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November 2008
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EUROPAEM entsetzt über Forschungsprojekt "Amalgam"
(29.11.2008) Der Vorstand und die große Mehrheit der Teilnehmer am Jahreskongress der European Academy for Environmental Medicine e. V. (EUROPAEM) am 29. und 30. November 2008 in Würzburg sind entsetzt über das unwissenschaftliche Studiendesign des sogenannten Forschungsprojektes "Amalgam" (German Amalgam Trial) der TU München, der Internationalen Gesellschaft für Ganzheitliche Zahnmedizin (GZM) und des Helmholtz-Institutes.
Es wurden keine standardisierten und vergleichbaren Untersuchungsmethoden angewendet. Metabolische, immunologische, humangenetische und umweltmedizinische Methodik und Sachkenntnis, die dem bereits vorhandenen Erkenntnisstand zu Studienbeginn entsprachen, wurden nicht genutzt. Neue Kenntnisse wurden in dem langen Studienverlauf nicht eingebracht. Das Problem der individuellen Suszeptibilität ist nicht untersucht.
Inzwischen (2008) wurden die unwissenschaftlichen Ergebnisse und ihre Interpretationen veröffentlicht, die den aktuellen Stand weltweiter Forschung über die Effekte chronischer Exposition durch Metalle des Amalgams nicht wiedergeben. Die Studie weist teilweise von den Autoren selbst beklagte inakzeptable methodische Mängel auf, wie unvollständige Verlaufsberichte, fehlende Kontrollgruppen oder nicht standardisierte Zahn- und Nachbehandlung, die unerklärlicherweise während der 12 Jahre dauernden Studie nicht abgestellt werden konnten.
Diese methodischen Fehler wurden später genutzt, um den weiteren Amalgamgebrauch zu verharmlosen. Die Autoren stellen für das erzielte Ergebnis selbst einen wissenschaftlichen BIAS dar (Beeinflussung des Ergebnisses durch die Untersucher). Sie werden deshalb aufgefordert, die mangelhafte Durchführung der Studie öffentlich dar zu stellen und die unwissenschaftlich erzielten Ergebnisse und daraus abgeleitete Schlüsse zu korrigieren. Es sind darüber die Institutionen der Europäischen Union zu unterrichten, die über den weiteren Amalgamgebrauch in nächster Zeit entscheiden werden.
Quelle: Pressemitteilung 29.11.2008, European Academy for Environmental Medicine e. V. (EUROPAEM), www.europaem.org.
Wissenschaftler fordern Neubewertung der Empfehlung für die HPV-Impfung
Irreführende Kampagne wird scharf kritisiert
(26.11.2008) Die Wirksamkeit der heftig beworbenen Impfung gegen Humane Papillomaviren (HPV-Impfung) ist nach Aussagen von dreizehn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern führender deutscher Forschungseinrichtungen nicht angemessen geprüft worden. In einer gemeinsamen Stellungnahme fordern sie daher eine Neubewertung der HPV-Impfung durch die Ständige Impfkommission der Bundesrepublik Deutschland (STIKO) und das sofortige Ende der irreführenden Informationen.
Mit der HPV-Impfung soll die Zahl an Gebärmutterhalskrebs-Erkrankungen gesenkt werden. Im März 2007 hatte die STIKO die HPV-Impfung empfohlen, seit Juli 2007 müssen die Krankenkassen sie erstatten. Seit dieser Zeit haben sich eine Vielzahl von Mädchen und jungen Frauen impfen lassen. Irreführende Informationen haben aber bei vielen Mädchen und Frauen große Verunsicherung ausgelöst.
Die Prüfung durch die STIKO erfolgte zu einem Zeitpunkt, als die Daten aus den entscheidenden Studien noch gar nicht vorlagen. Besonders relevante Daten sind bis heute nicht veröffentlicht worden. In eigenen Recherchen fanden die unterzeichnenden Wissenschaftler Hinweise darauf, dass die Wirksamkeit deutlich niedriger liegen kann als bisher angenommen. Einige der Zahlen, welche die STIKO ihrer Entscheidung zu Grunde gelegt hatte, sind zudem überhaupt nicht nachvollziehbar.
Die unabhängigen Wissenschaftler fordern eine Überprüfung der Empfehlung der STIKO unter Berücksichtigung der aktuellen Daten. Der neuen Bewertung sollte explizit zu entnehmen sein, auf Grundlage welcher Daten die STIKO die Wirksamkeit der Impfung beurteilt.
Die Wissenschaftler wenden sich entschieden dagegen, dass bei Mädchen und Frauen mit falschen Informationen zum Risiko des Gebärmutterhalskrebs Angst und Schuldgefühle erzeugt werden. Ebenso wenig ist es hinzunehmen, dass mit unrealistischen Hochrechnungen falsche Erwartungen an den Impfstoff geweckt werden.
Die Stellungnahme wurde von den folgenden Wissenschaftlern unterzeichnet:
Prof. Martina Dören, Prof. Wolf-Dieter Ludwig (Charité, Berlin)
Prof. Rolf Rosenbrock (WZB, Berlin)
Dr. Ansgar Gerhardus, Prof. Claudia Hornberg, Prof. Oliver Razum (Universität Bielefeld)
Prof. Petra Kolip, Corinna Schach, Prof. Norbert Schmacke (Universität Bremen)
Prof. Jürgen Windeler (MDS, Essen)
Prof. Ferdinand M. Gerlach (Universität Frankfurt)
Prof. Michael M. Kochen (Universität Göttingen)
Prof. Ingrid Mühlhauser (Universität Hamburg)
Quelle: Pressemitteilung 26.11.2008, Universität Bielefeld,
www.uni-bielefeld.de/gesundhw/ag3/downloads.html
Bauen und Wohnen belastet die Umwelt immer noch mehr als nötig
Neue Broschüre des Umweltbundesamtes zeigt Lösungswege auf
(26.11.2008) Der Bau, die Bewirtschaftung und Nutzung von Häusern und Straßen beansprucht immer noch zu viele natürliche Ressourcen und fördert den Klimawandel: Nicht nur der weiter hohe Bedarf an fossilen Energieträgern wie Kohle, Öl und Gas für Heizung und Warmwasser schmälert die Umweltbilanz des Sektors Bauen und Wohnen, auch die große Nachfrage nach Baumaterialien wie Steinen und Erden, Metallen oder Holz trägt dazu bei. UBA-Präsident Prof. Dr. Andreas Troge: Wie wir bauen und wohnen, beeinflusst ganz erheblich die Qualität unserer Gesundheit und Umwelt. Der Mensch entreißt der Natur nicht nur mehr Baumaterialien, als diese bereit stellen kann, wir machen uns auch viel zu breit, nehmen zu viel Fläche in Anspruch. So gehen Rückzugsräume für Pflanzen und Tiere verloren. Statt immer neue Häuser auf der grünen Wiese zu bauen, müssen wir zurück in die Zentren., so Troge weiter. Wesentlich entlasten ließe sich die Umwelt, falls vermehrt alte Häuser in den Zentren saniert würden, anstatt neue Gebäude an naturnahen Standorten zu errichten. Neue Wege zu einer dauerhaft umweltgerechten Bau- und Siedlungspolitik beschreibt die neue Broschüre Nachhaltiges Bauen und Wohnen.
Die Einsparpotentiale sind beachtlich: In den nächsten 25 Jahren ließen sich - ohne Komfortverluste - die zusätzliche Flächeninanspruchnahme um fast 85 Prozent reduzieren, der jährliche Verbrauch mineralischer Rohstoffe - wie Sand, Ton, Kalk, Kies oder Schiefer - um etwa 30 Prozent und die jährlichen Kohlendioxidemissionen um über 50 Prozent senken. Dazu sind Gebäude zu sanieren und zu modernisieren, die Attraktivität der Siedlungskerne zu steigern und unnötiger Wohnungsleerstand zu vermeiden. Neuansiedlungen sollten verstärkt innerhalb der Siedlungskerne auf Brachflächen stattfinden - zum Beispiel auf ehemals von Industriebetrieben, der Bundeswehr, Bahn oder Post genutzten Flächen sowie in Baulücken.
Wer eine alte Wohnung hochwertig saniert, beansprucht deutlich weniger Baumaterialien als für einen kompletten Neubau., so UBA-Präsident Troge. Er rief dazu auf, bei der Entscheidung für ein Eigenheim auch an geänderte Bedürfnisse im Alter zu denken: Wer zur Altersvorsorge auf das Land zieht, sollte sich fragen, ob Wohnung und Haus auch im Alter noch geeignet sind. Die sanierte Altbauwohnung in Zentrumsnähe ist da oft besser als das Reihenhaus auf dem Land etwa weil Arzt und Lebensmittelgeschäft gleich um die Ecke liegen.
Wie wird Bauen und Wohnen nachhaltiger? Die Abschaffung der Eigenheimzulage und die Aufstockung der Gelder für die energetische Gebäudesanierung waren erste wichtige Schritte in die richtige Richtung. Das UBA schlägt weiter vor, die Neuinanspruchnahme von Flächen steuerlich stärker zu belasten. Das stärkte die Siedlungskerne und würde der zunehmenden Zersiedelung entgegenwirken. Ferner wünschenswert: Eine Vereinheitlichung des Einkommensteuerrechts, so dass auch die Kosten, die in den ersten drei Jahren nach Erwerb eines bestehenden Wohngebäudes für energetisch sinnvolle Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen entstehen, sofort oder über zwei bis fünf Jahre verteilt abgeschrieben werden könnten. Das würde erhebliche Investitionen in die energetische Sanierung der Gebäude auslösen und die Wirtschaft beleben. Die Aufnahme der wärmetechnischen Beschaffenheit eines Gebäudes als Kriterium in den Mietspiegel würde eine solche Entwicklung zusätzlich unterstützen.
Quelle: Pressemitteilung 25.11.2008, Umweltbundesamt, (UBA), www.umweltbundesamt.de;
Broschüre Nachhaltiges Bauen und Wohnen unter: http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3668.pdf
Solarien zeigen gravierende Mängel
(25.11.2008) Bei einer Stichprobe von Solarien, die in Deutschland mit einem freiwilligen Zertifikat betrieben werden, hat das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) gravierende Mängel festgestellt. Die untersuchten Sonnenstudios haben Defizite in einem oder mehreren der Kriterien, die die Verbraucherinnen und Verbraucher vor den gesundheitsschädlichen Auswirkungen von UV-Strahlung schützen sollen. Insgesamt hat das BfS bis Anfang November 100 der insgesamt etwa 800 zertifizierten Sonnenstudios in Deutschland untersucht. Nur vier erfüllten alle Anforderungen des Zertifikats.
Bei der Überprüfung dieser 100 Solarien zeigten sich eklatante Mängel vor allem in der Kundenberatung, der Aufstellung eines detaillierten Besonnungsplans sowie der Einhaltung der strikt vorgeschriebenen Erstbestrahlungsdosis. Auf Gesundheitsrisiken durch die UV-Strahlung, die mit dem Besonnen verbunden sind, und auf die geltenden Ausschlusskriterien wurde nur vereinzelt hingewiesen. Obwohl in zertifizierten Sonnenstudios grundsätzlich untersagt, konnten sich in etlichen Studios mit Einverständnis der Eltern auch Jugendliche unter 18 Jahren sonnen. Darüber hinaus wurden bei der Kontrolle auch zertifizierte Selbstbedienungs-Sonnenstudios gefunden, die ohne Personal arbeiten und daher keine Beratung gewährleisten.
