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September 2006
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Stillen - es dürfte etwas länger sein!
(29.9.2006) Rund 90 Prozent der in Berlin befragten Mütter stillen ihre Kinder nach der Geburt. Dies ist ein erstes Ergebnis von umfangreichen Studien des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) über das Stillverhalten in Berlin. "Das ist zunächst einmal eine positive Nachricht, die zeigt, dass unsere Arbeit in diesem Punkt erfolgreich ist", sagt Professor Dr. Hildegard Przyrembel, die Geschäftsführerin der Nationalen Stillkommission am Bundesinstitut für Risikobewertung.
"Noch nicht zufrieden sind wir mit der Tatsache, dass die Mütter in Deutschland schon früh mit der Zufütterung von Muttermilchersatz und Beikost beginnen." Nach zwölf Jahren Aufklärungsarbeit durch die Stillkommission offenbart die Studie, dass mehr als die Hälfte der Mütter aus unterschiedlichen Gründen der Empfehlung, Kinder bis zum Alter von sechs Monaten ausschließlich zu stillen, nicht folgt. In diesem Zusammenhang betont die Nationale Stillkommission die Notwendigkeit, das Verbot der Verteilung von kostenlosen Proben von Säuglingsanfangsnahrung durchzusetzen.
Ziel der im Jahr 2004 am BfR begonnen Studien war es, aktuelle Daten über die Stilldauer und das Stillverhalten von Müttern zu erhalten. Neben rund 4000 Wöchnerinnen in den Kliniken und Geburtshäusern Berlins wurden auch Mütter befragt, die mit ihren Kindern an den Früherkennungsuntersuchungen in Kinderarztpraxen teilnahmen. Nach einer ersten Auswertung fangen zu viele Mütter früher als empfohlen damit an, Nahrung zuzufüttern. Sie geben auch zu früh Beikost und stillen zu früh ab. Diese Ergebnisse sind mit denen der Studie über Stillen und Säuglingsernährung (SuSe) des Forschungsinstituts für Kinderernährung in Dortmund von 1997/98 vergleichbar. Zugleich bestätigen die im Jahr 2005 vom Bayrischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit erhobenen Daten über das "Stillverhalten in Bayern" die Berliner Ergebnisse. All diese Erkenntnisse deuten darauf hin, dass in der Stillförderung auch in Zukunft noch viel Arbeit zu leisten ist.
Das Wissen, dass Stillen der Ernährung mit Muttermilchersatzprodukten überlegen ist, und die Kenntnis über die Bedeutung des Stillens für die gesunde Entwicklung der Säuglinge waren im Jahr 1981 Anlass für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF), den "Internationalen Kodex für die Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten" zu formulieren. Ziel dieses Kodex' ist es, "zu einer sicheren und angemessenen Ernährung für Säuglinge und Kleinkinder beizutragen, und zwar durch Schutz und Förderung des Stillens und durch Sicherstellung einer sachgemäßen Verwendung von Muttermilchersatznahrung, wo solche gebraucht wird. Dies soll auf der Grundlage entsprechender Aufklärung und durch eine angemessene Vermarktung und Verteilung erfolgen."
Heute - 25 Jahre später - ist man in Deutschland auf dem richtigen Weg, betont die Nationale Stillkommission. Das in Deutschland bestehende Verbot, kostenlose Proben von Säuglingsanfangsnahrung an Schwangere oder Mütter abzugeben, wird jedoch nicht immer eingehalten. Die im deutschen Diätverband zusammengeschlossenen Hersteller haben beschlossen, keine derartigen Proben mehr zur Verfügung zu stellen und halten dieses Versprechen auch ein. Anlässlich der Weltstillwoche vom 2. bis 8. Oktober 2006 fordert die Nationale Stillkommission die übrigen Hersteller und Vertreiber nachdrücklich auf, keine kostenlosen Päckchen von Säuglingsanfangsnahrung mehr an Schwangere und an die Mütter Neugeborener zu verteilen.
Quelle: BfR-Presseinformation 27/2006, 29.9.2006, Bundesinstitut für Risikobewertung, Thielallee 88-92, D-14195 Berlin, www.bfr.bund.de.
Klimapolitik zur Chefsache machen
(28.9.2006) Zum Auftakt des internationalen Klimakongresses "KyotoPlus - Wege aus der Klimafalle" forderte das Veranstalterbündnis heute die Bundesregierung auf, die deutsche G8- und EU-Ratspräsidentschaft für einen neuen Impuls im Klimaschutz zu nutzen.
Für die Heinrich-Böll-Stiftung erklärte deren Vorstand Barbara Unmüßig: "Die Zeit läuft davon. Klimaveränderungen kosten bereits heute Tausende Menschen jährlich ihr Leben oder ihr Hab und Gut in Wirbelstürmen, Überflutungen oder Dürrekatastrophen. Nach Aussagen der NASA haben wir nur noch 10 Jahre, mit einer effektiven Klimaschutzpolitik die größten Katastrophen zu verhindern. Wir wollen das Ende der Blockaden, der Ignoranz und Halbherzigkeiten im Klimaschutz - national wie international. Wir brauchen eine neue Politik für einen umfassenden Klimaschutz", forderte Unmüßig.
Regine Günther, WWF Deutschland betonte: "Im Zentrum der deutschen EU Präsidentschaft muss beim Klimaschutz das Bemühen stehen, ein Minderungsziel für die EU von -30 % bis 2020 und minus 60-80 % bis 2050 zu erreichen. Gelingt dies, könnte an die vergangenen deutschen und auch europäischen Klimaschutzerfolge angeknüpft werden".
Dr. Hermann E. Ott, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie unterstrich: "Das Klimaproblem ist lösbar: Wenn weltweit die effizientesten Techniken, über die wir bereits verfügen, zur Anwendung kommen, ist ein großer Schritt getan. Mindestens 30 % Energieeinsparung sind in Deutschland mit Gewinn zu realisieren, bis zu 50 % können mit den gegenwärtigen Technologien erreicht werden. Um diese Innovationen herauszukitzeln braucht es lediglich gute Anreize - das Wuppertal Institut schlägt zum Beispiel einen Energieeffizienzfonds vor, der von einem Zehntel-Cent Aufschlag auf den Strompreis gespeist wird. Aber es muss bald losgehen, die Zeit ist reif! Sonst wird uns China bald den Rang ablaufen."
Der Präsident der Apollo Alliance, Jerome Ringo erklärte: "Die Apollo Alliance ist ein ungewöhnliches Bündnis: 23 internationale Gewerkschaften, 13 größere Umweltverbände und über 200 Unternehmen aus ganz Amerika haben sich zusammengeschlossen, um innerhalb von 10 Jahren die Unabhängigkeit der USA von Ölimporten zu erreichen. Dieses ambitionierte Ziel kann durchaus realisiert werden, wenn die Forschung über und Entwicklung von alternativen Energien konsequent gefördert wird. Dies würde 3 Millionen neue und vollwertige Arbeitsplätze schaffen sowie 300 Milliarden USD an Investitionen in saubere Energie-Technologien zur Folge haben."
Zum internationalen Klimakongress "KyotoPlus - Wege aus der Klimafalle" werden rund 600 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft erwartet, u.a. Klaus Töpfer, Schirmherr des Kongresses und ehem. Exekutivdirektor UNEP, Pakistans Umweltminister Malik Amin Aslam Khan, John L. Geesman, Energie-Kommissar von Kalifornien, Jerome Ringo, prominenter US-Umweltschützer und Präsident der Apollo Alliance, Renate Künast, Fraktionsvorsitzende von Bündnis90/Die Grünen; Peter Barnes, Gründer der kalifornischen Sky Trust Initiative und der Telefongesellschaft Working Assets, Paul Dickinson, Geschäftsführer des Carbon Disclosure Project (CDP) von 225 Investment-Unternehmen und Chris Mottershead, Energie- und Umweltberater der BP Group.
Mit dem Kongress "KyotoPlus" schafft das Veranstalterbündnis ein internationales Forum, auf dem Akteure in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft die vier Eckpunkte eines neuen, effektiven Klimaschutzes debattieren können: eine neue Politik, neue Ziele, neue Technologien und neue Allianzen; national und international.
Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung von Heinrich-Böll-Stiftung, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, WWF Deutschland und European Climate Forum 28.9.2006; Kontakt: Heinrich-Böll-Stiftung, www.boell.de.
Weltweite Verbreitung von langlebigen organischen Chemikalien
Worldwide Distribution of Persistent Organic Pollutants
(28.9.2006) Persistent organic pollutants (POPs) are chemicals that remain intact in the environment and bioaccumalate in the food chain. Moreover, they exhibit numerous toxic properties that pose a health risk to humans and wildlife. To date, two international legally binding instruments have been negotiated and concluded in order to address and reduce the presence of POPs in the environment: The Protocol for the regional UNECE Convention on Long-Range Transboundary Air Pollution on POPs and the Stockholm Convention on POPs. The Stockholm Convention stipulates that the Conference parties shall establish a monitoring network for investigating spatial and temporal trends for POPs globally in order to evaluate the effectiveness of the Convention. To date, such a network does not exist.
A recently published study presents new data on global concentrations of POPs in the air. Simple, passive air sampling devices were used to collect the data at 42 sites on 7 continents. In addition to the 12 POP compounds targeted by the Stockholm Convention, the researchers also provided data about contaminants currently under consideration for inclusion in this treaty.
As expected, polychlorinated biphenyls (PCBs) were the POPs found at some of the greatest concentrations, especially at urban sites. For polybrominated diphenyl ethers (PBDEs), currently considered candidate POPs by the Stockholm treaty, the researchers found that the levels are generally higher near urban sites as well. These results are consistent with their historical use pattern.
But the study also reports unexpected high concentrations for pesticides banned by the POPs treaty, such as hexachlorocyclohexanes (HCHs), Chlordanes and dieldrin, at urban as well as agricultural sites.
In the case of organochlorine pesticides (OCPs), the results suggest that the emissions were due to new uses of the banned POPs, but the new data also highlights the importance of old sources. For example, in the case of the famous pesticide DDT, the highest levels of the dominant component were found in a site where DDT was banned several decades ago.
In general, the results of this study demonstrate that this type of monitoring with passive air sampling devices is feasible for assessing POP concentrations in the air on a global scale.
The next step will be to assess the seasonal behaviour of the POPs. In the long term, the sampling network will be extended and it will become possible to model global transport patterns and to assess the results of the efforts to reduce their level in the environment more accurately.
Quelle: Science Environ Policy 28.9.06; Original: Pozo et al. (2006): Toward a Global Network for Persistent Organic Pollutants in Air: Results from the GAPS Study, Environ. Sci. Technol. 40(16): 4867-4873.
Deutscher Umweltpreis 2006 geht an Forscher Schulze und Unternehmer Huber
(27.9.2006) Die Träger des Deutschen Umweltpreises 2006 stehen fest: Der mit 500.000 Euro höchst dotierte Umweltpreis Europas geht an den bayerischen Unternehmer Hans G. Huber (64) und den Ökosystemforscher Prof. Dr. Ernst-Detlef Schulze (65) aus Jena. Huber erhält die Auszeichnung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) dafür, dass er mit großem Engagement gerade auch in Schwellen- und Entwicklungsländern anwendbare, qualitativ hochwertige und robuste Technologien zur Frischwasseraufbereitung und Abwasserbehandlung entwickelt und erfolgreich vertreibt. Als Direktor des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie in Jena erforscht Prof. Schulze Gründe der globalen Klimaerwärmung. Er startete das weltweit größte Projekt, um die Kohlenstoffbilanz in Europa näher zu berechnen. "So unterschiedlich ihre Arbeitsfelder sind - Zukunftssicherung liegt beiden am Herzen", so DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde. Den Umweltpreis übergeben wird Bundespräsident Horst Köhler am 29. Oktober in Dresden.
"Klimaerwärmung und Wasserknappheit zählen zu den dringendsten globalen Herausforderungen, die es zukünftig zu lösen gilt. Unsere Umweltpreisträger leisten mit ihrer Weitsicht und ihrem Engagement schon heute einen wichtigen Beitrag", betont Brickwedde. Wichtig sei Prof. Schulzes Arbeit vor allem in Hinblick auf das Kyoto-Protokoll: Darin verpflichtet sich Europa, von 2008 bis 2012 bis zu acht Prozent weniger Kohlendioxid in die Atmosphäre zu pusten als 1990. Eine Maßnahme, um den Treibhauseffekt, also die Erderwärmung, zu verlangsamen.
