweite von 71 in Bremen bis 123 in Brandenburg, bei Herzrhythmusstörungen von 418 in Bremen bis 606 in Brandenburg und bei der Herzinsuffizienz von 319 in Bremen bis 668 in Sachsen-Anhalt.

Prof. Hamm: "Die niedrigsten Sterbeziffern haben weiterhin Berlin, Hamburg, Baden Württemberg, die höchsten Thüringen, Sachsen und Sachsen- Anhalt." Die höchste Sterbeziffer eines Landes bei den ischämischen Herzkrankheiten kann die niedrigste Sterbeziffer um mehr als das Doppelte übersteigen. Gleiches gilt beim akuten Myokardinfarkt oder bei den Herzklappenkrankheiten. Noch größer können die Unterschiede bei den Herzrhythmusstörungen oder bei der Herzinsuffizienz ausfallen.

"Vergleichbare länderspezifische Unterschiede sehen wir seit Jahren, sie müssen aber mit Vorsicht interpretiert werden. Als Ursache für diese regionalen Unterschiede, was die Häufigkeit von und Sterblichkeit durch Herzerkrankungen betrifft, kommen eine Reihe von Faktoren in Betracht", so Prof. Hamm. "Dazu gehören demographische Größen ebenso wie regionale Unterschiede in der Gesundheitsversorgung, geringere Ärztedichte, geringeres Gesundheitsbewusstsein und niedrigerer sozioökonomischer Status in der Bevölkerung in diesen Bundesländern." "Im Überblick setzten sich bei vielen Erkrankungen die Trends der vergangenen Jahre fort. Erwartungsgemäß geht die Häufigkeit der koronaren Herzkrankheit zurück, die Erkrankungszahlen bei der Herzinsuffizienz nehmen zu", bilanziert Prof. Hamm. "Verbesserungen in der Mortalität und Morbiditätsstatistik sind zu erwarten, wenn auch die psycho- sozio-ökonomischen Faktoren der Gesundheit in der Bevölkerung berücksichtigt werden. Fragen der Prävention bezüglich Rauchen, Medikamententreue, Vorsorge sollten zur Verbesserung der Situation bevölkerungsbasiert im Vordergrund stehen."

Föderale Struktur erschweren Beschaffung und Vergleich von Gesundheitsdaten
In Deutschland, kritisiert der DGK-Präsident, "fehlen die häufig gewünschten vollständigen und validen Morbiditätsdaten. Die föderale Struktur der Bundesrepublik ist, gerade für wissenschaftliche Fragestellungen der Versorgungsforschung, ein großes Hindernis. Unterschiede bei der Systematik der Erfassung, beim Aggregieren der Daten oder an den verschiedenen Schnittstellen können das Bild verzerren. Deshalb leidet das deutsche Gesundheitswesen immer noch an mangelhafter Dokumentation von Diagnosen, von Krankheitsverläufen, von Morbiditäten und von Mortalität, auch und besonders im Bereich der Herz-Kreislauf- Erkrankungen."

Als Vorbilder in Europa gelten derzeit die skandinavischen Länder wie Dänemark, aber auch die Niederlande. "Dort gibt es für das Gesundheitsgeschehen eine zentrale Registrierung", so Prof. Hamm. "Jeder Patient und dessen Krankheitsgeschichte lässt sich in diesen Ländern vom niedergelassenen Arzt über alle Krankenhausaufenthalte bis zum Tod nachverfolgen. Das erleichtert ungemein eine sinnvolle Planung mit dem Ziel, die Versorgung weiter zu verbessern."

Quelle: Pressemitteilung Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V. (DGK), 29.1.2014,
www.dgk.org.

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Alzheimer-Patienten mit hohen DDT-Werten

(28.01.2014) Der Kontakt mit einem in der Vergangenheit oft eingesetzten Pestizid kann die Wahrscheinlichkeit von Alzheimer erhöhen. Zu dem Fazit kommt eine Studie aus den USA. Alzheimer-Patienten verfügten über vier Mal höhere DDT-Werte als gesunde Menschen. Das Pestizid wird heute noch in einigen Ländern zur Bekämpfung von Malaria eingesetzt.

Plaquen im Gehirn
DDT wurde Ende des Zweiten Weltkriegs sehr erfolgreich im Kampf gegen Malaria eingesetzt und später zum Schutz der Ernten. Die Folgen auf den menschlichen Organismus und die Umwelt wurden immer wieder diskutiert. Das Pestizid wurde in den USA und vielen anderen Ländern 1972 verboten. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt es jedoch heute noch zur Bekämpfung von Malaria. DDT bleibt auch dann noch im Körper, wenn es bereits zu DDE abgebaut worden ist.
Die Experten testeten die Blutwerte von 86 Alzheimer-Patienten auf DDE und verglichen die Ergebnisse mit jenen von 79 Personen ähnlichen Alters und Hintergrunds. Die Ergebnisse zeigten, dass die Alzheimer-Patienten über 3,8 Mal so hohe DDE-Werte verfügten. Manche gesunde Teilnehmer verfügten jedoch ebenfalls über hohe DDE-Werte, manche Patienten hatten niedrige Werte. Alzheimer trat auch schon vor dem Einsatz von DDT auf. Die Forscher gehen davon aus, dass die Chemikalie die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung erhöhen kann und eine Rolle bei der Entstehung der Plaquen im Gehirn spielen dürfte.

Starker Risikofaktor
Laut Allan Levey vom Alzheimer's Disease Research Centre der Emory University ist diese Studie eine der ersten, die einen starken Risikofaktor für Alzheimer identifiziert, der aus der Umwelt stammt. "Dieser Effekt ist erstaunlich groß. Er ist mit den meisten bekannten genetischen Risikofaktoren vergleichbar." Mitautor Jason Richardson ergänzt, dass die Menschen in den USA diesen Chemikalien noch immer ausgesetzt sind. Verantwortlich dafür sind der Import von Lebensmitteln und die Tatsache, dass DDE sehr lange in der Umwelt erhalten bleibt.

Quelle: pressetext.redaktion 28.1.2014; Originalstudie: Jason R. Richardson, Ananya Roy, Stuart L. Shalat, Richard T. von Stein, Muhammad M. Hossain, Brian Buckley, Marla Gearing, Allan I. Levey, Dwight C. German (2014): Elevated Serum Pesticide Levels and Risk for Alzheimer Disease, JAMA Neurol. Published online January 27, 2014. doi:10.1001/jamaneurol.2013.6030,
archneur.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=1816015.

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Extrem hohe Kosten durch Bisphenol A in Lebensmittelverpackungen

(24 1.2014) Die Europäische Union sollte die Verwendung von Bisphenol A (BPA) in Lebensmittelverpackungen untersagen. Das fordert die Health and Environment Alliance (HEAL), ein Zusammenschluss von Nichtregierungsorganisationen, der auf EU-Ebene zu den Gesundheitsauswirkungen von Umweltverschmutzung arbeitet. HEAL beruft sich dabei auf eine Studie aus den USA. Darin wurden zum ersten Mal die durch die Verwendung der Chemikalie BPA verursachten Gesundheitskosten berechnet.

Die am 22.1.2014 in der Zeitschrift HEALTH AFFAIRS erschienene Veröffentlichung einer in den USA durchgeführten Studie zeigt auf, dass die Kosten im Gesundheitswesen der USA durch ein Verbot für BPA enorm gesenkt werden könnten (1). Die Autoren sprechen von Einsparungen in Höhe von EUR 1.28 Milliarden (1.74 Milliarden US$) bei Verzicht auf BPA in Lebensmittelverpackungen und vergleichbaren Anwendungen. Dann ließen sich 6.236 Fälle von massivem Übergewicht bei Kindern und 22.350 Fälle von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den USA verhindern (2).

BPA ist eine Chemikalie, die in der Produktion von stabilen Kunststoffen zum Einsatz kommt und vor allem als Innenauskleidung von Getränke- und Konservendosen breite Anwendung findet. Wissenschaftler vermuten, dass BPA zu den hormonell wirksamen Substanzen gehört, die in das Hormonsystem eingreifen. Das Europäische Klassifizierungssystem für Chemikalien bestätigt dies offiziell noch nicht. Aus der Wissenschaft kommen zunehmend Erkenntnisse auf durch BPA verursachte Gesundheitsauswirkungen, die die Fortpflanzungsfähigkeit, das Nervensystem, das Immunsystem, das Risiko an Krebs zu erkranken (z.B. an Brustkrebs) sowie den Stoffwechsel oder das Kreislaufsystem betreffen. Sowohl die Europäische Kommission wie auch US-Behörden haben deshalb bereits ein BPA-Verbot für Babyfläschchen erlassen, allerdings hinsichtlich der Lebensmittelverpackungen noch keine Schritte unternommen.

Die Studie beruft sich auf eine Kostenkalkulation für BPA aus dem Jahr 2008 und auf in den USA neu entwickelte Berechnungsverfahren ("dose-response" calculations) (1). Die wahren Gesundheitskosten, die BPA verursacht, liegen wahrscheinlich noch höher als die publizierten, da sich die Untersuchung ausschließlich auf den Zusammenhang von Fettleibigkeit und Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit Lebensmittelverpackungen bezog. BPA wird jedoch in einer Größenordnung von mehr als einer Million Tonnen pro Jahr weltwelt produziert und hat vielfältige Anwendungsformen (3).