2007 waren im Auftrag des Bundesumweltministeriums alle 5600 Solarien in Deutschland angeschrieben worden, sich an einem freiwilligen Zertifizierungsverfahren zu beteiligen. Bis Oktober hatten sich davon nur 800 Sonnenstudios zertifizieren lassen.
Das freiwillige Zertifizierungsverfahren für Solarien war 2003 mit den Verbänden der Solarienwirtschaft vereinbart worden, weil es in Deutschland bisher keine Regelungen gab, die eine Bestrahlungsbegrenzung, Beratung und Hygiene in den Studios forderten sowie die besondere Schutzbedürftigkeit von Jugendlichen unter 18 Jahren sicherstellten. Das BfS hatte hierzu im Konsens mit Vertretern der Ärzte, der Wissenschaft sowie der Solarienhersteller und -betreiber Kriterien erarbeitet, die in einem zertifizierten Sonnenstudio einzuhalten sind. Dem BfS war dabei besonders wichtig, dass die Verbraucher ausführlich und fachkundig durch qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über die bestehenden Gesundheitsrisiken aufgeklärt werden. Außerdem sollte ein individueller Besonnungsplan aufgestellt und Jugendlichen unter 18 Jahren der Zutritt verwehrt werden. Weiterhin sind Gerätestandards einzuhalten, die ein risikoärmeres Sonnen ermöglichen und eine Selbstbedienung ausschließen. Zur Durchführung von Zertifizierungen hatte das BfS fünf Zertifizierungsstellen akkreditiert. Das BfS wird die Ergebnisse der Überprüfung den verantwortlichen Zertifizierungsstellen mit der Bitte um Stellungnahme und Überprüfung zusenden.
Die Ergebnisse der Prüfung unterstreichen erneut die Notwendigkeit der vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) geplanten gesetzlichen Regelung des Betriebs von Solarien. Derzeit wird im Rahmen des Umweltgesetzbuches ein generelles Solarienverbot für Kinder und Jugendliche vorbereitet. Auf Verordnungsebene sollen weitere Anforderungen für den Betrieb von Solarien folgen, insbesondere die Begrenzung der Bestrahlungsstärke sowie Anforderungen an die Qualifikation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Gesetz umfasst alle Solarienbetreiber, insbesondere auch diejenigen, die sich bisher nicht einmal einer freiwilligen Zertifizierung unterworfen haben.
Quelle: Pressemitteilung 25.11.2008, Bundesamt für Strahlenschutz (BfS);
Informationen zum freiwilligen Zertifizierungsverfahren für Solarien unter: <http://www.bfs.de/de/uv/solarien>.
Nanotechnologien nachhaltig gestalten - Neue Broschüre des Öko-Instituts
(25.11.2008) Die Nanotechnologien wecken zahlreiche Hoffnungen. Sie bieten die Chance auf neue Produkte und Absatzmärkte, auf medizinischen Fortschritt, auf die Schonung von Ressourcen und Umwelt. Gleichzeitig können sie aber auch Risiken für Mensch und Umwelt bergen. Die Kenntnisse hierüber sind allerdings noch gering. Ungeachtet dessen befinden sich schon heute zahlreiche Produkte auf dem Markt, die Nanokomponenten enthalten oder mit nanotechnologischen Verfahren hergestellt wurden. "Es ist daher dringend notwendig, Nanotechnologien unvoreingenommen zu bewerten und Wege für ihre verantwortungsvolle Nutzung aufzuzeigen", fordert Martin Möller, Experte für die Nachhaltigkeitsbewertung neuer Technologien am Öko-Institut. Einen konkreten Wegweiser für Forschung und Entwicklung hat das Öko-Institut jetzt mit der neuen Broschüre "Nano Maßstäbe" herausgegeben.
Darin informieren die Expertinnen und Experten des Instituts über den aktuellen Stand des Wissens, zeigen auf, wo dringender Forschungs- und Handlungsbedarf besteht und welche Werkzeuge geeignet sind, offene Fragen zu klären. "Trotz des bruchstückhaften Wissens muss ein Rahmen gesteckt werden, der es ermöglicht, Vorteile nanotechnologischer Anwendungen tatsächlich zu realisieren und gleichzeitig Risiken zu vermeiden oder zu verringern", sagt Andreas Hermann, Experte für Umweltrecht am Öko-Institut. "Das ist die große Herausforderung, vor der wir aktuell stehen und beinhaltet nicht nur, geltende Rechtsvorschriften zum Schutz der Verbraucher und der Umwelt nanospezifisch anzupassen." Denn viele Effekte neuer Entwicklungen lassen sich nicht allein am Schreibtisch vorhersagen, sondern müssen durch die Auswertung praktischer Erfahrungen systematisch erfasst und beurteilt werden. "Die am Dialog orientierte, wissenschaftliche Begleitforschung ist dafür eine geeignete Methode", erläutert Martin Möller. "Leider ist sie bei der Einführung neuer Technologien immer noch nicht Standard."
Eine Grundanforderung an Nanoprodukte ist ihre toxikologische Unbedenklichkeit für Mensch und Umwelt. "Eine umfassende Nachhaltigkeitsbewertung muss darüber hinaus Hinweise liefern, wie Entlastungspotenziale für die Umwelt erschlossen werden können", fordert Möller. Dafür ist die Betrachtung des gesamten Lebensweges eines Nanoprodukts essentiell. "Sonst laufen wir Gefahr, dass Vorteile, die sich beispielsweise bei der Herstellung ergeben, durch zusätzliche Belastungen während der Nutzung oder der Entsorgung wieder aufgehoben oder - noch schlimmer - sogar untergraben werden."
Vorhandene Vorteile von Nanoanwendungen können jedoch nur dann genutzt werden, wenn sich die neuen Produkte auch tatsächlich auf dem Markt etablieren. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist, dass sie sich rechnen. Daher sollten alle relevanten Kosten erfasst werden, also auch die "versteckten", die während der Nutzung oder durch die Entsorgung entstehen. "Mit der Methode der Lebenszykluskostenrechnung ist dies möglich", sagt Möller.
Nanoprodukte sicher zu recyceln und zu beseitigen, stellt eine weitere zentrale Notwendigkeit dar. "Bisher wissen wir sehr wenig darüber, wo Nanomaterialien am Ende eines Produktlebensweges verbleiben oder wie sie sich in unseren Entsorgungssystemen verhalten", merkt Martin Möller kritisch an. "Wir müssen prüfen, ob unsere Systeme geeignet sind, Nanomaterialien zu erfassen und sicher zu behandeln. Wir müssen auch dafür sorgen, dass negative Wechselwirkungen etwa mit biotechnischen Verfahren ausgeschlossen werden können." Das Risikomanagement muss sich aber auch auf die Anlagen selbst erstrecken, in denen Nanomaterialien hergestellt, verarbeitet oder abfalltechnisch behandelt werden. "Daher ist beispielsweise zu klären, wie groß das Risiko ist, dass Nanopartikel infolge eines Störfalls aus solchen Anlagen in die Umwelt gelangen und welche Folgen das haben könnte", erläutert Dr. Christoph Pistner, Experte für System- und Störfallanalyse am Öko-Institut.
Das Fazit der Wissenschaflter: "Für eine nachhaltige Gesamtbewertung der Vor- und Nachteile von Nanoprodukten sind also präzise Analysen notwendig, systematisch, fallspezifisch, über den gesamten Lebensweg und in allen Teilaspekten. Darauf sollten sich Wissenschaft, Unternehmen, Politik und Gesellschaft verbindlich verständigen und die notwendigen Voraussetzungen dafür schaffen."
Quelle: Pressemitteilung 25.11.2008, Öko-Institut e. V. - Institut für angewandte Ökologie, www.oeko.de; Die neue Broschüre "Nano Maßstäbe" kostenlos unter:
<www.oeko.de/files/publikationen/broschueren/application/pdf/nano.pdf>
Pestizide: Die miesesten Trauben gibt es in Deutschland
Greenpeace hat Tafeltrauben aus fünf EU-Ländern getestet
(24.11. 2008) Tafeltrauben auf dem deutschen Markt weisen im Vergleich von fünf EU-Ländern die höchsten Pestizidbelastungen auf. 43 Prozent der in Deutschland verkauften Trauben sind zu stark belastet und nach der Greenpeace-Bewertung "nicht empfehlenswert" (rot). Das sind mehr als doppelt so viel wie etwa in Holland. Die Spritzmittelrückstände in den hierzulande verkauften Trauben stiegen gegenüber dem Greenpeace-Test von 2007 zudem erheblich an. Im internationalen Vergleich von 17 Supermarktketten waren die am stärksten mit giftigen Pestiziden belasteten Früchte bei den deutschen Handelsketten Kaisers Tengelmann und Edeka zu finden: 80 beziehungsweise 60 Prozent wurden mit rot bewertet. Greenpeace hat insgesamt 124 Trauben-Proben aus Deutschland, Frankreich, Italien, den Niederlanden und Ungarn testen lassen.
"Die Deutschen bekommen das mieseste Obst auf den Teller. Die Pestizid-Belastungen sind teils so hoch, dass gerade bei Kindern Gesundheitsschäden möglich sind," so Manfred Krautter, Chemieexperte von Greenpeace. "Doch wie viel Gift in Trauben steckt, hängt vom Supermarkt und dem Herkunftsland der Ware ab."
Greenpeace hatte die Trauben Mitte Oktober eingekauft und auf über 300 Pestizidwirkstoffe untersuchen lassen. Am besten schneidet die Ware von Lidl Deutschland und zwei holländischen Supermarktketten ab. In acht Proben (6,5 Prozent der Ware) aus Märkten in Deutschland, Frankreich,
Italien und den Niederlanden wurden zudem die EU-Pestizid-Grenzwerte erreicht oder überschritten. Zwei davon stammten aus Deutschland, verkauft von Edeka und dem Großmarkt Hamburg.
Das beauftragte Speziallabor fand die höchsten Belastungen in Trauben aus der Türkei und Italien. Ware aus Spanien, Frankreich und Griechenland schnitt deutlich besser ab. "Unser Labor fand 64 verschiedene Pestizide. Im Schnitt sieben in jeder Probe. Das ist ein gefährlicher Chemiecocktail,"
so Krautter. Häufig nachgewiesen wurde Bifenthrin, das ins Hormonsystem eingreifen kann und die Fortpflanzung beeinträchtigen oder Carbendazim, das das Erbgut schädigen kann. Greenpeace fordert die EU-Kommission auf, solche Agrargifte in Zukunft nicht mehr zuzulassen. 2005 und 2006 stellte Greenpeace bei etwa 50 Prozent der untersuchten Trauben zu hohe Pestizidwerte fest. 2007 waren es nur 8 Prozent. Jetzt sind wieder 43 Prozent der Trauben zu stark mit Pestiziden belastet. Die drei besten Supermärkte im Test zeigen jedoch, dass es auch 2008 möglich ist, Trauben mit niedrigen Belastungen anzubieten.