Schulzes Projekt "CarboEurope" ist die weltweit erste Initiative, die in der Form gesicherte Daten zum Kreislauf des Treibhausgases liefern wird. Wo besonders viel Kohlendioxid in Europa gebunden oder auch frei gesetzt wird - das untersucht Prof. Schulze als Koordinator an mehr als 100 Messstationen. "Ein Schlupfloch im Kyoto-Protokoll ist, dass die Angaben darüber, wie viel Kohlendioxid tatsächlich in den Wäldern gespeichert und in der Landwirtschaft freigesetzt wird, nur sehr grob geschätzt werden können. Wer seine Emissionen nicht senken konnte, schätzt einfach die Filterfunktion seiner Wälder günstig ein und erfüllt so die Auflagen. Durch 'CarboEurope' könnte sich das ändern", weiß Brickwedde. Als einer der weltweit führenden Ökosystemforscher prüft Schulze zudem, wie der Erdboden weltweit auf eine mögliche Klimaerwärmung reagiert. "Dank Schulze steht Europa damit an vorderster Front in der Klimaforschung", betont Brickwedde.
Prof. Schulze besteche nicht nur durch seine international sehr bedeutenden Forschungsarbeiten, sondern auch als erfolgreicher Wissenschaftsmanager. Der Forscher war Mitglied im wissenschaftlichen Beirat für globale Umweltfragen (WBGU) und baute neben dem Max-Planck-Institut in Jena auch das Bayreuther Institut für terrestrische Ökosystemforschung auf.
Während Schulze mit dem Klimawandel eines der zentralen Umweltprobleme anpackt, setzt sich Hans G. Huber für effektive Wasserkreisläufe ein und geht damit ein weiteres globales Problemfeld an. "Weg vom Abwasser, hin zum Wertstoff" - die Philosophie des Unternehmers ziehe sich wie ein roter Faden durch seine Produktpalette: Eine komfortable High-Tech-Toilette produziert Dünger statt Abwasser, und seine Membranklärtechnik erlaubt eine dezentrale Reinigung des Brauchwassers. Das mache sie vor allem für Entwicklungsländer attraktiv: Nach Angaben des Bundesministeriums für wirtschaftliche Entwicklung haben rund 1,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Doppelt so vielen fehle ein Abwassersystem. "Mit seinem herausragenden Engagement leistet Huber einen Beitrag dafür, dass die Millenniumsziele der Vereinten Nationen bis zum Jahr 2015 erfüllt werden", betont Brickwedde. So soll die Zahl der Menschen, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, und die Zahl derjenigen, die ohne menschenwürdige und umweltverträgliche Sanitär- und Abwassertechnik leben müssen, bis 2015 halbiert werden.
"Konventionelle Abwasserbehandlungsverfahren wie unsere zentralen Kläranlagen sind auf die Bedürfnisse Europas ausgerichtet und optimiert worden, aber in vielen Entwicklungsländern nicht anwendbar", so Brickwedde. Huber habe frühzeitig erkannt, dass Wasserreinigung dort dezentral, also direkt vor Ort, ohne teure Kanalisation aufgebaut werden müsse. "Ihn zeichnen besonderer unternehmerischer Mut und der Wille aus, Potenziale zu erkennen und innovativen Technologien zum Durchbruch zu verhelfen", lobt Brickwedde. Dass Ökonomie und Ökologie sich nicht ausschließen, belegen auch die Unternehmenszahlen: Huber beschäftigt in Deutschland 470 Mitarbeiter (weltweit 750) und erreicht einen Jahresumsatz von 77 Millionen (weltweit 108 Millionen) Euro.
Quelle: Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) Presseinformation Nr. 106/2006 v. 27.9.2006, DBU, An der Bornau 2, 49090 Osnabrück, Tel.: 0541|9633521, Fax: 0541|9633198, www.dbu.de.
Zusammenhang zwischen Mittelohrentzündung bei Kindern und Luftschadstoffen aus dem Verkehr
(27.9.2006) Eine soeben von Epidemiologen des GSF - Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit gemeinsam mit niederländischen Wissenschaftlern veröffentlichte Studie findet erstmals Zusammenhänge zwischen dem Auftreten akuter Mittelohrentzündungen bei Kindern während der ersten beiden Lebensjahre und verkehrsbedingten Luftschadstoffen, denen diese ausgesetzt sind. Angesichts der Tatsache, dass zum einen Luftschadstoffe aus dem Verkehr eine dauerhafte Belastungsquelle sind und zum andern Mittelohrentzündungen zu den häufigsten akuten Infektionen bei Kleinkindern mit vielfältigen gesundheitlichen Spätfolgen zählen, haben diese Erkenntnisse weitreichende Bedeutung für die Risikobewertung der Feinstaubbelastung.
Seit langem weiß man, dass für die Entstehung von Otitis media, der akuten Mittelohrentzündung, bei Kleinkindern auch Umweltfaktoren, wie etwa Passivrauchbelastung eine Rolle spielen können. Über mögliche Zusammenhänge mit Schadstoffen der Außenluft war dagegen bislang wenig bekannt. Zusammen mit Wissenschaftlern der niederländischen Universitäten von Utrecht, Rotterdam, Groningen und Bilthoven gingen Dr. Joachim Heinrich und Prof. Dr. Dr. H.-Erich Wichmann vom GSF-Institut für Epidemiologie dieser Fragestellung nun erstmalig mit einer umfassenden Untersuchung nach. In zwei prospektiven Studien erhoben Heinrich und seine Kollegen in den Jahren 1997-99 bereits vorgeburtlich vom Zeitpunkt der Schwangerschaft an Daten von 4150 niederländischen Kindern und 670 Kindern aus der Münchner LISA-Studie.
Für jedes Kind wurden auf der Basis von Luftschadstoffmessungen individuelle Expositionen für ihr jeweiliges Wohnumfeld abgeschätzt, darunter Stickstoffdioxid und Feinstäube im PM 2,5-Bereich. Im Zuge einer Befragung der Eltern erhielt Heinrich detaillierte Angaben zum Auftreten von Mittelohrentzündungen der beteiligten Kinder von Geburt an bis zur Vollendung ihres zweiten Lebensjahres. Mögliche andere Risikofaktoren wie soziale Einflüsse, Allergien bei den Eltern oder Passivrauchbelastung wurden ebenfalls abgefragt.
Das Ergebnis verblüffte selbst die Wissenschaftler: "Sowohl bei der niederländischen als auch bei der deutschen Studienpopulation fanden wir eindeutige Zusammenhänge zwischen dem Auftreten von Otitis media und der Belastung der Kinder mit verkehrsabhängigen Luftschadstoffen", so Joachim Heinrich von der GSF.
Die Ergebnisse im Detail: Etwa 35 Prozent der Kinder beider Kohorten litten in ihren ersten beiden Lebensjahren mindestens einmal unter einer akuten Mittelohrentzündung. Die bereinigten Odds Ratios, errechnete Maße für einen statistischen Zusammenhang, liegen in der niederländischen bzw. deutschen Kohorte bei 1,13 bzw. 1,24 für einen Anstieg der PM 2,5-Feinstaubbelastung um 3 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m3) und in beiden Studien genau 1,14 für einen Anstieg der Stickstoffdioxidbelastung (NO2) um 10 µg/m3. Das entspricht einer Erhöhung des Risikos für Otitis um 13 - 24 Prozent für eine moderate Zunahme der Feinstaubbelastung um 3 µg/m3 sowie einer Risikoerhöhung um 14 Prozent für den Anstieg von NO2 um 10 µg/m3.
Die Wissenschaftler vermuten den gleichen Wirkmechanismus für die Assoziation zwischen Luftschadstoffen und Otitis wie er auch für den Zusammenhang zwischen Passivrauchen und Otitis angenommen wird: Eine erhöhte Luftschadstoffbelastung verursacht in den Atemwegen Entzündungen und schränkt die Funktionsfähigkeit der Flimmerhärchen in den oberen Atemwegen ein. Sie sind für den Abtransport inhalierter Partikel zuständig, eine verminderte Funktionsfähigkeit erhöht nachweislich das Risiko für Atemwegsinfekte - eine der bekannten Ursachen für die Entstehung akuter Mittelohrentzündungen.
Quelle: GSF - Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit Presseinformation 27.9.2006; GSF, Neuherberg, www.gsf.de; Originalpublikation: Brauer, M. et al. (2006): Traffic-Related Air Pollution and Otitis Media, Environmental Health Perspectives 114 (9): 1414-1418.
Gabriel: RWE-Antrag für Biblis A wird auf Grundlage des Atomgesetzes entschieden
(26.9.2006) Im Bundesumweltministerium ist heute ein Antrag des Atomkraftbetreibers RWE eingegangen, Elektrizitätsmengen des früheren Atomkraftwerkes Mülheim-Kärlich auf das Atomkraftwerk Biblis A zu übertragen. Dazu erklärt Bundesumweltminister Sigmar Gabriel: Der Antrag von RWE wird vom Bundesumweltministerium als der zuständigen Behörde aufgrund des bestehenden Atomgesetzes, also nach Recht und Gesetz, geprüft.
Im Atomgesetz ist die Verteilung der Elektrizitätsmengen des früheren Atomkraftwerks Mülheim-Kärlich abschließend geregelt. In Anlage 3 des Gesetzes werden die Atomkraftwerke einzeln aufgeführt, auf welche die Strommenge von insgesamt 107,25 TWh (Terawattstunden) aus Mülheim-Kärlich übertragen werden dürfen. Es sind dies die Atomkraftwerke Emsland, Neckarwestheim 2, Isar 2, Brokdorf sowie Grundremmingen B und C. Auf Biblis B dürfen maximal 21,45 Terawattstunden von Mülheim-Kärlich übertragen werden. Das AKW Biblis A ist in dieser Anlage nicht genannt.
In Paragraph 7, Absatz 1d des Atomgesetzes ist zudem festgelegt, dass die aus Mülheim-Kärlich stammende Elektrizitätsmenge "nur nach Übertragung auf die dort aufgeführten Kernkraftwerke in diesen produziert werden darf".
Grundsätzlich kann die Prüfung solcher Anträge mehrere Monate dauern und hängt wesentlich von der Qualität der vorgelegten Unterlagen ab. Ich werde mich dabei nicht unter Zeitdruck setzen lassen. Fristsetzungen gibt es für die Betreiber, nicht für die Behörde.
Bei dem von RWE gestellten Antrag auf Strommengenübertragung von Mülheim-Kärlich auf Biblis A wird das Bundesumweltministerium zunächst prüfen, ob dieser Antrag überhaupt rechtlich begründet ist. Für den hilfsweise gestellten Antrag, von Lingen auf Biblis A zu übertragen, wäre eine umfassende Sicherheitsüberprüfung erforderlich. Dabei gilt der den Regelungen des Atomgesetzes zugrunde liegende Grundsatz, dass eine solche Übertragung nicht zu Lasten der Sicherheit gehen darf.
Quelle: BMU Pressedienst Nr. 243/06, 26.9.2006, BMU-Pressereferat, Alexanderstraße 3, 10178 Berlin, http://www.bmu.de/presse.
Gesünder Wohnen und Schlafen
(26.9.2006) Ob Fernsehen, Lesen oder Schlafen: Die meisten Menschen fühlen sich in den eigenen vier Wänden am wohlsten. Doch gerade zuhause, wo man Ruhe, Erholung und Entspannung sucht, können potenzielle Allergene wie Milben, Schimmelpilze und Tierhaare die Gesundheit belasten. Schätzungsweise acht bis zwölf Millionen Bundesbürger reagieren mittlerweile allergisch auf Hausstaub - Tendenz steigend.
Potenzielle Allergene wie Hausstaubmilben, Tierhaare und Schimmelpilze lagern auf Polstermöbeln, lauern in Betten und haften an Haaren, Schuhen und Kleidung. Wird der Hausstaub aufgewirbelt, gelangen die darin enthaltenen Allergene als feine Schwebestoffe in die Atemwege und entfalten dort bei allergisch veranlagten Menschen ihre entzündliche Wirkung. Die Folge sind Beschwerden, die von laufender Nase über juckende Augen bis hin zu asthmatischen Reaktionen reichen.
Doch glücklicherweise treten allergische Symptome nur dann auf, wenn der Betroffene mit "seinem Allergen" in Kontakt kommt. Für Hausstaub- und Tierhaarallergiker heißt dies, allergieauslösende Stoffe zu meiden und Haus und Wohnung möglichst staubfrei zu halten. Zwar ist es praktisch unmöglich, den Allergieauslösern gänzlich zu entkommen. Dennoch gibt es zahlreiche Mittel und Wege, die Allergenbelastung in der eigenen Wohnung spürbar zu reduzieren und so akute allergische Reaktionen zu verhindern und das Risiko für die Entstehung von schweren chronischen Erkrankungen wie Asthma zu senken.
