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September 2007
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Jahresbericht 2006 zum Pflanzenschutz-Kontrollprogramm
(28.9.2007) Über ein Viertel der kontrollierten Verkaufsstellen für Pflanzenschutzmittel haben im Jahr 2006 Produkte anboten, die zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zugelassen oder nicht aktuell gekennzeichnet waren. Zwei Drittel der beanstandeten Betriebe handelten mit Pflanzenschutzmitteln für Haus- und Kleingärten.
Dies sind Ergebnisse des Jahresberichts 2006 zum Pflanzenschutz-Kontrollprogramm des Bundes und der Länder, in dem die Einhaltung der Vorschriften des Pflanzenschutzrechts beim Verkauf und bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln dokumentiert wird. Für die Überwachung der Vorschriften des Pflanzenschutzgesetzes sind die Länder zuständig. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) koordiniert diese Kontrollen und gibt jährlich einen zusammenfassenden Bericht heraus. Die Länderbehörden kontrollierten im Jahr 2006 2.991 Handelseinrichtungen und 6.036 Betriebe der Landwirtschaft, des Gartenbaus und der Forstwirtschaft. Die Ergebnisse werden gemeinsam von Bund und Ländern analysiert. Darauf basierend werden geeignete Maßnahmen getroffen, um die Zahl der Verstöße gegen das Pflanzenschutzrecht zu reduzieren.
Rund 17 Prozent der Betriebe hatten den Verkauf von Pflanzenschutzmitteln nicht oder nur unvollständig angezeigt. In sieben Prozent der Betriebe war das Personal nicht wie vom Gesetzgeber gefordert ausgebildet und bei fünf Prozent wurden Mängel bei der Pflicht zur Beratung von Kunden festgestellt. Bei zehn Prozent der kontrollierten Betriebe waren Pflanzenschutzmittel, Pflanzenstärkungsmittel oder Zusatzstoffe frei zugänglich, die nicht in der Selbstbedienung angeboten werden dürfen.
Die Anwendung eines Pflanzenschutzmittels ist stets nur in bestimmten Kulturen und zu bestimmten Zwecken erlaubt. Bei rund vier Prozent der Kontrollen war das angewandte Mittel für den Zweck nicht zulässig. Größtenteils handelte es sich dabei um Pflanzenschutzmittel, die in Deutschland zwar zugelassen sind, jedoch nicht für diese Kulturen. 4,1 Prozent der Anwender hielten die vorgeschriebenen Mindestabstände zu Gewässern oder andere Anwendungsbestimmungen nicht ein. Rund zwei Prozent der überprüften Anwender konnten die vorgeschriebene Sachkunde nicht nachweisen.
Auf Straßen, Wegrändern, Hof- und Betriebsflächen und anderen nicht land- und forstwirtschaftlich sowie gärtnerisch genutzten Flächen dürfen Pflanzenschutzmittel nur mit behördlicher Genehmigung angewendet werden. Auf die Einhaltung dieser Bestimmung wurden 908 gewerbliche und private Flächen überprüft, meist aus Verdachtsgründen. Bei rund einem Viertel dieser Fälle wurde festgestellt, dass Pflanzenschutzmittel ohne behördliche Genehmigung angewendet worden waren.
Verstöße gegen die pflanzenschutzrechtlichen Vorschriften stellen Ordnungswidrigkeiten dar. Je nach Schwere der Verstöße setzten die Länderbehörden Bußgelder fest. Sowohl im Handel als auch bei den Anwendern erfolgte ein Teil der Kontrollen auf Grund von Anzeigen oder Verdachtsmomenten. Bei diesen anlassbezogenen Kontrollen ist die Beanstandungsrate entsprechend hoch. Deshalb sind die Gesamtergebnisse nicht als repräsentativ anzusehen.
Quelle: idw - Pressemitteilung, Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), 28.09.2007; weitere Informationen unter www.bvl.bund.de/psmkontrollprogramm.
Hautkontakt und Stillen in der ersten Lebensstunde fördern Mutter-Kind-Bindung
(27.9.2007) Die internationale Weltstillwoche vom 1. bis 7. Oktober stellt unter dem Motto "Breastfeeding - the first hour - save one million babies" die erste Lebensstunde des Neugeborenen in den Mittelpunkt. Schon unmittelbar nach der Geburt werden Grundlagen für die Gefühlsentwicklung eines Kindes gelegt. Hautkontakt und Stillen intensivieren die Mutter-Kind-Beziehung und wirken sich positiv auf den Zusammenhalt der Familie und die Gesundheit des Neugeborenen aus. Darauf weisen die WHO/UNICEF-Initiative "Babyfreundliches Krankenhaus" und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) anlässlich der Weltstillwoche 2007 hin.
"Weil die ersten Lebensstunden des Neugeborenen für die weitere Entwicklung so grundlegend sind, haben sich UNICEF und Weltgesundheitsorganisation WHO zum Ziel gesetzt, diese Lebensphase besonders zu schützen", betont Dr. Michael Abou-Dakn, Erster Vorsitzender der Initiative und Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe im St. Joseph-Krankenhaus in Berlin.
"Viele Studien zeigen, dass Stillen einen hohen Stellenwert für die Gesundheit von Kindern hat, so auch für die Stärkung der Mutter-Kind-Bindung", erklärt Prof. Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Stillen hilft Mutter und Kind, rasch miteinander vertraut zu werden.
"Nach aktuellen Studien begünstigt das Betreuungskonzept Babyfreundlicher Krankenhäuser das Entstehen der Mutter-Kind-Bindung. Das Entstehen dieser Bindung nennen wir 'Bonding'. Das Stillen ist eine natürliche Folge eines gelungenen `Bondings´. Entscheidend dafür sind die ersten Lebensstunden und die ersten Tage", so Dr. Abou-Dakn. So werde den Müttern beispielsweise ermöglicht, unmittelbar nach der Geburt Hautkontakt mit ihrem Baby zu haben, mindestens eine Stunde lang oder bis das Baby das erste Mal gestillt wurde. Auch Frauen mit Kaiserschnittentbindung, die unmittelbar nach der Geburt häufig noch nicht in der Lage sind zu stillen, würden einfühlsam begleitet, den ersten Kontakt mit ihrem Baby aufzunehmen und baldmöglichst zu stillen.
20.000 Babyfreundliche Geburtskliniken weltweit haben sich dem Betreuungskonzept der WHO/UNICEF-Initiative angeschlossen. "Diese Kliniken vermeiden Routinemaßnahmen, die das Bindungsverhalten des Kindes stören könnten", unterstreicht der Chefarzt.
Auch unter gesundheitlichen Gesichtpunkten sei das Stillen sehr sinnvoll. Die Neugeborenenmilch, das so genannte Kolostrum, sättige das Neugeborene, ohne seinen Magen zu überfordern. "Mit dieser mütterlichen Erstnahrung erhält das Neugeborene zudem besonders viele wichtige Abwehrstoffe", betont Prof. Dr. Pott.
Ausschließliches Stillen in den ersten Lebensmonaten verringere nachweislich eine Reihe gesundheitlicher Risiken für das Kind, zum Beispiel Allergien oder Übergewicht zu entwickeln. "Studien weisen darauf hin, dass früh gestillte Neugeborene länger gestillt werden und sich entsprechend gut entwickeln", so Prof. Dr. Pott abschließend.
In Deutschland sind 30 Geburtskliniken als "Babyfreundliches Krankenhaus" anerkannt, weitere 29 streben diese Auszeichnung an. Unter dem Motto "Der Anfang zählt: Liebe auf den ersten Blick" informieren sie in der Weltstillwoche über die Bedeutung der ersten Lebensstunde und des Stillens.
Quelle: Pressemeldung der WHO/UNICEF-Initiative "Babyfreundliches Krankenhaus" und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) vom 27.9.2007; Die Termine der bundesweiten Aktionstage werden in einem Kalender im Internet unter www.babyfreundlich.org veröffentlicht.
Aktualisierte Umweltindikatoren ab sofort online verfügbar
(27.09.2007) Wussten Sie, dass die Apfelblüte in Deutschland wegen des Klimawandels pro Jahrzehnt um fünf Tage eher einsetzt? Oder dass der Primärenergieverbrauch im Jahr 2005 so hoch war, dass ein mit Kohle beladener Zug 400.000 Kilometer lang sein müsste, um diesen Energiebedarf zu decken? Eine Strecke, die fast zehn Mal um die Erde reicht. Diese und viele andere Informationen finden sich ab sofort im aktualisierten Umweltkernindikatorensystem des Umweltbundesamtes (UBA).
Das Internet-Angebot enthält eine Liste mit 50 Umweltindikatoren - etwa zu den Themen Klimaänderungen sowie Umwelt und Gesundheit. Diese Indikatoren liefern einen schnellen und aktuellen Überblick über die Umweltsituation in Deutschland. Sie zeigen, wo Umweltpolitik erfolgreich ist und wo noch mehr zu tun ist.
Die Umweltindikatoren Deutschland bilden ein vernetztes System kurzgefasster Umweltinformationen in den vier Themenbereichen des 6. Umweltaktionsprogramms der EU: Klimaschutz, Biologische Vielfalt, Gesundheit und Ressourcenschonung. Die Umweltsituation in Deutschland lässt sich so mit der in anderen EU-Staaten vergleichen.
Umweltindikatoren beschreiben den Zustand der Umwelt, positive wie negative Trends und zeigen die Entwicklung beim Erreichen der Umweltschutzziele auf, die sich die Bundesregierung setzte. Ohne Umweltindikatoren gäbe es keine Erfolgskontrolle der Umweltpolitik.
Mit Hilfe des Indikatoren-Systems lassen sich auch so genannte Ursache-Wirkungsbeziehungen nachvollziehen. Einige Indikatoren machen beispielsweise Klimaänderungen sichtbar: Mit einer steigenden Konzentration des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre erhöhte sich die durchschnittliche Tagesmitteltemperatur langsam, aber stetig - von 1901 bis 2005 um etwa 0,8 Grad Celsius. Eine der Wirkungen, die in Deutschland eintrat: Der Beginn der Apfelblüte setzt pro Jahrzehnt um rund fünf Tage früher ein.
Das Umweltbundesamt veröffentlicht die aktuellen Umweltindikatoren Deutschland zusammen mit anderen Behörden - etwa den Bundesämtern für Naturschutz sowie Strahlenschutz, dem Statistischen Bundesamt und dem Deutschen Wetterdienst - als Teil des UBA-Internetangebotes Umwelt Deutschland.
Interessierte finden im aktualisierten Online-Angebot auch Antworten auf Fragen, die über die Kernaussagen hinaus gehen - so zum Beispiel Möglichkeiten zum nachhaltigen Umgang mit unseren Ressourcen - etwa Energie oder Fläche - sowie zur Minderung der Schadstoffbelastung der Luft und des Grundwassers.
Quelle: UBA-Presseinformation, 27.09.2007; die Umweltindikatoren Deutschland unter www.env-it.de/umweltdaten oder unter www.umweltbundesamt.de (Umwelt Deutschland).