Die Handelsketten müssen sicherstellen, dass möglichst rückstandsfreie Ware verkauft wird und keine gefährlichen Pestizide in der Produktion eingesetzt werden. Die staatliche Lebensmittelüberwachung muss endlich gegen den gesetzeswidrigen Verkauf vorgehen. Zudem müssen die zum 1. September in Kraft getretenen EU-Grenzwerte verschärft werden. Diese haben sich als unsicher erwiesen. So besteht bei türkischen Trauben von Real in Hamburg die Gefahr einer akuten Gesundheitsschädigung, die EU-Höchstmenge wurde jedoch nicht überschritten. Schon im August hatte Greenpeace auf Hunderte unsicherer Grenzwerte hingewiesen und von der EU Abhilfe gefordert.
Quelle: Pressemitteilung 24.11.2008, Greenpeace,
Informationen zum aktuellen Traubentest (Factsheet, Probenliste) unter:
http://www.greenpeace.de/themen/chemie/presseerklaerungen/artikel/
pestizide_die_miesesten_trauben_gibt_es_in_deutschland/
Um Vergiftungen durch Verbraucherprodukte erfolgreich zu behandeln, müssen die Rezepturen bekannt sein - BfR schlägt neue Kennzeichnung vor
(21.11.2008) Trinkt ein Kind versehentlich Reinigungsmittel, kann schnelle Hilfe lebensrettend sein. Bei Unfällen mit Haushaltschemikalien müssen Ärzte wissen, welche Stoffe das Produkt enthält. Nur dann können sie gezielt behandeln. Doch häufig haben sie nur unvollständige Informationen, weil die eindeutige Identifizierung von Produkten über den Handelsnamen mit zahlreichen Problemen verbunden ist. Wir brauchen dringend ein neues Produktkennzeichnungselement, damit die Inhaltsstoffe bei unerwünschten Wirkungen und vor allem in Notfällen schnell ermittelt werden können, sagt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Das Institut hat auf der Grundlage von Vorarbeiten der BfR-Kommission Bewertung von Vergiftungen jetzt ein einheitliches und für den Verbraucher gut sichtbares Identifizierungselement entworfen.
Vergiftungen ereignen sich täglich, meist sind es Unfälle mit Haushaltsprodukten, an denen Kinder beteiligt sind. Schätzungsweise eine Million Anrufe gehen in Europa pro Jahr in Giftinformationszentren ein. In 20 bis 40 Prozent der Fälle kann die exakte Rezeptur nur schwer ermittelt werden. Zwar melden Hersteller von chemischen Produkten wie Pflanzenschutzmitteln oder Wasch- und Reinigungsmitteln ihre Rezepturen an das BfR, damit sie für Notfälle zur Verfügung stehen, häufig jedoch ist es für den behandelnden Arzt schwierig, überhaupt zu ermitteln, mit welchem Produkt ein Verbraucher sich vergiftet hat.
Die Angaben auf der Verpackung helfen oft nicht weiter: Etiketten enthalten oftmals verwirrende Produktinformationen mit Corporate Identity-Elementen, Sicherheitshinweisen, Warnungen, Warenzeichen, Werbeelementen, Warenlogistikkennzeichnungen, Strich- oder Bar-Codes, Umwelt- und Entsorgungskennzeichen, Gebrauchsanweisungen - und das unter Umständen in mehreren Sprachen. Erschwerend kommt hinzu, dass Hersteller die Rezepturen ihrer Produkte ändern können, ohne dass das Produkt einen neuen Handelsnamen erhält.
Auf der Basis von Vorarbeiten der BfR-Kommission Bewertung von Vergiftungen und der vom BfR initiierten Europanorm EN 15178 Elemente zur Produktidentifizierung bei Notfallanfragen schlägt das Institut deswegen ein einheitlich strukturiertes Identifizierungselement auf den Etiketten vor: In unmittelbarer Nähe des Barcodes soll ein i-Punkt-Symbol für Information stehen, gefolgt von einem Firmen- und einem Rezepturcode sowie dem neuen codierten GHS-Gefahrensymbol. Das Kürzel GHS steht für Globally Harmonized System of Classification and Labelling of Chemicals. Die vom BfR vorgeschlagene neuartige Produktkennzeichnung könnte auch international verwendet werden.
Hersteller chemischer Produkte, die für Verbraucher bestimmt sind, können das neue Kennzeichnungssystem ab sofort dafür nutzen, die gesetzlich vorgeschriebenen Mitteilungen zu chemischen Produkten beim BfR einzureichen und das neue Identifizierungselement auf den Verpackungen verwenden. Es ermöglicht nicht nur die punktgenaue Identifizierung der Rezeptur bei Notfallanfragen, sondern bringt auch für Hersteller Vorteile: Im Vergleich zum bloßen Handelsnamen kann es helfen, Fehler im Bestellwesen zu minimieren und Reklamationen eindeutig zuzuordnen.
Quelle: Pressemitteilung 21.11.2008, Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), www.bfr.bund.de;
Beispiel für die Struktur des vom BfR vorgeschlagenen Identifizierungselementes (JPG-Datei, 23 KB)
11.000 nichteinheimische Arten erobern Europa - erste umfassende Übersicht erschienen
(21.11.2008) Zum ersten Mal liegt eine umfassende Übersicht über die in Europa anwesenden nichteinheimischen Arten sowie über ihre Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft vor. Mehr als 11.000 nichteinheimische Arten wurden im Rahmen des DAISIE-Projektes (Delivering Alien Invasive Species Inventory for Europe) dokumentiert, ein einmaliges Dreijahresprojekt von über 100 europäischen Wissenschaftlern, das von der Europäischen Union finanziert wurde und nun neues Wissen über biologische Invasionen in Europa vorlegt.
Keine harmlosen Besucher
Biologische Invasionen durch nichteinheimische Arten verursachen häufig beträchtlichen ökonomischen Schaden, sowie Verluste an biologischer Diversität und ökologischen Funktionen in den betroffenen Ökosystemen. Die Mehrzahl dieser über 11.000 nichteinheimischen Arten verursachen keine Schäden. Rund 15 Prozent der Arten führen jedoch zu ökonomischen Schäden. Ebenfalls 15 Prozent der Arten beeinträchtigen die biologische Diversität, d.h. sie betreffen die Umwelt, einzelne Lebensräume, einheimische Pflanzen, Tiere oder Mikroorganismen. Dies ergaben die Untersuchungen, die auf der kürzlich eröffneten Internetplattform und im DAISIE-Buch "Handbook of alien species in Europe" vorgestellt werden.
Wissen ermöglicht Handeln
Vor der Veröffentlichung der Ergebnisse des DAISIE-Projektes wurden sowohl Anzahl als auch Auswirkungen der Schäden durch nichteinheimische Arten in Europa vor allem außerhalb der Landwirtschaftszone und der Forstwirtschaft bzw. bei Arten, die nicht die menschliche Gesundheit beeinträchtigen, stark unterschätzt. Das Fehlen verlässlicher Angaben führte in vielen europäischen Staaten zu Passivität bei der Bekämpfung nichteinheimischer Arten, was sich zunehmend katastrophal auf Europas Biodiversität, Gesundheit und Wirtschaft auswirkt.
Warum brauchen wir diese Information?
Nichteinheimische Arten können einen bedeutenden Einfluss auf Gesellschaft und Umwelt haben, da sie unter anderem neue Krankheiten übertragen können, Ökosystemprozesse verändern, die Biodiversität reduzieren, Kulturlandschaften beeinträchtigen, den Erholungswert der Landschaft und von Wasserflächen mindern können. Solch nichteinheimische Arten können Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen sein, die mit menschlicher Hilfe aus ihrem natürlichen Habitat in einen neuen Lebensraum verbracht wurden.
Erlaubt fundierte Entscheidungen
Die Informationen im DAISIE-Buch "Handbook of alien species in Europe", das diese Woche erschienen ist, und die im Internet frei zugängliche Datenbank sind äußerst wichtig im Kampf gegen biologische Invasionen in Europa. Das durch DAISIE verfügbare Wissen dient der Dokumentation aktueller Invasionen und erlaubt, neue Invasionen und ihr Ausmaß vorherzusagen. Wichtige Angaben zur Früherkennung, Ausrottung oder Kontrolle von Arten werden ebenfalls für Entscheidungsträger, Umweltplaner und weitere Betroffene zur Verfügung gestellt.
Quelle: Pressemitteilung 21.11.2008, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ, www.ufz.de,
DAISIE (2009) Handbook of alien species in Europe. Springer, Dordrecht, ISBN 978-1-4020-8279-5, available by 17 November 2008,
http://www.springer.com/life+sci/ecology/book/978-1-4020-8279-5
DAISIE-Datenbank unter: http://www.europe-aliens.org
World Energy Outlook 2008 in Berlin vorgestellt
Astrid Klug: Wir brauchen eine globale Energiewende
(19.11.2008) In Berlin ist heute der jährlich erscheinende World Energy Outlook 2008 (WEO) der Internationalen Energie Agentur (IEA) vorgestellt worden. Der Bericht zeigt einmal mehr: Wir brauchen eine globale Energiewende, um den Klimawandel in einem noch beherrschbare Rahmen zu halten und einen Anstieg der durchschnittlichen Temperatur um mehr als zwei Grad Celsius zu verhindern, sagte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium Astrid Klug.
Ohne grundlegende Veränderungen in der weltweiten Energieversorgung werden dem Referenzszenario des Berichts zufolge die globalen Treibhausgasemissionen bis 2030 um 45 Prozent ansteigen. Das hätte eine globale Erwärmung von sechs Grad Celsius zur Folge das von der EU verfolgte Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, wäre damit nicht zu erreichen. Die Botschaft des World Energy Outlook ist deutlich: Wir brauchen langfristig und nachhaltig angelegte Strategien. Die Staatengemeinschaft muss 2009 in Kopenhagen hierfür die Weichen stellen und wirksame Emissionsminderungsziele definieren, sagte Klug.
Der diesjährige WEO enthält neben dem Referenzszenario zwei Klimaszenarien. Diese unterstellen jeweils eine veränderte Struktur der Energieversorgung und gehen von der Stabilisierung der Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre bei 550 ppm beziehungsweise 450 ppm aus. Daraus resultiere, dass die Erderwärmung wahrscheinlich auf drei beziehungsweise zwei Grad Celsius begrenzt werden könne. Der IEA Bericht führt aus, dass mit Blick auf den sich beschleunigenden Klimawandel dringend umgesteuert werden muss. Eckpfeiler einer nachhaltigen Energieversorgung sind demnach ein massiver Ausbau der erneuerbaren Energien sowie die Steigerung der Energieeffizienz. Ein internationaler Emissionshandel, der dem Beispiel des europäischen Emissionshandels folgt, soll helfen, den Umbau hin zu einer klimafreundlichen Energieversorgung zu finanzieren.
Astrid Klug kritisierte, dass der WEO 2008 nach wie vor zu stark auf den Energiemix fixiert sei. Der wichtigste strategische Hebel zur Lösung der Energie- und Klimaprobleme sei aber die konsequente Steigerung der Energieeffizienz. Dafür müssten konkrete Politiken und Maßnahmen entwickelt werden. Diese reichen von besseren steuerlichen Rahmenbedingungen über die verbindliche Einführung von Top-Runner-Standards für Produkte, Effizienzstandards von Gebäuden bis hin zu Förderprogrammen. Astrid Klug forderte die IEA auf, im nächsten WEO 2009 solche konkreten Politiken und Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz zu entwickeln.