Um die Allergenbelastung möglichst gering zu halten, sollte man den Kontakt mit Staub und den darin enthaltenen Allergenen weitreichend meiden. So verhindern zum Beispiel Pollenschutzgitter, dass Blütenpollen durch offene Fenster oder Türen eindringen, während milbendichte Überzüge die Allergene im Innern von Matratzen, Kopfkissen und Oberbetten zurückhalten. Haben sich Hausstaubmilben, Pilzsporen, Tierhaare und Pollen aber erst einmal eingenistet, stehen Menschen mit einer Hausstauballergie vor erheblichen Problemen. Denn gerade beim Putzen, Saugen oder Kehren wird viel Staub aufgewirbelt.
Um die Feinstaubbelastung in der Luft so gering wie möglich zu halten, reinigt man glatte Flächen am besten mit speziellen Anti-Staubtüchern. Ideal für die Reinigung von Fußbodenbelägen und Teppichen sind Staubsauger mit Feinstaubfiltern und komplett versiegeltem Gehäuse, welche die angesaugte Luft nicht wieder mitsamt den Allergenen durch die Luft pusten.
Auch richtiges Verhalten kann dazu beitragen, die Allergenbelastung in den eigenen vier Wänden zu senken. Die wichtigsten Maßnahmen und Verhaltensregeln zur Allergenvermeidung hat die DHA in der Broschüre "Allergene in der Wohnung reduzieren" zusammengestellt.
Quelle: Deutsche Haut- und Allergiehilfe e.V. (DHA) Presseinformation 26.9.2006; kostenlose Bestelladresse des Ratgebers: DHA, Gotenstraße 164, 53175 Bonn, DHA-Hotline: 0900/12 58 521; weitere Informationen incl. download unter www.dha-allergien.de.
Einzelne Lebensmittel aus Asien sind unzulässig bestrahlt
(26.9.2006) Rund vier Prozent der in Deutschland im Jahr 2005 auf Bestrahlung untersuchten Lebensmittel sind zu beanstanden. Dies ist das Ergebnis von Kontrollen der Untersuchungsbehörden der Bundesländer, über die das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) heute informiert hat. In Deutschland dürfen lediglich getrocknete aromatische Kräuter und Gewürze bestrahlt verkauft werden. Seit Juni 2006 dürfen auch tiefgefrorene bestrahlte Froschschenkel, die in anderen Mitgliedstaaten rechtmäßig in Verkehr sind, nach Deutschland eingeführt werden.
2,4 Prozent der auf Bestrahlung untersuchten Lebensmittel waren zwar in Deutschland für eine Behandlung mit energiereicher Strahlung zugelassen, die Ware war jedoch nicht ordnungsgemäß gekennzeichnet. 1,1 Prozent waren bestrahlt, obwohl eine solche Behandlung für die betroffenen Lebensmittel in Deutschland nicht zugelassen ist. Zudem wurde bei diesen Waren auf dem Etikett nicht auf die Bestrahlung hingewiesen. 0,1 Prozent der Proben waren zwar als bestrahlt gekennzeichnet, ein Verkauf dieser bestrahlten Lebensmittel in Deutschland war jedoch nicht zulässig. Insgesamt wurden 3.945 Proben untersucht. Die Probenahme erfolgt in der Regel risikoorientiert.
Unzulässig bestrahlt waren vor allem asiatische Nudelsuppe, getrockneter und gesalzener Fisch, Krustentiere und Froschschenkel aus dem ostasiatischen Raum sowie Nahrungsergänzungsmittel aus Deutschland und der Schweiz. Diese Lebensmittel dürfen in Deutschland nicht in den Verkehr gebracht werden, wenn sie mit Strahlung haltbar gemacht wurden. Zudem waren die Lebensmittel nicht als bestrahlt gekennzeichnet.
Rund die Hälfte der Beanstandungen wegen Kennzeichnungsmängeln entfiel auf bestrahlte Kräuter und Gewürze in Suppen und Saucen, die zumeist aus dem ostasiatischen Raum stammten. Bestrahlte Kräuter und Gewürze dürfen in Deutschland zwar in Verkehr gebracht werden, die beanstandeten Lebensmittel waren jedoch nicht ordnungsgemäß gekennzeichnet. Rund 32 Prozent der Beanstandungen betrafen asiatische Nudel- und Party-Snacks sowie Pizza, die mit bestrahlten Gewürzen und Kräutern hergestellt und nicht oder mangelhaft gekennzeichnet wurden. Darüber hinaus wurde die mangelhafte oder fehlende Kennzeichnung bei Gewürzen, tischfertigen Gerichten, Trockenmahlzeiten und Tee beanstandet.
Hintergrundinformation zur Bestrahlung von Lebensmitteln
Um die Haltbarkeit von Lebensmitteln zu erhöhen oder gesundheitsschädliche Mikroorganismen in Lebensmitteln abzutöten, besteht grundsätzlich die Möglichkeit, Obst, Gemüse und Getreide, Fleisch und Fisch zu bestrahlen. Die Behandlung darf allerdings nicht Hygienemaßnahmen ersetzen.
Die verwendete energiereiche Strahlung stammt von radioaktivem Material (Gammastrahlung) oder wird von Maschinen erzeugt (Röntgenstrahlung oder beschleunigte Elektronen). Das radioaktive Material geht jedoch nicht auf das Lebensmittel über und führt auch nicht dazu, dass Strahlung von dem bestrahlten Lebensmittel ausgeht.
Die Strahlenbehandlung hat zur Folge, dass beispielsweise Kartoffeln, Zwiebeln und Knoblauch nicht keimen oder sprossen und länger gelagert werden können. Unerwünschte Organismen (Insekten und Maden) in Getreide, Trockenobst, Gemüse oder Nüssen können durch eine Bestrahlung abgetötet und die Reifung von Obst kann verlangsamt werden. Mikroorganismen, die gesundheitsgefährdend sind, können eliminiert werden; die Keimbelastung, auch von Gewürzen, kann soweit reduziert werden, dass die Haltbarkeit der jeweiligen Produkte gewährleistet ist.
Welche bestrahlten Lebensmittel düerfen in Deutschland angeboten werden?
In Deutschland dürfen nach der Lebensmittelbestrahlungsverordnung sowie den EU-Richtlinien 1999/2/EG und 1999/3/EG lediglich getrocknete aromatische Kräuter und Gewürze bestrahlt angeboten bzw. verkauft werden. Die Bestrahlung darf nicht in Verbindung mit einer chemischen Behandlung angewandt werden, die dem gleichen Ziel wie die Bestrahlung dient. Um eine ordnungsgemäßse Strahlenbehandlung sicherzustellen, dürfen die Lebensmittel nur in Bestrahlungsanlagen behandelt werden, die für diesen Zweck in einem Mitgliedstaat der EU oder durch die EU in Drittländern zugelassen sind.
Belgien, Frankreich, Italien, die Niederlande und Großbritannien haben eine Strahlenbehandlung auch für weitere Lebensmittel erlaubt. Diese Lebensmittel dürfen in Deutschland nur angeboten werden, wenn dies in Form einer so genannten Allgemeinverfügung durch das BVL genehmigt wurde. Eine Allgemeinverfügung kann erteilt werden, wenn das Produkt nach den Vorschriften eines Mitgliedstaates der Europaeischen Union rechtmäßig mit ionisierenden Strahlen behandelt worden ist oder sich rechtmäßig im Verkehr des Mitgliedstaates befindet und keine Gesundheitsgefahren in sich birgt. Bislang hat das BVL lediglich eine Allgemeinverfügung für tiefgefrorene bestrahlte Froschschenkel ausgesprochen.
Quelle: Pressemitteilung Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), 26.09.2006; weitere Informationen unter http://www.bvl.bund.de/Bestrahlung.
Erste Ergebnisse der bundesweiten Kinder- und Jugendgesundheitsstudie
(25.9.2006) Bei einer Rumpfbeuge erreichen 43 % aller 4- bis 17-Jährigen in Deutschland nicht das Fußsohlenniveau. 15 % der Kinder und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren sind übergewichtig. Unter einer allergischen Erkrankung leiden aktuell 16,7 % aller Kinder im Alter bis zu 17 Jahren. Bei 21,9 % aller 11- bis 17-Jährigen findet man Auffälligkeiten beim Essverhalten. Das sind einige der ersten Ergebnisse von KiGGS, der Kinder- und Jugendgesundheitsstudie des Robert Koch-Instituts, die am 25.09.2006 der Fachöffentlichkeit vorgestellt wurde.
Mit 17.641 Teilnehmern liefert die europaweit einmalige Studie erstmals ein umfassendes Bild von der Gesundheit der Heranwachsenden in Deutschland, das alle Altersstufen umfasst und auch Laborbefunde einschließt. KiGGS wurde durch die Bundesministerien für Gesundheit sowie für Bildung und Forschung finanziert.
"Die KiGGS-Ergebnisse sind die Basis für eine bundesweite Gesundheitsberichterstattung zu Kindern und Jugendlichen und liefern Ansatzpunkte für gezielte Interventionen und Präventionsstrategien", sagte Bärbel-Maria Kurth, Studienleiterin und im Robert Koch-Institut Leiterin der Abteilung für Gesundheitsberichterstattung und Epidemiologie, bei der Eröffnung des Symposiums. "Erstmals gibt es nun verknüpfbare Daten aus den verschiedenen Ebenen des gesundheitlichen Geschehens der Heranwachsenden", unterstreicht Bärbel-Maria Kurth.
So sind zum Beispiel Übergewicht und Adipositas häufiger bei Kindern aus sozial benachteiligten Schichten, bei Kindern mit Migrationshintergrund und bei Kindern, deren Eltern ebenfalls übergewichtig sind. Bei Jugendlichen mit Essstörungen ist der Anteil der Auffälligen mit niedrigem sozioökonomischem Status mit 27,6 % fast doppelt so hoch wie der in der oberen Sozialschicht (15,5 %). Die als auffällig Klassifizierten weisen höhere Quoten an psychischen Auffälligkeiten und Depressivitätsneigung auf. Sie sind weniger zufrieden mit ihrem Körperselbstbild, rauchen mehr und berichten häufiger über die Erfahrung sexueller Belästigung. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, bereits im frühen Jugendalter über Essstörungen aufzuklären, Betroffene frühzeitig zu erkennen und Hilfsangebote zielgerichtet zu erweitern.
Bei dem Survey wurden alle "KiGGS-Kinder" medizinisch untersucht, zum Beispiel hinsichtlich Sehvermögen, Blutdruck, Schilddrüsenvolumen, Ausdauer und Koordinationsvermögen. In einem Fragebogen wurden Eltern und ab elf Jahre auch die Kinder selbst unter anderem zu Unfällen, Krankheiten, Schmerzen und zum Gesundheitsverhalten befragt. Die dreijährige Untersuchungsphase der bundesweit repräsentativen Datenerhebung endete im Mai 2006.
Quelle: Robert Koch-Institut (RKI) Pressemitteilung v. 25.9.2006; RKI, Nordufer 20, 13353 Berlin; Abstracts unter www.rki.de; weitere Informationen: www.kiggs.de.
Umwelthilfe warnt EU-Parlament, "statt Feinstaub dessen Grenzwerte zu bekämpfen"
(25.9.2006) In gleichlautenden Schreiben an deutsche Abgeordneten des Europäischen Parlaments hat die Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH) die Parlamentarier dringend aufgefordert, am morgigen Dienstag gegen die vom Umweltausschuss vorgeschlagene Aufweichung der EU-Feinstaubrichtlinie zu stimmen. Der vom deutschen Berichterstatter Holger Krahmer (FDP) zu verantwortende Vorschlag bedeutet faktisch eine erhebliche Verwässerung der derzeit geltenden Richtlinie und die würde ausgerechnet diejenigen belohnen, die sich bisher nicht ausreichend um die Reduzierung des Feinstaubs bemühen.
"Es ist angesichts jährlich über 70.000 vorzeitiger Todesfälle durch Feinstaub allein in Deutschland geradezu obszön, wenn EU-Parlamentarier nun statt des Feinstaubs die Feinstaub-Grenzwerte bekämpfen", sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Er erinnerte daran, dass erst die seit Anfang 2005 EU-weit verbindlichen Feinstaubgrenzwerte und die Probleme bei ihrer Einhaltung in vielen Ballungszentren Kommunen, Länder und den Bund "aus ihrer Lethargie beim Schutz der Bürgerinnen und Bürger gegen dieses mit Abstand schwerwiegenste Luftreinhalteproblem in Deutschland und Europa geweckt" habe.
Der Umweltausschuss des Europaparlaments hatte im Juni einen von Umweltschützern als halbherzig kritisierten Vorschlag von EU-Umweltkommissar Stavros Dimas zur Weiterentwicklung der Feinstaubrichtlinie weiter entschärft. Danach sollen die Tagesgrenzwerte für Partikel mit 10 Mikrometer Durchmesser (PM 10) in Zukunft 55 statt bisher 35 Mal pro Jahr überschritten werden dürfen. Ein neuer Grenzwert für die besonders gefährlichen Teilchen unterhalb 2,5 Mikrometer (PM 2,5) soll statt ab 2010 erst 2015 verbindlich werden. Außerdem soll es für die Kommunen großzügige Ausnahmeregelungen bei der Einhaltung der Grenzwerte geben.