Bio enthält nicht mehr Vitamine als nicht-bio, aber dafür weniger Pestizide
(26.09.2007) Die Qualität von Obst und Gemüse in Deutschland wird immer besser. Zum einen boomt der Markt der Bio-Produkte, zum anderen setzen Bauern in der konventionellen Landwirtschaft immer weniger Pflanzenschutzmittel ein. "Vor 15 Jahren brachten deutsche Landwirte im Durchschnitt fünf Kilogramm Pflanzenschutzmittel pro Hektar aus - heute sind es dank neuer Wirkstoffe und effizienteren Dosierungstechniken nur noch halb so viel", erklärt Hannelore Schmid vom Industrieverband Agrar.
Das Magazin Reader's Digest vergleicht in seiner Oktober-Ausgabe beide Herstellungswege und geht dabei der Frage nach, ob Bio-Produkte auch wirklich gesünder sind.
Umstritten ist unter Wissenschaftlern, ob es Unterschiede im Vitamingehalt gibt. "Etliche Studien deuten darauf hin, dass biologisch erzeugtes Blattgemüse reicher an Vitamin C und Antioxidanzien ist", betont Alberta Velimirov vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau Österreich. Andere Experten widersprechen dem. "Aus ernährungsphysiologischer Sicht besteht kein wesentlicher Unterschied zwischen bio und nicht-bio", meint Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und gibt deshalb folgenden Rat: Beim Einkauf das Obst und Gemüse der Saison und aus der Region auswählen, es erntefrisch verzehren und eine lange Lagerung vermeiden, da sonst wichtige Vitamine und Mineralstoffe verloren gehen.
Nach einer Studie des Bundeslandwirtschaftsministeriums greift inzwischen jeder fünfte Deutsche häufig zu Bio-Produkten, in Österreich sind es gar 62 Prozent, die ein bis zwei Mal pro Woche Bio-Lebensmittel kaufen. Obwohl diese Ware teurer ist als die konventionell hergestellte, boomt der Markt der Bio-Produkte: In Österreich haben sie inzwischen einen Marktanteil von knapp sechs Prozent, in Deutschland sind es bisher nur drei Prozent. "Aber der Umsatz wächst seit 2003 rasant - im vergangenen Jahr um 18 Prozent", sagt Antje Kasbohm von der Zentralen Marktberichtsstelle für Erzeugnisse der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft gegenüber Reader's Digest. Die Gründe dafür: Die Verbraucher wollen Schadstoffe in der Nahrung vermeiden, sich gesund ernähren und regionale Produkte fördern.
Was viele Kunden freilich nicht wissen: Ein Teil des in Deutschland verkauften Bio-Obstes und -Gemüses stammt aus dem Ausland und dabei vor allem aus Italien, Spanien und den Niederlanden. Die Richtlinien beim Import der Bio-Ware sind zunächst einmal genauso streng wie für konventionell hergestellte Produkte. "Die in der EU gültigen Höchstmengen für Pestizide in Lebensmitteln beispielsweise sind so gering, dass selbst dann keine Gefahr für die Verbraucher besteht, wenn tatsächlich einmal ein Wert geringfügig überschritten würde", beruhigt Jürgen Kundke vom deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung.
Bio-Gemüse und -Obst unterliegen zusätzlich zu den allgemeinen Schadstoffrichtlinien auch den strengen Vorschriften der EU-Öko-Verordnung. Sie untersagt den Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel sowie von Kunstdünger. Überwacht wird die Einhaltung dieser Vorschriften von staatlich autorisierten Kontrollstellen.
Fakt ist auch: Alle Landwirte, auch die Bio-Bauern, kommen nicht ganz ohne Pflanzenschutz aus. Unterm Strich verwenden Bio-Produzenten aber nicht nur andere, sondern auch deutlich geringere Mengen an Pflanzenschutzmitteln. "Bei unseren Tests stellen wir regelmäßig fest, dass Bio-Produkte weniger mit Pestiziden belastet sind als Produkte aus konventionellem Anbau", bestätigt Janine Schwarzkopf, Lebensmittelchemikerin bei der Stiftung Warentest.
Dies belegen auch die Erhebungen der Untersuchungsämter in Baden-Württemberg: Im Schnitt waren in den vergangenen fünf Jahren nur 12 Prozent des untersuchten konventionell erzeugten Obstes, aber 73 Prozent des Bio-Obstes frei von Pestizid-Rückständen. Beim Gemüse war die Situation ähnlich.
Grundsätzlich gilt jedoch: Obst und Gemüse sollte man stets gründlich und unter fließend warmem Wasser abspülen oder abreiben. Die Begründung dafür nennt Stiftung-Warentest-Expertin Schwarzkopf: "Die Rückstände, die dennoch bleiben, setzen sich meist an der Schale ab."
Quelle: Reader's Digest Deutschland, 26.9.2007; http://www.readersdigest.de.
Deutscher Umweltpreis im Zeichen des Klimaschutzes
(26.9.2007) Der Deutsche Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) setzt 2007 wieder Zeichen für den Klimaschutz! Bundespräsident Köhler wird den mit 500.000 Euro höchstdotierten Umweltpreis Europas in Aachen am 28. Oktober überreichen an den Direktor des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber (57), den Gründer der Schwalmstädter Firma Konvekta, Carl H. Schmitt (76), gemeinsam mit seinem langjährigen Entwicklungsleiter und heutigen Direktor des Instituts für Thermodynamik der Technischen Universität (TU) Braunschweig, Prof. Dr.-Ing. Jürgen Köhler (53), sowie an die langjährige Oberbürgermeisterin Heidelbergs, Beate Weber (63).
Schellnhuber wird geehrt, weil er mit seinem Institut die internationale politische Diskussion zur Lösung des Klimaproblems entscheidend geprägt habe. Köhler und Schmitt, weil sie einen wesentlichen Beitrag geliefert hätten, Kohlendioxid als Ersatz für chemische Klimakiller-Kältemittel in Fahrzeug-Klimaanlagen marktreif zu machen, und Weber, weil sie Heidelberg im Klima- und Umweltschutz zu einer führenden Großstadt in Deutschland gestaltet habe.
Bei der Vorstellung der neuen Preisträger würdigte DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde Schellnhuber heute als "einen der herausragendsten und kreativsten Denker, den die deutsche Umweltforschung hat". Schellnhuber besteche durch eine Vielzahl innovativer Forschungsansätze, mit denen er die Lösung globaler Umweltprobleme im kommenden Jahrhundert aufgezeigt habe. Mit unendlicher Energie und Ausdauer habe er als einer der Ersten nachhaltige Lösungen des Klimaproblems eingefordert und mit dem einzigartigen wissenschaftlichen Ruf seines Instituts die internationale politische Diskussion zur Lösung des Klimaproblems entscheidend geprägt. Durch seine unermüdliche Arbeit in Potsdam und durch seine Tätigkeiten als Mitglied bedeutendster Wissenschaftsakademien sei er auch international ein "äußerst einflussreicher wissenschaftlicher Berater in der Klimapolitik".
Schellnhubers wissenschaftliche Visionen und sein Mut zur Überwindung der klassischen disziplinären Grenzen seien Inspiration und Vorbild für viele junge Wissenschaftler. Brickwedde: "Insbesondere durch die von Professor Schellnhuber entwickelten Modellierungsmethoden können wir das 'Phänomen Klimawandel' heute besser verstehen und den Konsequenzen zielgerichtet begegnen."
Das Gespann Köhler/Schmitt der mittelständischen Firma Konvekta habe gezeigt, dass auch mit relativ bescheidenen Mitteln wichtige Vorarbeiten für den möglichen Einsatz von Kohlendioxid als Kältemittel in der Fahrzeug-Klimatisierung geleistet werden könnten. Zum Nutzen für den Schutz des Klimas. Denn aus undichten Klimaanlagen, bei Unfällen oder bei der Wartung und Entsorgung von Autos entwichen heute noch eingesetzte Kältemittel regelmäßig, die mitverantwortlich für den Treibhauseffekt seien. In großen Dimensionen, wie Brickwedde betont: "Der Kohlendioxid-Ausstoß rund 2,5 Millionen sparsamer Kleinwagen mit einer Jahresfahrleistung von 15.000 Kilometern könnte durch den Einsatz alternativer Kältemittel kompensiert werden." Trotz erheblicher technischer und finanzieller Risiken hätten Schmitt und Köhler die Entwicklung dieser Technologie im Nutzfahrzeugbau über 15 Jahre maßgeblich und bis zur Serieneinführung vorangetrieben. Hohe persönliche und unternehmerische Risiko- und Leistungsbereitschaft gepaart mit einer herausragenden fachlichen und wissenschaftlichen Qualifikation stellten die Basis für diese erfolgreiche Technologieentwicklung in einer Branche dar, die eher von Großunternehmen geprägt sei.
Wenn sich die Autoindustrie dazu durchgerungen habe, in ihren Klimaanlagen die heutigen Klimakiller-Kältemittel gemäß EU-Verordnung ab 2011 durch Kohlendioxid zu ersetzen, das ein 1.300fach geringeres Treibhauspotenzial besitze, sei das wesentlich auch auf die Firma Konvekta zurückzuführen. Sie habe die Funktionstüchtigkeit dieser Technik demonstriert und bewiesen, dass es auch nachhaltig und umweltfreundlich gehe.
Beate Weber sei in ihrer 16-jährigen Amtszeit als Oberbürgermeisterin Heidelbergs die treibende Kraft in Sachen Klima- und Umweltschutz gewesen. Auch die Belange des Naturschutzes habe sie immer nachdrücklich vertreten. Lange, bevor die Lokale Agenda 21 in aller Munde gewesen sei und zu einer Zeit, "als für viele Klimaschutz noch ein Fremdwort war", so Brickwedde, habe Heidelberg "Maßstäbe im kommunalen Umweltschutz gesetzt". In einer auf Kooperation angelegten Klimaschutzkampagne habe Heidelberg bereits 1991 Bürger, Angestellte der Stadt und Planer motiviert, den Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid zu senken. Heidelberg habe ab 1994 in wenigen Jahren den Klimagasausstoß für städtische Liegenschaften von 39.000 Tonnen auf rund 25.400 Tonnen jährlich zurückgefahren - ein Rückgang von 35 Prozent.
Dabei habe die Ökonomie im Ökologiekonzept der Stadt immer eine große Rolle gespielt. Der "Stadtentwicklungsplan Heidelberg 2010" verfolge konkrete Maßnahmen für systematischen Umweltschutz, dessen elementarer Bestandteil eine zukunftsorientierte Wirtschaftspolitik sei. Beate Weber und ihre Mitstreiter hätten so bewiesen, dass Umweltschutz nicht im Gegensatz zu wirtschaftlichen und sozialen Interessen stehe. Brickwedde: "Die Auszeichnung von Frau Weber mit dem Deutschen Umweltpreis ist nicht nur für die Stadt Heidelberg, sondern auch für die vielen ehrenamtlich und hauptamtlich im kommunalen Umweltschutz tätigen Bürgerinnen und Bürger in Deutschland ein ermutigendes Signal, in den Anstrengungen für eine gesicherte zukünftige Entwicklung auch für unsere Kinder und Kindeskinder nicht nachzulassen".
Quelle: Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) 26.9.2007, www.dbu.de.