Die Autoren der Studie argumentieren, dass die durch verminderte BPA-Verwendung erzielte Senkung der Gesundheitskosten die Investitionen in die Entwicklung und Anwendung von sicheren Ersatzstoffen für BPA finanzieren könnte. HEAL setzt darauf, dass die EU-Kommission die neuen Forschungsergebnisse registriert und bereit ist, alle bisherigen Regulierungsverfahren (etwa REACH) zu überdenken. Génon K. Jensen, die geschäftsführende Direktorin von HEAL, weist darauf hin, dass die EU zurzeit dabei ist, die Regulierung von hormonell wirksamen Substanzen (Endokrinen Disruptoren, ED) zu überarbeiten.

“Die Regulierung von hormonell wirksamen Substanzen ist gerade für BPA von hoher Bedeutung“, betont Jensen. “Diese Studie entspricht genau unseren Vorstellungen von Analysen, wie wir sie im anstehenden Impact Assessment für ED-Kriterien sehen möchten. Denn wir brauchen eine umfassende Schätzung von Kostensenkungen und Einsparungen für Gesundheitsausgaben. Das geplante Impact Assessment erstreckt sich zwar dem Wortlaut nach nur auf Pestizide, jedoch wissen wir, dass die Bevölkerung über die verschiedensten Wege mit den hormonell wirksamen Stoffen in Berührung kommt, die sich dann im Körper anreichern können. Deshalb sind Kostenberechnungen für Gesundheitsauswirkungen aus verschiedenen Quellen von Bedeutung.“

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat gerade erst eine öffentliche Konsultation eröffnet, die sich auf ein kürzlich fertig gestelltes Gutachten über die gesundheitlichen Risiken von BPA bezieht (4). In diesem heißt es abschließend, dass mögliche Auswirkungen auf Fortpflanzungsfähigkeit, das Nervensystem, das Immunsystem, das Risiko an Krebs zu erkranken sowie auf Stoffwechsel oder das Kreislaufsystem eher unwahrscheinlich seien. Der französische HEAL-Mitgliedsverband Réseau Environnement Santé (RES) beantwortet dies mit der Feststellung, dass EFSA zwar einerseits den Grenzwert für die täglich erlaubte Aufnahme von BPA nach unten korrigiert habe, andererseits aber fortfahre, den überwiegenden Teil von veröffentlichten Forschungsergebnissen zu BPA zu ignorieren.

“Fünfundneunzig Prozent von 900 veröffentlichten Studien über die Toxizität von Bisphenol A präsentieren positive Befunde,“ sagt André Cicolella, Toxikologe und Präsident von RES. „Während EFSA auf der einen Seite anerkennen musste, dass es neue Erkenntnisse zu Auswirkungen von BPA auf Fortpflanzungsfähigkeit, Stoffwechsel, das Immun- und das Kreislaufsystem sowie auf die Entwicklung des Nervensystems gibt, wird all dies mit einem Handstreich als irrelevant abgetan.“

HEAL und andere Gesundheits- und Umweltgruppen, wie etwa CHEM Trust aus Großbritannien, zeigen sich besorgt, dass in diesen Zeiten ökonomischer Rezession die Regulierungsbehörden eine auf ökonomischen Erfolg ausgerichtete Vorgehensweise bevorzugen und nicht bereit sind, die Industrie mit Regulierungskosten zu belasten.

Quelle: Pressemitteilung 24.1.2014, Health & Environment Alliance (HEAL);
1. Studie: Trasande, L. (2014): "Further limiting bisphenol A in food uses could provide health and economic benefits" unter:
content.healthaffairs.org/lookup/doi/10.1377/hlthaff.2013.0686;
Die Studie basiert auf Daten aus dem Jahr 2008, die aufzeigten, dass die Auswirkungen von BPA-Exposition mit 12.404 Fällen von starkem Übergewicht bei Kindern und 33.863 Fällen von neu aufgetretenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht werden kann, verbunden mit geschätzten gesellschaftlichen Kosten in Höhe von EUR 1,28 Milliarden.
2. Die Sensitivitätsanalyse ergab einen Spielraum von EUR 657 Mio. - EUR 10.8 Mrd. pro Jahr.
3. Obwohl Lebensmittel die Hauptaufnahmequelle für BPA darstellen, sind auch Zahnversiegelungen und Thermalpapier als Übertragungswege in Betracht zu ziehen.
4. European Food Safety Authority (EFSA): Bisphenol A: EFSA consults on assessment of risk to the human health,
www.efsa.europa.eu/de/press/news/140117.htm

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Feinstaubbelastung führt zu erhöhtem Herzinfarkt-Risiko

(22.1.2014) Eine langfristige Feinstaubbelastung ist mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkte assoziiert. Überdies lässt sich der Zusammenhang bereits bei einer Feinstaubexposition unterhalb der aktuell festgeschriebenen Grenzwerte beobachten. Zu diesen Ergebnissen kommt ein europäisches Forschungsteam unter Leitung von Wissenschaftlern des Helmholtz Zentrums München in einer Bevölkerungsstudie, die in der Fachzeitschrift 'The British Medical Journal' veröffentlicht wurde.

Die ESCAPE-Studie* untersucht Effekte auf die Gesundheit durch Feinstaub. In elf teilnehmenden Bevölkerungsgruppen aus Finnland, Schweden, Dänemark, Italien und Deutschland wurde nun der Zusammenhang von Feinstaubbelastung und Herz-Kreislauf-Erkrankungen ermittelt, mit dem Ergebnis, dass hohe Luftverschmutzungen am Wohnort das Risiko für einen Herzinfarkt erhöhen können.

Die Wissenschaftler, darunter das Team um Prof. Dr. Annette Peters und Dr. Kathrin Wolf vom Institut für Epidemiologie II (EPI II) am Helmholtz Zentrum München, werteten die Daten von über 100.000 Teilnehmern aus. Bei Studieneinschluss waren alle Studienteilnehmer herzgesund. In einem Beobachtungszeitraum von im Mittel 11,5 Jahren wurden Daten zu Ereignissen einer Herz-Kreislauf-Erkrankung gesammelt und mit Konzentrationen von unter dem Begriff Feinstaub zusammengefassten Luftpartikeln mit einem Durchmesser kleiner als 10 Mikrometer ( PM10) bzw. lungengängigen Partikeln kleiner als 2.5 Mikrometer (PM2.5) und Stickstoffoxiden (NOx) am Wohnort verglichen.

Insgesamt erlitten 5.157 Personen während der Studienphase einen Herzinfarkt oder instabile Angina pectoris (Brustenge), beides Erkrankungsbilder, die durch eine Verkalkung der Herzkranzgefäße hervorgerufen werden. Ein Anstieg der jährlichen Konzentration von PM2.5 um 5 µg/m
3 bzw. von PM10 um 10 µg/m3 in der Luft führte zu einem um 13 bzw. 12 Prozent erhöhten Herzinfarkt-Risiko. Ein Risiko durch erhöhte Feinstaubbelastung trat auch bereits dann auf, wenn die Partikelkonzentrationen unterhalb der EU-weiten Grenzwerte von 25 µg/m3 für PM2.5 und 40 µg/m3 für PM10 lagen.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass Feinstaubbelastungen ein deutliches Gesundheitsrisiko darstellen - und zwar ein größeres als bisher angenommen", erklärt Letztautorin der Studie Peters. "Besonders alarmierend sind die Gesundheitsschädigungen bereits unterhalb der vorgeschriebenen Grenzwerte. Die Studie unterstützt daher die Forderungen, diese Grenzwerte abzusenken."

Umweltfaktoren und Lebensstil tragen wesentlich zu der Entstehung weit verbreiteter Erkrankungen in Deutschland, wie Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes mellitus, bei. Ziel des Helmholtz Zentrums München ist es, neue Ansätze für Diagnose, Therapie und Prävention der großen Volkskrankheiten zu entwickeln.

Quelle: Pressemitteilung 22.1.2014, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt;Original-Publikation: Cesaroni, G. et al. (2014), Long-term exposure to ambient air pollution and incidence of acute coronary events -Analysis of eleven European cohorts from the ESCAPE Project, The British Medical Journal, doi:
dx.doi.org/10.1136/bmj.f7412,
www.bmj.com/content/348/bmj.f7412;
* ESCAPE: Die European Study of Cohorts for Air Pollution Effects untersucht gesundheitliche Langzeit-Effekte von Luftschadstoffen in europäischen Bevölkerungskohorten:
www.escapeproject.eu;

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Nachtarbeit erhöht Gesundheitsrisiken drastisch

(21.1.2014) Wer regelmäßig nachts arbeiten muss, bringt seinen Stoffwechsel gehörig durcheinander und riskiert damit gesundheitliche Langzeitschäden. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie. Schichtarbeit wurde bereits mit einem verstärkten Auftreten von Typ-2-Diabetes, Herzanfällen und Krebs in Zusammenhang gebracht. Jetzt wurde nachgewiesen, welche Störungen Schichtarbeit auf der tiefsten molekularen Ebene des Körpers verursacht.