Die geplante Aufweichung gültiger Grenzwerte sei angesichts der in Europa von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ermittelten 370.000 vorzeitigen Todesfälle pro Jahr an sich schon ein Skandal. "Dass diese Initiative in eine Zeit fällt, in der sich die verheerende Bilanz der Feinstaubbelastung auch in deutschen Langzeitstudien bestätigt, macht sprachlos", so Resch. Der DUH-Geschäftsführer verwies auf aktuelle Fachpublikationen (Septemberausgabe der Zeitschrift "Epidemiology") wonach sich bei Frauen mittleren Alters in Nordrhein-Westfalen, die an verkehrsreichen Straßen wohnen, die Wahrscheinlichkeit, an Herz-Kreislauferkrankungen oder Erkrankungen der Atemwege zu sterben, um 70 Prozent erhöht. Resch: "Das Ergebnis ist nicht überraschend, es bestätigt seit Jahren bekannte Untersuchungen aus den USA, die nirgends und von niemandem angezweifelt werden. Kein Abgeordneter des Europäischen Parlaments, der dieses Problem auf die lange Bank schieben will, kann hinterher sagen, er habe das nicht gewusst."
Quelle: Deutsche Umwelthilfe e.V. Presseinformation 25.9.2006; Deutsche Umwelthilfe e. V., Hackescher Markt 4, 10178 Berlin, www.duh.de.
Bei Feinstaubbekämpfung versagen Bundesregierung, Landesregierungen und viele Städte
(21.9.2006) In einem Ranking hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) jetzt die Gegenmaßnahmen der 26 am stärksten mit Feinstaub belasteten Städte Deutschlands bewertet. Keine dieser Städte, die bis Ende August die zulässigen Tagesmittelwerte bereits mindestens 40 Mal überschritten hatten, erhielt für ihre Maßnahmen ein "Sehr gut".
Mit "Gut" benotet wurden Düsseldorf, Berlin, Hamburg, München, Frankfurt/Main, Stuttgart, Duisburg und Essen. Den übrigen 18 Städten attestierte der Umweltverband mehr oder minder Versagen bei der Bekämpfung des Feinstaubs. In die Bewertung einbezogen wurden Kriterien wie die Planung von Umweltzonen, die Modernisierung des kommunalen Fuhrparks oder die Auskunftsbereitschaft der Behörden.
Gerhard Timm, Geschäftsführer des BUND: "Kommunen, die sich anstrengen, können Feinstaub erfolgreich bekämpfen. Damit wird nicht nur die Gesundheit der Menschen geschützt, es verbessert sich insgesamt die Lebensqualität vor Ort. Ab 2007 werden die vorbildlichen Städte die Grenzwerte einhalten können. Vollkommen unverständlich ist deshalb das Vorhaben einiger EU-Parlamentarier vor allem aus Deutschland, in der nächsten Woche die Feinstaubrichtlinie zu verwässern. In Europa sterben durch Feinstaub jährlich 370000 Menschen vorzeitig. Diese Zahl ließe sich um ein Viertel senken, wenn endlich gehandelt würde. Wir haben es hier mit einem Umweltskandal ersten Ranges in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung zu tun."
Am 25.9. wird das Europäische Parlament über die Neufassung der Luftqualitätsrichtlinie beraten und am Tag darauf die künftigen Grenzwerte für Feinstaub festlegen. Kommunen mit besonderen geografischen und meteorologischen Bedingungen oder grenzüberschreitenden Schadstoffeinträgen will die EU-Kommission längere Übergangsfristen gewähren. Das Parlament will jedoch allen Kommunen generell fünf Jahre Aufschub erlauben und künftig 55 statt bisher 35 Überschreitungen des Tagesmittelwertes von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft zulassen. Damit würden nach Ansicht des BUND Städte wie Leipzig, Göttingen, Osnabrück, Potsdam, Erfurt, Jena, Augsburg oder Bayreuth belohnt, die bisher keinerlei Maßnahmen zur Minderung des Feinstaubs eingeleitet hätten.
Timm: "Vor zwei Jahren waren Feinstaub und Dieselruß sprichwörtlich in aller Munde. Dann wurde es still um das Umweltgift, obwohl die Belastungen eher zu- als abgenommen haben. Die Länder verzögern im Bundesrat die Förderung von Dieselfiltern und die Bundesregierung tut zu wenig, um weiträumige industrielle Feinstaubemissionen zu reduzieren. Bund und Länder dürfen den Kommunen bei der Feinstaubbekämpfung nicht länger in den Arm fallen."
Quelle: BUND e.V. 21.9.2006; das vollständige Ranking deutscher Städte bei der Feinstaubbekämpfung finden Sie im Internet unter: http://www.bund.net/lab/reddot2/pdf/feinstaubranking.pdf
Messungen in Gastronomiebetrieben und Fernreisezügen bestätigen tödliche Gefahr durch Passiv-Rauchen
(19.9.2006) Das Deutsche Krebsforschungszentrum DKFZ hat erstmals weitreichende Messungen auf lungengängige Partikel in deutschen Gastronomiebetrieben und in Fernreisezügen durchgeführt. Das Ergebnis war erschreckend: "Die Gesundheitsbelastung in der deutschen Gastronomie und in Fernreisezügen ist derart gravierend, dass Mitarbeiter und Gäste eigentlich Schutzmasken mit Luftfilter tragen müssten", so die Studien-Herausgeberin Martina Pötschke-Langer im pressetext-Interview. Das DKFZ rüstet in der Zwischenzeit zum Kampf gegen die Gefahren des Rauchens und will die Zigaretten aus der Gastronomie und den Eisenbahnzügen verbannen.
Das DKFZ nimmt diese Messungen zum Anlass, um in einem Memorandum den Gesundheitsschutz der Bevölkerung einzufordern. "Gemeinsam mit über fünfzig führenden wissenschaftlichen und medizinischen Fachgesellschaften und Gesundheitsorganisationen fordern wir die Schaffung eines Bundesgesetzes zum Schutz derjenigen, die diesen gefährlichen Stoffen ausgesetzt sind", so Pötschke-Langer. Die Senatskommission der deutschen Forschungsgemeinschaft hat bereits 1998 vor den Gefahren des Passivrauchens gewarnt. "Es gibt keine unteren Grenzwerte, die eine Unbedenklichkeit festlegen. Passivrauchen ist krebserregend, erbgutverändernd und fortpflanzungsgefährdend." Die Gefahr bestehe überall, wo geraucht werde und sei ganz klar klassifiziert. "Das Grundproblem ist, dass ein geeigneter Arbeitsschutz fehlt. Damit werden Mitarbeiter in der Gastronomie zu Arbeitnehmern zweiter Klasse." Es gehe nicht um die Frage der Toleranz, sondern um eine Fremdschädigung. Nur eine rauchfreie Gastronomie und rauchfreie Züge vermindern für die Betroffenen das Risiko, an Krebs, Atemwegs- sowie Herz-Kreislaufleiden zu erkranken.
"Die Gesundheitsgefährdung durch Passivrauchen ist wissenschaftlich derart gut belegt, dass der Gesetzgeber sofort handeln muss", so Otmar D. Wiestler, Vorstandsvorsitzender und Wissenschaftlicher Vorstand des DKFZ. Das Argument eines wirtschaftlichen Verlusts durch die Schaffung einer rauchfreien Gastronomie sei in verschiedenen Studien deutlich widerlegt worden. In der neuen Publikation des DKFZ wird die Situation in jenen Ländern analysiert, die bereits eine rauchfreie Gastronomie eingeführt haben: Stabile Umsätze und gesicherte Arbeitsplätze sowie eine überwältigende Zustimmung der Bevölkerung von über 90 Prozent sind belegbar. Am Beispiel von Irland und auch Norwegen zeige sich sehr deutlich, dass nach der Einführung einer rauchfreien Gastronomie die Umsätze in Restaurants, Bars und Pubs stabil blieben. Der irische Ministerpräsident Bertie Ahern erklärte am 12.7.06: "Ich kann ihnen versichern, dass in Irland kein einziges Pub wegen finanzieller Verluste durch das Rauchverbot schließen musste." Pötschke-Langer betonte, dass Deutschland und Österreich der internnationalen Entwicklung völlig hinten nach hängen. "Die politisch Verantwortlichen schauen weg."
Aus der Sicht des DKFZ sei es an der Zeit, Regelungen, die in anderen europäischen Ländern mit großem Erfolg und ohne wirtschaftliche Einbußen greifen, endlich auch in Deutschland zu treffen, erklärt Pötschke-Langer abschließend im pressetext-Gespräch.
Quelle: pressetext.deutschland 19.9.2006; Deutsches Krebsforschungszentrum, Stabsstelle Krebsprävention und WHO Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle unter http://www.tabakkontrolle.de.
Neue Studien belegen negative Auswirkungen von Feinstaub und Verkehrsbelastungen auf die Gesundheit
(18.9.206) Wohnen an stark befahrenen und chronische Exposition gegenüber PM10 und NO2 stellen Risikofaktoren für das vermehrte Auftreten von Erkrankungen der Atemwege und Einschränkungen der Lungenfunktion dar. Darüber hinaus ist die Sterblichkeit an Erkrankungen des Herz-Kreislauf Systems und der Atemwege bei den betroffenen Personen erhöht.
Angesichts dieser Datenlage ist es völlig unverständlich, dass derzeit im Europäischen Parlament versucht wird, die PM10 Grenzwerte zu lockern. Hiergegen protestieren Wissenschaftler aus aller Welt mit einer Deklaration, die in München und Paris verabschiedet wurde.
Ausgangslage der Studien
In den Jahren 1985 bis 1994 wurde in mehreren Regionen von Nordrhein-Westfalen der Gesundheitszustand von Frauen im Alter von 55 Jahren in Hinblick auf den Einfluss von Umweltbelastungen untersucht. Für 4800 dieser Frauen wurden 2002 bis 2005 die Daten zur Sterblichkeit, zu chronischen Atemwegserkrankungen und zur Lungenfunktion analysiert. Diese Auswertungen erfolgten federführend durch die Epidemiologen Prof. Dr. Dr. H.-E. Wichmann und Dr. J. Heinrich vom GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit und PD Dr. U. Krämer vom Institut für Umweltmedizinische Forschung Düsseldorf. Die Studien wurde zu wesentlichen Teilen durch das Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes NRW finanziert und durch das Landesumweltamt NRW unterstützt.
1. Sterblichkeit
Große amerikanische Studien zeigen dass die Sterblichkeit von Personen ansteigt, wenn sie über einen längeren Zeitraum gegenüber Feinstaub exponiert sind. Aus Europa gibt es ferner Hinweise, dass das Wohnen in der Nähe stark befahrener Straßen dieses Risiko besonders erhöht. Diese Fragestellung wurde jetzt erstmals in Deutschland untersucht.
Methodik: Grundlage der Studie ist eine nordrhein-westfälische Kohorte von ungefähr 4800 Frauen, die in den Jahren 1985 bis 1994 im Alter von 50 bis 59 Jahren an einer Basisuntersuchung teilgenommen haben. Mit Genehmigung des zuständigen Datenschutzbeauftragten wurde ermittelt, welche dieser Frauen mit welchen Todesursachen bis Ende 2002 verstorben waren. Die Exposition gegenüber Luftschadstoffen wurde zum einen über Mittelwerte der Immissionskonzentrationen von PM10 und NO2 definiert, zum anderen über den Abstand der Wohnung von stark befahrenen Strassen (mehr als 10.000 Fahrzeuge pro Tag). In den statistischen Analysen wurde für Rauchen und Sozialstatus adjustiert.
Ergebnisse: Während der Beobachtungszeit sind 8 % der Frauen verstorben, davon 3 % an kardiopulmonaren Todesursachen, also an Erkrankungen des Herz-Kreislauf Systems oder der Atemwege. Es wurden Assoziationen gefunden zwischen kardiopulmonaler Sterblichkeit und dem Wohnen innerhalb eines 50 m Abstands von stark befahrenen Straßen. Die Sterblichkeit war hier um 70 % erhöht. Bezogen auf die PM10 Jahresmittelwerte stieg die kardiopulmonale Sterblichkeit pro 7 µg/ m3 um 34 % an. Für NO2 betrug der Anstieg 57 % bezogen auf 16 µg/ m3. Alle Ergebnisse waren statistisch signifikant. Für andere Todesursachen wurde kein Zusammenhang gefunden. Die Jahresmittelwerte betrugen 44 µg/ m3 für PM10 (Grenzwert 40 µg/ m3) und 48 µg/ m3 für NO2 (Grenzwert ebenfalls 40 µg/ m3).