CO2-Ausstoß durchs Internet so groß wie durch Flugverkehr
(24.09.2007) Der Stromverbrauch des Internets verursacht inzwischen ebenso viel CO2 wie der weltweite Flugverkehr, haben Experten berechnet. "Bereits im Jahr 2005 wurden rechnerisch weltweit rund 20 Eintausend-Megawatt Großkraftwerke allein dafür benötigt, um den Strombedarf des Internets und der zugehörigen Datenzentren zu decken", erklärt Joachim Lohse, Geschäftsführer des Freiburger Öko-Instituts gegenüber der Zeitung "Die Welt". Zwischen den Jahren 2000 und 2005 hat sich der Stromverbrauch des Internets verdoppelt, die Datenmenge verdoppelt sich sogar alle vier Monate.
Laut Berechnungen der New York Times braucht jede Suchanfrage bei Google soviel Strom wie eine Energiesparlampe in einer Stunde. Auch der Stromverbrauch eines Second-Life-Avatars ist nicht zu unterschätzen. Wenn man den Verbrauch des Spielercomputers sowie der 4.000 Second-Life-Server berücksichtigt, ergibt dies einen Jahresverbrauch von 1.752 Kilowattstunden pro Avatar. Umgerechnet bedeutet dies einen CO2-Ausstoß von 1,17 Tonnen pro Jahr, wie der US-Autor Nicholas Carr berechnet hat.
Bei den momentanen Strompreisen stellen der hohe Strombedarf und der rasante Anstieg der Datenmengen für Unternehmen mit großen Servern hohe Kostenfaktoren dar. Große Konzerne wie Google und eBay zahlen monatlich Stromrechnungen in der Höhe mehrerer Mio. Dollar. Da Serverfarmen zusätzlich auch Strom zur Kühlung brauchen, steigt der Bedarf noch weiter. Um den Klimawandel durch hohen CO2-Ausstoß nicht noch weiter anzukurbeln, ist das deutsche Unternehmen Strato nun auf Strom aus Wasserkraft umgestiegen. Auf den Strato-Rechnern liegt ungefähr ein Viertel des deutschen Internets.
Quelle: pressetext.deutschland 24.9.2007; Öko-Institut unter www.oeko.de
Blood and urine mercury levels in adult amalgam patients
(22.09.2007) Parts of the population are permanently exposed to low levels of Hg1 and Hg(II) from dental amalgam. It was the aim (1) to investigate the internal exposure to amalgam-related mercury from the kinetics of inorganic Hg in plasma and erythrocytes after amalgam removal, and (2) to estimate the amalgam-related absorbed dose.
Dietary coexposure was monitored by determination of blood organic-Hg. Postremoval steady-state Hg concentrations were measured for 18 months.
Eighty-two patients had been randomized into three groups:
(A) removal of the fillings;
(B) removal and non-specific detoxification, and
(C) a health promotion program without removal.
After amalgam removal, inorganic Hg dropped rapidly in plasma and red cells, stabilizing at 27% of preremoval levels after 60 days.
Concentrations of organic Hg in plasma remained unchanged, indicating no change in dietary uptake of organic Hg. The concentration of organic Hg in red cells of group A was in the early postremoval phase lower and in the late postremoval phase higher than the preremoval control (p<0.01 for low-high difference). A protracted increase in organic Hg was also found in red cells of group B after 60 days. Thus, the effect of removal on organic Hg levels in the combined group A+B was compared with the values of group C in a linear mixed effects (LME) model which showed a significant increase with time in group A+B (p = 0.028). In all groups, time profiles of urinary concentration and excretion of total-Hg were very similar to those of inorganic-Hg levels in plasma. From extrapolations of blood and urine data it was estimated that the amalgam-related inhalation and ingestion of Hg species were within the limits proposed by WHO, ATSDR and EPA. The integrated daily Hg dose absorbed from amalgam was estimated up to 3mg for an average number of fillings and at 7.4 for a high amalgam load.
Quelle: Halbach et al. (2007): Blood and urine mercury levels in adult amalgam patients of a randomized controlled trial: Interaction of Hg species in erythrocytes. Environmental Research. Article in Press.
Mehr Schutz in Sonnenstudios
(21.09.2007) Der Schutz der Bevölkerung vor den gesundheitsgefährdenden UV-Strahlen wird verstärkt: Kindern und Jugendlichen soll der Besuch von Sonnenstudios gesetzlich verboten werden. Erwachsene sollen zudem durch Grenzwerte für die UV-Strahlung geschützt werden. Bis zum Inkrafttreten der gesetzlichen Regelung sollten nur Studios genutzt werden, denen das Qualitätssiegel Geprüftes Sonnenstudio verliehen wurde. Die so zertifizierten Sonnenstudios verpflichten sich zu besonderen Anstrengungen beim Strahlenschutz. Außerdem untersagen sie schon jetzt Jugendlichen den Zutritt. Eine entsprechende Initiative stellten heute die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Astrid Klug, der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe e.V., Gerd Nettekoven, und der Vorsitzende des Bundesfachverbandes Sonnenlicht-Systeme (SLS), Jörg Wolff, vor.
Ultraviolette (UV-) Strahlung begünstigt Hautkrebs - das belegen zahlreiche wissenschaftliche Studien. Die UV-Strahlung, der Besucher von Sonnenstudios ausgesetzt sind, stellt ein zusätzliches Gesundheitsrisiko zur natürlichen UV-Strahlung der Sonne dar. Kinder und Jugendliche haben in Sonnenstudios nichts zu suchen. Gerade Kinder sind besonders anfällig für die negativen Wirkungen der UV-Strahlung. Durch die Exposition im Kindes- und Jugendalter wird das Risiko, später an Hautkrebs zu erkranken, stark erhöht. Deswegen wollen wir im neuen Umweltgesetzbuch den Solarien-Besuch für Kinder und Jugendliche verbieten, sagte Astrid Klug. Zugleich sollen europaweite einheitliche Grenzwerte für die UV-Strahlung in Höhe von 0,3 Watt pro Quadratmeter in neuen und alten Solarien umgesetzt werden.
Aus Sicht der Deutschen Krebshilfe besteht dringender Handlungsbedarf: Die Zahl der Hautkrebsfälle steigt in Deutschland kontinuierlich an: Mit derzeit ca. 140.000 Neuerkrankungen pro Jahr ist Hautkrebs die häufigste Krebserkrankung, so der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, Gerd Nettekoven. Wir informieren die Bevölkerung daher umfassend über die Möglichkeiten, sich vor der UV-Strahlung zu schützen, um das individuelle Krebsrisiko nicht zu erhöhen.
Unterstützung kommt auch aus der Solarienbranche:Wir begrüßen die Initiative des Bundesumweltministeriums und der Deutschen Krebshilfe, weil uns der Gesundheitsschutz unserer Kunden am Herzen liegt. Wir setzen uns dafür ein, dass sich möglichst viele Sonnenstudios zertifizieren lassen. Diejenigen Sonnenstudios, die dies bereits getan haben, verdienen unsere Anerkennung, weil sie für unsere Branche Vorreiterfunktionen übernommen haben, sagte Jörg Wolff, Vorsitzender des Bundesfachverbandes Sonnenlicht-Systeme.
Ein Geprüftes Sonnenstudio ist nach den Kriterien des Bundesamts für Strahlenschutz zertifiziert. Es bietet seinen Kunden eine Beratung und die Einhaltung von Hygienevorschriften sowie die Begrenzung der Bestrahlungsstärke von Solarien. Das freiwillige Zertifikat ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr Schutz im Sonnenstudio.
Quelle: BMU Pressedienst Nr. 254/07, 21.9.2007; www.bmu.de.
Schmutzige Luft schädigt das Herz
(21.09.2007) Es ist unbestritten, dass Luftverschmutzung auch zum Tod führen kann, so das Ergebnis zweier Untersuchungen mit Menschen und Mäusen, berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature in seiner Online-Ausgabe. Diesel-Abgase können Blutgerinnsel bilden und diese können wiederum zu Herzinfarkten und Schlaganfällen führen. Die Studien können nachweisen, dass es eine Korrelation zwischen den Herzproblemen und der schlechten Luftqualität in den Städten gibt. Zudem konnten Forscher an Mäusen deutlich machen, dass Smog das Immunsystem beeinflusst.
"Die wesentliche Botschaft lautet, dass sich Menschen, die schon an Herzproblemen leiden, zwar regelmäßig körperlich betätigen, dies aber vor allem bei Smogalarm im Freien unterlassen sollten", so der Kardiologe David Newby von der University of Edinburgh, der die klinische Studie geleitet hat. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO starben allein im Jahr 2000 rund 800.000 Menschen weltweit an den Folgen von Luftverschmutzung, viele davon an Herzinfarkten oder Schlaganfällen. Newby hat in seiner klinischen Untersuchung 20 Männer, die zuvor an Herzinfarkten erkrankt waren, Dieselabgasen aus einem Traktor ausgesetzt, während sie auf Heimfahrrädern für jeweils zwei Einheiten zu je 15 Minuten trainierten.
Die Luftqualität entsprach etwa der eines durchschnittlichen Smog-Tages in London. Das Ergebnis war ein deutlich herabgesetzter tissue Plasminogen Activator (tPA). Der tPA ist ein im ganzen Körper vorkommendes Enzym, das durch Abbau der Blutgerinnsel einen hemmenden Effekt auf die Blutgerinnung hat. Die Forscher konnten beweisen, dass dieser Mechanismus durch das Einatmen von Diesel-Abgasen gestört wird und dadurch zu einem vergrößerten Herzinfarkt- und Schlaganfall-Risiko führt.
Vorangehende Untersuchungen an Hamstern haben deutlich gemacht, dass Thrombosen die Ursachen sind. Eine neue Studie von der Northwestern University in Chicago an Mäusen zeigt nun genau, wie das funktioniert. Gökhan Mutlu von der Feinberg School of Medicine konnte bei Mäusen, die schlechter Luftqualität ausgesetzt waren, feststellen, dass sie bei Verletzungen kürzer bluteten als jene Tiere, die gute Luft atmeten. Die Tiere, die schlechte Luft eingeatmet hatten zeigten zudem deutlich höhere Werte zahlreicher Proteine, die mit der Blutgerinnung zu tun hatten. Als das Forscherteam Immunzellen, die für die Vernichtung von Partikeln aus der Lunge verantwortlich sind, eliminierten, tauchten keine Blutgerinnungsprobleme auf. Das gleiche galt auch für Mäuse, bei denen das Gen für das Immunsignal-Protein Interleukin-6 fehlte. Diese Resultate weisen deutlich daraufhin, dass die Immunreaktion auf die Partikel in der Lunge zu Entzündungen führen. Diese führen zu Blutgerinnseln.
Andere Wissenschaftler wie etwa der Toxikologe Benoit Nemery von der Katholischen Universität Leuven in Belgien gehen allerdings eher davon aus, dass die Partikel einen anderen Weg einschlagen als die beiden Forscher festgestellt haben. Er hat gezeigt, dass kleine Partikel in den Blutkreislauf gelangen und das Herz direkt schädigen.