Beeinträchtigung der Gene
Der menschliche Körper verfügt über einen natürlichen Rhythmus, der darauf beruht in der Nacht zu schlafen und am Tag aktiv zu sein. Diese innere Uhr hat entscheidende Auswirkungen auf den Körper und beeinflusst viele Abläufe - angefangen bei den Hormonen, der Körpertemperatur, über die Sportlichkeit und Stimmung bis hin zur Gehirnfunktion.
Für die Analyse wechselten 22 Personen von einem normalen Tag-Nacht-Rhythmus in den eines Schichtarbeiters. Bluttests ergaben, dass normalerweise sechs Prozent der Gene genau darauf ausgerichtet waren, zu einer bestimmten Tageszeit mehr oder weniger aktiv zu sein. Arbeiteten die Teilnehmer in der Nacht, ging diese genetische Feinabstimmung verloren.

Tagesrhythmus durcheinander
Laut Simon Archer, einem der Autoren der Studie, geraten mehr als 97 Prozent der Gene, die auf den Tag-Nacht-Rhythmus ausgerichtet sind, aus dem Gleichgewicht, wenn zu anderen Tageszeiten geschlafen wird. "Das erklärt auch, warum wir uns während eines Jetlags oder bei unregelmäßigen Arbeitszeiten schlecht fühlen", verdeutlicht Archer.
Laut Mitautor Derk-Jan Dijk verfügt jedes Gewebe im Körper über einen eigenen täglichen Rhythmus. Durch die Schichtarbeit arbeite das Herz anders als die Nieren und anders als das Gehirn. Dem Experten nach komme es bei Schichtarbeitern daher zu einem Chaos. "Es lässt sich mit dem Leben in einem Haus vergleichen. Es gibt in jedem Zimmer eine Uhr und alle diese Uhren laufen plötzlich anders und das führt dann klarerweise zur Unordnung", so Dijk.

Quelle: pressetext.redaktion 21.1.2014; Originalstudie: Möller-Levet, C.S., Archer, S.N., Bucca, G. et al. (2013): Effects of insufficient sleep on circadian rhythmicity and expression amplitude of the human blood transcriptome, Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America PNAS 110(12): E1132–E1141, doi: 10.1073/pnas.1217154110,
www.pnas.org/content/110/12/E1132.abstract?sid=5e703077-
acbd-469b-8b1b-dc26fe0365b9
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BfR-Symposium: Neubewertung von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln

(20.1.2014) Angesichts der öffentlichen Diskussion um die Einschätzung möglicher gesundheitlicher Risiken von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln veranstaltete das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) am 20. Januar 2014 ein wissenschaftliches Symposium im ICC Berlin. Das BfR hat im Rahmen der EU-Wirkstoffprüfung die gesundheitlichen Risiken von Glyphosat neu bewertet.

Zusätzlich zu den bereits in die erste Wirkstoffprüfung eingeflossenen Dokumenten wurden mehr als 1000 neue Studien geprüft und ausgewertet. Diese liefern keine Hinweise auf eine krebserzeugende, reproduktionsschädigende oder fruchtschädigende Wirkung durch Glyphosat bei den Versuchstieren. „Die Daten geben keinen Anlass, die gesundheitlichen Grenzwerte des Wirkstoffs wesentlich zu verändern“, sagt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. „Aus der großen Anzahl der ausgewerteten Literatur ergibt sich jedoch, dass die Toxizität bestimmter glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel aufgrund der darin enthaltenen Beistoffe höher sein kann als die des Wirkstoffes.“ Beistoffe sind zum Beispiel Tallowamine, die als Netzmittel eingesetzt werden. Eine toxikologische Bewertung der Tallowamine wurde vom BfR in den Bericht integriert.

Glyphosat ist weltweit einer der am meisten eingesetzten Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln, die zur Verhinderung von unerwünschtem Pflanzenwuchs im Kulturpflanzenbau oder zur Beschleunigung des Reifeprozesses bei Getreide (Sikkation) verwendet werden. Glyphosat hemmt ein Enzym, das in Pflanzen für die Biosynthese bestimmter Aminosäuren essenziell ist. Dieses Enzym kommt bei Tieren und beim Menschen nicht vor. Derzeit wird im Rahmen der EU-Wirkstoffprüfung geprüft, ob eine weitere Genehmigung des Wirkstoffes Glyphosat für den Einsatz in Pflanzenschutzmitteln möglich ist. Berichterstattender Mitgliedsstaat im EU-Verfahren ist Deutschland. Der Entwurf des Berichtes ist abgeschlossen und vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) als der koordinierenden Behörde an die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) übergeben worden. Für die gesundheitliche Bewertung hat das dafür zuständige BfR zusätzlich zur erneuten Bewertung der bereits in die erste Wirkstoffprüfung eingeflossenen Dokumente mehr als 150 neue, nach den OECD-Guidelines und der Guten Laborpraxis (GLP) durchgeführte toxikologische Originalstudien und über 900 neu in wissenschaftlichen Zeitschriften publizierte Studien geprüft und ausgewertet.

Die Analyse der zahlreichen neuen Dokumente ergibt keine Hinweise auf eine krebserzeugende, reproduktionsschädigende oder fruchtschädigende Wirkung durch Glyphosat bei den Versuchstieren. Sie geben auch keinen Anlass, die gesundheitlichen Grenzwerte, insbesondere der täglich duldbaren Aufnahmemenge (ADI) wesentlich zu verändern. Bestehende Rückstandshöchstgehalte sind nach wie vor sicher für Verbraucher. Sie decken sowohl Anwendungen zur Unkrautbekämpfung als auch den Einsatz als Sikkationsmittel ab. Bei Bedarf könnten einzelne Höchstgehalte für Glyphosat auch ohne Gefahr für Verbraucher angehoben werden, wenn dies aufgrund einer geänderten fachlichen Praxis, neuer Anwendungsgebiete oder neu beantragter Importtoleranzen erforderlich wäre.

Aus den zahlreichen ausgewerteten Dokumenten ergibt sich jedoch, dass die Toxizität bestimmter glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel aufgrund der darin enthaltenen Beistoffe, zum Beispiel Tallowamine als Netzmittel, höher sein kann als die des Wirkstoffes. Das wird bei der Zulassung glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel vom BfR berücksichtigt. Darüber hinaus hat ein vom BfR initiiertes und von der Tierärztlichen Hochschule Hannover durchgeführtes Forschungsprojekt erstmals den Einfluss eines glyphosat- und tallowaminhaltigen Pflanzenschutzmittels auf den Stoffwechsel und die mikrobielle Population des Vormagens bei Wiederkäuern untersucht. Die Ergebnisse dieser Untersuchung zeigen, dass der Wirkstoff Glyphosat und die Beistoffe keinen negativen Einfluss auf die Mikroflora des Vormagens haben. Es gibt auch keine Hinweise, dass Bakterien der Spezies Clostridium sich unter dem Einfluss von Glyphosat verstärkt vermehren.

Neben dem BfR waren als weitere Bewertungsbehörden das Umweltbundesamt und das Julius Kühn-Institut sowie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit als Risikomanagementbehörde mit der Neubewertung von Glyphosat befasst.
Der deutsche Entwurf des Berichtes für die Gesamtbewertung von Glyphosat ist die Grundlage für die öffentliche Konsultation mit allen interessierten Stakeholdern sowie für die anschließende Diskussion mit den Experten der Mitgliedstaaten im so genannten Peer Review-Verfahren. Beides wird von der EFSA gesteuert und voraussichtlich Ende 2014 abgeschlossen sein. Alle Bewertungsberichte und wissenschaftlichen Stellungnahmen, die zur öffentlichen Konsultation vorgesehen sind, können auf der EFSA-Website eingesehen und kommentiert werden.

Quelle: Pressemitteilung 20.1.2014, Bundesinstitut für Risikobewertung; Stellungnahme des BfR:
www.bfr.bund.de/de/fragen_und_antworten_zur_gesundheitlichen_
bewertung_von_glyphosat-127823.html
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Nanopartikel als "Mini-Medizinschrank" gegen Krebs

(16.1.2014) Nanopartikel sollen bald im Inneren des Körpers als "kleinste Medizinschränke der Welt" infiziertes Gewebe, wie Krebszellen, mit Arzneien versorgen. Ein Forscherteam der Universität Kopenhagen und dem Institut Laue-Langevin will mit Hilfe dieser Partikeln, die sich um infizierte Zellmembrane binden, die Dosierung von Medizin und die Frequenz der Injektionen von Patienten, die ein weites Spektrum an Behandlungen erfahren, senken. Auch sollen Nebeneffekte aufgrund von Überdosierungen minimiert werden.


Stetige Abgabe von Medikamenten
Im Labor können Medikamente so hergestellt werden, dass sie sich durch den Zusatz von selbstassemblierten liquiden Partikeln an die infizierten Zellen binden. In der Folge wird das Reservoir an therapeutischen Substanzen in langsamer und stetiger Form innerhalb der Zellen verströmt. Die kristallinen Partikel haben die Fähigkeit Arzneimoleküle aufzusaugen und große Mengen davon für eine ausgedehnte Durchdringung der infizierten Zellen, wie Krebszellen, zu transportieren. Sie funktionieren somit wie eine Art Mini-Medizinschrank. Um jedoch eine optimale Anwendung zu gewährleisten, wollten die Forscher die Wechselwirkung zwischen den Zellmembranen und den kristallinen Partikeln verstehen.