2. Atemwegserkrankungen und Lungenfunktion
Auch zum Einfluss von Luftschadstoffen auf Atemwegserkrankungen und die Lungenfunktion gibt es bisher in Deutschland nur Untersuchungen zu Kurzzeiteinflüssen. Erstmals wurden jetzt Langzeiteinflüsse untersucht.
Methodik: Grundlage der Studie ist dieselbe nordrhein-westfälische Frauenkohorte, die Auswertung erfolgte in der gleichen Weise wie bei der Sterblichkeit.
Ergebnisse: Die Häufigkeit (Prävalenz) chronisch obstruktiver Atemwegserkrankungen (COPD) betrug 4,5 %. Die Atemwegserkrankungen und die Einschränkung der Lungenfunktion waren am stärksten mit PM10 und der Verkehrsbelastung assoziiert. Ein Anstieg des PM10 Mittelwertes um 7 µg / m3 war mit einem Anstieg der Prävalenz der COPD um 33 % assoziiert und das Wohnen im 100 m Abstand von stark befahrenen Strassen mit einem Anstieg um 79 %.
Deklaration für die Notwendigkeit strengerer Europäischer Regulationen für Luftschadstoffe
In einer gemeinsamen Erklärung haben Wissenschaftler der European Respiratory Society (ERS), der International Society for Environmental Epidemiology (ISEE) und der International Society for Exposure Assessment (ISEA) ihre Besorgnis über gegenwärtige Bestrebungen zum Ausdruck gebracht, die Grenzwerte für PM10 in der Europäischen Union zu verwässern.
Quelle: GSF-Forschungszentrum, 18.9.2006; Text der Deklaration: http://www.gsf.de/neu/Aktuelles/Presse/2006/pdf/Declaration.pdf. Originale: 1. Gehring U, Heinrich J, Krämer U, Grote V, Hochadel M, Sugiri D, Kraft M, Rauchfuss K, Eberwein HG, Wichmann H-E: Long-term exposure to ambient air pollution and cardiopulmonary mortality in women. Epidemiology, 2006 Sept 17(5): 545-551. 2. Schikowski T, Sugiri D, Ranft U, Gehring U, Heinrich J, Wichmann H-E, Krämer U: Long-term air pollution exposure and living close to busy roads are associated with COPD in women. Respiratory Research 2005, 6:152.
Weltkindertag 2006: Kinderunfälle verhindern!
(18.9.2006) In Deutschland verletzt sich heute alle 18 Sekunden ein Kind so schwer, dass es ärztliche Hilfe benötigt. Unfälle sind das Gesundheitsrisiko Nummer eins für Kinder und Jugendliche. “Wir brauchen Unterstützung, denn Aufklärung tut dringend Not. 1,7 Millionen Kinderunfälle sorgen jährlich in Deutschland für Angst und Schrecken. Einige haben schwere Spätfolgen und begleiten Kinder und deren Eltern oft ein Leben lang", sagt Dr. Stefanie Märzheuser, BAG Präsidentin und Kinderchirurgin am Campus Virchow Klinikum Berlin.
ZDF-Moderatorin Barbara Hahlweg (heute-journal, heute) ist die neue Schirmherrin der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Mehr Sicherheit für Kinder e.V. Anlässlich des Weltkindertages sagte die 37-jährige Mutter von zwei Töchtern in München: "Kinderunfälle passieren oftmals nicht zufällig. Es gibt Möglichkeiten sie wirkungsvoll zu verhindern oder die Folgen zu mindern. Als Schirmherrin möchte ich Eltern und Kinder, Verantwortliche aus Staat und Gesellschaft und jeden, der mit Kindern zu tun hat, über die Verhütung von Kinderunfällen informieren. Gemeinsam haben wir die große Chance, bis zu 60 Prozent der schlimmen Verletzungen zu Hause und in der Freizeit zu verhindern."
Quelle: BAG Mehr Sicherheit für Kinder e.V., 18.9.2006, www.kindersicherheit.de.
Gesundheitsbericht für Deutschland erschienen
(18.9.2006) Steigende Lebenserwartung und gute Gesundheit, aber: immer noch zu viele Menschen rauchen, sind zu dick, bewegen sich zu wenig und trinken zu viel Alkohol. Das sind die Kernaussagen des Gesundheitsberichts "Gesundheit in Deutschland", den das Robert Koch-Institut im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit jetzt im Rahmen der Gesundheitsberichterstattung des Bundes (GBE) veröffentlicht hat.
Sechs Kapitel auf insgesamt 220 Seiten bieten einen allgemeinverständlichen Überblick über die gesundheitliche Situation der Bevölkerung und das Gesundheitswesen in Deutschland und zeichnen Entwicklungen der letzten zehn Jahre auf: Wie steht es um unsere Gesundheit, welche Faktoren beeinflussen die Gesundheit, was leistet das Gesundheitswesen für Prävention und Gesundheitsförderung, wie haben sich Angebot und Inanspruchnahme in der Gesundheitsvorsorgung verändert, wie viel geben wir für unsere Gesundheit aus, wie können sich Patientinnen und Patienten informieren und an Entscheidungen beteiligen? "In den vergangenen Jahren hat sich die Gesundheitsberichterstattung des Bundes, die das Robert Koch-Institut in Kooperation mit dem Statistischen Bundesamt durchführt, zu einer unverzichtbaren Informationsquelle über den Gesundheitszustand der Bevölkerung und des Gesundheitswesens entwickelt", sagt Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt anlässlich der Veröffentlichung.
Der Bericht "Gesundheit in Deutschland" beruht auf den aktuellsten verfügbaren Daten. Es wurden Kapitel aus dem ersten Gesundheitsbericht 1998 aktualisiert, Inhalte aus GBE-Themenheften integriert, Informationslücken geschlossen und neue Themen aufbereitet. Bei der Neuauflage haben Robert Koch-Institut, Statistisches Bundesamt und die Kommission Gesundheitsberichterstattung Wert auf eine gut verständliche und nicht zu wissenschaftliche Sprache gelegt. "Denn Gesundheitsberichterstattung erfolgt nicht zum Selbstzweck, sondern hat zum Ziel, Bürger sowie Akteure des Gesundheitswesens und der Gesundheitspolitik mit Informationen so auszurüsten, dass deren Bemühen um die Gesundheit und die gesundheitliche Versorgung unterstützt und begleitet wird", betonen Bärbel-Maria Kurth, im Robert Koch-Institut, Leiterin der Abteilung Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung und Hans-Konrad Selbmann, Leiter der Kommission Gesundheitsberichterstattung, im Vorwort des Berichts.
Die größte Herausforderung für das Gesundheitssystem liegt in der Alterung der Gesellschaft. Nicht allein Krebserkrankungen, sondern auch Leiden wie Diabetes mellitus, Osteoporose, Schlaganfall und Demenz nehmen mit steigendem Lebensalter zu. Durch den demografischen Wandel relativieren sich daher auch die insgesamt positiven Gesundheitstrends der letzten Jahre. So können die Deutschen zwar mit einem langen - und über lange Zeit in Gesundheit verbrachten - Leben rechnen. Gleichzeitig aber werden zukünftig immer mehr ältere Menschen mit chronischen Krankheiten eine gute Behandlung und Pflege benötigen.
Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung des Bundesministeriums für Gesundheit und des Robert Koch-Institutes, 18.9.2006, http://www.bmg.bund.de; eine Zusammenfassung und der Bericht unter www.rki.de abrufbar. Der Bericht kann auch kostenlos schriftlich angefordert werden: Robert Koch-Institut, GBE, Seestraße 10, 13353 Berlin, E-Mail: gbe@rki.de, Fax 03018-754-3513.
Wechselnde Schichtarbeit erhöht Krebsrisiko bei Männern
(18.9.2006) Männer, die in wechselnden Schichten arbeiten, können einem erhöhten Risiko einer Erkrankung an Prostatakrebs ausgesetzt sein. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie der University of Occupational and Environmental Health (UOEH) gekommen, die nachwies, dass wechselnde Schichten zu einer vier Mal so hohen Krankheitswahrscheinlichkeit führen als entweder Tag- oder Nachtschicht.
Die Ergebnisse der Studie an der mehr als 14.000 Arbeiter teilnahmen wurden im American Journal of Epidemiology veröffentlicht. Frühere Studien brachten Schichtarbeit mit einem erhöhten Risiko für Brust- und Darmkrebs in Zusammenhang.
Die aktuelle Studie ergab auch, dass Nachtschicht zu einem leicht erhöhten Risiko einer Erkrankung an Prostatakrebs führen kann. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die verringerte Sekretion des Hormons Melatonin von entscheidender Bedeutung sein könnte. Melatonin wird vom Körper zur Einleitung des Schlafes eingesetzt. In der Vergangenheit wurde nachgewiesen, dass dieses Hormon einen Schutz gegen Krebs bieten kann. Eine verringerte Sekretion wurde mit einer erhöhten Produktion von Sexualhormonen in Verbindung gebracht, die eine Rolle bei der Regulierung des Prostatagewebes spielen. Unter normalen Bedingungen ist die Sekretion des Hormons tagsüber gering, erhöht sich bald nach dem Einsetzen der Dunkelheit, erreicht in der Mitte der Nach einen Höhepunkt und fällt bis zum Morgen wieder.
Quelle: pressetext.austria 18.9.06, University of Occupational and Environmental Health (UOEH) http://www.uoeh-u.ac.jp, American Journal of Epidemiology http://aje.oxfordjournals.org.
EU-Ministerrat soll Gen-Reis aus dem Handel ziehen
(15.9.2006) Aufgrund weiterer Funde von illegalem Gen-Reis der Bayer AG in der Europäischen Union fordert Greenpeace von Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU) und den Landwirtschaftsministern der EU, den Langkornreis aus den USA vollständig aus dem europäischen Handel zu nehmen. Die Minister kommen am 18.9.06 bei einem Treffen des EU-Landwirtschaftsrats in Brüssel zusammen. Sie werden auch über die Genehmigung eines genmanipulierten Raps der Bayer BioScience N.V. abstimmen. Die Zulassung würde bedeuten, dass die keimfähigen Gen-Rapskörner importiert werden dürfen. Diese sollen als Futtermittel verwendet, aber nicht angebaut werden.
"Die europäischen Minister können nicht immer mehr Verunreinigungen mit illegalem Gen-Reis melden und gleichzeitig die Einfuhr von genmanipuliertem Raps zulassen", fordert Ulrike Brendel, Gentechnik-Expertin von Greenpeace "Sie müssen jetzt den US-Langkornreis aus den Regalen räumen und die Zulassung für Gen-Raps ablehnen. Dieser Raps darf weder im Futtertrog der Tiere landen noch unkontrolliert auf Feldern wachsen."
Greenpeace hatte am Montag dieser Woche erstmals in Europa ein mit illegalem Gen-Reis verunreinigtes Produkt entdeckt. Wenig später gaben die Behörden zahlreiche weitere Fälle bekannt. Mit Gen-Reis verunreinigte Lebensmittel wurden unter anderem in den Niederlanden, Schweden, Frankreich, Deutschland und der Schweiz entdeckt. Die zwei großen Schweizer Supermarktketten Migros und Coop haben daraufhin den gesamten Verkauf von Langkornreis aus den USA gestoppt.
"Die zahlreichen Funde von Gen-Reis in Europa zeigen, dass Langkornreis aus den USA weit stärker betroffen ist als erwartet. Die Verbraucher haben daher ein Recht darauf, dass US-Langkornreis und alle Produkte, die diesen enthalten, sofort aus den Supermärkten entfernt werden", sagt Brendel.
Mehrere Experten gehen inzwischen davon aus, dass sich der Gen-Reis LL 601 von Bayer in den USA durch Pollenflug auf verwandte Wildpflanzen und in herkömmlichen Reis ausgekreuzt hat. Diese Gefahr besteht auch bei der Einfuhr von Gen-Raps und seiner ungewollten Ausbreitung. Denn der Raps hat seinen Ursprung in Mitteleuropa und die Gefahr der Auskreuzung auf verwandte Wildpflanzen ist daher besonders hoch. Raps-Pollen fliegen häufig über mehrere Kilometer weit.
In Japan haben Forscher des japanischen Instituts für Umweltstudien (NIES) bereits nachgewiesen, dass sich importierter Gen-Raps ungewollt ausgebreitet hat. So fanden sie herbizid-resistente Gen-Rapspflanzen, wie sie von den Firmen Bayer und Monsanto hergestellt werden, in der Nähe von japanischen Häfen. In Japan ist der Anbau von genmanipulierten Raps verboten.
Quelle: Greenpeace e.V., 15.9.2006, www.greenpeace.de.