Techniker wie etwa der Luftschadstoffexperte Gerhard Fleischhacker, Direktor von CEF-Austria, arbeiten seit Jahren daran, die Abgase zu säubern. "Der Dieselpartikelfilter, der von der Autoindustrie derzeit als Allheilmittel angeboten wird, ist nicht in der Lage die gefährlichen Partikel zu beseitigen", so Fleischhacker gegenüber pressetext. "Ein Partikelfilter kann die gefährlichen und schädlichen Nanopartikel gar nicht abscheiden. Eine erhebliche Menge bzw. Masse an Schadstoffen gelangt immer noch in die freie Atmosphäre", erklärt der Experte. "Da Nanopartikel kleiner 100 Nanometer nicht abgeschieden bzw. nicht aus dem emittierten Abgasstrom entfernt werden können, bleibt das enorme, die Gesundheit gefährdende Potenzial der vielen Mrd. kanzerogenen Ultrafeinstpartikel nach wie vor erhalten," argumentiert Fleischhacker. Das Gesundheitsrisiko werde noch dadurch verstärkt, dass dem Laien immer wieder versichert werde, in mit dem Einbau eines "Rußfilters" die Abgase "sauberer" bzw. die Russ-Emissionen fast zur Gänze eliminiert würden.
Quelle: pressetext.austria 21.09.2007; University of Edinburgh unter http://www.ed.ac.uk, Feinberg School of Medicine unter http://www.medicine.northwestern.edu, CEF-Austria unter http://www.cefaustria.at.
Phthalates: Toxicology and exposure
(21.09.2007) Phthalates are used as plasticizers in PVC plastics. As the phthalate plasticizers are not chemically bound to PVC, they can leach, migrate or evaporate into indoor air and atmosphere, foodstuff, other materials, etc. Consumer products containing phthalates can result in human exposure through direct contact and use, indirectly through leaching into other products, or general environmental contamination. Humans are exposed through ingestion, inhalation, and dermal exposure during their whole lifetime, including intrauterine development.
This paper presents an overview on current risk assessments done by expert panels as well as on exposure assessment data, based on ambient and on current human biomonitoring results. Some phthalates are reproductive and developmental toxicants in animals and suspected endocrine disruptors in humans. Exposure assessment via modelling ambient data give hints that the exposure of children to phthalates exceeds that in adults. Current human biomonitoring data prove that the tolerable intake of children is exceeded to a considerable degree, in some instances up to 20-fold. Very high exposures to phthalates can occur via medical treatment, i.e. via use of medical devices containing DEHP or medicaments containing DBP phthalate in their coating.
Because of their chemical properties exposure to phthalates does not result in bioaccumulation. However, health concern is raised regarding the developmental and/or reproductive toxicity of phthalates, even in environmental concentrations.
Quelle: Heudorf U, Mersch-Sundermann V, Angerer J. (2007): Phthalates: Toxicology and exposure. International Journal of Hygiene and Environmental Health 210. Article in Press. doi:10.1016/j.ijheh.2007.07.011.
Endocrine disrupting pesticides: Implications for risk assessment
(21.09.2007) Endocrine disrupting (ED) chemicals are compounds that alter the normal functioning of the endocrine system, potentially causing disease or deformity in organisms and their offspring. Pesticides are used widely to kill unwanted organisms in crops, public areas, homes and gardens and medicinally to kill parasites. Many are proven or suspected to be EDs.
Ancient physiological similarities between different vertebrate groups suggest that disorders observed in wildlife may indicate risks to humans. This makes accurate risk assessment and effective legislation difficult. In this paper, the hazardous properties of pesticides which are known to have ED properties are reviewed in order to assess the implications for risk assessment. As well as data on sources of exposure in the United Kingdom (UK) an assessment of the evidence on the health effects of ED pesticides is also included. In total, 127 have been identified from the literature and their effects and modes of action are listed in this paper. Using the UK as a case study, the types and quantities of pesticides used, and their methods of application are assessed, along with their potential pathways to humans.
In the UK reliable data are available only for agricultural use, so non-agricultural routes of pesticide exposure have been poorly quantified. The exposure of people resident in or visiting rural areas could also have been grossly under- estimated. Material links between ED pesticide use and specific illnesses or deformities are complicated by the multifactorial nature of disease, which can be affected by factors such as diet. Despite these difficulties, a large body of evidence has accumulated linking specific conditions to ED pesticides in wildlife and humans. A more precautionary approach to the use of ED pesticides, especially for non-essential purposes is proposed.
Quelle: McKinlay et al. (2007): Endocrine disrupting pesticides: Implications for risk assessment. Environment International. Article in Press: doi:10.1016/j.envint.2007.07.013.
50 Jahre Strahlenunfall von Kysthym, ehem. UdSSR
(20.09.2007) Am 29. September 2007 um 12.20 Uhr deutscher Zeit jährt sich der Strahlenunfall von Kysthym, einem Ort am Rande des Urals, zum 50. Mal. Erst im Juni 1989, 32 Jahre nach dem Unfall, wurde dieser auf einer Sitzung des Obersten Sowjet der UdSSR von dem damaligen stellvertretenden Minister L.D. Riabew bekannt gegeben. Von den Hintergründen und dem Ausmaß erfuhr die Weltöffentlichkeit anlässlich einer Tagung der Internationalen Atomenergieorganisation im November des gleichen Jahres.
Gerüchte und Spekulationen zu dem Unfall gab es in der westlichen Welt jedoch bereits seit 1976, als der sowjetische Biochemiker und Dissident S. A. Medwedew, der 1973 aus der Sowjetunion ausgebürgert wurde und seitdem in London lebte, in der Zeitschrift New Scientist seine Recherchen veröffentlicht hatte. Diese hatten ihn zu der festen Überzeugung veranlasst, dass zwischen Herbst 1957 und Sommer 1958 ein riesiger Unfall am Rande des Urals stattgefunden haben musste, der große Flächen unbewohnbar machte.
Was war passiert?
Am 29. September 1957 explodierte in Kysthym einer von insgesamt 20 Lagerbehältern mit hochradioaktiver Abfallflüssigkeit, die hauptsächlich Caesium-137 und Strontium-90 enthielt. Der Abfall stammte aus der Produktion von Plutonium für den Bau russischer Atombomben. Betreiber der Anlage war damals und ist auch heute noch heute der Produktionsbetrieb Mayak in der benachbarten Stadt Osjorsk.
Die zylindrischen Behälter aus Stahl mit einem Volumen von jeweils zirka 250 Kubikmetern lagerten unter der Erde in einer Fassung aus Eisenbeton bedeckt von mehrere Tonnen schweren Deckeln. Darüber lag eine etwa eineinhalb Meter dicke Erdschicht. Die Behälter enthielten jeweils etwa 80 Tonnen hochradioaktiver Flüssigkeit in Form von Salzlösungen, vorwiegend Nitraten.
Der Zerfall hochradioaktiver Substanzen ist immer von starker Wärmeentwicklung begleitet, daher mussten die Behälter mit Wasser, das zwischen Behälter und Betongrube floss, permanent gekühlt werden. Das Kühlsystem eines der Behälter war unbemerkt ausgefallen. Dies führte zum Verdampfen der Flüssigkeit im Behälter. Durch die Selbsterwärmung kam es am 29. September 1957 zu einer riesigen Explosion des ausgetrockneten Salzrestes. Es handelte sich um eine chemische Explosion. Eine nukleare Explosion, also Kettenreaktion, wie in den 1970er Jahren auch vermutet, ist definitiv auszuschließen.
Die anderen Behälter waren zwar nicht direkt von der Explosion betroffen. Durch den Ausfall des Kühlsystems, der Lüftung, der Kontrollgeräte und der elektrischen Versorgung waren jedoch auch sie für längere Zeit gefährdet, konnten aber unter Kontrolle gehalten werden.
Die radioaktiven Partikel wurden bis zu 1000 Meter hoch in die Luft geschleudert und auf eine Fläche von 10 bis 40 Kilometer Breite und 300 Kilometer Länge verteilt. Insgesamt wurden nach Angaben der Produktionsfirma Majak und der Behörden 4 x 1017 Becquerel an Radionukliden mit Beta-Strahlung freigesetzt. Diese Größenordnung ist mit dem Inventar, das anlässlich des Unfalles von Tschernobyl freigesetzt wurde, vergleichbar. Rund 90 Prozent der Radioaktivität schlugen sich auf dem Betriebsgelände nieder, 10 Prozent wurden als Radioaktivitätsfahne - auch Spur genannt - mit dem Wind in Nord-Ost Richtung zwischen Jekaterinenburg und Cheljabinsk verteilt.
Nach dem Unfall
Trotz des Unfalls lief die Produktion in Mayak weiter. Die hohe Strahlenbelastung des Betriebsgeländes und der Umgebung erforderte dringende Dekontaminations- und Schutzmaßnahmen sowohl für die Angestellten Mayaks als auch die betroffene Bevölkerung in und außerhalb der Stadt.
In den ersten Tagen wurden Häuser, Straßen, Autos und vieles mehr in der Stadt dekontaminiert, das heißt gereinigt und große Flächen abgetragen. Diese Arbeiten wurden vom Personal des Betriebes durchgeführt und waren im Frühjahr 1958 weitestgehend abgeschlossen.
Die nach Osjorsk gebrachten Lebensmittel wurden auf Radioaktivität hin überprüft. Laut offiziellen Mitteilungen konnte der radioökologische Zustand von vor der Explosion nach etwa einem halben Jahr in der Stadt wiederhergestellt werden.
Außerhalb von Osjorsk wurden 1.100 Bewohner, deren Wohnort bis zu 25 km Entfernung von der Unfallstelle lag, innerhalb von 14 Tagen, beginnend am zweiten Tag nach der Explosion evakuiert, um sie vor der Strahlung zu schützen. Die betroffenen Orte wurden nach der Evakuierung sofort zerstört. Eine Rücksiedelung, wie sie in Tschernobyl erfolgte, war damit ausgeschlossen. Innerhalb der nächsten zwei Jahre wurden 24 weiter entfernte Orte mit rund 13.000 Bewohnern umgesiedelt. Insgesamt waren rund 1.000 Quadratkilometer offiziell als belastete Gebiete anerkannt, der langfristige Aufenthalt sowie jeglicher Verzehr von Nahrungsmitteln aus dieser Gegend verboten.
Wissenschaftliche Untersuchungen
Es wurden sowohl medizinische als auch radioökologische Einrichtungen gegründet, um die Belastung der Lebensmittel und den Gesundheitszustand der Bevölkerung zu überprüfen und Forschungsarbeiten zur Ausbreitung radioaktiver Substanzen in Pflanzen und Tieren durchzuführen.
Die Experten dieser Einrichtung spielten später auch bei der Bewältigung des Unfalls von Tschernobyl 1986 eine wichtige Rolle. Ihre wissenschaftlichen Ergebnisse zum Kysthym-Unfall und seine Auswirkungen blieben entweder geheim oder zumindest verschlüsselt. Damit sollten Rückschlüsse auf den Unfall verhindert werden.
Etwa 1982 wurden nach langjährigen Untersuchungen etwa 80 Prozent des kontaminierten Geländes wieder freigegeben. Heute umfasst die Sperrzone noch rund 150 Quadratkilometer oder 15 Prozent der ursprünglichen Fläche. Sie wird von Soldaten bewacht.