Im Energie- und Klimaprogramm (IEKP) der Bundesregierung liegt der Schwerpunkt der Maßnahmen bei der Steigerung der Energieeffizienz. Damit wird beispielhaft gezeigt, wie sich eine erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung mit einem ambitionierten Klimaschutz verbinden lässt. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hat im Oktober ein über das IEKP weit hinausreichendes Maßnahmenprogramm vorgestellt, mit dem die enormen technisch und wirtschaftlich nutzbaren Potenziale realisiert werden können. Bei dieser Gelegenheit hat der Minister deutlich gemacht, dass die Steigerung der Energieeffizienz der Schlüssel zu der auch von der IEA angemahnten Energiewende ist.
Quelle: Pressemitteilung 19.11.2008, Bundesumweltministerium (BMU), www.bmu.de
Wohnen in der Stadt: "Wir werden weniger, älter, ärmer und bunter"
(18.11.2008) Trends zum Thema Wohnen in der Stadt und Erfahrungen aus Leipzig, München und Wien haben 80 Stadtplaner und Wissenschaftler aus dem gesamten Bundesgebiet am 14.11. auf Einladung des Instituts für Stadtforschung (ISP) der Fachhochschule Erfurt im Mercure Hotel Am Dom Erfurt diskutiert. "Für das Wohnen in der Stadt spricht, dass Siedlungsstrukturen mit hoher Dichte deutlich geringere Kosten für die öffentlichen Haushalte verursachen als locker stehende Einfamilienhäuser", leitete Professorin Heidi Sinning, Leiterin des ISP; die Tagung ein. Das ISP veranstaltete die Tagung gemeinsam mit der Universität Kassel und in Kooperation mit dem Informationskreis für Raumplanung (IfR).
Professorin Christiane Thalgott, Präsidentin der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung und frühere Stadtbaurätin in München, widerlegte zudem das Klischee von überteuerten Stadtwohnungen und dem günstigen Wohnort im Umland der Städte. Es gibt bereits einen Trend zum Rückzug in die Städte, in Fachkreisen "Reurbanisierung" genannt. Leipzig verzeichnet seit einiger Zeit wieder einen leichten Einwohnerzuwachs, allerdings stehen 14% der Wohnungen in der Stadt immer noch leer, so dass selbst historisch wertvoller Bausubstanz der Abriss droht. Den Umgang der Leipziger Stadtentwicklung damit erläuterte Martin zur Nedden, Bürgermeister und Beigeordneter für Stadtentwicklung und Bau der Stadt Leipzig. Er stellte innovative, bundesweit beachtete Strategien vor: So hat Leipzig in einer integrierten Stadtentwicklung das Konzept der Wächterhäuser entwickelt, ein Selbstnutzerprogramm aufgelegt, das die Eigentumsbildung im Altbaubestand fördert, und mit Hilfe von "Zwischennutzungen" mehr Grün und Erholung in die Stadt geholt.
Ein Kontrast ist die österreichische Bundeshauptstadt. Dr. Wolfgang Förster, Leiter der Abteilung Wiener Wohnbauforschung, zeigte, dass für die dortige Wohnungspolitik vor allem der öffentlich geförderte Wohnungsbau wichtig ist. Die Stadt versucht, Rahmenbedingungen und Ansprüche der Bürgerinnen und Bürger frühzeitig zu erkennen und gesellschaftliche, wirtschaftliche und soziale Aspekte zu vernetzen. Dazu zählt, gesellschaftlich benachteiligten Gruppen Wohnraum anzubieten, die Anforderungen des Klimaschutzes zu berücksichtigen, in den Quartieren Arbeitsplätze zu schaffen und die Wohnqualität zu steigern.
Ein Schwerpunkt der Tagung war die Frage der Kostenwahrheit bei der Wohnstandortwahl. Welche tatsächlichen Kosten fallen an, wenn man in der Stadt wohnt oder in das Umland zieht? Hintergrund ist, dass Bau- und Umzugswillige oft nur kurzfristige Kosten für das Haus und das Grundstück betrachten, sie aber Mobilitätskosten, Zeitaufwand für zurückzulegende Wege oder ihre sich verändernden Bedarfe an Infrastruktureinrichtungen außer Acht lassen. Bezieht man diese mit ein, kann die Stadt trotz höherer Miete oder Grundstückskosten langfristig deutlich kostengünstiger und attraktiver sein. Das ISP der Fachhochschule Erfurt stellte dazu die Ergebnisse des Forschungsprojekts "KomKoWo - Kostenwahrheit bei der Wohnstandortwahl" vor, welches das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Programms REFINA "Forschung für die Reduzierung der Flächeninanspruchnahme und ein nachhaltiges Flächenmanagement" gefördert hat. Unter Leitung von Professor Heidi Sinning hat das ISP eine Entscheidungshilfe zur Wohnstandortwahl für Privathaushalte entwickelt.
Quelle: Pressemitteilung 18.11.2008, Fachhochschule Erfurt, Institut für Stadtforschung (ISP),
Entscheidungshilfe Wohnortwahl über: sinning@fh-erfurt.de
Antibiotikaresistenzen erkennen, bewerten, bekämpfen
(18.11.2008) Resistenzen gegen Antibiotika erschweren die Behandlung von bakteriellen Infektionskrankheiten, sie verursachen Leid und Kosten. "Antibiotikaresistenzen stellen in Deutschland ein infektionsmedizinisches Problem ersten Ranges dar", betont Jörg Hacker, Präsident des Robert Koch-Instituts, anlässlich des ersten europäischen Antibiotikaresistenztags am 18.11.2008. Die Erforschung von Antibiotikaresistenzen wird im RKI derzeit verstärkt, insbesondere die Erhebung und Bewertung von Daten zu Antibiotikaresistenzen und Antibiotikaverbrauch (Surveillance). Entsprechend der vom Bundeskabinett verabschiedeten Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie soll das RKI "eine zentrale Stellung ... im humanmedizinischen Bereich der Antibiotika-Resistenz" einnehmen. Die Verstärkung wird durch das Programm "RKI 2010" möglich, mit dem das Institut in den nächsten Jahren schrittweise und nachhaltig ausgebaut wird.
Verlässliche und regelmäßig erhobene Daten zu Antibiotikaresistenzen und Antibiotikaverbrauch sind Voraussetzung für gezielte Präventionsmaßnahmen. Zukünftig werden nach einem einheitlichen Erhebungsplan kontinuierlich Resistenzdaten aus mikrobiologischen Laboratorien erfasst. Die Daten umfassen das gesamte Spektrum klinisch relevanter bakterieller Erreger aus der stationären und der ambulanten Versorgung. Auch regional unterschiedliche Entwicklungen werden sichtbar. Die RKI-Epidemiologen führen auch Studien zur Antibiotikaverschreibung in Krankenhäusern und in Arztpraxen durch. Untersuchungen zum Antibiotikagebrauch in Heimen und zur Einstellungen von Patienten gegenüber Antibiotika sind geplant.
Die genaue Charakterisierung von Krankenhauskeimen, insbesondere ihrer genetische Ausstattung, ermöglicht die Aufklärung von Infektionsketten, etwa das Einschleppen gefährlicher Stämme aus dem Ausland, und gibt Hinweise auf Entstehungs- und Verbreitungswege von Resistenzeigenschaften. Am RKI sind seit Jahren das Nationale Referenzzentrum für Staphylococcus aureus und das Konsiliarlabor für bakterielle Erreger von Magen-Darm-Erkrankungen angesiedelt. Multiresistente Staphyloccocus aureus (MRSA) gehören zu den wichtigsten Erregern von Krankenhausinfektionen.
Die Krankenhaushygiene-Experten im RKI legen fest, welche Krankheitserreger und Resistenzen in Krankenhäusern und ambulanten OP-Zentren aufgezeichnet und bewertet werden müssen. Gemeinsam mit einer Expertenkommission (KRINKO) werden Empfehlungen und Strategien erarbeitet, wie sich Infektionen im Zusammenhang mit medizinischen Maßnahmen am besten vermeiden lassen. Sie unterstützen regionale Netzwerke, in denen alle Akteure des Gesundheitswesens zusammenarbeiten, um die Ausbreitung von mehrfachresistenten Bakterien nachhaltig einzudämmen. Außerdem wird die Wirksamkeit von Desinfektionsmitteln und -verfahren gegen Problemerreger ermittelt.
Resistenzen entwickeln sich im Wechselspiel von genetischen Ereignissen und Selektion. Genetische Ereignisse sind Mutationen oder die Aufnahme von "Resistenzgenen" aus der Umgebung. Selektion bedeutet, dass bei der Anwendung von Antibiotika solche Bakterienstämme überleben, die eine Resistenz besitzen. Entscheidend ist daher der Selektionsdruck durch Antibiotika, etwa bei der unkritischen Verschreibung bei Erkältungen. Die inkonsequente Anwendung von Hygieneempfehlungen, insbesondere unzureichende Händedesinfektion, führt zur Verbreitung von (resistenten) Erregern.
Quelle: Pressemitteilung 18.11.2008, Robert Koch-Institut, <www.rki.de> > Infektionsschutz >Antibiotikaresistenz
11. Karlsruher Ernährungstage - Europa im Verzehr einig
(14.11.2008) Vom 9. bis zum 11. November haben im Max Rubner-Institut (MRI) in Karlsruhe die 11. Karlsruher Ernährungstage stattgefunden. Themen waren die nationalen Verzehrsgewohnheiten in Europa und die Maßnahmen der Länder, eine gesunde Ernährung der Bevölkerung zu erreichen. Referenten aus fünf Ländern trugen auf dem internationalen Kongress den aktuellen Stand in Europa und USA vor rund 100 Ernährungsexperten vor.
Anders als in Deutschland werden in den USA bereits seit vielen Jahren kontinuierlich Verzehrsdaten und Ernährungsgewohnheiten erhoben. Ein Standard, der auf europäischer Ebene nun - trotz der aktuell noch großen Unterschiede zwischen den Ländern bei der Erhebung von Ernährungsdaten - angestrebt wird. Insbesondere soll dabei die Methodik der Datenerhebung für den Leser der Studie erkennbar ausgewiesen werden. So soll in Zukunft zwischen Zahlen, die aus eigenen Angaben der Befragten stammen und solchen, die auf einer direkten Messung beruhen - wie zum Beispiel Körpergewicht und Größe - differenziert werden. Prof. Ibrahim Elmadfa von der Universität Wien kündigte in seinem Kongress-Beitrag an, dass der erste umfassende Bericht für Europa 2009 erscheinen werde.