Noch gezieltere Behandlung möglich
Die Forscher untersuchten auch die elektrostatische Interaktion. Dabei fiel ihnen auf, dass stärker negativ geladene Zellmembrane mit einer stärkeren Penetration und Bindung der kristallinen Substanz einherging. Auch Krebszellen sind aufgrund ihrer Molekülanordnung stärker negativ geladen als gesunde Zellen.

In Zukunft könnte damit diese Charakteristik eine Behandlung gezielt auf die Zellen, die von Krebs infiziert sind, bieten und diese von innen stetig mit der notwendigen Medikation versorgen. "Diese Erkenntnis könnte für die Zukunft wertvolle Dienste zur Erforschung von Liefermechanismen durch kristalline Partikel bringen", meint Marité Cardenas von der Universität Kopenhagen.

Die ersten Behandlungen, die ähnliche Partikeln verwenden, sollen bald für den Markt zugelassen werden.

Quelle: pressetext.redaktion 16.1.2014

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Hendricks: Beim Klimaschutz ehrgeiziger werden

(16.1.2014) Deutschland hat sein im Kyoto-Protokoll vorgegebenes Ziel zur Minderung der Treibhausgasemissionen deutlich übererfüllt. Dies ist das Fazit eines vom Umweltbundesamt (UBA) erstellten Berichts, den Bundesumweltministerium und UBA jetzt an die Europäische Kommission übermittelt haben. Allerdings bereitet die Entwicklung der letzten beiden Jahre Bundesumweltministerin Barbara Hendricks Sorge.

"Wir müssen im Klimaschutz wieder ehrgeiziger werden und die negative Tendenz der letzten beiden Jahre wieder umkehren. Denn wir haben uns in der Koalition in Sachen Klimaschutz viel vorgenommen", so Hendricks.

Nach den jetzt vorgelegten offiziellen Emissionsdaten für das Jahr 2012 lagen die klimaschädlichen Emissionen zuletzt 24,7 Prozent unter dem Niveau von 1990, dem internationalen Basisjahr. Die aktuellen Zahlen umfassen erstmals die gesamte erste Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls, den Durchschnitt der Jahre 2008 bis 2012. Deutschland hatte sich zu einer Minderung der Treibhausgasemissionen um 21 Prozent in diesem Zeitraum verpflichtet, erreicht wurde eine Minderung um 23,6 Prozent. Zum Vergleich: Innerhalb der EU sind die Emissionen im selben Zeitraum um etwa 19 Prozent gesunken.

"Die erfolgreiche Umsetzung unserer Kyoto-Verpflichtung ist ein wichtiger Meilenstein im Klimaschutz. Jetzt müssen wir den Blick fest auf das im Koalitionsvertrag vereinbarte Ziel einer Minderung der Treibhausgas-Emissionen um mindestens 40 Prozent bis zum Jahr 2020 richten. Dafür haben wir zwar bereits mit dem Lösen der Blockade im europäischen Emissionshandel ein erstes Zeichen gesetzt. Wir müssen aber auch weitergehen und in allen Sektoren ansetzen, bei Energieeffizienz, Gebäudesanierung, Verkehr und auch mit weiteren Reformen beim Emissionshandel", sagte Bundesumwelt- und -bauministerin Barbara Hendricks. Gegenüber dem Vorjahr 2011 nahmen die Emissionen im Berichtsjahr 2012 um rund 11 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente zu. Das ist eine Steigerung um 1,1 Prozent. Für das Jahr 2013 ist eine ähnliche Entwicklung zu erwarten. Der leichte Anstieg lässt sich darauf zurückführen, dass mehr Braun-, Steinkohle und Mineralöl für die Stromproduktion eingesetzt wurde. Witterungsbedingt stieg zudem der Bedarf an Heizenergie an. Mit je 3 Prozent war im Berichtsjahr 2012 der größte Anstieg demnach in der Energiewirtschaft und bei privaten Haushalten zu verzeichnen. Die Emissionen der Industrie gingen um 2 Prozent leicht zurück. Weiterhin wirken sich die derzeit geringen Minderungsanforderung des europäischen Emissionshandels aus: Die Kohlendioxid-Emissionen von Unternehmen der Industrie und Energiewirtschaft konnten seit dem Jahr 2005 insgesamt lediglich um knapp fünf Prozent gemindert werden.

Thomas Holzmann, amtierender Präsident des UBA: "Wer den Europäischen Emissionshandel als zentrales Klimaschutzinstrument erhalten will, der muss ihn dringend wieder zum Leben erwecken. Dazu brauchen wir zügig europaweit ein ambitioniertes Minderungsziel von mindestens 40 Prozent für 2030 und eine strukturelle Reform des Emissionshandels, die Überschüsse im System vermeidet." Die Wirtschaftskrise und die Nutzung von internationalen Projektzertifikaten lassen das aktuelle Minderungsziel für den europäischen Emissionshandel bis 2020 als wenig ehrgeizig aussehen. Die Folge sind ein anhaltender Preisverfall und hohe Überschüsse bei den Emissionszertifikaten, weil die Anreize fehlen, in Minderungsmaßnahmen zu investieren.

Quelle: Pressemitteilung 16.1.2014, Umweltbundesamt und Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit;
Grafik "Entwicklung der Treibhausgasemissionen in Deutschland nach Sektoren: 1990 bis 2012" unter:
www.umweltbundesamt.de/bild/entwicklung-der-treibhausgasemissionen-in;
Der komplette Bericht unter:
cdr.eionet.europa.eu/de/eu/ghgmm/envutt6ka.

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Mehr Umweltfreundlichkeit im Lebensmittelbereich nötig

(15.1.2014) Auf Umweltprobleme durch Lebensmittel und die Folgen für Verbraucher haben der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und das Umweltbundesamt (UBA) aufmerksam gemacht. Im Vorfeld der Internationalen Grünen Woche legten sie gemeinsame Handlungsempfehlungen für die drängendsten Probleme vor.

Die Ökobilanz von Lebensmitteln hat es in sich: Ein Fünftel der Treibhausgasemissionen in Deutschland gehen auf den Ernährungssektor zurück. Stickstoffüberschüsse aus der Landwirtschaft belasten das Grundwasser. Zugleich landen pro Jahr elf Millionen Tonnen an Lebensmitteln im Müll und werden verschwendet.
"Für die Produktion und den Verbrauch von Lebensmitteln muss die Umwelt schon heute zahlen. Langfristig können auch die Kosten für die Verbraucherinnen und Verbraucher spürbar werden. Es ist Zeit, zu handeln", sagt Holger Krawinkel, Leiter des Geschäftsbereichs Verbraucherpolitik beim vzbv. vzbv und UBA sprechen sich dafür aus, die Stickstoffbelastung zu verringern, den Ökolandbau voranzutreiben, eine umweltfreundlichere Tierhaltung und bewussten Fleischkonsum zu fördern sowie unnötige Lebensmittelabfälle zu vermeiden. Thomas Holzmann, amtierender Präsident des UBA: "Wenn wir so weiter machen wie bisher, erreichen wir unser nationales Ziel von 20 Prozent Ökolandwirtschaft erst im Jahre 2078. Allein die nach wie vor zu hohen Stickstoffüberschüsse aus der Landwirtschaft zeigen, dass wir uns dieses Tempo nicht leisten können. Die Landwirtschaft verfügt selbst über viele Strategien, den Anbau von Lebensmitteln umweltverträglicher zu machen. Genau diese gilt es zu fördern."

Stickstoff auf die Agenda der Agrarpolitik
Überschüssiger Stickstoff aus der Landwirtschaft bedroht Artenvielfalt sowie Luftqualität und belastet das Grundwasser, aus dem Trinkwasser gewonnen wird. Für vzbv und UBA kommt die Stickstoffproblematik in der Agrarpolitik bislang zu kurz. Sie empfehlen eine zeitnahe ambitionierte Überarbeitung der Düngeverordnung. Zur Emission von Stickstoff und Treibhausgasen trägt auch der hohe Fleischkonsum bei. Im Jahr 2012 verzehrte jeder Deutsche durchschnittlich rund 60 Kilogramm Fleisch. Um die Tierhaltung umweltfreundlicher zu gestalten, sprechen sich die beiden Institutionen dafür aus, die Zahl der Tiere pro Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche zu begrenzen. Zudem solle die Bundesregierung stärker über die Folgen eines hohen Fleischkonsums für Gesundheit und Umwelt informieren. Industrie und Handel könnten über eine zuverlässige Kennzeichnung vegetarischer Produkte Fleischalternativen fördern.

Ökolandbau fördern
Stickstoffüberschuss und Energieeinsatz sind im ökologischen Landbau geringer als in der konventionellen Landwirtschaft. Der Ökolandbau ist damit umweltfreundlicher, die Umstellung aber kostet Geld. Um die Nachfrage nach Bioprodukten mit heimischen Erzeugnissen zu decken, fordern vzbv und UBA eine stärkere finanzielle Unterstützung der Landwirte bei der Umstellung auf "Bio". Zudem solle eine bessere Rückverfolgbarkeit und Kontrolle von Bioprodukten das Vertrauen der Verbraucher sichern.