Obwohl es bis heute viele Gerüchte zu den Auswirkungen des Unfalls auf die Bevölkerung gibt, weist die damalige und heutige Betreiberin die Produktionsanlage Majak wieder und wieder darauf hin, dass es keine direkten Personenschäden gab. Unter radioökologischen Gesichtspunkten könnte dies tatsächlich stimmen, da kurzlebige radioaktive Stoffe, wie zum Beispiel Iod-131, in Kysthym nicht ausgetreten waren. Vor allem diese kurzlebigen Isotope waren bei dem Unfall von Tschernobyl für die hohe Strahlenbelastung bei den Menschen verantwortlich gewesen. Sie hatten auch zu den akuten Strahlenschäden und kurzfristigen Folgen wie Schilddrüsenkrebs geführt.
Die Situation heute
Heute arbeiten etwa 14.000 Menschen aus der Kleinstadt Osjorsk in dem Betrieb Mayak. Die Stadt mit rund 80.000 Einwohnern ist, wie einige weitere Städte in Russland, noch immer geschlossen, das heißt, die Bevölkerung kann zwar ungehindert ein- und ausreisen. Besucher jedoch dürfen nur mit besonderen Genehmigungen die Stadt betreten. Seit Beginn der 1990er Jahre besuchten hunderte von westlichen Experten und zahlreiche Journalisten sowohl in Osjorsk als auch auf dem Gelände des Betriebes Majak sich ein Bild von der heutigen Situation machen. In großen internationalen Projekten kooperieren der Betreiber Majak sowie das strahlenmedizinische Zentrum von Osjorsk auf den Gebieten Anlagensicherheit, Dekontamination und Strahlenrisikoforschung mit westlichen Forschungseinrichtungen.
Auf dem Gelände werden im Augenblick noch zwei der insgesamt sechs Reaktoren zur Herstellung von Radioisotopen für die Forschung und die Industrie genutzt: Mayak ist eine der weltweit größten Produktionsstätten für Radionuklide. Abnehmer sind vor allem westliche Industrieländer. Weiterhin werden Brennstäbe verschiedener russischer Reaktortypen aufgearbeitet und verglast. Diese Technik wurde bei Mayak entwickelt. Darüber hinaus erarbeitet Mayak Konzepte, um die vorhandenen kontaminierten Flächen auf dem eigenen Gelände und die radioaktiven Abfälle zu beseitigen.
Quelle: GSF - Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit, 20.09.2007; GSF unter www.gsf.de.
Kinder fordern: Unsere Rechte gehören ins Grundgesetz!
(20.09.2007) Am heutigen Weltkindertag haben das Aktionsbündnis Kinderrechte - UNICEF, Deutsches Kinderhilfswerk und Deutscher Kinderschutzbund - an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages appelliert, die Kinderrechte ins Grundgesetz aufzunehmen. Alle Bundesbürger sind aufgerufen, die Kampagne zu unterstützen. Ziel ist es, die international anerkannten Kinder-rechte noch in dieser Legislaturperiode als Grundrecht in der deutschen Verfassung zu verankern. Damit soll das Kindeswohl Vorrang erhalten bei allen Entscheidungen, die Kinder betreffen. Die Rechte der Kinder auf Schutz, Förderung und Beteiligung sollen klar festgelegt werden. Dem Appell des Aktionsbündnisses haben sich bereits 24 weitere Organisationen angeschlossen.
"Kinderrechte kommen im Grundgesetz nicht vor, der Tierschutz dagegen wurde schon vor Jahren aufgenommen. Jetzt sind die Kinder an der Reihe - es ist höchste Zeit dafür!", sagte die Schauspielerin und UNICEF-Patin Katja Riemann bei der zentralen Aktion am Weltkindertag vor dem Reichstag in Berlin. Mehr als hundert Berliner Kinder und Jugendliche überreichten dort den Appell des Bündnisses an Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse.
"Wir dürfen nicht hinnehmen, dass die Wirtschaft boomt, aber die Kinderarmut steigt. Wir brauchen einen Klimawandel für Kinder. Staat und Gesellschaft müssen ein Signal setzen, dass sie das Wohlergehen der Kinder als Kernaufgabe ansehen", betonte UNICEF-Vorsitzende Heide Simonis.
"Kinder sind in unserer Gesellschaft zur Minderheit geworden und werden immer mehr an den Rand gedrängt. Die Interessen der Kinder werden oft ignoriert, deshalb ist es wichtig, dass das Grundgesetz ihre Rechte festschreibt und schützt", so der Präsident des Deutschen Kinderhilfswerks Thomas Krüger.
"Kinder sind unsere Zukunft. Doch sie brauchen in der Gegenwart die Chance zu Entwicklung und Entfaltung. Das Grundgesetz stellt die Weichen dafür, wie wir jetzt und in Zukunft mit Kindern umgehen", sagte Ute Walker vom Deutschen Kinderschutzbund.
"Wir wollen, dass die Erwachsenen anerkennen, dass wir eigene Rechte haben. Dazu gehört auch, dass sie uns mitreden lassen, wenn es um Entscheidungen geht, die uns betreffen", sagte UNICEF-JuniorBotschafterin Katharina Thiefes (18).
Was eine Grundgesetzänderung den Kindern bringt
Wenn die Kinderrechte im Grundgesetz verankert würden, wäre ein für allemal klargestellt, dass Kinder eigenständige Persönlichkeiten mit eigenen Rechten sind. Damit müsste sich auch die Politik für Kinder ändern. Sie dürfte nicht länger bloß als Mittel zum Zweck betrachtet werden, um Arbeitsmarktprobleme zu entschärfen oder die Rentenkassen zu füllen. Politiker wären stärker in der Pflicht, ein politisches Gesamtkonzept zu entwickeln, damit auch Kinder aus benachteiligten Familien eine faire Chance erhalten.
Staat und Eltern müssten sich am Vorrang des Kindeswohls orientieren und ihnen Mitsprache ermöglichen. Das gilt für Entscheidungen von Behörden - etwa bei der Planung von Wohnvierteln oder beim Straßenbau - ebenso wie für Entscheidungen der Eltern für eine bestimmte Schule oder Betreuungsform. Die Beteiligungsmöglichkeiten von jungen Menschen würden gestärkt. Kinder- und Jugendparlamente sollten dann nicht länger die Ausnahme von besonders engagierten Gemeinden bleiben, sondern zur Regel werden.
Die Kinderrechte würden einklagbar: Werden sie verletzt, könnte eine Verfassungsbeschwerde erhoben werden. Auch bei Entscheidungen in unteren Instanzen müssten sich Gerichte an den Grundrechten der Kinder orientieren - etwa, wenn bei der Haushaltsplanung einer Kommune Kinderspielplätze oder Einrichtungen für Jugendliche zugunsten von Straßen gestrichen werden.
Der Schutz vor Gewalt, Vernachlässigung und Ausbeutung würde erleichtert. In der Praxis könnte dies auch bedeuten, dass der Staat schneller handeln kann, wenn Kinder vernachlässigt oder misshandelt werden.
Verpflichtung durch internationales Recht
Die Kinderrechte sind in der UN-Konvention über die Rechte des Kindes festgelegt. Die Konvention unterstreicht das Recht auf Überleben und persönliche Entwicklung, Schutz vor Ausbeutung und Gewalt und auch das Recht auf Beteiligung. Deutschland hat die Konvention unterzeichnet und sich damit auch verpflichtet, die Kinderrechte in die Verfassung aufzunehmen. 15 Jahre nach Inkrafttreten der Konvention in Deutschland ist die Anpassung überfällig - und Deutschland würde damit auch international ein Zeichen setzen, dass es die Unterschrift unter die UN-Kinderrechtskonvention ernst nimmt.
Die nächsten Schritte
Die Chancen, dass nach dem Tierschutz die Kinderrechte im Grundgesetz verankert werden, stehen nicht schlecht. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich 2006 nach einer Anregung von Alt-Bundespräsident Roman Herzog dafür ausgesprochen, dies zu prüfen. Familienministerin Ursula von der Leyen plädiert ebenso dafür wie die Kinderkommission des Deutschen Bundestages. Doch die Zeit drängt, wenn eine Änderung des Grundgesetzes noch in dieser Legislaturperiode auf den Weg kommen soll. Ziel ist es, möglichst schnell einen Gesetzentwurf der Bundesregierung oder einen interfraktionellen Entwurf vorliegen zu haben, der dann im Parlament und im Bundesrat die nötige Mehrheit finden muss.
Quelle: Aktionsbündnis Kinderrechte - UNICEF, Deutsches Kinderhilfswerk und Deutscher Kinderschutzbund, 20.09.2007; Kampagne unter www.kinderrechte-ins-grundgesetz.de.
Children's environment in Central Europe: Threats and chances
(18.09.2007) Many of the classical environmental hazards and risks (such as anthropogenic chemical and physical factors, e.g., asbestos, dioxin, electromagnetic fields and pesticides) are in our countries not major determinants of children's health and well being; however, there may exist unseen or unrecognized causal contexts. Some hazards, such as UV light, noise, fine particles, tobacco smoke, legal and illegal drugs, and radon, are considered important by experts, but are still largely ignored by the public.
In our society, despite of, or maybe because of the multitude of information and disinformation, adequate risk perception continues to be a problem. Furthermore, ever-new environmental toxicants will come to the surface and occupy medial interest, and thus, continuing attention is warranted. Of our children's environment, yet other facets are of prime importance: nutrition, housing and traffic and public media. Most important, however, is the fact that society (governments, administration, industry and consumers) are disregarding the long-term sustainability of their actions and behaviour, thus endangering the future of our children and grandchildren. This is in contrast with the existing declarations and official action plans. In future, ranking of priorities for research and actions will be necessary, taking into account costs and effectiveness since resources to be invested into these issues certainly will remain limited.
Quelle: Böse-OReilly S, Heudorf U, Lob-Corzilius T, v. Mühlendahl KE, Otto M and S. Schmidt (2007): Children's environment in Central Europe: Threats and chances, International Journal of Hygiene and Environmental Health 210, doi:10.1016/j.ijheh.2007.07.010.
Perfluorooctane sulphonate (PFOS) and perfluorooctanoic acid (PFOA) in human breast milk: Results of a pilot study
(17.09.2007) Perfluorinated compounds (PFC) are a large group of chemicals produced for several decades and widely used for many industrial and consumer applications. Because of their global occurrence in different environmental media, their persistence and their potential to bioaccumulate in organisms they are of toxicological and public concern.
In the present study, perfluorooctane sulphonate (PFOS) and perfluorooctanoic acid (PFOA) were quantified in 70 breast milk samples. Samples were obtained from Leipzig, Germany (38 archived samples), Munich, Germany (19 fresh samples) and Gyor, Hungary (13 frozen samples).
PFOS could be quantified in all 70 samples. The concentration in samples from Germany ranged between 28 and 309 ng/l (median: 119 ng/l). Samples from Hungary showed significantly higher PFOS concentrations (median 330 ng/l, range 96-639 ng/l). In only 11 of 70 samples (16 %) PFOA reached the LOQ (200 ng/l); values ranged from 201 to 460 ng/l. If only those samples with PFOA values above the LOQ were considered, we found a significant correlation between the PFOS and PFOA concentrations (r=0.75, p=0.008).