In Deutschland wurden mit der Nationalen Verzehrsstudie II, einem Projekt des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV), das vom Max Rubner-Institut durchgeführt wurde, aktuell umfangreiche Daten zur Ernährung erfasst. "Die Nationale Verzehrsstudie liefert zum ersten Mal einen wissenschaftlich fundierten Hintergrund für die Planung von Ernährungsstrategien für die Bevölkerung in Deutschland", sagte Prof. Gerhard Rechkemmer, Präsident des Max Rubner-Instituts, Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel. Für die Studie wurden insgesamt fast 20.000 Menschen im ganzen Land intensiv befragt und großteils auch gewogen und gemessen. Während sich die Nationale Verzehrsstudie auf den Verzehr von Jugendlichen ab 14 Jahren und Erwachsenen bezieht, liegen mit "EsKiMo", dem Ernährungsmodul des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys, das von Dr. Gert Mensink vom Robert-Koch-Institut vorgestellt wurde, methodisch vergleichbar gewonnene Daten zur Ernährung von jungen Menschen zwischen 6 und 14 Jahren vor. Grundlage für die Erfassung der Energie- und Nährstoffaufnahme ist in jedem Fall der Bundeslebensmittelschlüssel (BLS), der ebenfalls am MRI entwickelt wurde und wissenschaftlich betreut wird. In der umfassenden Datenbank sind für die einzelnen Lebensmittel, aber auch für fertige Speisen, die nach genau festgelegten Referenzrezepten erstellt wurden, der Energie- und Nährstoffgehalt niedergelegt. Die Qualität des BLS ist somit eine wichtige Grundlage für die Qualität von Ernährungsstudien, wie Dr. Bernd Hartmann, Wissenschaftler am MRI, in seinem Vortrag zeigen konnte.
Nationale Studien wurden in den letzten Jahren auch in anderen Ländern, etwa Dänemark, England, Österreich oder USA erstellt. Wissenschaftler aus diesen und weiteren Ländern stellten ihre Ergebnisse beim 11. Karlsruhe Nutrition Congress vor. Trotz zum Teil unterschiedlicher Methodik und unterschiedlichen zeitlichen Abständen zeigte sich eine große Übereinstimmung bei der Entwicklung von Übergewicht und von Adipositas. Auch was die generelle Versorgung mit Energie und den einzelnen Nährstoffen angeht, waren nur geringe Unterschiede festzustellen. Bei den Nährstoffen ist im Wesentlichen die Versorgung mit Vitamin D, Folsäure, Eisen und Jod problematisch. Für diese Nährstoffe werden vielfach die Empfehlungswerte nicht erreicht. Auch wenn in diesen Werten Sicherheitszuschläge enthalten sind, so besteht doch das Risiko, dass Teile der Bevölkerung mit den genannten Nährstoffen mehr oder weniger stark unterversorgt sind. Das länderübergreifende Problem des Übergewichts hat in den nordischen Ländern, ebenso wie in Deutschland, England und den USA zur Erstellung Nationaler Aktionspläne für gesunde Ernährung und mehr Bewegung geführt. In Deutschland hat das Bundeskabinett am 25. Juni 2008 den Nationalen Aktionsplan "IN FORM - Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung" beschlossen, der vom BMELV und dem Bundesgesundheitsministerium gemeinsam erarbeitet wurde. Dieser Nationale Aktionsplan zur Prävention von Fehlernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und damit zusammenhängenden Krankheiten ist Schwerpunkt der Ernährungspolitik des BMELV. Die Hauptziele, die in der Laufzeit von 2008 bis 2020 erreicht werden soll, sind:
- Nachhaltige Verbesserung des Bewegungs- und Ernährungsverhaltens - Schaffung von Voraussetzungen, damit Kinder gesünder aufwachsen und Erwachsene gesünder leben - Dadurch höhere Lebensqualität und gesteigerte Leistungsfähigkeit in Bildung, Beruf und Privatleben - Rückgang von Krankheiten, die durch einen ungesunden Lebensstil mit einseitiger Ernährung und Bewegungsmangel mit verursacht werden.
Wie diese Ziele erreicht werden können, darüber gibt es europaweit unterschiedliche Vorstellungen, die auch auf dem 11. Karlsruhe Nutrition Congress von den anwesenden Experten engagiert diskutiert wurden. Während man in Deutschland bislang in erster Linie darauf setzt, eine Verhaltensänderung insbesondere durch bessere Information zu erreichen, stellte Dr. Tim Lobstein, vom Childhood Obesity Programme, die in England verfolgte Strategie vor: Hier wird derzeit mit Nachdruck und mit erheblichen Mitteln ausgestattet versucht, mit der Änderung der Verhältnisse das Problem anzugehen. Es bleibt spannend, zu beobachten, welcher Weg schneller zum Ziel führt.
Quelle: Pressemitteilung 14.11.2008, Max Rubner-Institut - Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel, http://www.mri.bund.de Hier finden Sie auch die Abstracts der Tagungs-Beiträge
Ausgeraucht - aber oft betrunken!
(14.11.2008) Nach den neuesten Zahlen der Repräsentativerhebung "Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) unter jungen Menschen im Alter von 12-25 Jahren ist der Raucheranteil bei den Minderjährigen auf den niedrigsten Stand seit 1979 gesunken. Auch der Cannabiskonsum ist seit 2004 rückläufig. Der problematische Alkoholkonsum, insbesondere das exzessive Rauschtrinken, ist noch immer stark verbreitet.
Dazu erklärt Sabine Bätzing, Drogenbeauftragte der Bundesregierung:
"Der Rückgang der Raucherquote unter jungen Menschen ist ein Erfolg der Tabakpolitik in Deutschland. Die strukturellen und präventiven Maßnahmen der letzten Jahre greifen. Vor allem bei der jungen Generation hat ein Bewusstseinswandel hin zum Nichtrauchen stattgefunden. Das hat auch den Rückgang des Cannabiskonsums begünstigt. Jetzt geht es darum, mit gezielten Maßnahmen für bestimmte Zielgruppen diesen Trend weiter zu unterstützen. Vor allem im Bereich des Alkoholkonsums besteht noch Nachholbedarf. Wir brauchen neue Konzepte, um Jugendliche besser und gezielter zu erreichen."
Die aktuellen Zahlen ermöglichen auch eine Auswertung der durch den Aktionsplan Drogen und Sucht und den Drogen- und Suchtrat im Jahr 2006 gesteckten drogenpolitischen Ziele: "Die Zahlen zeigen," so Bätzing, "dass wir unsere Ziele beim Tabak-, Alkohol- und Cannabiskonsum im Wesentlichen erreicht haben. Das heißt aber nicht, dass wir jetzt die Hände in den Schoß legen können. Die bisherige Präventionsarbeit muss fortgesetzt werden und sie muss um Präventionsmaßnahmen ergänzt werden, die sich stärker auf Gruppen konzentrieren, die riskante Konsummuster aufweisen."
Prof. Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung erklärt dazu: "Mit der Drogenaffinitätsstudie besitzt die BZgA seit mehr als drei Jahrzehnten ein wichtiges Instrument, um Trends und Tendenzen im Suchtmittelkonsum Jugendlicher zu erfassen und Aktivitäten zur Suchtprävention zu steuern. Das ist in dieser Form in Europa einmalig. Der seit 2001 zurückgehende Tabakkonsum Jugendlicher ist auch ein Erfolg der Tabakprävention, die die BZgA entwickelt und umgesetzt hat und die anhand der Studienergebnisse kontinuierlich überprüft wird. Die Botschaft der &Mac226;rauchfrei-Kampagne ist bei den jungen Menschen angekommen und wirkt sich auch positiv auf den Cannabiskonsum aus. Denn die Studie zeigt: Wer erst gar nicht mit dem Rauchen beginnt, wird in aller Regel auch kein Cannabis konsumieren. Beim Alkoholkonsum zeigen die Studienergebnisse ganz deutlich, dass die Alkoholprävention dringend verstärkt werden muss. Dies gilt vor allem in den Gruppen mit einem erhöhten Risiko, die also zu regelmäßig und zu viel, zu häufig und bis zum Rausch trinken."
Tabak
Vorgaben des Arbeitsprogramms des Drogen- und Suchtrats vom 6. März 2006
Senkung der Quote der jugendlichen Raucherinnen und Raucher im Alter von 12 bis 17 Jahren von 28 Prozent (2001) auf unter 17 Prozent (2008).
Ergebnis der Drogenaffinitätsstudie:
Seit 2001 ist der Anteil rauchender Jugendlicher von 28 Prozent auf 15 Prozent (2008) zurückgegangen. Die Zahl der "Nieraucher" ist von 2004 bis 2008 von 40 auf 60 Prozent angestiegen.
Unverändert ist dagegen die Verbreitung des Shisha-Rauchens. Knapp 40 Prozent der 12- bis 17-Jährigen haben schon einmal in ihrem Leben eine Shisha geraucht, davon 12,2 Prozent im vergangenen Monat. Im Vorjahr waren es 14 Prozent. Ob sich das Shisha-Rauchen bei einem Teil der Jugendlichen zu einer ernst zu nehmenden Alternative zum Tabakrauchen entwickelt, wird sich erst durch weitere Monitoringuntersuchungen in den nächsten Jahren klären lassen.
Alkohol
Vorgaben des Arbeitsprogramms des Drogen- und Suchtrats vom 6. März 2006
Senkung der Quote bei den 12 bis 17-jährigen regelmäßigen Konsumenten von alkoholischen Getränken auf unter 18 Prozent bis 2008.
Ergebnis der Drogenaffinitätsstudie:
Alkohol ist bei den Heranwachsenden das am weitesten verbreitete Suchtmittel. Bei den 12 bis 17-Jährigen tranken 2008 noch 17,4 Prozent regelmäßig Alkohol, 2004 waren es 21,2 Prozent. Obwohl der größte Teil der 12- bis 17-Jährigen nach dem Jugendschutzgesetz eigentlich gar keinen Alkohol trinken dürfte, tranken im Jahr 2008 etwa 20 Prozent von ihnen im vergangenen Monat mindestens bei einer Gelegenheit 5 oder sogar mehr Gläser Alkohol. Dieser Trend zum exzessiven Trinken, das sog. "Binge Drinking", ist weiterhin ungebrochen. 2004 lag der Anteil der exzessiv trinkenden Jugendlichen bei 23 Prozent.
Nicht nur das Rauschtrinken zu bestimmten Anlässen, sondern auch die regelmäßig konsumierte Alkoholmenge stellt eine besondere Gefahr für Jugendliche dar. Schon ein Erwachsener sollte täglich nicht mehr als 24 g (Männer) und 12 g (Frauen) reinen Alkohol zu sich nehmen. Jugendliche können allerdings schon durch deutlich geringere Mengen gesundheitlich geschädigt werden. Deshalb ist es besonders bedenklich, dass etwa 8 Prozent der 12- bis 17-Jährigen pro Tag eine höhere Alkoholmenge zu sich nimmt. 2,5 Prozent der Jungen und 1,5 Prozent der Mädchen nehmen sogar so viel Alkohol zu sich, dass sie die für Erwachsenen geltenden Grenzen zum "gefährlichen Alkoholkonsum" (60g Reinalkohol Männer; 40g Reinalkohol Frauen) überschreiten.
Cannabis
Vorgaben des Arbeitsprogramms des Drogen- und Suchtrats vom 6. März 2006
Senkung der Quote der probierenden Cannabiskonsumenten von über 31 Prozent (2004) in den Altersgruppen der 12- bis 25-Jährigen auf unter 28 Prozent (2008). Senkung des Anteils der regelmäßigen Cannabiskonsumenten auf unter 3 Prozent (2008)
Ergebnis der Drogenaffinitätsstudie:
Nach vielen Jahren des Anstiegs ist der Cannabiskonsum zwischen 2004 und 2008 rückläufig. Gaben im Jahr 2004 31 Prozent der 12- bis 25-Jährigen an, schon einmal im Leben Cannabis konsumiert zu haben, sind es 2008 noch 28 Prozent. Bei den 12- bis 17- Jährigen ging im gleichen Zeitraum der Anteil von 15 Prozent auf knapp 10 Prozent zurück. Der Anteil junger Menschen mit regelmäßigem Cannabiskonsum liegt bei 1,1 Prozent der Minderjährigen und 2,3 Prozent der 12- bis 25-Jährigen.