Nicht nur die Produktion von Lebensmitteln belastet die Umwelt, auch die Lebensmittelverschwendung. "Die Lebensmittelabfälle zu reduzieren, ist ein zentraler Schritt, den Lebensmittelbereich ressourcenschonender zu gestalten. Dabei sind alle Akteure gefragt, die Debatte darf nicht auf die Verbraucher verengt werden", sagt Holger Krawinkel. vzbv und UBA appellieren unter anderem an den Handel, Qualitätsanforderungen zur Makellosigkeit, Größe und Form von Lebensmitteln zu überdenken. Ein langfristig angelegtes Konzept zur Verbraucherbildung, müsse schon in der Schule ansetzen und Konsumenten sensibilisieren und informieren.

Quelle: Pressemitteilung 15.1.2014, Umweltbundesamt und Verbraucherzentrale Bundesverband;
Gemeinsame Handlungsempfehlungen von vzbv und UBA unter:
www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/378/dokumente/
fuer_umweltfreundlichere_lebensmittel_handlungsempfehlungen_uba_vzbv_0.pdf
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Studie sagt schwerere und länger anhaltende Dürren in Europa voraus

(15.1.2014) Weite Teile Europas müssen sich auf schwerere und länger anhaltende Dürren sowie fallende Flusspegel einstellen. Das ist das Ergebnis einer Studie, an der eine Forschungsgruppe der Universität Kassel beteiligt war. Der Klimawandel ist nur eine der Ursachen. Die Folgen sind weitreichend - von der Landwirtschaft bis zum Betrieb von Atomkraftwerken.

Vor allem in Südeuropa wird Wasser im Laufe des 21. Jahrhunderts immer knapper, so die Analyse. Die Niedrigwasserabflüsse sinken demnach in Spanien, Portugal, Italien, aber auch in Südfrankreich und auf dem Balkan in den kommenden Jahrzehnten deutlich, mancherorts bis zu 40 Prozent.
Verbunden damit seien ausgeprägtere Dürreperioden mit bis zu 80 Prozent höherem Abflussdefizit, so die Studie, die jetzt im Fachmagazin Hydrology and Earth System Sciences veröffentlicht wurde. Aber auch Regionen, denen wegen des Klimawandels in vielen bisherigen Studien vermehrte Niederschläge vorhergesagt wurden, dürften wegen erhöhten Wasserverbrauchs künftig unter hydrologischen Dürren und fallenden Pegeln leiden - darunter auch weite Teile Deutschlands.

"Häufig liegt das Augenmerk bei Szenarien zur Wasserverfügbarkeit alleine auf den Folgen des Klimawandels", sagt Dr.-Ing. Martina Flörke, Leiterin der Forschungsgruppe "Globale und regionale Dynamiken - Wasser" am Center for Environmental Systems Research (CESR) der Universität Kassel. "Dabei können andere Faktoren einen vergleichbaren Effekt haben und die Wasserknappheit noch verstärken: das Bevölkerungswachstum etwa oder das Niveau der Wassernutzung." In das Szenario flossen daher Daten und Prognosen zum Klimawandel ebenso ein wie Vorhersagen des Wasserverbrauchs in ganz Europa. Neben Flörke waren der Kasseler Wissenschaftler Florian Wimmer und andere Forscher an der Studie des Institute for Environment and Sustainability im italienischen Ispra beteiligt.

Das Szenario, das die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entwerfen, reicht bis zum Ende des 21. Jahrhunderts. Sie können dabei auf Daten aus vorangegangenen Studien aufbauen. Während die Autorinnen und Autoren für den Klimawandel einen Anstieg der globalen Mitteltemperatur um bis zu 3,4 Grad annehmen und sich damit im mittleren Bereich der Prognosen bewegen, sind sie in Sachen Wasserverbrauch pessimistisch und gehen von einem drastischen Anstieg aus.

"Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in den europäischen Ländern müssen sich auf wachsende Wasserknappheit einstellen und Anpassungsstrategien entwickeln“, erklärt Flörke. "Das betrifft naheliegenderweise die Landwirtschaft und die Wasserversorgung der Bürger, aber auch andere Bereiche von der Fluss-Schifffahrt bis hin zu Kraftwerken, die mit Flusswasser gekühlt werden." In den letzten zwanzig Jahren hätten die durch Dürre verursachten Kosten in Europa bei 6,2 Mrd. Euro pro Jahr gelegen, so die Studie. Diese Kosten dürften weiter wachsen.

Quelle: Pressemitteilung 15.1.2014, Universität Kassel, Center for Environmental Systems Research;
Studie: Forzieri G, Feyen L, Rojas R, Flörke M, Wimmer F, and Bianchi A. (2014): Ensemble projections of future streamflow droughts in Europe, Hydrol. Earth Syst. Sci. 18: 85-108, doi:10.5194/hess-18-85-2014,
www.hydrol-earth-syst-sci.net/18/85/2014/hess-18-85-2014.html.

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Neuer Mobilfunk - StudienReport 2012/13

(15.1.2014) Die Verbraucherschutzorganisation &Mac226;Diagnose-Funk‘ hat den Studienreport Nr. 2 zur Forschungslage im Mobilfunkbereich veröffentlicht. Er dokumentiert in Kurzform über 90 wichtige Studien zu den Auswirkungen der nichtionisierenden Strahlung der mobilen Kommunikation aus den Jahren 2012 - 2013.

"Die große Anzahl neuer Studien zur Schädigung von Embryos, Schwangeren, Spermienschädigungen und zu den Gefahren von Gehirntumoren für Vielnutzer, die wir dokumentieren, zeigt, wie dringend eine Verbraucheraufklärung ist", so Peter Hensinger, Leiter des Ressorts Wissenschaft bei Diagnose-Funk. Die Studien, die v.a. die Frequenzbereiche von WLAN, GSM, UMTS und LTE untersuchen, in denen mit den SmartPhones, TabletPCs und WiFi-Spielen kommuniziert wird, sind durchweg in seriösen Fachzeitschriften veröffentlicht und in der Datenbank der Bundesregierung (www.emf-portal.de) dokumentiert. Als wichtige Entwicklungen seit 2012 werden u.a. dokumentiert:

a. die Grundlagen der Eingruppierung der Mobilfunkstrahlung durch die WHO als möglicherweise Krebs erregend,
b. dass die Strahlung Zellstress verursacht und damit eine Hauptursache entzündlicher Erkrankungen sein kann,
c. Ergebnisse zu Wirkungen auf die Stress-Hormon-Achse, und wie damit eine Verbindung zum Burn-Out-Syndrom besteht,
d. die erste Überblicksstudie zur Elektrohypersensibilität.

Peter Hensinger verdeutlicht: "Der Report macht klar, warum nach der Europäischen Umweltagentur nun auch einer der größten Rückversicherer, die Swiss Re, den Mobilfunk in eine hohe Risikostufe einordnet. Aus diesen Erkenntnissen müssen jetzt endlich Konsequenzen für eine Verbraucherschutzpolitik gezogen werden".

Nach der Anhörung zu elektromagnetischen Feldern am 27.02.2013 im Deutschen Bundestag forderte die SPD in einer Presseerklärung: "Es wird höchste Zeit, dass die Bundesregierung das Machbare tut, um Bürgerinnen und Bürger vor elektromagnetischer Strahlung zu schützen. Das Vorsorgeprinzip beim Schutz gegenüber elektromagnetischer Strahlung ausgehend von Stromtrassen und Mobilfunkanlagen muss konsequenter angewendet werden."

Diese Position hat im Koalitionsvertrag keinen Niederschlag gefunden. Daher fordert Diagnose-Funk von der neuen Bundesregierung, endlich im Bereich der mobilen Kommunikation, die ausnahmslos jeden Bürger tangiert, eine effektive Vorsorge- und Gesundheitspolitik zum Schutz vor elektromagnetischer Strahlung zu beginnen.

Quelle: Diagnose Funk e.V., Pressemitteilung 15.1.2014; "StudienReport Ausgabe 2, Studien 2012/2013" unter:
mobilfunkstudien.de/studienreport/index.php.

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Gesundheitliche Folgen der atomaren Katastrophe von Fukushima

(14.1.2014) Die Ärzteorganisation IPPNW ist äußerst besorgt anlässlich von Berichten über eine offizielle Vereinbarung zwischen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) und den Präfekturen Fukushima und Fukui.

Die Tokio Shimbun zitierte Ende letzten Jahres einen entsprechenden Paragraphen der Vereinbarung: "Wenn eine der Beteiligten bezüglich einer Information einen Geheimhaltungsstatus wünscht, so werde die andere Seite diesen Wunsch berücksichtigen". Die Verträge seien schon im Oktober (Präfektur Fukui) und im Dezember 2013 (Präfektur Fukushima) getroffen worden. In der Präfektur Fukushima geht es dabei um die Daten der Gesundheitserhebungen durch die Medizinische Fakultät Fukushima und die Verfahren der Atommüllentsorgung in der Präfektur. In Fukui bezieht sich die Geheimhaltungsvereinbarung auf die Ausbildung qualifizierter Atomarbeiter in den Atomkraftwerken der Region.

"Die Tatsache, dass die Internationale Atomenergieorganisation nach Jahrzehnten der Vertuschung in Tschernobyl nun auch in Japan versucht, die Folgen der Atomkatastrophe zu verharmlosen und zu verschweigen, ist für uns Ärzte nicht hinnehmbar. Die Öffentlichkeit, die Medien und die Politik sind in der Pflicht, die weitreichenden Eingriffe dieser 'Lobbygruppe' in die Informationsfreiheit zu unterbinden", so Dr. med. Alex Rosen, Kinderarzt und stellvertretender Vorsitzender der deutschen Sektion der IPPNW.