Based on the results of the German sample, we estimated an intake of 0.10 µg PFOS/day (using median) or 0.27 PFOS µg/day (using maximum value) via breast milk for an infant of 5 kg bodyweight. Our data suggest that fully breastfed infants are unlikely to exceed the recommended tolerable daily intake of PFC. However, more target-oriented studies are needed to identify the amount and time-trend of PFOS and PFOA in maternal blood during pregnancy, after delivery, as well as in the growing infant and in its diet (e.g., breast milk and formula).
Quelle: Völkel W, Genzel-Boroviczény O, Demmelmair H, Gebauer C, Koletzko B, Twardella D, Raab U, Fromme H (2007): Perfluorooctane sulphonate (PFOS) and perfluorooctanoic acid (PFOA) in human breast milk: Results of a pilot study, International Journal of Hygiene and Environmental Health 210, doi:10.1016/j.ijheh.2007.07.024.
EEA fordert Maßnahmen gegen elektromagnetische Strahlung
(17.09.2007) Die Europäische Umweltagentur (EEA) warnt nach der Veröffentlichung eines wissenschaftlichen Berichts eindringlich vor den Gefahren elektromagnetischer Strahlung, die beispielsweise durch WLAN-Netzwerke oder Mobiltelefone und ihre Masten ausgesendet wird.[1] Diese Strahlung könnte eine Krise auslösen, wie jene, die durch die Entdeckung der Gefahren von Asbest, Nikotin und bleihaltigem Benzin, entstand. Der Bericht wurde von der sogenannten BioInitiative Working Group erstellt, die sich aus renommierten Wissenschaftlern, sowie Gesundheits- und Policy-Experten zusammensetzt, berichtet die Zeitung The Independent.
Die BioInitiative Working Group hat festgestellt, dass die Sicherheitsmaßnahmen gegen elektromagnetische Strahlung viel zu nachlässig seien. Zudem kommt ein aktueller britischer Report zu dem Schluss, dass nicht ausgeschlossen werden könne, dass die Verwendung von Mobiltelefonen Krebs auslöst. "Die aktuelle Forschung und die Analysen der Langzeiteffekte der Strahlung von mobiler Telekommunikation zeigen, dass es umsichtig von den Gesundheitsbehörden wäre, Maßnahmen zu treffen um vor allem empfindliche Gruppen wie Kinder weniger stark dieser Strahlung auszusetzen", erklärt Jacqueline McGlade, Executive Director der EEA.
Die EU-Agentur will die EU-Regierungen nun dazu bewegen, vorbeugende Maßnahmen hinsichtlich dieser schnell expandierenden neuen Technologie zu treffen. Die deutsche Regierung rät bereits jetzt davon ab, kabelloses Internet und Mobiltelefone zu nutzen. Durch die schnelle Verbreitung elektromagnetischer Strahlung entstanden derart viele neue Quellen für elektromagnetische Felder, sodass diese nun fast alle bewohnbaren Flächen der Erde überziehen. Das führt dazu, dass wir dieser Strahlung oft und in geballter Form ausgesetzt sind. Der wissenschaftliche Bericht fordert eine Änderung in der Art, mit der wir solche Technologien akzeptieren, testen und anwenden, um Gesundheitsprobleme globalen Ausmaßes zu verhindern.
Quelle: pressetext.austria 17.09.2007; Europäische Umweltagentur (EEA):Radiation risk from everyday devices assessed unter www.eea.europa.eu/highlights/radiation-risk-from-everyday-devices-assessed.
Some evidence of effects of environmental chemicals on the endocrine system in children
(17.09.2007) Pollutant chemicals that are widespread in the environment can affect endocrine function in laboratory experiments and in wildlife. Although human beings are commonly exposed to such pollutant chemicals, the exposures are generally low and clear effects on endocrine function from such exposures have been difficult to demonstrate.
Human data including both exposure to the chemical agent and the endocrine outcome are reviewed here, including age at weaning, age at puberty, anogenital distance, and sex ratio at birth, and the strength of the evidence are discussed. Although endocrine disruption in humans by pollutant chemicals remains largely undemonstrated, the underlying science is sound and the potential for such effects is real.
Quelle: Rogan WJ and Ragan NB (2007): Some evidence of effects of environmental chemicals on the endocrine system in children, International Journal of Hygiene and Environmental Health 210, doi:10.1016/j.ijheh.2007.07.005
Biotreibstoffe sind der größte Angriff auf die Biodiversität
(17.09.2007) "Biotreibstoffe sind der größte Angriff auf die Biodiversität!" Zu diesem Schluss kam heute Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, Dekan der Bren School für Umweltwissenschaft und -management an der Universität Kalifornien sowie ehemaliger Präsident des Instituts für Klima, Umwelt, Energie in Wuppertal, auf der Fachtagung "Energie, Ressourcen, Frieden" in der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Osnabrück. Er machte in seinem Vortrag über die Herausforderungen für eine globale Friedenspolitik besonders auf die Gefahren aufmerksam, die von dem Boom der Biotreibstoffe ausgingen: Die Artenvielfalt sei durch die riesigen Monokulturen der Biospritpflanzen enorm bedroht. Der Anbau von energiebringenden Pflanzen habe nichts mit Klimaschutz zu tun. Vielmehr führe er in eine ökologische Krise.
Für den aktuellen Trend zum Anbau von ethanolbringenden Pflanzen wie Mais und Zuckerrohr machte er die Agrarlobby verantwortlich, die hoffe, damit "steinreich" zu werden. Außerdem wolle man unabhängig sein "von den Leuten, die auf dem Erdöl sitzen". "Erst wenn wir dazu imstande sind, Zellulose-Ethanol zu produzieren, gäbe es eine Chance, einen Beitrag zur Senkung des Kohlendioxid-Ausstoßes zu leisten", sagte von Weizsäcker. Zellulose-Ethanol, das durch Vergärung von pflanzlichen Abfallstoffen gewonnen wird, befindet sich noch in der Entwicklung.
Um die Klima-Aufheizung zu verhindern, müsse die Konzentration von Kohlendioxid stabilisiert und seine Emissionen halbiert werden. "Stattdessen erwarten wir eine Verdoppelung der Emissionen auf der Welt", so von Weizsäcker. Wichtig sei es also, die Entwicklungsländer mit ins Boot zu holen. Dazu sei der Vorschlag von Bundeskanzlerin Angela Merkel ein starker Ansatz. Auf ihrer Japanreise hatte die Kanzlerin vorgeschlagen, weltweit einheitliche Obergrenzen für Treibhausgase pro Kopf anzustreben. Dadurch stehen Schwellenländer bei der Emission pro Kopf viel besser da als die Industrieländer. Merkels Vorschlag "ist friedensstiftend und fair", urteilte von Weizsäcker und rechnete vor, was das für die Industriestaaten bedeute: "Wir müssten unsere Emissionen um 80 Prozent senken!"
Als elegantesten Lösungsansatz für den Klimaschutz bewertete von Weizsäcker die Energieeffizienz. Ökonomen sprächen immer von Arbeits- und Kapitalproduktivität - von Ressourcenproduktivität aber höre man nichts. Die aber müsse bis 2050 verzehnfacht werden, so, wie durch die Industrialisierung die Arbeitsproduktivität verzwanzigfacht worden sei. Und das gehe nur, wenn Energie stetig teurer werde. "Wir verpulvern Energie, weil sie nichts kostet!" So sei das auch bei den Arbeitslöhnen gewesen, die parallel zur Produktivität stetig gestiegen wären.
Da auf der Welt eine derart ungleiche Verteilung von Land, Ressourcen und Bevölkerungsdichte herrsche, forderte von Weizsäcker eine gute internationale Zusammenarbeit von Experten aus Politik, Geologie, Energie und Friedensarbeit.
Quelle: Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), 17.09.2007; www.dbu.de.
Adipositas ist als Krankheit eine gesellschaftliche Herausforderung
(16.09.2007) Es gibt alarmierende Zahlen in Deutschland: Das krankhafte Übergewicht (medizinisch: Adipositas) nimmt bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland sowohl bei der Häufigkeit als auch in ihrem Ausmaß erschreckend zu. Um zu erreichen, dass Adipositas endlich von Beginn an als Krankheit anerkannt wird, stehen bei der 23. Jahrestagung der Deutschen Adipositas Gesellschaft vom 18. bis 20.10.2007 in München die Bekämpfung der "Epidemie Adipositas" und eben die Anerkennung, insbesondere von den Krankenkassen, im Mittelpunkt.
Tagungspräsident Prof. Dr. med. Detlef Kunze ist Kinder- und Jugendarzt; daher liegt ihm das Thema sehr am Herzen: "Wir bemühen uns seit 23 Jahren als wissenschaftliche und medizinische Fachgesellschaft darum, die Prävention der Krankheit Adipositas, insbesondere im Kindes- und Jugendalter verstärkt umzusetzen. Von den 3-17jährigen in Deutschland sind 15% übergewichtig und 6% fettsüchtig bzw. adipös. Das sind 21% der Kinder und Jugendlichen in unserem Land."
Nach der Auswertung der Gesundheitsminister-Konferenz im Oktober 2006 in Istanbul ist Deutschland im Rahmen der globalen Strategie der WHO aufgefordert, mitzuhelfen, die "Epidemie Adipositas" konsequent zu bekämpfen. Durch die jahrelange Forschungs- und Aufklärungsarbeit der Deutschen Adipositas-Gesellschaft hat die Bundespolitik endlich begriffen, dass wirkungsvolle Schritte ergriffen werden müssen.
Prof. Kunze: "Bei den 3-17jährigen gibt es einen stetigen Anstieg von Typ 2-Diabetes, der eigentlich erst im hohen Alter auftritt, und den es vor zehn Jahren in diesem Alter überhaupt nicht gab. Wir müssen dagegen kämpfen, um zu verhindern, dass diese erkrankten Kinder nicht vor ihren Eltern sterben. Hierbei hilft nur Prävention, und die frühzeitige Anerkennung von Adipositas nicht als "Lifestyle-Problem", sondern als Krankheit, wie in anderen europäischen Ländern auch."
Quelle: ots 16.09.2007, www.adipositas-congress.de.
Ökonomisch und ökologisch sinnvolle Strategie zur Vermeidung des drohenden Klimawandel möglich
(14.09.2007) Eine der Hauptursachen für das Klimaproblem ist die Belastung der Atmosphäre mit Kohlendioxid (CO2). Will man wirksamen Klimaschutz betreiben, muss man diese CO2-Belastung reduzieren. Dr. Ottmar Edenhofer und Dr. Hermann Held vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) haben ein Modell entwickelt, das eine ökonomisch vertretbare Lösung des Klimaproblems aufzeigt. Ihr volkswirtschaftlich optimaler Mix an Möglichkeiten funktioniert allerdings nur - so das entscheidende Ergebnis der Studie -, wenn von jetzt an bis 2040 bedeutend stärker in erneuerbare Energien investiert wird als bisher geplant: das Zehn- bis Dreißigfache sollte es schon sein.