Quelle: Pressemitteilung 14.11.2008, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), www.bzga.de, Drogenbeauftragte der Bundesregierung;
Die Ergebnisse zur "Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2008" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter: http://www.drogenbeauftragte.de, sowie unter: www.bzga.de>Forschung [http://www.bzga.de/?id=Seite1417&pmv_nid=1].
Action needed on ground-level ozone
(13.11.2008) Air pollution caused by ground-level ozone will become a serious threat to human health and food security within the next century unless action is taken on a global scale, according to a recent report.
Ozone is a significant air pollutant and important greenhouse gas, third only to carbon dioxide and methane in terms of impact on the climate. It is a powerful oxidant that exacerbates conditions such as asthma and interferes with plant growth, which may have important implications for food security and biodiversity. Previous research has found that, at current concentrations, ozone has significant impacts on human health and the environment. In the EU, ozone is responsible for 21,400 premature deaths per year, and losses associated with reduced yields of arable crops are estimated to be around 6.7 billion Euros.
Unlike other pollutants, ozone is not emitted directly. It is a secondary pollutant formed by sunlight-driven chemical reactions involving the gases carbon monoxide, methane, nitrogen oxides and volatile organic compounds, which are already present in the air. These gases arise from both natural activities and a broad range of human activities, such as the burning of fossil fuels, the burning of biomass (including wood and biofuels) and deforestation. Ozone produced in one country can be transported to other countries through weather systems, and as such, the report describes the situation as 'a global problem, requiring a global solution'.
The report looks at possible changes in global and regional ozone concentrations over the next 50-100 years and evaluates the potential effects of ozone on human health, the natural environment, agriculture and the climate system. Emissions of the gases that lead to ozone production are expected to continue to rise as a result of economic and population growth.
The report concludes that the implementation of legislation and technologies currently adopted worldwide will be critical if further increases in ozone are to be avoided. In rapidly developing regions such as South East Asia, where emissions are expected to grow swiftly, ozone will increase with significant implications for food security and human health. Climate change will exacerbate these effects leading to poorer air quality in these regions.
Many sources of ozone pollution are not yet regulated, including international shipping and aviation, both of which are expected to grow rapidly over the next decade. In the EU, emissions of NOx from shipping are projected to exceed land based emissions by 2020. The report highlights the potential benefits of ozone control as a means of achieving climate change policy objectives and calls for better integration of energy, climate and ozone policies.
The authors recommend more research into how anthropogenic and natural emissions may change in the future, and better monitoring and reporting, particularly in developing countries. An improved understanding of the interactions between ozone and the climate is also needed, as well as studies that investigate impacts of ozone on non-European/North American crops and biodiversity.
Quelle: Pressemitteilung 13.11.2008, Royal Society; Science for Environmental Policy,
Der Royal Society report. (2008). Ground-level ozone in the 21st century: future trends, impacts and policy implications. unter: http://royalsociety.org/document.asp?tip=0&id=8039
Wissenschaftler fordern mehr Bewegung und Sport für Kinder
(12.11.2008) Der "Zweite Deutsche Kinder- und Jugendsportbericht" wurde am Dienstag, 11. November, in Essen in Anwesenheit von Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble der Öffentlichkeit vorgestellt. Im Schwerpunkt befasst sich die Studie mit der Bedeutung des Sports für Kinder bis etwa zum zwölften Lebensjahr. Zu den drei Herausgebern gehört die Sportwissenschaftlerin Prof. Dr. Renate Zimmer von der Universität Osnabrück. Die Studie wurde auf Initiative der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung erstellt.
Die Osnabrücker Professorin Zimmer betreute den Bereich der frühen Kindheit, der in diesem Bericht neu aufgenommen wurde. "Bewegung ist inzwischen als wesentlicher Bildungsbereich in allen Bildungsplänen der Bundesländer verankert", so Zimmer. Es fehle jedoch die Einsicht zur Vernetzung mit anderen Bildungsbereichen. "Wir konnten in unseren Studien nachweisen, dass über eine bewegungsorientierte Sprachförderung neben der Verbesserung der motorischen Leistungen eine große Steigerung der Sprachkompetenz der Kinder nachgewiesen werden konnte. Dies war insbesondere bei den Kindern der Fall, die in ihren sprachlichen Leistungen zu den unteren 16 Prozent der untersuchten Altersgruppe gehörten", so die Herausgeberin. "Für Kinder mit Migrationshintergrund ergeben sich so ganz besondere Chancen."
Bundesinnenminister Schäuble sagte: "In den frühen Jahren der Kindheit werden die Weichen gestellt, ob sportliche Betätigung als ein unverzichtbarer und positiv besetzter Bestandteil des Lebens oder nur als lästige Pflicht angesehen wird." Es sei eine bedeutsame gesellschaftliche Aufgabe, Kindern hier den richtigen Start zu geben. "Ich gehe davon aus, dass der Zweite Bericht ein Meilenstein für die Bewegung und den Sport der Kinder sein wird, an dem sich diejenigen, die in Familie, Gesellschaft und Politik Verantwortung für die Kinder tragen, orientieren können. Für unsere Kinder erhoffe ich, dass die Diskussionen letztendlich auch zu sinnvollen Verbesserungen führen werden. Da ich von der Wichtigkeit der Förderung des Kinder- und Jugendsports überzeugt bin, werde ich mich hierfür einsetzen."
Insgesamt 24 Autoren - Sportwissenschaftler und Pädagogen, Sportsoziologen, Sportmediziner und Ernährungswissenschaftler haben für diesen Bericht die Effekte untersucht, die Bewegung und Sport auf die sprachliche, soziale und schulische Entwicklung, die gesellschaftliche Integration und die körperliche Entwicklung von Kindern haben können. In fünf Kapiteln beschäftigen sie sich mit den Bedingungen, unter denen Kinder in Deutschland aufwachsen, mit Gesundheit und motorischem Leistungsvermögen von Kindern, mit der Bedeutung von Bewegung, Spiel und Sport in der frühen Kindheit und im Grundschulalter sowie mit dem Sportengagement von Kindern in ihrem normalen Umfeld und im Leistungssport.
Zu den drei Herausgebern des Berichts gehören neben Prof. Zimmer die Professoren Dr. Werner Schmidt (Universität Duisburg-Essen) und Dr. Klaus Völker (Universität Münster). Ihre wichtigsten Handlungsempfehlungen für die frühkindliche Bildung, den Grundschulsport und den Sportverein lauten: flächendeckende Einrichtung von Bewegungskindergärten und Einführung des Pflichtfaches "Bewegung" in die Ausbildung von Erzieherinnen, flächendeckende Einrichtung der "Bewegten Grundschule", Sportunterricht in der Grundschule nur durch Fachlehrkräfte, Abkehr von der frühen sportartspezifischen Spezialisierung und der frühen Kader-Auslese und Entwicklung eines Basis-Lehrplans für alle Sportfachverbände im Sinne einer umfassenden motorischen Förderung von Kindern.
Quelle: Pressemitteilung 12.11.2008, Universität Osnabrück, Fachgebiet Sportwissenschaft.
Körpergewicht, Taillenumfang und Sterblichkeitsrisiko in Europa
Ergebnisse der EPIC-Studie
(12.11.2008) Potsdam-Rehbrücke - Starkes Übergewicht, ein großer Taillenumfang aber auch ein Körpergewicht am unteren Ende des Normalbereichs sind bei Menschen um die Fünfzig mit einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko verbunden. Das geringste Risiko haben Frauen mit einem Body-Mass-Index* (BMI) von 24,3 und Männer mit einem BMI von 25,3. Dies sind die Ergebnisse der European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC), eine der größten europäischen Langzeitstudien weltweit. Die Studiendaten belegen, dass neben dem Körpergewicht auch die Fettverteilung für das Sterblichkeitsrisiko von Bedeutung ist.
Tobias Pischon und Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) und ihre europäischen Kollegen veröffentlichten heute ihre Forschungsergebnisse in der Zeitschrift New England Journal of Medicine (Pischon et al., 2008).
Ob Übergewicht mit einer erhöhten Sterblichkeit einhergeht, war nach den Ergebnissen früherer Studien bislang umstritten. Dies veranlasste die beiden Wissenschaftler, Tobias Pischon und Heiner Boeing, die Daten der europaweiten EPIC-Studie zu dieser Fragestellung auszuwerten, insbesondere unter Berücksichtigung des Taillen- und Hüftumfangs. Die Studie biete die größte zurzeit verfügbare Datenbasis und erlaube somit sehr sichere Schlussfolgerungen zum Zusammenhang zwischen Körpergewicht und Sterblichkeitsrisiko, kommentiert Hans-Georg Joost, wissenschaftlicher Direktor des DIfE.
"Das wichtigste Ergebnis unserer Untersuchung ist, dass das Übergewicht an sich, aber auch unabhängig davon die Körperfettverteilung das Sterblichkeitsrisiko eines Individuums beeinflusst", sagt Tobias Pischon, Erstautor der Studie. Denn das Bauchfett sei nicht nur ein Energiespeicher, sondern es produziere auch Botenstoffe, die die Entwicklung chronischer Erkrankungen fördern. Dies könne zum Teil erklären, warum auch schlanke Menschen mit einem niedrigen BMI aber großem Taillenumfang ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko besäßen. In der vorliegenden Studie hatten Schlanke mit viel Körperfett im Bauchraum ein ebenso großes Risiko wie stark Übergewichtige. "Unsere Ergebnisse unterstreichen damit die Notwendigkeit, auch bei normalgewichtigen Personen die Körperfettverteilung durch eine Messung des Taillenumfangs oder des Taillen-/Hüftumfang-Quotienten zu ermitteln. Eine Einschätzung anhand des BMI oder des Taillenumfangs allein sei nicht ausreichend", ergänzt Heiner Boeing, Leiter der Potsdamer EPIC-Studie.
Als Ursache für den beobachteten Zusammenhang zwischen niedrigerem BMI und erhöhtem Sterblichkeitsrisiko kommt nach Ansicht der Wissenschaftler auch ein durch Alterungsprozesse oder unerkannte Krankheiten bedingter Verlust der Muskelmasse in Frage, die im Vergleich zum Fettgewebe schwerer ist. Menschen, die Gewicht verlieren, bauen oft mehr Muskeln ab als Fett.
Grundlage der Untersuchung bilden die Daten von 359.387 Teilnehmern der prospektiven** EPIC-Studie aus 9 europäischen Ländern. Das Durchschnittsalter der Studienteilnehmer zum Zeitpunkt der ersten Datenerhebung lag bei 51,5 Jahren. 65,4 Prozent der Teilnehmer waren weiblich. Während der durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von 9,7 Jahren starben 14.723 der Studienteilnehmer. Teilnehmer mit einem hohen BMI starben im Vergleich zu Teilnehmern mit mittlerem BMI
häufiger an Krebs- oder Herz-Kreislauf- Erkrankungen. Studienteilnehmer mit einem niedrigen BMI starben hingegen häufiger an Erkrankungen der Atmungsorgane.