Herzkreislauferkrankung bleibt häufigste Todesursache im Jahr 2005
(15.9.2006) Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, starben nach den Ergebnissen der Todesursachenstatistik im Jahr 2005 in Deutschland insgesamt 830.227 Personen (388.554 Männer und 441.673 Frauen). Dies waren 11.956 Sterbefälle oder 1,5% mehr als im Vorjahr. Bei nahezu jedem zweiten Verstorbenen (152.274 Männer und 215.087 Frauen) wurde - wie auch schon in den Vorjahren - der Tod durch eine Erkrankung des Kreislaufsystems ausgelöst.
Infolge von Kreislauferkrankungen starben insbesondere ältere Menschen: Fast 91% der Verstorbenen waren über 65 Jahre alt. Frauen starben entsprechend häufiger an einer Kreislauferkrankung, weil sie im Durchschnitt älter werden als Männer. Am Herzinfarkt, der zur Gruppe der Kreislauferkrankungen gehört, verstarben 66 179 Personen, davon waren 54,8% Männer (36.283 Verstorbene) und 45,2% Frauen (29.896 Verstorbene).
Einem Krebsleiden erlag im Jahr 2005 gut ein Viertel aller Gestorbenen (112.066 Männer und 99.330 Frauen). Bei den Männern hatten bösartige Neubildungen der Verdauungsorgane (36.022 Verstorbene) und der Atmungsorgane (30.629 Verstorbene) die größte Bedeutung. Bei den verstorbenen Frauen dominierten die bösartigen Neubildungen der Verdauungsorgane mit 32.563 Sterbefällen, gefolgt von bösartigen Neubildungen der Brustdrüse mit 17.455 Sterbefällen.
An nichtnatürlichen Todesursachen (Verletzungen und Vergiftungen) starben 33.024Personen (20.353 Männer und 12.671 Frauen). Von den 10.260 Personen, die im Jahr 2005 freiwillig aus dem Leben schieden, waren 73,3% Männer und 26,7% Frauen.
Im langfristigen Vergleich ist die Sterblichkeit seit 1990 in allen Bundesländern gesunken. Die altersstandardisierte Sterbeziffer sank bundesweit von 1990 bis 2005 um 29% auf 801,6 Gestorbene je 100.000 Einwohner. In Sachsen-Anhalt wurde 2005 mit 894,9 Gestorbenen je 100.000 Einwohner die höchste, in Baden-Württemberg mit 721,7 die niedrigste Sterblichkeit festgestellt.
Quelle: Statistisches Bundesamt Pressemitteilung 15.9.2006; detaillierte Ergebnisse unter www.gbe-bund.de.
Sind eingeatmete Nanopartikel gesundheitsschädlich?
Do the Nano-sized Particles we Breathe Pose a Risk to our Health?
(14.9.2006) Some scientists are concerned about the possible effects on health of exposure to ultrafine or nano-sized particles with a diameter below 100 nanometres. These particles are abundant in ambient urban air and are of the same size as engineered nanoparticles. Nanoparticle research is currently an area of intense scientific research, due to the wide variety of potential applications in biomedical, optical, and electronic fields, but they are controversial due to concern about their safety.
American researchers have recently investigated the potential health effects of ultrafine particles by studying groups of rats exposed to ultrafine manganese oxide particles, commonly present in industrial plants and the same size as manufactured nanoparticles. The exposure concentration was similar to the concentration routinely inhaled by factory welders. The scientists found that, when rats inhaled the nano-sized manganese oxide particles, these followed a rapid and efficient pathway from the nasal cavity to several regions of the brain.
After 12 days of exposure, the concentration of the ultrafine particles in the olfactory bulb, a region of the brain near the nasal cavity, had increased 3.5-fold and doubled in the lungs. The researchers found no sign of inflammation in the lungs, but according to the rat's gene expression and protein analysis, there were signs of inflammation and cellular stress response in the brain. However, the results cannot determine if a build-up of ultrafine particles could cause brain damage.
On the other hand, the uptake and pathway of nano-sized particles into the brain is likely to depend, not only on size, but also on many other particle characteristics. Therefore, the findings of this study cannot be directly applied to nanoparticles in general until more data is available on mechanisms.
The authors of the study argue that, despite the differences between the human and rodent olfactory systems, the same pathway observed in rats for ultrafine particles is likely to be operative in humans, thus posing a risk to human health. Human exposure to high concentrations of nano-sized manganese oxide particles occur in certain occupational settings, such as arc welding. Therefore, it is important to consider the potential risk for the central nervous system of exposure to ultrafine particles and to further investigate the mechanisms and possible consequences.
Quelle: Science for Environment Policy 14.9.06; Original: Elder A, et al (2006): Translocation of inhaled ultrafine manganese oxide particles to the central nervous system, Environ Health Perspectives 114(8): 1172-1178.
Das "Ozonloch" schließt sich noch lange nicht
(14.9.2006) Der Gehalt an Chlor in der Stratosphäre, das im antarktischen Frühjahr für die Entstehung des "Ozonlochs" verantwortlich ist, sinkt langsam. Amerikanische Wissenschaftler sagen deshalb schon eine vorzeitige Erholung der Ozonschicht voraus, für die sie in ihren Messungen Hinweise sehen. Wissenschaftler des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung des Forschungszentrums Karlsruhe können dies nicht bestätigen: Im Messnetz des Instituts ist keine Erholungstendenz auszumachen. Eine beobachtete Abkühlung der Stratosphäre fördert die Bildung stratosphärischer Wolken und wirkt der Abnahme des Chlorgehalts entgegen: An der Oberfläche der Wolkenpartikel wird Chlor verstärkt aktiviert und kann so den katalytischen Ozonabbau in Gang setzen.
Eine schon 1974 in einer wissenschaftlichen Veröffentlichung ausgesprochene Warnung vor den Folgen immer stärkerer Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoff-Emissionen (FCKW) bestätigte sich 1985 auf dramatische Weise: Britische Forscher entdeckten das "Ozonloch", eine jährlich im antarktischen Frühjahr auftretende Abnahme der Ozonschicht in über 20 km Höhe, in der Stratosphäre. Dies führte schließlich 1987 zur Unterzeichnung des so genannten Montreal-Protokolls, in dem sich die internationale Staatengemeinschaft verpflichtete, die Emissionen von Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffen zu senken. Das Abkommen greift: Das Maximum der FCKW-Konzentration in der Troposphäre wurde Mitte der 90er Jahre erreicht. Der Chlorgehalt der Stratosphäre nimmt seit der Jahrtausendwende langsam ab.
Trotzdem ist der Chlorgehalt in der Stratosphäre nach wie vor sehr hoch. Wegen der langsamen Austauschprozesse nach unten in die Troposphäre wird es noch mehrere Jahrzehnte dauern, bis der Chlorgehalt deutlich gesunken ist und sich die Ozonschicht nachhaltig erholen kann. Kürzlich leiteten amerikanische Wissenschaftler aus ihren Messungen ab, dass schon heute eine Erholung der stratosphärischen Ozonschicht zu erkennen sei und prognostizierten, dass die Erholung schneller als angenommen einsetze. Diese Ergebnisse können von einer Arbeitsgruppe des Forschungszentrums Karlsruhe nicht bestätigt werden.
"Ozondaten, die im Rahmen des bodengebundenen Messnetzes unseres Instituts langfristig gemessen werden, zeigen noch keinerlei Erholungstendenz", erläutert Professor Dr. Herbert Fischer, Leiter des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung des Forschungszentrums Karlsruhe. Die wesentliche Unsicherheit in der Prognose der Zukunft der Ozonschicht liegt im Einfluss des Treibhauseffektes auf die Chemie in der Stratosphäre. Dieser führt in der Stratosphäre - im Gegensatz zur Erwärmung in bodennahen Luftschichten - zu einer Abkühlung. Wenn die Stratosphäre kälter wird, werden sich verstärkt so genannte polare Stratosphärenwolken bilden. An der Oberfläche dieser Wolkenpartikel werden Chlorverbindungen aufgespalten und für die Reaktion mit Ozon aktiviert: Der katalytische Ozonabbau kommt in Gang.
Das verstärkte Auftreten polarer Wolken wirkt somit dem reduzierten Chlorgehalt entgegen: Die Erholung der Ozonschicht verzögert sich. Würde dazu noch, wie es der Nobelpreisträger Paul Crutzen zur Eindämmung des Treibhauseffektes vorgeschlagen hat, Schwefel in der Stratosphäre ausgebracht werden, entstünden daraus Schwefelsäuretröpfchen, die einen Typ der polaren Stratosphärenwolken darstellen. Somit würde, um den Treibhauseffekt einzudämmen, der Preis eines zusätzlichen anthropogenen Ozonabbaus gezahlt werden.
Polare Stratosphärenwolken sind daher der Schlüssel zum Verständnis der Entwicklung der Ozonschicht. Deshalb ist es wichtig, die Prozesse, die zur Bildung dieser Wolken führen, zu verstehen und in Klima-Chemie-Modelle, die die zukünftige Entwicklung der Atmosphäre simulieren, zu integrieren. Am Institut für Meteorologie und Klimaforschung ist es mit Hilfe des MIPAS-Experiments an Bord des europäischen Umweltsatelliten ENVISAT erstmals gelungen, die verschiedenen Typen der polaren Stratosphärenwolken gleichzeitig global zu messen und mit Modelldaten zu vergleichen. "Diese Vergleiche zeigen an, dass es im Verständnis der ozonrelevanten Prozesse auf den polaren Wolkenpartikeln noch beträchtliche Lücken gibt", sagt Herbert Fischer. Eine zuverlässige Prognose, wann sich die Ozonschicht erholen wird, ist deshalb derzeit noch nicht möglich.
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft (idw) Pressemitteilung 14.9.2006.
Amerikaner sind die ersten Klimaflüchtlinge
(13.9.2006) Wer die erste große Bewegung von Klimaflüchtlingen im Süd-Pazifik vermutete, in einem Abwandern von der Insel Tuvalu oder anderen niedrig gelegenen Inseln, lag falsch. Die erste massive Bewegung von Klimaflüchtlingen war die der Bewohner der Golfküste der USA. Der Hurrikan Katrina, welcher sich letztes Jahr im August ereignete, trieb eine Million Menschen aus New Orleans und den kleinen Städten am Mississippi und der Louisiana-Küsten dazu, ins Inland zu ziehen.
Rekord- Temperaturen im Oberflächenwasser des Golf von Mexiko trugen dazu bei, den Hurrikan Katrina zu dem finanziell zerstörerischsten Hurrikane aller Zeiten zu machen. Selbst heute, ein Jahr später, verfügen große Teile New Orleans immer noch nicht über grundlegende Infrastruktur-Dienstleistungen, wie Wasser, Strom, Abwasserentsorgung, Müllabfuhr und Telekommunikation. Bis Juli 2006 haben New Orleans, die drei Küstengemeinden Louisianas und die drei Länder des Mississippi insgesamt 375.000 Bewohner wegen der Zerstörung durch Katrina verloren.
Wir schätzen, dass mindestens 250.000 von ihnen sich andernorts niedergelassen haben und nicht zurückkehren werden. Sie möchten sich nicht länger mit dem mit der steigenden See und den zerstörerischen Stürmen verbundenen persönlichen Trauma und den finanziellen Risiken konfrontieren. Diese Evakuierten sind nun Klimaflüchtlinge. Die American Psychological Association vermerkt, dass viele der Sturm-Opfer unter einem posttraumatischen Stresssyndrom leiden.
In Zukunft wird es in den durch Hurrikane gefährdeten Küstenregionen des US-amerikanischen Südostens mit Schwierigkeiten verbunden sein, eine Eigentumsversicherung zu bekommen. Als Folge der letzten zwei Hurrikan- Jahre, stiegen die Versicherungskosten an und private Versicherungsgesellschaften zogen sich aus den Hochrisiko-Gebieten der Küsten zurück. Als Antwort darauf riefen Regierungen in zu Hurrikanen neigenden Staaten staatlich unterstützte Versicherungsgesellschaften für Hausbesitzer ins Leben, die sich nicht privat versichern konnten. Floridas staatlicher Versicherer, Citizens Property Insurance Corporation, hatte 2004 ein Defizit von $516 Millionen zu verzeichnen. Im Endeffekt müssten die Raten in dem Maße steigen, wie die Risiken steigen. Dies betrifft nicht bloß die Eigentumsversicherung, sondern ebenso Firmen, die sich gegen Verluste durch Geschäftsunterbrechung absichern wollen. Einige Unternehmen der besonders schwer getroffenen Regionen sind bereits in sicherere Gebiete gezogen.
Der Strom von Klimaflüchtlingen zählt heute Tausende. Wenn wir nicht schnell die CO2-Emissionen reduzieren, könnte er Millionen zählen.