Neben den erneuerbaren Energiequellen wie beispielsweise Sonne, Wind oder Wasser untersuchten die Wissenschaftler eine Reihe weiterer Optionen, die dazu beitragen könnten, die Belastung der Atmosphäre zu reduzieren. Hierzu gehören auch die Möglichkeit, Atomenergie verstärkt zu nutzen, sowie die Optionen, die Effizienz des bisherigen Energieeinsatzes zu steigern oder das Kohlendioxid in den tiefen Ozean oder in andere geologische Formationen zu versenken. Bei ihrer Beurteilung spielten dann neben den Risikofaktoren bezüglich der Wirksamkeit und der Nebenwirkungen auch die volkswirtschaftlichen Kosten eine Rolle. Wichtig für das Modell war dabei, dass die Wissenschaftler in ihren Szenarien erstmals auch die Kostenersparnis eingerechnet haben, die sich aufgrund des technischen Fortschritts ergibt. Als Ziel ihres Modells definieren Edenhofer und Held die Vermeidung eines gefährlichen Klimawandels: Bei diesem Begriff folgten sie den Empfehlungen der Europäischen Kommission: Gefährlich wird es dann, wenn die globale Erwärmung mehr als 2 0C vom vorindustriellen Niveau abweicht.
Klar ist für die Wissenschaftler: Es führt langfristig kein Weg an den erneuerbaren Energien vorbei. Es müsse allerdings sofort ein Mehrfaches in diese neuen Techniken investiert werden, damit die Rechnung auch aus ökonomischer Sicht aufgeht. Falls die erneuerbaren Energien wider Erwarten nicht das Kostensenkungspotential entfalteten, das sich aus dem technischen Fortschritt ergibt, sieht das Modell eine Übergangslösung darin, CO2 in geologischen Formationen, zum Beispiel in ausgelassenen Erdölfeldern, vorübergehend einzufangen. Die ebenfalls diskutierte Versenkung im tiefen Ozean wird selbst als Notlösung nicht mehr näher in Betracht gezogen, da vor allem das Risiko für die Umwelt zu groß erscheint. Deutlich machen Edenhofer und Held auch, dass aus wissenschaftlicher Sicht der Einsatz von Atomenergie keineswegs notwendig ist, um das Problem der Klimaerwärmung in den Griff zu bekommen: Ein Ausstieg aus der Atomenergie sei durchaus volkswirtschaftlich zu rechtfertigen.
Alles in allem haben die Ergebnisse des Projektes auch die Forscher selbst überrascht. Noch im Mai 2003, zu Beginn des Vorhabens, herrschte eine Patt-Situation in der Klimapolitik. Klimaschützer und Ökonomen standen sich mit scheinbar unvereinbaren Zielen gegenüber. Mit ihren Klima- und Energieszenarien, die erstmals auch den technischen Fortschritt einschließlich der jeweiligen Kostensituation einbeziehen, konnten die Wissenschaftler zeigen: Die Kosten einiger Handlungsoptionen waren bisher viel zu hoch veranschlagt. Das Patt, so Edenhofer und Held, habe sich somit aufgelöst und bislang scheinbar unveränderbare Positionen stünden sich - auch durch wissenschaftliche Erkenntnisse gestützt - weit weniger unversöhnlich gegenüber. Die Klimadebatte gewinne zunehmend an Gestaltungskraft.
Die VolkswagenStiftung hat das Forschungsprojekt mit rund 600.000 Euro unterstützt.
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung VolkswagenStiftung, 14.09.2007; Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) unter www.pik-potsdam.de.
Hyperaktiv durch Zusatzstoffe?
(14.09.2007) Viele Lebensmittel enthalten Farb- und Konservierungsstoffe, um die Haltbarkeit zu verlängern oder das Aussehen zu verbessern. Überwiegend kommen die Zusatzstoffe in Getränken, Wursterzeugnissen, Nahrungsergänzungsmitteln sowie Süß- und Backwaren zum Einsatz. Doch die künstlichen Zusatzstoffe der Lebensmittelindustrie verursachen mehr als nur eine farbliche Aufpeppung. Forscher der Universität Southampton stellten nun hyperaktives Verhalten bei Kindern nach häufigem Konsum solcher Lebensmittel fest.
Die Wissenschaftler untersuchten insgesamt 297 gesunde Kinder im Alter von drei Jahren sowie im Alter von acht oder neun Jahren. Als Untersuchungsgegenstand erhielten die Kinder über einen Zeitraum von sechs Wochen ein mit Farbstoffen sowie einem Konservierungsmittel angereichertes Getränk. Bei den künstlich hergestellten Farbstoffen handelte es sich um Gelborange (E110), Azorubin, (E122), Tartrazin (E102) und Cochenillerot A (E124), Chinolingelb (E104) sowie Allurarot AC (E129). Als Konservierungsstoff kam Natriumbenzoat (E211) zum Einsatz. Die Kontrollgruppe erhielt ein sich geschmacklich und farblich nicht zu unterscheidenden Fruchtsaft. Im Anschluss an die Versuchphase fand ein "global hyperactivity aggregate" (GHA) mittels Beobachtungen und einem Aufmerksamkeitstest am Computer statt.
Die Ergebnisse zeigten, dass Kinder die Mixturen aus Konservierungs- und Farbstoffen tranken, signifikant zur mehr Hyperaktivität als die Kontrollgruppe neigten. Die Hyperaktivität äußerte sich, laut den Untersuchungen, in Unruhe und Konzentrationsschwäche.
Obwohl Farb- und Konservierungsstoffe nicht allein Hyperaktivität bei Kindern auslösen können, prüft derzeit die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) Lebensmittelfarben auf ihre Verträglichkeit. Es ist zu hoffen, dass die EFSA weitere Inhaltsstoffe von Lebensmitteln sowie die soziokulturellen Gegebenheiten berücksichtigt, um eine adäquate Aussage über die Entstehung von Hyperaktivität bei Kindern treffen zu können. Dessen ungeachtet steht fest, dass eine übertriebene Farbgebung den Wunsch von Kindern, insbesondere nach Süßigkeiten verstärkt. Das hierdurch maßgeblich beeinflusste Kauf- und Konsumverhalten fördert frühzeitig die falsche Essgewohnheiten, deren Konsequenzen schon jetzt weitreichend bekannt sind.
Quelle: Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (FET) e.V. 14.09.2007; Original: McCann D, Barrett A, Cooper A et al. (2007): Food additives and hyperactive behaviour in 3 and 8/9 year old children in the community: a randomised, double-blinded, placebo-controlled trial. The Lancet. Online publication doi: 10.1016/S0140-6736(07)61306-3.
Mit moderner Verbraucherpolitik gegen Allergien
(13.09.2007) Bundesverbraucherminister Horst Seehofer hat heute im Rahmen des Aktionsplans gegen Allergien die erste Verbraucherpolitische Konferenz in Berlin eröffnet. Die Konferenz steht unter dem Motto: "Allergien: Besser schützen. Wirksam vorbeugen." 300 Experten und Interessierte aus Politik, Medizin, Verbänden und der Wirtschaft diskutieren heute in Berlin den Stand der Umsetzung des Aktionsplans und Möglichkeiten, Allergien weiter zurückzudrängen.
"Ich habe den Aktionsplan gestartet, um dem wachsenden Allergierisiko in unserer heutigen Industriegesellschaft entgegenzuwirken. Hierzu ist moderne Verbraucherpolitik gefragt, die mit konkreten Maßnahmen überzeugen kann", betonte Seehofer. Der Minister hob zudem hervor, dass es im Rahmen des Aktionsplans gelungen sei, Wirtschaft und Betroffenenverbände an einen Tisch zu bringen, um das gemeinsame Ziel, das Allergierisiko in Deutschland nachhaltig zu senken, mit einem konzertierten Ansatz zu erreichen.
Hocherfreut zeigte sich der Minister über den regen Zulauf zur Konferenz: "Die hohe Zahl der Beteiligten zeigt das große Interesse in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, aber auch die Hoffnungen der Betroffenen und Verbraucher. Wir setzen alles daran, diese Hoffnungen nicht zu enttäuschen. Ich möchte mit den Handlungsfeldern des Aktionsplans echte Verbesserungen im Alltag von Betroffenen und ihren Familien erreichen."
Hierbei verwies der Minister auf große Fortschritte, die bei der Kennzeichnung von loser Ware vereinbart werden konnten. Mehr Wahlfreiheit bedeute mehr Lebensqualität. Zu diesem Zweck habe er Gespräche mit der Lebensmittelwirtschaft und -handwerk geführt, die nun zur Erarbeitung eines gemeinsamen Leitfadens zur Optimierung der Produktionsprozesse führen. Zudem wird der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) zusammen mit dem deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) einen Leitfaden für die Wirtschaft erarbeiten. "Ich begrüße die Bereitschaft und Resonanz auf diesem Gebiet sehr. Denn eine freiwillige Zusammenarbeit ist hier praktikabler und effektiver. Und sie macht eine rechtliche Regelung überflüssig", zeigte sich Seehofer zufrieden.
Zur Einführung des Allergieportals, dem neuen Informationsangebot des Bundesverbraucherministeriums, sagte der Minister: "Mit dem Allergieportal, welches von unserem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit mit Unterstützung aus Wissenschaft und Verbänden erarbeitet wurde, haben wir eine neue Plattform geschaffen, die es Allergikern ermöglicht, sich Rat einzuholen, sich über den neuesten Stand zu informieren und mit anderen Betroffenen ihre Erfahrungen auszutauschen. Dieses Allergieportal soll ein festes Gerüst sein, ein Fundament, auf dem wir künftige Forschungsergebnisse, neu gebildete Selbsthilfegruppen, wichtige Erkenntnisse zur Vielfalt allergener Substanzen beständig aktualisieren und ergänzen.
Das Bundesverbraucherministerium hat sich zum Ziel gesetzt, neben diesem Hilfsangebot für Betroffene auch das Wissen über Allergien kontinuierlich zu erweitern. Das Ministerium wird deshalb konsequent die Allergieforschung vorantreiben und die neuesten Forschungsergebnisse präsentieren.
In Deutschland leiden in den letzten Jahrzehnten immer mehr Menschen an allergischen Erkrankungen. Allergien mindern die individuelle Lebensqualität der Betroffenen und schränken ihre Leistungsfähigkeit ein. Um die Entstehungsrisiken in der Bevölkerung zu senken und die Sicherheit und Lebensqualität von Allergikerinnen und Allergikern im Alltag zu verbessern, hat das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz im März 2007 einen Aktionsplan gegen Allergien bekannt gegeben. Der Maßnahmenkatalog des Aktionsplans soll nun durch innovative Vorschläge und Ideen ergänzt und weiterentwickelt werden.
Quelle: BMELV Pressemitteilung Nr. 153, 13.09.2007; Portal zu Allergien unter www.aktionsplan-allergien.de.
UNICEF gibt Fortschritte im Kampf gegen die Kindersterblichkeit bekannt
Zahl kindlicher Todesfälle sinkt erstmals unter 10 Millionen
(13.09.2007) Neueste Zahlen von UNICEF belegen wichtige Fortschritte im Kampf gegen die hohe Kindersterblichkeit in den Entwicklungsländern. So sank die Zahl der Kinder, die vor ihrem fünften Geburtstag zumeist an vermeidbaren oder behandelbaren Krankheiten starben, von rund 13 Millionen in 1990 auf 9,7 Millionen in 2006. Dies entspricht einem Rückgang um 24 Prozent.