Der Vertrag erinnert an den Knebelvertrag zwischen der WHO und der IAEO von 1959. Danach ist es der WHO nicht erlaubt, unabhängig von der IAEO über medizinische Folgen von Nuklearkatastrophen wie Tschernobyl und Fukushima zu forschen und zu berichten.

"Bis heute haben weder die japanische Regierung noch Tepco valide, nachvollziehbare Daten zur radioaktiven Belastung und zur aktuellen Gesundheitssituation der Fukushima-Aufräumarbeiter veröffentlicht", so IPPNW-Ärztin Dr. Angelika Claußen, die vor kurzem die Region Fukushima bereiste. "Die meisten Arbeiter sind bei Subunternehmen angestellt, die in den offiziellen Überwachungsstatistiken vollkommen fehlen".

Im November 2013 gab die Medizinische Fakultät Fukushima aktuelle Zahlen zur Schilddrüsendiagnostik bekannt: Bei den 400.000 untersuchten Kindern wurden 26 Fälle von Schilddrüsenkrebs bestätigt, knapp die Hälfte der untersuchten Kinder (289.960) hat Knoten oder Zysten an der Schilddrüse.

Quelle: Pressemitteilung 14.1.2014, Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW),
www.ippnw.de;
weitere Informationen:
www.fukuleaks.org/web/?p=11993.

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Neue Langzeitstudien-Daten zu Alkoholkonsum und Sterblichkeitsrisiko

(14.1.2014) Wie eine große europäische Langzeitstudie (EPIC*) mit mehr als 380.000 Studienteilnehmern zeigt, haben Frauen und Männer, die lebenslang im Durchschnitt nicht mehr als ein Glas bzw. zwei Gläser Alkohol pro Tag trinken, im Vergleich zu Viel- oder Wenigtrinkern** ein vermindertes Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben. Dies gilt allerdings nur für die Teilnehmer, die zu Beginn der Studie keine Vorerkrankungen aufwiesen.

Das Forscherteam unter Führung von Manuela Bergmann und Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung publizierte seine Ergebnisse nun in der Fachzeitschrift International Journal of Epidemiology.

Viele Studien zeigen, dass der Konsum von Alkohol mit einem höheren Risiko verbunden ist, an bestimmten Krankheiten zu sterben. Hierzu zählen einige Krebsarten, Erkrankungen, die im Zusammenhang mit einer Alkoholabhängigkeit auftreten oder Krankheiten des Verdauungstraktes. Hinzu kommen Todesfälle durch Unfälle oder Gewalteinwirkungen. Die Untersuchungen lassen aber auch annehmen, dass Menschen, die öfter Alkohol trinken, seltener an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung versterben. Allerdings haben nur wenige dieser Studien die Langzeittrinkgewohnheiten der Studienteilnehmer berücksichtigt. Um zur Klärung der Datenlage beizutragen, haben die an der neuen Untersuchung beteiligten Wissenschaftler Informationen zum Trinkverhalten von Studienteilnehmern im Alter von 20, 30, 40 und 50 Jahren in die Auswertung einbezogen.

Nach den Studiendaten hatten Teilnehmer, die seit ihrem 20. Lebensjahr durchschnittlich nicht mehr als die maximal empfohlene Menge Alkohol pro Tag*** konsumierten, ein um ca. 9-14 Prozent vermindertes Sterberisiko. Dieses machte sich besonders bei den Herz-Kreislauf-Todesursachen bemerkbar und galt nur für Teilnehmer, die bei Studieneintritt nicht an Bluthochdruck, Diabetes oder Krebs erkrankt waren und zuvor nie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten hatten. Wie die Studie zudem erstmalig zeigt, hatten ehemalige Vieltrinker, die zu Beginn der Studie nur noch ein bzw. zwei Gläser Alkohol pro Tag konsumierten, dennoch ein deutlich erhöhtes Sterberisiko im Vergleich zu Personen, die lebenslang nicht über diese Trinkmenge kamen. So erhöhte sich z. B. ihr Risiko, an bestimmten alkoholbedingten Todesursachen zu sterben, um das 7-fache. Ihr Risiko, an einer koronaren Herzerkrankung, Krebs oder einer anderen Erkrankung zu sterben, war 1,2- bis 1,8-fach erhöht.

"Auch wir konnten in unserer Studie beobachten, dass Menschen, die lebenslang nur moderate Mengen Alkohol zu sich nehmen, generell ein vermindertes Sterberisiko haben, was besonders deutlich bei den Herz- Kreislauf-Todesursachen zu sehen ist. Da wir diesen günstigen Zusammenhang aber nur bei Menschen beobachteten, die zu Beginn der Studie gesund waren und auch in ihrer Vergangenheit nie zu den Vieltrinkern zählten, gehen wir eher von keinem kausalen Zusammenhang aus", sagt Manuela Bergmann. "Vielmehr bestärken unsere Ergebnisse die Vermutung, dass gesunde Menschen Alkohol in moderaten Mengen ohne größere nachteilige Folgen für ihre Gesundheit verkraften, der Alkohol aber nicht die Ursache für ihre Gesundheit ist", ergänzt Heiner Boeing.

Quelle: Pressemitteilung 14.1.2014, Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke; Studie: Bergmann, M., Rehm, J., Klipstein-Grobusch, K. et al. (2013): The association of pattern of lifetime alcohol use and cause of death in the European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC) study, Int. J. Epidemiol. (2013) 42 (6): 1772-1790. DOI: 10.1093/ije/dyt154,
ije.oxfordjournals.org/content/42/6/1772.abstract.

*EPIC: European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition. Die EPIC-Studie ist eine prospektive Studie, die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und anderen chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes untersucht. An der EPIC-Studie sind 23 administrative Zentren in zehn europäischen Ländern mit insgesamt 519.000 Studienteilnehmern im Erwachsenenalter beteiligt. Die Potsdamer EPIC-Studie ist mit mehr als 27.000 Teilnehmern ein Teil der EPIC-Studie.

**Wenigtrinker: Männer bzw. Frauen, die weniger als 2 g bzw. 1 g Alkohol pro Tag konsumieren (das entspricht im Durchschnitt weniger als ein Glas eines alkoholischen Getränks für Männer und weniger als ein halbes Glas für Frauen pro Woche).
Vieltrinker: Männer bzw. Frauen, die mehr als 60 g bzw. 30 g Alkohol pro Tag konsumieren (das entspricht im Durchschnitt fünf bzw. zweieinhalb Gläser eines alkoholischen Getränks pro Tag). Die Wissenschaftler sind davon ausgegangen, dass im europäischen Durchschnitt ein Glas eines alkoholischen Getränks 12 g Alkohol enthält.

***Die American Heart Association, der World Cancer Research Fund sowie das National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism hält zurzeit für gesunde Frauen bzw. gesunde Männer den Konsum von nicht mehr als 12 bzw. 24 g Alkohol pro Tag für akzeptabel. Diese Angabe zu Obergrenzen sollte nicht als Empfehlung verstanden werden, jeden Tag Alkohol zu trinken.

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Bakterien möglicher Auslöser von Frühgeburten

(9.1.2014) Eine Hauptursache von Frühgeburten, bei denen ein vorzeitiger Blasensprung die Geburt auslöst, dürften laut einer Studie der Duke University School of Medicine spezifische Bakterien sein. Wie PLOS ONE berichtet, könnten diese Forschungsergebnisse zu einem Screening und einer möglichen Behandlung für Frauen mit dem Risiko einer Frühgeburt führen.

Tests während Schwangerschaft
Das Team um Amy Murtha geht davon aus, dass diese Bakterien zu einer Verdünnung der Membran rund um das Kind und damit zu einem Blasensprung führen. Ein vorzeitiger Blasensprung ist die Ursache von fast einem Drittel aller Frühgeburten. Die Wissenschaftler fanden viele Bakterien an den Stellen, an denen die Membrane brechen. Sie stehen mit einer Verdünnung dieser Membran in Zusammenhang.

Sind die Bakterien die Ursache und nicht die Folge des vorzeitigen Blasensprungs, dann sollte es laut den Forschern möglich sein, neue Therapien oder Screenings zu entwickeln. Laut Murtha ist es zum Beispiel denkbar, bereits am Anfang der Schwangerschaft Tests für diese Bakterien durchzuführen. "Wir könnten die Frauen mit Antibiotika behandeln und so das Risiko einer Frühgeburt verringern", so die Fachfrau.

Dicke der Membran entscheidend
Das Team untersuchte Membranproben von 48 Frauen, die gerade ein Kind zur Welt gebracht hatten. Dazu gehörten Mütter, die aufgrund eines vorzeitigen Blasensprungs oder anderer Ursachen eine Frühgeburt gehabt hatten. Auch Teilnehmerinnen, deren Kinder zum geplanten Termin auf die Welt gekommen waren, wurden untersucht. Es zeigte sich, dass in allen Membranen Bakterien vorhanden waren. Je mehr Bakterien nachgewiesen wurden, desto dünner waren auch die Membrane.

Quelle: pressetext.redaktion 9.1.2014;
Studie: Kimberly B. Fortner, Chad A. Grotegut, Carla E. Ransom, et al. (2014): Bacteria Localization and Chorion Thinning among Preterm Premature Rupture of Membranes, PLOS ONE, January 08, 2014, DOI: 10.1371/journal.pone.0083338,
www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0083338.