Hintergrundinformation:
*Body-Mass-Index (BMI): Körpergewicht in Kilogramm [kg] geteilt durch die Körperlänge in Meter zum Quadrat [m2]: kg/m2. Eine 1,70 m große Frau mit einem BMI von 24,3 würde 70,2 kg wiegen. Ein 1,85 m großer Mann mit einem BMI von 25,3 würde 86,6 kg wiegen.
Die EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition) ist eine prospektive, 1992 begonnene Studie, die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und anderen chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes untersucht. An der EPIC-Studie sind 23 administrative Zentren in zehn europäischen Ländern mit 519.000 Studienteilnehmern beteiligt. Die Potsdamer EPIC-Studie mit mehr als 27.500 Studienteilnehmern/innen im Erwachsenenalter leitet Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE). Übergeordnetes Leitungsorgan der EPIC-Studie ist das EPIC-Steering-Komitee, wobei Elio Riboli, jetzt am Imperial College London, die Studie koordiniert. Die zentrale EPIC-Datenbank befindet sich an der International Agency for Research of Cancer (IARC) der Weltgesundheitsorganisation in Lyon.
**Bei der Auswertung einer prospektiven Studie ist es wichtig, dass die Teilnehmer/innen zu Beginn der Studie noch nicht an der zu untersuchenden Krankheit leiden. Die Risikofaktoren für eine bestimmte Erkrankung lassen sich so vor ihrem Entstehen erfassen, wodurch eine Verfälschung der Daten durch die Erkrankung weitestgehend verhindert werden kann - ein entscheidender Vorteil gegenüber retrospektiven Studien.
Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören 82 außeruniversitäre Forschungsinstitute und forschungsnahe Serviceeinrichtungen. Diese beschäftigen etwa 14.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Davon sind ca. 6.500 Wissenschaftler (inkl. 2.500 Nachwuchswissenschaftler). Leibniz-Institute arbeiten interdisziplinär und verbinden Grundlagenforschung mit Anwendungsnähe. Sie sind von überregionaler Bedeutung und werden von Bund und Ländern gemeinsam gefördert. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,1 Milliarden Euro pro Jahr. Die Drittmittel betragen etwa 230 Millionen Euro pro Jahr. Näheres unter <www.leibniz-gemeinschaft.de>.
Quelle: Pressemitteilung 12.11.2008, Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke, http://www.dife.de.
Alternativer Weltgesundheitsbericht fordert radikalen Kurswechsel
Kritik an Gates-Foundation
(12.11.2008) Ein weltweites Netzwerk von zivilgesellschaftlichen Organisationen und Wissenschaftlern fordert einen neuen entwicklungspolitischen Ansatz zur Verbesserung der weltweiten Gesundheitssituation. Das aktuelle Entwicklungsparadigma, basierend auf ökonomischer Liberalisierung, Wachstumsversprechungen und Globalisierung, sei gescheitert und verschärfe die soziale Ungleichheit weltweit. Weder die globalen Gesundheitsprobleme, noch der Klimawandel oder die wachsende Armut seien auf diesem Weg zu beseitigen.
Das People´s Health Movement legt mit seinem soeben erschienen "Global Health Watch 2" (GHW2) einen alternativen Weltgesundheitsbericht vor, der neben umfangreichem Datenmaterial, die ungerechten sozialen und politischen Verhältnisse aufdeckt, die der schlechten globalen Gesundheitssituation zugrunde liegen.
Der GHW2 untersucht die Auswirkungen von politischen Entscheidungen und das Handeln der globalen Schlüsselakteure, wie Weltgesundheitsorganisation (WHO), Weltbank oder Gates-Stiftung.
Dabei wird das bei vielen Gesundheitsexperten verbreitete Unbehagen über den großen Einfluss der Gates-Stiftung in der weltweiten Gesundheitspolitik aufgezeigt. Die Gates-Stiftung ist zu einem der größten Geldgeber für globale Gesundheitsprogramme und damit einer der einflussreichsten Akteure bei der Gestaltung internationaler Gesundheitspolitik geworden, jedoch unterliegt sie dabei keinerlei demokratischer Kontrolle. Außerdem forciert sie einen technisch-medizinischen Ansatz, der die gesellschaftlichen Ursachen von Krankheiten ausblendet.
Dies reiht sich ein in die Bemühungen von mächtigen Interessengruppen, die eine Entpolitisierung der WHO und eine Beschränkung auf biomedizinische Programme fordern, während sie zu gesundheitlichen Folgen globaler Wirtschaftspolitik, etwa bei Patentabkommen schweigen soll.
Der GHW2 macht aber auch den Widerstand und die weltweite Gesundheitsbewegung sichtbar. Er zeigt Beispiele zivilgesellschaftlicher Mobilisierungen aus der ganzen Welt, die für eine gerechte Gesundheitsversorgung und Gesundheitsförderung kämpfen.
Der Global Health Watch 2 steht ab 12.11.2008 in englischer Sprache frei im Internet zur Verfügung. Veranstaltungen zur Vorstellung des GHW2 finden in über 20 Ländern statt. In Deutschland wird der GHW2 offiziell durch Ruth Stern, Mitautorin und Aktivistin des People´s Health Movement UK, am 5.12.2008 in Berlin (11.30 - 13.00 Uhr) präsentiert. Der "Launch" ist Teil der medico-Debatte auf dem 14. Kongress Armut und Gesundheit im Rathaus Schöneberg (John-F.-Kennedy-Platz, 10820 Berlin).
Quelle: Pressemitteilung 12.11.2008, medico international,
Eine deutsprachige Zusammenfassung des GHW2, Auszüge aus dem Einleitungskapitel, sowie das vollständige PDF-Dokument unter: www.medico.de/presse/;
einzelne Exemplare des GHW2 kann man für 20 Euro bei medico bestellen.
Positives Image der Nanotechnologie in den Medien - BfR veröffentlicht Analyse der Berichterstattung über Nanotechnologie
(10.11.2008) Eine Analyse der Berichterstattung über das Thema Nanotechnologie in deutschen Printmedien war Gegenstand eines Forschungsprojektes des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Ergebnis: Über Nanotechnologie wird nicht als Risikotechnologie berichtet, sondern es werden in den meisten Artikeln die Vorteile der neuen Technologie hervorgehoben. Die überwiegend positive Berichterstattung in den Medien spiegelt das positive Image wider, das die Nanotechnologie derzeit in der Bevölkerung genießt, sagt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des BfR. So hatten bereits zwei vorhergehende wissenschaftliche Untersuchungen des BfR gezeigt, dass Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland vor allem Vorteile im Einsatz von Nanotechnologien sehen. Betont wurde zum Beispiel der Nutzen in der Medizin und in Alltagsprodukten wie Reinigungsmitteln. Skeptisch sind Verbraucher hingegen, wenn Nanopartikel in Lebensmitteln eingesetzt werden sollen. Die Abschlussberichte der drei Forschungsprojekte sind jetzt in der institutseigenen Reihe "BfR-Wissenschaft" erschienen. Sie können beim BfR bestellt werden und stehen im Internet kostenfrei zur Verfügung.
Unter dem Titel "Risikowahrnehmung beim Thema Nanotechnologie. Analyse der Medienberichterstattung" (BfR-Wissenschaft 07/2008) hat das BfR die erste umfassende Erhebung zur Berichterstattung über das Thema Nanotechnologie in führenden deutschen Printmedien veröffentlicht. Kooperationspartner der Studie war das Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Münster. Von 2000 bis 2007 wurden dazu 1696 Artikel aus neun Zeitungen und Zeitschriften analysiert. Die Analyse zeigt, dass Nanotechnologie in deutschen Printmedien derzeit wenig kontrovers diskutiert wird. 70 Prozent der untersuchten Artikel betonen vor allem die positiven Seiten nanotechnologischer Produkte und Verfahren. So wird hauptsächlich über Anwendungsmöglichkeiten von Nanotechnologien in der Medizin und in der Informations- und Kommunikationstechnik, mögliche Umsatzsteigerungen und neue Arbeitsplätze durch die Entwicklung nanotechnologischer Produkte und Verfahren berichtet. Die Artikel beleuchten überwiegend wissenschaftliche und ökonomische Aspekte. Die Akteure, die zu Wort kommen, sind dementsprechend vor allem Vertreter wissenschaftlicher Einrichtungen und von Wirtschaftsunternehmen. Politik und Nichtregierungsorganisationen spielen beim Thema Nanotechnologie in der medialen Berichterstattung hingegen bislang nur eine Nebenrolle.
Printmedien sind für Verbraucherinnen und Verbraucher nach dem Fernsehen die wichtigste Informationsquelle. Das gilt auch, wenn es um Informationen über Nanotechnologie geht, wie die BfR-Studie "Wahrnehmung der Nanotechnologie in der Bevölkerung. Repräsentativerhebung und morphologisch-psychologische Grundlagenstudie" (BfR-Wissenschaft 05/2008) bestätigt. Die positive Berichterstattung in den Medien spiegelt sich in der Einstellung der Verbraucherinnen und Verbraucher gegenüber Nanotechnologien offenbar wider. Zentrales Ergebnis der Studie ist, dass Verbraucherinnen und Verbraucher sich Vorteile durch Nanotechnologien, zum Beispiel bei Reinigungsmitteln oder Lacken mit Nanopartikeln, erhoffen und daher der Anwendung überwiegend positiv gegenüberstehen. Skepsis herrscht allerdings gegenüber Nanopartikeln in Lebensmitteln: 84 Prozent der Befragten stehen einem Einsatz in diesem Bereich eher kritisch gegenüber.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer vom BfR im Jahr 2006 ausgerichteten Verbraucherkonferenz zum Thema Nanotechnologie forderten vor allem eine transparente Bewertung möglicher Risiken der Nanotechnologie und eine klare Kennzeichnung von Produkten, die Nanopartikel enthalten. Der Abschlussbericht der Verbraucherkonferenz ist unter dem Titel "BfR-Verbraucherkonferenz Nanotechnologie. Modellprojekt zur Erfassung der Risikowahrnehmung bei Verbrauchern" (BfR-Wissenschaft 03/2008) erschienen.