Quelle: Klima-Kompakt Nr. 43 v. 13.9.2006, http://www.germanwatch.org/kliko/k43.pdf; Original: Earth Policy Institute (ed): Global warming forcing U.S. coastal population to move inland (Autor: Lester R. Brown), http://www.earth-policy.org/Updates/2006/Update57.htm
Neuropsychiatrischegische und kognitive Effekte bei Anwohnern in der Nähe von Mobilfunksendern
Neurobehavioral effects among inhabitants around mobile phone base stations.
(13.9.2006) There is a general concern on the possible hazardous health effects of exposure to radiofrequency electromagnetic radiations (RFR) emitted from mobile phone base station antennas on the human nervous system. Inhabitants living nearby mobile phone base stations are at risk for developing neuropsychiatric problems and some changes in the performance of neurobehavioral functions either by facilitation or inhibition.
Methods
A cross-sectional study was conducted on (85) inhabitants living nearby the first mobile phone station antenna in Menoufiya governorate, Egypt, 37 are living in a building under the station antenna while 48 opposite the station. A control group (80) participants were matched with the exposed for age, sex, occupation and educational level. All participants completed a structured questionnaire containing: personal, educational and medical histories; general and neurological examinations; neurobehavioral test battery (NBTB) [involving tests for visuomotor speed, problem solving, attention and memory]; in addition to Eysenck personality questionnaire (EPQ).
Results
The prevalence of neuropsychiatric complaints as headache (23.5%), memory changes (28.2%), dizziness (18.8%), tremors (9.4%), depressive symptoms (21.7%), and sleep disturbance (23.5%) were significantly higher among exposed inhabitants than controls: (10%), (5%), (5%), (0%), (8.8%) and (10%), respectively (P<0.05). The NBTB indicated that the exposed inhabitants exhibited a significantly lower performance than controls in one of the tests of attention and short-term auditory memory [Paced Auditory Serial Addition Test (PASAT)]. Also, the inhabitants opposite the station exhibited a lower performance in the problem solving test (block design) than those under the station. All inhabitants exhibited a better performance in the two tests of visuomotor speed (Digit symbol and Trailmaking B) and one test of attention (Trailmaking A) than controls. The last available measures of RFR emitted from the first mobile phone base station antennas in Menoufiya governorate were less than the allowable standard level.
Conclusions and Recommendations
Inhabitants living nearby mobile phone base stations are at risk for developing neuropsychiatric problems and some changes in the performance of neurobehavioral functions either by facilitation or inhibition. So, revision of standard guidelines for public exposure to RER from mobile phone base station antennas and using of NBTB for regular assessment and early detection of biological effects among inhabitants around the stations are recommended.
Quelle: Abdel-Rassoul G, El-Fateh OA, Salem MA, Michael A, Farahat F, El-Batanouny M, Salem E. (2006): Neurobehavioral effects among inhabitants around mobile phone base stations, Neurotoxicology. 2006 Aug 1; [Epub ahead of print], PMID: 16962663 [PubMed - as supplied by publisher]; Community, Environmental and Occupational Medicine Department, Faculty of Medicine, Menoufiya University, Shebin El-Kom, Egypt.
Stellungnahme des Bundesamts für Risikobewertung zu der Häufung von Salmonellosen durch Geflügel
(12.9.2006) Seit Mai 2006 wurden dem Robert Koch-Institut (RKI) mehr als 100 Salmonellose-Fälle gemeldet, die durch Salmonella (S.) Hadar verursacht wurden. Zwei Personen sind an den Folgen der Erkrankung gestorben. Im Vorjahreszeitraum lag die Zahl der Fälle deutlich niedriger. Das RKI und das BfR arbeiten gemeinsam mit dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) und den Ländern an der Aufklärung des Krankheitsausbruchs. Dennoch konnten die Ursachen der Häufung dieser Lebensmittelinfektionen bis heute nicht eindeutig geklärt werden.
S. Hadar kommt vor allem in Geflügelbeständen vor und ist in der Vergangenheit insbesondere in Fleisch und Fleischerzeugnissen von Puten und Hähnchen nachgewiesen worden. Grundsätzlich ist zur Vermeidung von Lebensmittelinfektionen bei der Zubereitung von rohem Geflügelfleisch eine besondere hygienische Sorgfalt erforderlich. Da in den Sommermonaten Geflügelfleisch verstärkt gegrillt wird, sollte auch bei dieser Art der Zubereitung auf ein ausreichendes Erhitzen des Fleisches geachtet werden. Außerdem ist eine Verunreinigung von anderen Speisen über das rohe Fleisch bzw. die Marinaden, in die das Fleisch eingelegt wurde, zu vermeiden, zumal sich Salmonellen insbesondere im Sommer in nicht ausreichend gekühlten Speisen sprunghaft vermehren können.
Untersuchungen der amtlichen Lebensmittelüberwachung zeigen, dass rohes Geflügelfleisch und Geflügelfleischerzeugnisse - auch die tiefgekühlten Produkte - mit Krankheitserregern kontaminiert sein können. Im Jahr 2005 wurden bei rund einem Zehntel der untersuchten Geflügelfleischproben Salmonellen und in jeder dritten Probe Campylobacter-Bakterien gefunden. Aus diesem Grund erneuert das Bundesinstitut für Risikobewertung seine Empfehlungen zum Umgang mit und zur Zubereitung von Geflügelfleisch und Geflügelfleischerzeugnissen.
Zwar werden Keime wie Salmonellen und Campylobacter bei der Zubereitung des Geflügelfleisches abgetötet, wenn beim Garen die entsprechend hohen Temperaturen erreicht werden. Aber durch eine Übertragung dieser Keime auf die Hände, auf Haushaltsgeräte und Küchenoberflächen können andere Speisen mit diesen Krankheitserregern verunreinigt werden. Werden diese verunreinigten Speisen vor dem Verzehr nicht erneut erhitzt, kann es zu einer Gefährdung der Gesundheit kommen. Da sich Salmonellen bei Temperaturen oberhalb von 7°C in Lebensmitteln vermehren können, besteht ein besonderes Risiko beim Verzehr von Speisen, die über eine längere Zeit ungekühlt aufbewahrt werden, wie zum Beispiel Salate und Desserts.
Deshalb sollten bei der Zubereitung von rohem Geflügelfleisch die folgenden allgemeinen Hygienevorschriften strikt eingehalten werden:
* Rohe Geflügelprodukte und andere Lebensmittel getrennt lagern und zubereiten, insbesondere wenn Letztere nicht noch einmal erhitzt werden
* Frisches Geflügelfleisch maximal bei +4 °C aufbewahren und bis zum Ablauf des Verbrauchsdatums verarbeiten
* Tiefgefrorenes Geflügelfleisch ohne Verpackung im Kühlschrank auftauen
* Verpackungsmaterialien und Auftauwasser sofort sorgfältig entsorgen
* Gerätschaften und Oberflächen, die mit rohen Geflügelprodukten oder Auftauwasser in Berührung gekommen sind, vor der weiteren Verwendung gründlich mit warmem Wasser und Spülmittelzusatz reinigen
* Hände zwischen den einzelnen Zubereitungsschritten mit warmem Wasser und Seife gründlich reinigen
* Geflügelfleisch ausreichend durchgaren, bis im Kern des Produktes mindestens +70 °C erreicht werden und das Fleisch eine durchgehend weißliche Farbe angenommen hat. Darauf sollte auch beim Grillen geachtet werden.
Quelle: BfR - Presseinformation 26/2006 v. 12.9.2006, Bundesinstitut für Risikobewertung, Thielallee 88 - 92, D - 14195 Berlin, Telefon: 01888/412-4300, Telefax: 01888/412-4970, www.bfr.bund.de
Jeder fünfte Langkornreis mit illegalen Bestandteilen kontaminiert
(12.9.2006) Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat die Verbraucherschutzminister der Bundesländer aufgefordert, umfangreiche Tests bei in Deutschland angebotenem Langkornreis aus den USA anzuordnen. Die Ergebnisse der Tests auf den illegal nach Europa eingeführten Langkornreis "LLRice 601" der Bayer-AG seien umgehend zu veröffentlichen. Die zuständigen Lebensmittelüberwachungsbehörden müssten die Handelsnamen und die Händlerfirmen des Reises offen legen. Die Verbraucherinnen und Verbraucher hätten ein Recht darauf zu erfahren, in welchen Produkten der Gen-Reis enthalten sei. Nur dann könnten sie sich gegen den Verzehr bereits gekaufter und den Kauf verdächtiger Ware entscheiden.
"Wenn in 33 von 162 überprüften Proben verschiedener Anbieter der inkriminierte Reis enthalten ist, dann haben wir es hier nicht mit Einzelfällen zu tun. Dann wurde die nach Europa importierte Ware flächendeckend kontaminiert. Die zuständigen Behörden müssen handeln, ihre Probenahmen koordinieren und bei Funden sofort Rückrufaktionen starten", sagte Gerhard Timm, Geschäftsführer des BUND.
Gestern war bekannt geworden, dass bei von der EU-Reisindustrie durchgeführten Untersuchungen jede fünfte Probe den illegalen Reis enthielt. In Deutschland sind die Bundesländer für entsprechende Tests zuständig.
Quelle: BUND Pressemitteilung 12.9.2006, E-Mail: presse@bund.net, Internet: www.bund.net
Jeder dritte Deutsche ist allergiekrank
(11.9.2006) Immer mehr Menschen leiden an Heuschnupfen, Asthma und allergischen Ekzemen. In Deutschland ist mittlerweile jeder Dritte allergiekrank und die Zahl der Betroffenen steigt stetig. Allergien gehören damit zu den häufigsten chronischen Erkrankungen. Zurückzuführen ist die Zunahme von Allergien auch auf unseren modernen westlichen Lebensstil, wobei ein geringeres Training des Immunsystems durch Infektionen und hochisolierte Wohnräume mit erhöhter Belastung durch Milben- und Schimmelpilzallergene eine wesentliche Rolle spielen.
Der verstärkte Pollenflug durch die globale Erwärmung und die Luftverschmutzung durch Feinstäube sind weitere Faktoren, welche die Zunahme allergischer Erkrankungen verursacht haben können. Die Betroffenen nehmen ihre Beschwerden oft nicht ernst. Zu spät und zu selten wenden sich Allergie geplagte Menschen an einen allergologisch ausgebildeten Facharzt. Dabei kann eine rechtzeitige Behandlung, z.B. in Form einer spezifischen Immuntherapie, die Symptome langfristig verbessern und schwere Folgeerkrankungen wie Asthma verhindern.
Vom 15.-16.9.2006 findet der 29.Kongress des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA) statt. Zum Allergie-Kongress im historischen Ambiente des Kurhauses Wiesbaden erwarten die Kongresspräsidenten Professor Wolfgang Schlenter aus Frankfurt und Professor Ludger Klimek aus Wiesbaden bis zu 600 Teilnehmer.
Der Allergie-Kongress in Wiesbaden steht unter dem Motto "Allergie - Volkskrankheit des 21. Jahrhunderts". Im Mittelpunkt stehen die neuesten Erkenntnisse zur Prävention, Diagnostik und Therapie von Allergien. "Wir decken ein breites Spektrum der praktischen Allergologie ab und erwarten außerdem weitere sehr interessante Vorträge, beispielsweise über den Einfluss von Infektionen auf Allergien, über Insektengiftallergien und über kindliches Asthma", sagt Kongresspräsident Schlenter.
Quelle: Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA) Pressemitteilung 11.9.2006, ÄDA, Bodelschwinghstr. 17, 22337 Hamburg, Tel. 040 507113-44, Fax 040 591845, www.allergie-kongress.de
Alkoholkonsum von Jugendlichen nimmt drastisch zu
(9.9.2006) Schon Jugendliche unter 15 Jahren sind zunehmend von akuten Alkoholproblemen betroffen. Mit steigendem Alter nimmt der Alkoholkonsum weiter zu. Das ist das Ergebnis des Weißbuchs Prävention "Stress? Ursachen, Erklärungsmodelle und präventive Ansätze", das die Kaufmännische Krankenkasse - KKH in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus ganz Deutschland unter Federführung der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) herausgegeben hat.
Die Auswertungen der KKH-Daten haben ergeben: In der Altersgruppe der 10- bis 15-jährigen jungen Mädchen mussten sich in den Jahren 2000 bis 2003 drei von 10.000 mindestens einmal im Jahr wegen einer akuten Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandeln lassen. Von den 15- bis 19-jährigen Mädchen wurden im selben Zeitraum bereits 23 von 10.000 aufgrund einer akuten Alkoholvergiftung behandelt. Zwischen 2000 und 2003 ist die Behandlungsrate der 15- bis 19-Jährigen um über 75% gestiegen.