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Mensch beeinflusst Ökosysteme stärker als erwartet

(8.1.2014) Dass der Mensch die Umwelt verändert, ist unbestritten. Doch wie stark wirkt sich die traditionelle Landnutzung auf lange Sicht aus? Um diese Frage zu beantworten, vergleichen Wissenschaftler des Instituts für Umweltwissenschaften Landau an der Universität Koblenz-Landau sowie der Universitäten Göttingen und Zürich Landschaften in den Hochanden, die seit vielen Jahrtausenden bewirtschaftet werden, mit noch vollständig unberührten Tier- und Pflanzenwelten.

Eine solche "vergessene Welt" in den tropischen Anden in Peru, wie sie auf diesem Planeten nur noch sehr schwer zu finden ist, sieht dabei völlig anders aus als erwartet.
In den vergangenen 10.000 Jahren gab es in den tropischen Anden viele menschliche Gesellschaften. Einige Wissenschaftler vermuten, dass der Großteil der heutigen Pflanzenwelt in den Hochanden im Laufe der Jahrtausende durch intensive Landnutzung wie Ackerbau, Beweidung und Holzeinschlag grundlegend verändert wurde. Andere glauben, dass sich die traditionelle Landnutzung nur begrenzt ausgewirkt hat und die heutige Pflanzenwelt eher dem natürlichen Urzustand gleicht.

Um dies zu klären, untersuchen Wissenschaftler des Instituts für Umweltwissenschaften Landau und der Universitäten Göttingen und Zürich mithilfe riskanter Klettertechniken die von Menschen völlig unberührte Natur auf großen Felsvorsprüngen in 4.000 bis 5.000 Meter Höhe. Dort unterscheidet sich die Pflanzenwelt deutlich von der sonst in den Anden vorkommenden Vegetation. Die natürlichen Flächen werden von zahlreichen bislang unbekannten Pflanzenarten dominiert, die in den vom Menschen bewirtschafteten Gebieten wohl ausgestorben sind.

Die Forscher entdeckten selbst in mehr als 4.800 Meter Höhe Waldstücke
Dies zählt nach heutigem Kenntnisstand zu den weltweit höchsten Baumgrenzen. Selbst der Boden der unberührten Ökosysteme unterscheidet sich deutlich, so dass die klimatischen Rückkopplungen mit den Kohlenstoffkreisläufen in natürlichen Hochgebirgsökosystemen neu überdacht werden müssen. Der Mensch veränderte also durch die Umwandlung der Waldbestände in Graslandschaften und deren Nutzung durch extensive Beweidung die Tier- und Pflanzenwelt und damit auch den Entwicklungsgrad des Bodens wesentlich deutlicher und nachhaltiger als bisher gedacht.

Menschlicher Einfluss nicht nur negativ
Der Einfluss des Menschen ist in dieser Landschaft aber nicht unbedingt negativ zu sehen. Während in den unberührten Wald- und Grasgebieten nur jeweils bis zu 10 verschiedene Pflanzenarten leben, sind es bei beweideten Grasflächen bis zu 30. Jedoch wird diese höhere Diversität dadurch erkauft, dass bestimmte natürlich vorkommende Pflanzenarten in den früher genutzten Landstrichen ausgestorben sind. Zudem führen in den unberührten Regionen die hohen Anteile an Totholz zu einem hohen Reichtum an darauf wachsenden Pflanzen, so genannten Epiphyten.

Ursache für den höheren Artenreichtum ist die größere Lichtintensität, die durch die geringere Anzahl an Bäumen und Sträuchern ermöglicht wird. Zudem zeigen in den extensiven Weidegebieten die Böden eine überraschend hohe Humusanreicherung. Jedoch führt die Beweidung offensichtlich zu Nährstoffverlusten durch Versauerung, Verwitterung und Auswaschung. Inwieweit diese Erkenntnisse aus den Hochanden auf andere Ökosysteme oder Klimazonen übertragbar ist, lässt sich noch nicht sagen, da bislang zu wenige unberührte Flächen entdeckt und untersucht wurden. Die in diesem Projekt entwickelte Methodik zum Vergleich der natürlichen und veränderten Landschaften lässt sich jedoch auf andere Ökosysteme anwenden. Bei mehr Datenmaterial könnten die Auswirkungen der menschlichen Tätigkeit besser bewertet und damit auch nachhaltiger und umweltschonender gestaltet werden.

"Das Projekt zeigt, dass die bislang meist sehr negative Bewertung des menschlichen Einflusses wesentlich differenzierter vorgenommen werden sollte, da es zumindest in den Anden dadurch mehr und häufigere Arten gibt", sagt Prof. Dr. Hermann Jungkunst vom Institut für Umweltwissenschaften Landau. "Jedoch ist Ähnliches nur für bestimmte dünn besiedelte Landstriche wie in den Bergen zu erwarten. Dagegen dürfte der menschliche Einfluss in reichen Ökosystemen wie den tropischen immergrünen Regenwäldern in jedem Fall die Artenvielfalt verringern."

Quelle: Pressemitteilung 8.1.2014, Universität Koblenz-Landau,
www.uni-koblenz-landau.de/aktuell/archiv-2014/vergessenewelt/view.

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Hinweise auf schädliche Wirkung von Bisphenol A-haltigen Kunststoffen

(8.1.2014) Bisphenol A stört die Funktion von Proteinen, die entscheidend für Wachstumsprozesse in Zellen sind. Das berichten Forscher der Ruhr-Universität Bochum und der Bergischen Universität Wuppertal. Die Substanz, kurz BPA, kommt in vielen Kunststoffprodukten vor und steht im Verdacht, gesundheitsschädlich zu sein.

Bisher ging man davon aus, dass Bisphenol A an Hormonrezeptoren bindet und dadurch seine schädliche Wirkung entfaltet. Das Team von Chemikern und Biochemikern entdeckte, dass die Substanz auch auf die sogenannten kleinen GTPasen wirkt.

Komplexe Wirkweise
"
Unsere Studie gibt weitere Hinweise darauf, dass die physiologischen Wirkungen des Bisphenol A offenbar noch komplexer sein können als bisher gedacht", sagt Prof. Dr. Raphael Stoll, Leiter der Arbeitsgruppe Biomolekulare Spektroskopie der Ruhr-Universität. "Weitere von uns gefundene verwandte Verbindungen zeigen aber auch Wege zu einer zukünftigen Entwicklung pharmazeutisch-wirksamer Substanzen gegen GTPase- vermittelte Tumore auf", ergänzt der Wuppertaler Wirkstoffchemiker Prof.
Dr. Jürgen Scherkenbeck.

Bisphenol A stört die Funktion der GTPasen
Kleine GTPasen sind Enzyme, die in zwei Zuständen in der Zelle vorliegen können. In der aktiven Form ist das Molekül GTP gebunden, in der inaktiven Form die energieärmere Form von GTP, GDP genannt. Diese Schalterproteine sind entscheidend dafür, Signale in der Zelle weiterzuleiten. Die Forscher zeigten, dass Bisphenol A an zwei verschiedene kleine GTPasen bindet, K-Ras und H-Ras, und den Austausch von GDP gegen GTP stört. Die Deutsche Krebshilfe e. V. fördert das Projekt seit 2011.

Bisphenol A steht im Verdacht, gesundheitsschädlich zu sein
Verschiedene Einrichtungen haben hervorgehoben, dass Bisphenol A gesundheitsschädlich sein könnte: das Bundesinstitut für Risikoforschung, die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, "US Food and Drug Administration“ (FDA), „US National Institutes of Health" (NIH) und die amerikanische Brustkrebsstiftung. Endgültig haben diese Institutionen das Gefährdungspotenzial jedoch noch nicht beurteilt. 2011 hat allerdings die Europäische Kommission Bisphenol A bei der Herstellung von Babyfläschchen verboten. Wissenschaftliche Studien weisen darauf hin, dass der Stoff Herzkreislauferkrankungen, Brust- und Prostatakrebs sowie neuronale Erkrankungen fördern könnte. Die Verwendung Bisphenol A-haltiger Plastikbehälter für Lebensmittel sollte demnach eingeschränkt werden, empfehlen die Forscher.

Quelle: Pressemitteilung 8.1.2014, Ruhr-Universität Bochum;
Studie: M. Schöpel, K.F.G. Jockers, P.M. Düppe, J. Autzen, V.N. Potheraveedu, S. Ince, K. Tuo Yip, R. Heumann, C. Herrmann, J. Scherkenbeck , R. Stoll (2013): Bisphenol A binds to Ras proteins and competes with Guanine Nucleotide exchange: implications for GTPase-selective antagonists, Journal of Medicinal Chemistry, 56(23):9664-72; DOI: 10.1021/jm401291q,
pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/jm401291q;
Infos der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit zu Bisphenol A unter:
www.efsa.europa.eu/de/topics/topic/bisphenol.htm.

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Nanopartikel zerstören Krebszellen bei Erstkontakt

(7.1.2014) Krebszerstörende "klebrige Kügelchen" können Tumorzellen im Blut zerstören und damit die Ausbreitung von Krebs verhindern. Das ist das vorläufige Ergebnis einer Studie der Cornell University. Das Team um Michael King hat Nanopartikel hergestellt, die in der Blutbahn bleiben und wandernde Krebszellen bei Kontakt abtöten. Die Hoffnungen sind groß, weitere Forschungen jedoch noch nötig.