Diese Fortschritte sind nach Angaben von UNICEF vor allem darauf zurück zu führen, dass auch in vielen armen Ländern mehr Kinder Zugang zu einem Bündel einfacher Gesundheitsmaßnahmen bekommen haben. Dazu gehören eine Verbesserung der Hygiene, Impfschutz gegen gefährliche Infektionskrankheiten wie Masern, Vitamin-A-Gaben zur Stärkung der Widerstandskraft, imprägnierte Moskitonetze zum Schutz vor Malaria, sowie die Förderung des Stillens und gemeindenahe Gesundheitsdienste.
"Dies ist ein historischer Augenblick" sagte UNICEF-Direktorin Ann Veneman bei der Bekanntgabe der Daten in New York. "Heute überleben mehr Kinder als je zuvor. Wir müssen auf diesen Erfolg bei der öffentlichen Gesundheitsversorgung aufbauen und alles tun, um die Millenniumsziele für Kinder zu erreichen."
Im Jahr 2000 hatte sich die internationale Gemeinschaft auf dem so genannten Millenniumsgipfel der Vereinten Nationen das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2015 die Kindersterblichkeit gegenüber 1990 um zwei Drittel zu senken. Angesichts der jüngsten Fortschritte warnte UNICEF jedoch vor Selbstzufriedenheit: "Das Sterben von 9,7 Millionen Kindern ist nicht hinnehmbar. Ein Großteil dieser Todesfälle ist vermeidbar. Die neuen Zahlen zeigen, dass Fortschritt möglich ist, wenn wir entschlossen handeln", erklärte Ann Veneman.
Am schlechtesten sind die Überlebenschancen für arme Kinder weiterhin in ländlichen Gebieten der Entwicklungsländer. Allein in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara sterben jedes Jahr 4,8 Millionen Kinder, in Südasien sind es 3,1 Millionen. Relativ am höchsten ist die Kindersterblichkeit in West- und Zentralafrika. Besonders im südlichen Afrika hat die AIDS-Epidemie Fortschritte zunichte gemacht. Dennoch gibt es auch in diesen Regionen große Erfolge: So gelang es, die Kindersterblichkeit in Äthiopien, Mosambik, Namibia, Niger, Ruanda und Tansania um 20 Prozent zu senken. In Malawi war die Reduzierung sogar 29 Prozent.
Die größten Fortschritte hat in den vergangenen sieben Jahren die kleine westafrikanische Inselgruppe Sao Tome und Principe gemacht. Dort sank die Sterblichkeitsrate fast um die Hälfte. In Madagaskar sank sie um 41 Prozent; in Marokko, Vietnam und der Dominikanischen Republik beträgt der Rückgang jeweils mehr als 30 Prozent. Die Länder Lateinamerikas, der Karibik sowie Osteuropas und Ostasiens werden voraussichtlich das Millenniumsziel erreichen. Die Sterblichkeitsraten sanken dort von durchschnittlich rund 55 Todesfällen pro 1.000 Kinder im Jahr 1990 auf heute 27 Todesfälle. In den Industrieländern sterben im Durchschnitt lediglich sechs Kinder pro 1.000 Neugeborene vor ihrem fünften Geburtstag.
Die neuesten Zahlen zur weltweiten Kindersterblichkeit beruhen auf der Auswertung von systematischen Haushaltserhebungen, Befragungen von Gesundheitseinrichtungen und statistischer Daten zur Bevölkerung. Die Schätzungen werden von einer Expertengruppe von UNICEF, Weltgesundheitsorganisation, Weltbank und Weltbevölkerungsfond sowie der Universität Harvard vorgenommen.
UNICEF unterstützt Gesundheitsprogramme in über 140 Ländern und ist der weltweit größte Beschaffer von Impfstoffen und imprägnierten Moskitonetzen. UNICEF hilft bei der Organisation von Impfkampagnen, verteilt Vitamin-A-Tabletten und stellt Medikamente zur Behandlung von Malaria, Durchfall, Lungenentzündung sowie zur Behandlung von AIDS und bei Geburtskomplikationen zur Verfügung. UNICEF unterstützt auch die Aus- und Weiterbildung von Gesundheitspersonal und unterstützt den Aufbau einer Basisgesundheitsversorgung für die ärmsten Kinder.
Quelle: UNICEF - Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, 13.9.2007, www.unicef.de.
Fine particles, a major threat to children
(4.09.2007) There is a growing body of evidence for serious health consequences of exposure to ambient air pollution. The general question of who is susceptible is one of the most important gaps in current knowledge regarding particulate matter (PM)-related health effects. Who is susceptible depends on the specific health endpoint being evaluated and the level and length of exposure. Here, we restrict the review on the impact of fine particle exposure on children's health to the following outcomes: infant death, lung function, respiratory symptoms and reproductive outcomes.
Methods
This is a strategic review of children's susceptibility to ambient fine particles and characteristics of infant and children which underlie their increased susceptibility to PM.
Results
Ambient fine PM is associated with intra-uterine growth retardation, infant mortality; it is associated with impaired lung function and increased respiratory symptoms, particularly in asthmatics. Concerning infant mortality, exposure to PM is strongly and consistently associated with postneonatal respiratory mortality and less consistently with sudden infant death syndrome. Although most of the studies reported adverse effects for this health outcome, the evidence is weaker than for infant death. Exposure to fine PM has been associated with impaired lung function and lung function growth. Most of the studies reported increased prevalence of symptom with increased exposure to fine PM.
Conclusion
Fine PM is a major threat to children, because of their higher exposure to PM compared to adults, the immature state of the lung in childhood and also of the immune function at birth. The first months of life might be a period of particular sensitivity. Although the mechanisms of air pollution effects have not yet been completely understood, pregnant women, infants and children need specific protection against exposure to fine particles.
Quelle: Heinrich J and R Slama (2007): Fine particles, a major threat to children, International Journal of Hygiene and Environmental Health 210, doi:10.1016/j.ijheh.2007.07.012.
Mobilfunk Ärzteappell Allgäu-Bodensee-Oberschwaben
(1.9.2007) Als Ärztinnen und Ärzte halten wir den weiteren Ausbau der Mobilfunknetze für bedenklich und appellieren an Politiker, Wissenschaftler und Verantwortliche des Bildung- und Gesundheitswesens, dem Schutz von Leben und Gesundheit von uns allen wieder den gebührenden grundgesetzlich garantierten Wert einzuräumen und sofort zu handeln.
Wir fordern nachdrücklich:
1. Kein weiterer Ausbau von Mobilfunktechnologie, denn es handelt sich um unfreiwillig eingegangene Risiken mit dauerhaften Belastungen
2. Massive Reduzierung der Grenzwerte und Funkbelastungen
3. Aufklärung der Bevölkerung über Gesundheitsrisiken elektromagnetischer Felder (Handys, schnurlose (DECT)-Telefone, WLAN, bluetooth)
4. Nutzungseinschränkungen von Handys sowie Verbot von schnurlosen Telefonen nach dem DECT-Standard in Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern, Altenheimen, öffentlichen Gebäuden und Verkehrsmitteln analog dem Rauchverbot
5. Förderung von alternativen gesundheits- und umweltverträglichen Kommunikations-Technologien
Erstunterzeichner: 365 Ärzte u. weitere 140 im Gesundheitswesen Tätige (Stand 1. Sept. 2007)
Mobilfunk Ärzteappell Allgäu-Bodensee-Oberschwaben
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
Mobilfunkstrahlung wird derzeit kontrovers diskutiert. Immer mehr Ärzte beziehen öffentlich Stellung,
denn die Kompetenz in Gesundheitsfragen liegt in unseren Händen.
Prof. Dr. med. Eckel forderte schon im Jahr 2000 als Vorsitzender des Ausschusses Umwelt und Gesundheit der Bundesärztekammer: Wir müssen die Grenzwerte unserem jüngsten Kenntnisstand anpassen.
19 unabhängige Wissenschaftler aus 13 Ländern hatten sich 1999 auf dem Salzburger Symposium dafür ausgesprochen, die in Deutschland und der EU geltenden Grenzwerte auf einen Bruchteil zu reduzieren (Salzburger Vorsorgewert). Prof. Eckel: Die Bundesärztekammer hat sich dieser in Salzburg gefassten Resolution angeschlossen.
Sowohl im Freiburger (2002) wie auch im Bamberger Appell (2004) und weiteren Appellen von Hunderten von Ärzten wurde über eine Häufung bestimmter Symptomkomplexe im Zusammenhang mit Mobilfunkfeldern berichtet: sei es durch räumliche Nähe zu Mobilfunksendern, sei es durch intensive Handynutzung, sei es durch ein schnurloses (DECT)-Telefon zuhause oder am Arbeitsplatz. Es werden Symptome wie Ein- und Durchschlafstörungen, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Kopfschmerzen und Migräne, Schwindel, Hörstörungen und Tinnitus, Blutdruckentgleisungen und Arrhythmien, chronische Erschöpfung, innere Unruhe, Lern- und Verhaltensstörungen bei Kindern (u.a. ADHS) beobachtet. In Studien wird zudem über eine signifikante Zunahme von Tumorerkrankungen bei Exposition durch Mobilfunkfelder berichtet.
Es gibt viele unabhängige Studien, welche die biologische Wirkung von Mobilfunkfeldern belegen (u.a.Öffnung der Blut-Hirnschranke, Störung des Immunsystems, Gentoxizität: DNA-Doppelstrangbrüche).
Leider wird bei den Grenzwerten, bei deren Festlegung die Ärzteschaft nicht beteiligt war, nur die thermische Wirkung der Mobilfunkfelder berücksichtigt. Über die konkreten Auswirkungen von Mobilfunkfeldern auf den Menschen existieren kaum Untersuchungen. Die von Hausärzten durchgeführte Studie im oberfränkischen Naila zeigte alarmierende Ergebnisse, ebenso die TNO-Studie der holländischen Ministerien. Die Ergebnisse dieser Studien sind in beiliegendem Anhang (rückseitig) zusammengefasst.
Auf Wunsch informieren wir Sie gerne ausführlicher.
Uns geht es nicht darum, die neue Technologie abzulehnen, sondern um eine Reduzierung der Mobilfunkfelder auf das notwendige Minimum. Wir Ärzte fühlen uns verpflichtet, die Bevölkerung über die gesundheitlichen Risiken aufzuklären.
Aus diesem Grunde schließen wir uns den Forderungen unserer Kollegen in den bestehenden Ärzteappellen an und bitten Sie, unser Anliegen mit Ihrer Unterschrift zu unterstützen.
Mit freundlichen Grüßen,
C. Aschermann/ M.Kern/ A.Leute
Dieser Appell richtet sich außer an Ärzte auch an andere im Gesundheitswesen Tätige
Dr. Christine Aschermann Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie, Psychotherapie, Eichenstr. 6, 88299 Leutkirch
Dr. Markus Kern , Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Beim Flosserhäusle 8, 87439 Kempten
Dr. Andrea Leute, Fachärztin für Allgemeinmedizin, Psychotherapie, Franziskanerstr. 9, 88662 Überlingen
Quelle: Appell-Initiative der Dres. Aschermann, Kern und Leute, 1.9.2007.
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