Zum Vergleich: Jungs sind insgesamt stärker von Alkoholproblemen betroffen als Mädchen. Von den männlichen Jugendlichen der Altersgruppe der 10- bis 15-jährigen wurden vier von 10.000 Versicherten mindestens einmal im Jahr aufgrund einer akuten Alkoholvergiftung behandelt. Bei den 15- bis 19-Jährigen liegt die Zahl der Behandlungsfälle bei 35 von 10.000. Allerdings ist der Anstieg der stationären Behandlungsrate aufgrund akuter Alkoholvergiftungen in dieser Altersgruppe im selben Zeitraum wesentlich geringer als bei den Mädchen.
Quelle: Kaufmännische Krankenkasse - KKH, 9.9.2006, www.kkh.de.
Weltweite Zunahme von Allergien im Kindesalter
(7.9.2006) Die Verbreitung von Allergien bei Kindern, wie Heuschnupfen, hat in den vergangenen zehn Jahren weltweit vor allem in jüngeren Altersgruppen zugenommen.
Im Jahre 1991 ermittelten Forscher im Rahmen der 'Internationalen Studie Asthma und Allergien bei Kindern' (ISAAC) die weltweite Verbreitung von Asthma, Heuschnupfen und Ekzemen. Innes Asher und Kollegen von der Universität Auckland in Neuseeland wiederholten die Studie in den Jahren 2002 bis 2003, um mögliche Veränderungen in der Verbreitung festzustellen. Die Forscher befragten die Eltern von mehr als 193.400 sechs bis sieben Jahre alten Kindern aus 37 Ländern zu vorhandenen Symptomen von Asthma und Allergien wie beispielsweise Keuchen. In gleicher Weise wurden etwa 304.680 Kinder im Alter von 13 bis 14 Jahren aus 56 Ländern befragt. Entwicklungsländer wie Südafrika, Brasilien und Iran trugen ebenso zur Studie bei wie auch die entwickelten Länder Kanada, Neuseeland, Schweden und Großbritannien.
Wie die Forscher feststellten, waren Zunahmen der Beschwerden, vor allem in der jüngeren Altersgruppe, häufiger als Rückgänge. Die stärkste Zunahme fand sich für Ekzeme bei den jüngeren Kindern, für Heuschnupfen bei beiden Gruppen. In der älteren Gruppe mit dem vormals häufigen Auftreten von Asthma nahmen die Symptome insgesamt jedoch wieder ab. Die einzigen Regionen, in welchen alle drei Erkrankungen in beiden Altersgruppen häufiger zu- als abnahmen, waren der asiatisch-pazifische Raum sowie Indien.
In Großbritannien nahmen zwischen 1991 und 2003 etwa 1.700 Kinder an der Studie teil. Die Häufigkeit von Asthma steigerte sich von 18,4 auf 20,9 Prozent, bei Heuschnupfen von 9,8 auf 10,1 Prozent und bei Ekzemen von 13 auf 16 Prozent.
"Die Daten sind nicht nur für das Gesundheitssystem in den beteiligten Ländern unmittelbar wichtig, sie liefern auch eine Grundlage für das Verständnis dieser Gesundheitsstörungen. In nahezu allen Zentren fand sich über den Zeitraum eine geänderte Verbreitung für eine oder mehrere Erkrankungen. Die mittlere jährliche Zunahme von etwa 0,5 Prozent mag gering erscheinen, jedoch können derartige Änderungen wesentliche Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit haben, insbesondere, da die Zunahmen bevorzugt in den bevölkerungsreichen Ländern auftraten", schließt Professor Asher.
Quelle: Deutsche Liga für das Kind Newsletter Nr. 185 v. 7.9.2006, www.liga-kind.de; Original: The Lancet vom 25.8.2006
Jahresbericht 2005 des Umweltbundesamtes erschienen
(7.9.2006) Weltweit werden Energie und Rohstoffe knapper, gleichzeitig nimmt ihr Verbrauch zu und die Energiepreise steigen. Die Treibhausgase beschleunigen den Klimawandel, Luftschadstoffe belasten Mensch und Umwelt. Angesichts dieser ökologischen und ökonomischen Herausforderungen sind grundlegende Änderungen in der Energiepolitik und ein Quantensprung beim effizienten Umgang mit Ressourcen und Energie notwendig. Das betonten Bundesumweltminister Sigmar Gabriel und der Präsident des Umweltbundesamtes (UBA), Prof. Dr. Andreas Troge, bei der Vorstellung des UBA-Jahresberichtes heute in Berlin.
Gabriel: "Umweltschutz muss stärker als bisher die Richtung der wirtschaftlichen Entwicklung bestimmen. Denn nur eine Ressourcen schonende Wirtschaft ist auf Dauer eine erfolgreiche Wirtschaft. Ambitionierte Umweltstandards führten schon in der Vergangenheit zu Innovations- und Produktivitätsschüben. Sie haben unsere Wettbewerbsfähigkeit erhöht. Nicht umsonst stammen 19 % aller weltweit gehandelten Umwelttechnologien aus Deutschland. Da immer mehr Menschen am Wohlstand teilhaben wollen und sollen, werden intelligente Produkte, Dienstleistungen und Politikinstrumente - wie das Erneuerbare-Energien-Gesetz oder der Emissionshandel - in der Zukunft noch mehr zur zentralen Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit."
Wie der Schutz der Umwelt und der natürlichen Ressourcen zu Innovationen und wirtschaftlichem Wachstum beitragen kann, beschreibt das UBA ausführlich in seinem Bericht. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Belastung der menschlichen Gesundheit durch negative Umwelteinflüsse, z. B. durch Luftschadstoffe wie Feinstaub, Arzneimittelrückstände im Trinkwasser oder durch gefährliche Chemikalien. Troge: "Anspruchsvoller Umweltschutz verbessert die Gesundheit und die Lebensqualität der Menschen in unserem Land. Umweltschutz ist auch Gesundheitsvorsorge." Der UBA-Präsident stellte auch erste Ergebnisse eines bundesweiten Kinder-Umwelt-Survey vor. Diese über drei Jahre laufende Studie wird erstmals repräsentative Daten über die Schadstoffbelastung von drei- bis 14-jährigen Kindern in Deutschland liefern. Dabei ist positiv zu verzeichnen, dass die Bleibelastung in den vergangenen 14 Jahren deutlich abgenommen hat. Dieser Erfolg geht in erster Linie auf wichtige Umweltschutzmaßnahmen wie z.B. die Einführung des bleifreien Benzins zurück.
Die Wirkungen des Passivrauchens auf Kinder wird hingegen kritisch gesehen: In 45 Prozent der Haushalte, in denen täglich geraucht wird und in denen Kinder leben, überschreiten die Benzolkonzentrationen in den Wohnungen den ab 2010 geltenden EU-Grenzwert für Benzol in der Außenluft.
Feinstäube aus Pkw, Lkw, Industrieanlagen oder heimischen Kaminen beeinträchtigen die Gesundheit der Menschen in Deutschland und Europa ganz erheblich. Obwohl seit Januar 2005 EU-weit zum ersten Mal verbindliche Konzentrationsgrenzwerte für Feinstaub in der Außenluft gelten, ist der Erfolg der bisher ergriffenen Maßnahmen zur Feinstaubminderung geringer als erhofft. In Deutschland und vielen anderen EU-Mitgliedsstaaten können die EU-weit festgelegten Grenzwerte derzeit, insbesondere in den vom Verkehr hoch belasteten Gebieten, noch nicht überall ein-gehalten werden. Das UBA schlägt daher unter anderem vor, weitere Maßnahmen zu ergreifen, um die europäischen Vorgaben einzuhalten. UBA-Präsident Troge: "Hier ist auch die Europäische Union in der Pflicht. Sie sollte beispielsweise zügig deutlich niedrigere Dieselpartikelgrenzwerte für Neufahrzeuge vorschreiben."
Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung BMU mit dem Umweltbundesamt, Nr.226/06, 7.9.2006. Kostenlose Bestellmöglichkeiten: Druckfassung incl. CD-ROM bei: GVP Gemeinnützige Werkstätten Bonn, In den Wiesen 1-3, 53227 Bonn, Telefon: 01888/305-3355 (zum Ortstarif); Fax: 01888/305-3356; E-Mail: uba@broschuerenversand.de; im Internet als PDF-Dokument unter www.umweltbundesamt.de, Rubrik "Presse" oder "Publikationen".
Könnten alpine Gletscher innerhalb von Jahrzehnten verschwunden sein?
Alpine Glaciers to Disappear within Decades?
(7.9.) During the past 150 years, many mountain regions around the world have lost a significant proportion of their glaciers as a consequence of ongoing climate change. The shrinking of the mountain glaciers is indeed considered by scientists as one of the best natural indicators of climate change and they therefore monitor them closely.
A recent study carried out under the EU-funded research project ALP-IMP has assessed past, present and potential future glacier cover in the entire European Alps using, for the first time, an integrated approach that combines in-situ measurements, remote sensing techniques and numerical modelling.
The researchers noted that Alpine glaciers lost 35% of their total area between 1850 and the 1970s, and almost 50% by 2000. In the extraordinarily hot year of 2003 alone, the volume of the remaining ice decreased by 5-10%.
The estimations of this study indicate that the European Alps could lose some 80% of their glacier cover by the end of this century if summer air temperatures rise by 3°C and become almost completely ice-free by 2100, in the case of a temperature increase of 5°C. According to the Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), an increase in summer air temperature of 1 to 5 °C is a plausible scenario.
Overall, the results show that under such scenarios, the majority of the alpine glaciers may disappear within the coming decades. The European Alps are densely populated and it is therefore important to consider this possible future and its effects on the water cycle, tourism, water management and the prediction of natural hazards.
Quelle: Science Environ Policy 7.9.2006; Original: Michael Zemp, Wilfrie Haeberli, Martin Hoelzle and Frank Paul (2006): Alpine glaciers to disappear within decades?, Geophys. Res. Lett., 33(13), doi: 10.1029/2006GL026319. ALP-IMP project: "Multi-centennial climate variability in the Alps based on Instrumental data, Model simulations and Proxy data" (http://www.zamg.ac.at/ALP-IMP/), supported by the European Commission under the 5thFramework Programme and contributing to the implementation of the Key Action 2: Global Change, Climate and Biodiversity within the Energy, Environment and Sustainable Development Programme.
"Rauchfreies" Bundesministerium für Gesundheit
(1.9.2006) Das Bundesministerium für Gesundheit hat heute über eine Hausanordnung ein vollständiges Rauchverbot in seinen Dienstgebäuden erlassen. Die Entscheidung wurde in enger Abstimmung mit der Beschäftigtenvertretung getroffen. Sie sieht vor, dass ab sofort das Rauchen in allen Gebäuden des Bundesgesundheitsministeriums nicht mehr gestattet ist.
Dazu erklärt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Sabine Bätzing: "Der Tabakkonsum ist das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko in Deutschland. Der Schutz vor Passivrauchen stellt eine vordringliche gesundheitspolitische Aufgabe dar. Mit der heutigen Entscheidung setzt das Bundesgesundheitsministerium ein klares Zeichen und nimmt seine besondere Verantwortung für den Gesundheitsschutz wahr. Ich hoffe, dass weitere Bundesressorts und öffentliche Einrichtungen dem Beispiel folgen werden und sich zu rauchfreien Einrichtungen erklären. Denn die Gesundheitsschäden durch Passivrauchen sind nicht mehr zu bestreiten. Daher müssen nichtrauchende Beschäftigte wirksam vor Passivrauchen geschützt werden.
Gerade vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Diskussion in der Öffentlichkeit und im Bundestag um erforderliche gesetzliche Maßnahmen zum Schutz vor Passivrauchen stellt die Entscheidung des Bundesministeriums einen vorbildlichen Schritt dar, mit dem der Nichtraucherschutz ist ein Stück vorangekommen ist.
Noch immer rauchen mit etwa 33 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland zu viele. Entsprechend hoch ist auch die Zahl derer, die an den Folgen des Rauchens sterben: Jährlich etwa 140.000 Menschen! Hinzu kommen nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums etwa 3.300 Nichtraucherinnen und Nichtraucher, die an den Folgen des Passivrauchens sterben.
Die Bundesregierung wird weiterhin das Ziel verfolgen, den Tabakkonsum in Deutschland mit gesetzlichen und präventiven Maßnahmen zu reduzieren. Ich bin froh, dass wir in Deutschland dadurch in den letzten Jahren Erfolge zu verzeichnen haben. Es wird weniger geraucht, vor allem bei den Jugendlichen. Die Raucherquote in der Altersgruppe der 12- bis 17-Jährigen ist von 28 % im Jahr 2001 auf 20 % im Jahr 2005 zurückgegangen. Dennoch dürfen wir mit unseren Anstrengungen zum Nichtraucherschutz nicht nachlassen. Nichtrauchen muss der Normalfall werden, das gilt besonders für das Nichtrauchen am Arbeitsplatz."
Quelle: Pressemitteilung der Drogenbeauftragten der Bundesregierung vom 1.9.2006.
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