Protein "Trail" als Schlüssel
Einer der wichtigsten Faktoren bei der Lebenserwartung nach einer Krebsdiagnose ist, ob der Tumor bereits Metastasen gebildet hat oder nicht. Laut King stehen rund 90 Prozent der Todesfälle mit Metastasen in Zusammenhang. Die Wissenschaftler versuchten daher, eine neue Lösung für dieses Problem zu finden.
In den Proceedings of the National Academy of Sciences schildern sie, dass das krebszerstörende Protein mit der Bezeichnung "Trail" mit anderen klebrigen Proteinen zu kleinen Kügelchen oder Nanopartikeln verbunden werden konnte. Wurden diese klebrigen Objekte in das Blut injiziert, banden sie sich an weiße Blutkörperchen an.

Erste Erfolge nach zwei Stunden
Erste Tests haben gezeigt, dass die weißen Blutkörperchen irgendwann auf jede Tumorzelle trafen, die sich vom Haupttumor abgelöst und versucht hat, sich auszubreiten. Der Kontakt mit dem Protein Trail führte zum Absterben der Tumorzelle. Laut King war die Wirkung im menschlichen Blut und bei Mäusen deutlich. "Nach zwei Stunden haben sich die Tumorzellen in der Blutbahn buchstäblich aufgelöst", so King.

Der Wissenschaftler geht davon aus, dass die Nanopartikel vor einer Operation oder vor der Strahlentherapie eingesetzt werden könnten. Dabei besteht die Möglichkeit, dass sich Tumorzellen ablösen. Denkbar ist auch ein Einsatz bei Patienten mit besonders aggressiven Tumoren, um hier eine Ausbreitung zu verhindern.
Zahlreiche weitere Tests zur Sicherheit des Verfahrens sind jedoch bei Mäusen und größeren Tieren erforderlich, bevor klinische Studien mit Patienten durchgeführt werden können. Bis jetzt gibt es keine Hinweise auf eine Kettenreaktion in Bezug auf das Immunsystem. Es scheint auch zu keiner Schädigung anderer Blutkörperchen zu kommen.

Quelle: pressetext.redaktion 7.1.2014; Studie: Michael J. Mitchell, Elizabeth Wayne, Kuldeepsinh Rana, Chris B. Schaffer, and Michael R. King (2014): TRAIL-coated leukocytes that kill cancer cells in the circulation, Proceedings of the National Academy of Sciences, PNAS 2014 ; published ahead of print January 6, 2014, doi:10.1073/pnas.1316312111,
www.pnas.org/content/early/2014/01/03/1316312111.full.
pdf+html?sid=0865baaf-3ea9-4c58-a2a3-2815b1787ace
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EU-Bewertung von Glyphosat geht in die nächste Phase

(6.1.2014) Bei der Neubewertung des Pflanzenschutzmittelwirkstoffs Glyphosat in der EU ist ein wichtiges Etappenziel erreicht: Deutschland, das in der EU als Berichterstatter für den Wirkstoff Glyphosat fungiert, hat den Entwurf des Bewertungsberichts an die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) übergeben. Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass Glyphosat die EU-Kriterien erfüllt und dass damit die Voraussetzungen für eine weitere Genehmigung als Pflanzenschutzmittelwirkstoff vorliegen. Dem Bericht zufolge gehen von Glyphosat keine Gefahren für die Gesundheit aus. Es wird aber ein verbessertes Risikomanagement zum Schutz der biologischen Vielfalt empfohlen.

Der Bewertungsbericht wurde im Rahmen der EU-Neubewertung von Glyphosat nach intensiver und sorgfältiger fachlicher Prüfung aller neuen Erkenntnisse erstellt. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ist in Deutschland für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln zuständig und koordiniert die Mitwirkung Deutschlands an den europäischen Gemeinschaftsverfahren. Teilberichte kamen vom Bundesinstitut für Risikobewertung (Gesundheit), vom Julius Kühn-Institut (Wirksamkeit, Nutzen, Bienen) und vom Umweltbundesamt (Naturhaushalt). Das BVL selber war für die Bewertung der physikalischen und chemischen Eigenschaften verantwortlich. Weiterhin war die Slowakei als Co-Berichterstatter an der Erstellung des Berichts beteiligt; Beiträge kamen vom Wasserforschungsinstitut in Bratislava, einer Behörde im Geschäftsbereich des slowakischen Umweltministeriums.

In die Neubewertung flossen neben den bereits im ersten EU-Bewertungsverfahren verwendeten Unterlagen auch neue Studien ein, die die Antragsteller seit der ersten Bewertung von Glyphosat im Jahr 2002 vorgelegt hatten. Dazu hatten sich 24 Firmen zu einem Konsortium zusammengeschlossen und ein gemeinsames Dossier eingereicht. Beiträge kamen auch von Umweltverbänden und anderen Stellen. In Neubewertungsverfahren hat grundsätzlich jede Person die Möglichkeit, Informationen vorzulegen, die zur Bewertung beitragen können. Darüber hinaus gingen mehr als 1.000 neue Veröffentlichungen zum Wirkstoff Glyphosat in die Bewertung ein. Es wurden auch alle Studien geprüft, die in den letzten Jahren zu Diskussionen in der Öffentlichkeit und in den Medien geführt hatten.

Auch vor dem Hintergrund der neuen Studien und Erkenntnisse kommt der Bericht zu dem Ergebnis, dass Glyphosat nach wie vor alle Kriterien erfüllt, die das EU-Recht an Pflanzenschutzmittelwirkstoffe stellt. Maßstab waren die erhöhten Anforderungen, die seit 2011 mit der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 zu erfüllen sind. Unter anderem wurde festgestellt:
• Es gibt keine fachlich fundierten Hinweise auf mutagene, krebserzeugende, reproduktionsschädigende oder fruchtschädigende Eigenschaften und auch keine Hinweise auf endokrinschädliche Eigenschaften.
• Auf der Basis von Tests wurden ein ADI-Wert von 0,5 mg/kg Körpergewicht pro Tag und ein AOEL-Wert von 0,1 mg/kg Körpergewicht pro Tag abgeleitet (ADI = Acceptable Daily Intake / duldbare tägliche Aufnahmemenge; AOEL = Acceptable Operator Exposure Level / akzeptable Anwenderexposition). Solange die Belastung unterhalb der entsprechenden Grenzwerte bleibt, bestehen für Verbraucher, Anwender und andere Personengruppen keine gesundheitlichen Bedenken.
• Glyphosat reichert sich nicht im Körper an und ist nicht als PBT-Stoff (= persistenter, bioakkumulierender und toxischer Stoff) oder als persistenter organischer Schadstoff (POP) einzustufen.
• Der Wirkstoff neigt nicht zur Versickerung. Das Risiko von Grundwasserkontaminationen ist gering.
• Glyphosat hat eine geringe Toxizität für Bienen; das Risiko für Bienen ist deshalb vertretbar.
• Glyphosat ist nicht als sogenannter Substitutionskandidat einzustufen. Als Substitutionskandidaten definiert die EU-Verordnung Wirkstoffe, die zwar die Genehmigungsbedingungen erfüllen, aber in bestimmten Merkmalen ungünstiger zu beurteilen sind als andere Wirkstoffe und deshalb nach Möglichkeit durch andere ersetzt werden sollten.

Bedenken bestehen allerdings in Hinsicht auf den Schutz der biologischen Vielfalt. Zwar ist Glyphosat für Vögel, Säugetiere und Insekten nicht unmittelbar schädlich. Breitbandherbizide wie Glyphosat töten jedoch auf den behandelten Kulturflächen auch diejenigen Pflanzen ab, die Insekten wie Schmetterlingen und Wildbienen Nahrung bieten. Damit kann auch Feldvogelarten wie dem Rebhuhn und der Feldlerche die Nahrungsgrundlage beeinträchtigt werden. Der Bericht empfiehlt deshalb der Europäischen Kommission, die Genehmigung für Glyphosat mit der Maßgabe zu verbinden, dass die Mitgliedstaaten Maßnahmen ergreifen, um solche Effekte und nachteilige Auswirkungen auf die biologische Vielfalt zu reduzieren.

Die EFSA wird den Bewertungsbericht voraussichtlich im Januar 2014 öffentlich zugänglich machen und das sogenannte Peer-Review-Verfahren einleiten. Dabei werden Wissenschaftler aus den Behörden der Mitgliedstaaten und der EFSA den Bewertungsbericht kritisch prüfen. Überdies wird im Rahmen einer öffentlichen Konsultation bei der EFSA jedermann die Möglichkeit zur Stellungnahme erhalten. Am Ende wird die EFSA die Ergebnisse des Peer Review in Form eines Gutachtens zusammenfassen. Der Bewertungsbericht zusammen mit dieser "EFSA-Schlussfolgerung" wird dann die Entscheidungsgrundlage für die Europäische Kommission bilden.

Quelle: Pressemitteilung 6.1.2014, Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL); Entwurf zur Neubewertung des gesundheitlichen Risikos von Glyphosat (BfR) unter:
www.bfr.bund.de/de/das_bfr_hat_einen_entwurf_zur_neubewertung_
des_gesundheitlichen_risikos_von_glyphosat_erstellt-188579.html
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