Quelle: Pressemitteilung 10.11.2008, Bundesinstitut für Risikobewertung, BfR;
Die drei BfR-Wissenschafts-Bände kostenfrei unter: www.bfr.bund.de;
-BfR-Verbraucherkonferenz Nanotechnologie (BfR-Wissenschaft 03/2008 vom 09.05.2008) (PDF-Datei, 1380.3 KB)
-Risikowahrnehmung beim Thema Nanotechnologie - Analyse der Medienberichterstattung (BfR-Wissenschaft 07/2008 vom 10.11.2008) (PDF-Datei, 10346.3 KB)
-Wahrnehmung der Nanotechnologie in der Bevölkerung (BfR-Wissenschaft 05/2008 vom 18.06.2008) (PDF-Datei, 2570.3 KB)
Printversionen können kostenpflichtig in der Pressestelle des BfR angefordert werden: Tel. 030-18412-4877, Fax 030-18412-4970, E-Mail: pressestelle@bfr.bund.de
Internet Addiction - von Avataren und Online-Junkies
Die Nutzung von Onlinediensten hat in den vergangenen Jahren rasant zugenommen. Gegenwärtig sind mehr als 60% aller privaten Haushalte online. Neben Alter und Geschlecht beeinflussen unter anderem Bildung und Einkommen die Häufigkeit der Nutzung. Seit Mitte der neunziger Jahre finden sich in der Literatur vermehrt Hinweise auf schädliche Auswirkungen einer exzessiven Nutzung. Hinsichtlich Klinik und Symptomatik lassen sich verschiedene Subtypen der so genannten Internetsucht (Internet addiction) unterscheiden, z. B. der häufige Besuch eines Onlinecasinos oder die Beteiligung an Onlinerollenspielen. Widersprüchliche Definitionen sowie rasche Veränderungen der Nutzungsgewohnheiten erschweren jedoch eine zuverlässige Einschätzung von Ausmaß und Häufigkeit des Problems.
Auf der Fachkonferenz der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) e.V. stellen Forscher der Humboldt-Universität zu Berlin, der Medizinischen Hochschule Hannover und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster die Ergebnisse erster empirischer Untersuchungen vor.
Die vorläufigen Auswertungen einer Befragung von 5.202 Schülern (mittleres Alter: 16 Jahre) lassen vermuten, dass insbesondere Jungen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren Gefahr laufen, eine Internet»sucht« zu entwickeln. Die Autoren - Sabine Meixner und Matthias Jerusalem (Humboldt-Universität zu Berlin) - schließen aus den Ergebnissen erster Analysen, dass 4% der befragten Schüler exzessive User sind.
Die Ergebnisse einer Studie der Medizinischen Hochschule Hannover bestätigen die Annahme, dass Internet»sucht« häufig mit psychischen Erkrankungen - insbesondere Depressionen - einhergeht. Fachleute sollten daher - so die Einschätzung der Hannoveraner Arbeitsgruppe um Bert Theodor te Wildt - stets bedenken, dass die exzessive Nutzung von Onlinediensten möglicherweise auf eine affektive Störung verweist.
Die Schlussfolgerungen des Teams um Bert Theodor te Wildt decken sich mit den Befunden der Münsteraner Arbeitsgruppe. Die Forscher um den Psychologen Ralf Demmel befragten im Winter 2008 insgesamt 4.717 Onlinerollenspieler (mittleres Alter: 24 Jahre). Insbesondere die Mitgliedschaft in einer Spielergilde, die ein hohes Engagement der Mitglieder erwartet, scheint mit einer erhöhten Prävalenz affektiver Störungen einherzugehen. Zudem berichten zahlreiche Teilnehmer von Beeinträchtigungen (Bewegungsmangel, Aufschiebeverhalten etc.), die sie auf die Beteiligung an Onlinerollenspielen zurückführen. In Übereinstimmung mit den Ergebnissen früherer Untersuchungen scheint der häufige Besuch von Chatrooms und Foren ein zuverlässiger Indikator der schädlichen Nutzung von Onlinediensten zu sein.
Quelle: Pressemitteilung 10.11.2008, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Psychologisches Institut I, Klinische Psychologie/Psychotherapie und Psychologische Diagnostik,
http://wwwpsy.uni-muenster.de/Psychologie.inst1/AERist/personen/demmel/index.html, DHS e.V., Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen, www.dhs.de
500-fach erhöhte Strahlung durch Atommüll-Transport
Aus den neuen französischen Behältern kommt starke Neutronenstrahlung
(10.11.2008) Messungen von Greenpeace haben ergeben, dass die französischen Atommüll-Behälter (TN85) deutlich mehr Neutronenstrahlung freisetzen als die alten Castor-Behälter. Die von den neuen Behältern mit dem hochradioaktivem Atommüll ausgehende Neutronenstrahlung ist noch in 14 Metern Entfernung mit 4,8 Mikrosievert pro Stunde mehr als 500 mal höher als die zuvor gemessene Hintergrundstrahlung durch Neutronen. Die natürliche Hintergrundstrahlung der Neutronen am gleichen Ort lag wenige Stunden vorher bei etwa 0,009 Mikrosievert pro Stunde. Damit ist die Strahlung noch einmal um 40 Prozent höher als beim Castor-Transport 2005. Zwar liegt die Strahlung vermutlich innerhalb der Grenzwerte. Dennoch würde man in direkter Nähe der Behälter innerhalb von wenigen Stunden die zulässige Jahresdosis erreichen. Greenpeace hat bislang neun der elf Atommüll-Behälter gemessen.
"Die Belastung des Begleitpersonals, der Anwohner und der Demonstranten ist unverantwortlich", sagt Heinz Smital, Atomexperte von Greenpeace. "Die wissenschaftlichen Erkenntnisse über negative Wirkung auch von Niedrigstrahlung auf den Menschen wird immer eindeutiger. Gleichzeitig wird nicht dafür gesorgt, dass Atommüllbehälter weniger Strahlung abgeben."
Da das zukünftig aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague zurückkehrende strahlende Material deutlich radioaktiver und wärmeentwickelnder sein wird, müssen neue Behälter eingesetzt werden. Diese müssen vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) genehmigt werden.
"Es darf nicht sein, dass an Behältern zu Lasten der Sicherheit gespart wird", so Smital. "Die Behälter müssen die Bevölkerung schützen und dürfen sie nicht unnötig erhöhter Strahlung aussetzen. Dieses muss das Bundesamt sicherstellen, sonst handelt es fahrlässig."
Der offizielle Grenzwert für Atommüllbehälter wird in einem Abstand von zwei Metern angegeben. Da Greenpeace nur in einem Abstand von 14 Metern messen durfte, sind die Werte nur indirekt vergleichbar. Der Wert für die biologisch schädliche Wirkung von Strahlung wird in Mikrosievert angegeben.
Die Atommüll-Behälter sollen am 10.11. in das oberirdische Zwischenlager in Gorleben transportiert werden. In Gorleben soll ein Endlager für hochradioaktiven Atommüll entstehen. Da der Salzstock jedoch Kontakt zu Grundwasser führenden Erdschichten hat, ist er für die Lagerung von Atommüll nicht geeignet. Greenpeace fordert, Transporte von hochradiaktivem Atommüll so lange einzustellen, bis klar ist, wo der hochradioaktive Atommüll langfristig sicher gelagert werden kann. Außerdem muss die Laufzeit der Atomkraftwerke verkürzt werden, um nicht noch mehr Atommüll zu produzieren.
Quelle: Pressemitteilung 10.11.2008, Greenpeace e.V., www.greenpeace.de
Umweltgift schwächt das menschliche Immunsystem
(7.11.2008) Ein internationales Forschungsteam der Universität Basel und der Universität von Kalifornien, San Diego, belegt in einer Studie die Toxizität der Chemikalie Dibutylzinn auf unser Immunsystem. Das Umweltgift stört die Regulation von Genen des Immunsystems, indem es die Aktivierung eines für den Entzündungsprozess wichtigen Rezeptors hemmt. Dibutylzinn gelangt durch Trinkwasser von PVC-Leitungen und durch den Verzehr von Fischen und Meeresfrüchten in den menschlichen Körper.
Dibutylzinn (DBT) ist eine weitverbreitete, hochtoxische Chemikalie, die zum Beispiel in der Fischerei, im Segel- und Motorbootsport und in der Schifffahrtindustrie als Antifaulmittel in den Anstrichfarben für den Aussenschutz der Boote verwendet wird. Sie wird auch in der Produktion von Polyvinylchlorid (PVC) verwendet und kommt in Kunststoffröhren und Flaschen vor. DBT ist mit der Chemikalie Tributylzinn (TBT) verwandt, einer anderen bekannten Umweltchemikalie, die kürzlich von der "International Maritime Organisation" der Vereinigten Nationen wegen schwerwiegenden toxischen Wirkungen verboten wurde. Für Dibutylzinn, das ebenfalls sehr toxisch ist, besteht bisher kein Verbot.
DBT ist toxischer als TBT Gemäss den Leitern der in der Wissenschaftszeitschrift "PLoS ONE" veröffentlichten Studie, Prof. Alex Odermatt von der Universität Basel und Prof. Michael Baker von der Universität von Kalifornien (San Diego School of Medicine), wird TBT im Körper zu DBT umgewandelt. Der Mensch nimmt TBT und DBT durch Trinkwasser von PVC-Leitungen und durch den Verzehr von Fischen und Meeresfrüchten zu sich. Da DBT langsam abgebaut wird, bleibt es lange in der Umwelt aktiv. Es scheint, dass seine toxischen Wirkungen schneller und ausgeprägter sind als diejenigen von TBT.
DBT schwächt das Immunsystem Die Symptome einer Organozinnbelastung sind Reizungen der Haut, Schwindelgefühle und grippeähnliche Symptome. Obwohl Langzeiteffekte beim Menschen ungewiss sind, konnte gezeigt werden, dass hohe Dosen von Organozinnverbindungen zu Schädigungen des Gehirns, der Leber sowie des Immunsystems führen. Durch eine Kombination von Zellversuchen und computerbasierten Analysen konnte das Forschungsteam zudem die molekulare Wechselwirkung zwischen DBT und wichtigen körpereigenen Hormonen, den Glucocorticoiden, aufdecken. Dabei konnte gezeigt werden, dass DBT den Glucocorticoidrezeptor blockiert und die Regulation von Genen des Immunsystems stört. Die Wissenschaftler schließen aus der Studie, dass DBT durch die Blockierung des Glucocorticoidrezeptors die Immunantwort bei Entzündungsprozessen und Infektionen stört, was einen Teil der Toxizität von Organozinnverbindungen erklären kann.
Quelle: Pressemitteilung 7.11.2008, Universität Basel, Universität von Kalifornien,;
Alex Odermatt et al. Dibutyltin Disrupts Glucocorticoid Receptor Function and Impairs Glucocorticoid-Induced Suppression of Cytokine Production PloS ONE (2008)
Gründächer senken Feinstaub um ein Fünftel
Pflanzenblätter und poröses Substrat filtern Staub aus der Luft
(7.11.2008) Mit den ersten kalten Tagen, an denen die Heizungen in Betrieb gehen, beginnt auch die jährliche Feinstaub-Saison. "Im Kampf gegen diesen Staub spielen Gründächer eine wichtige Rolle", sagt Gerold Steinbauer vom Verband für Bauwerksbegrünung, im Gespräch mit pressetext. Die Pflanzen wie auch ihr poröser Substratuntergrund filtern den für den Menschen schädlichen Staub und binden ihn, langfristig könnte dadurch eine Reduktion um 20 Prozent erreicht werden.
Dass Pflanzen Abgase filtern, ist lange bekannt. Studien des deutschen Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen zeigen, dass über innerstädtischen Parks oder Alleestraßen weniger Staub auftritt. Das gleiche Filterprinzip geschieht auch bei Gründächern. Der Feinstaub setzt sich auf Gräsern, Büschen und Grün ab und wird vom Regen in den Boden gewaschen, wo er den Pflanzen als Dünger wertvolle Dienste leistet. Auch das auf Gründächern eingesetzte Substrat - in der Regel eine Mischung aus Ziegelsplitt, Sande und Komposten - kann durch seine kleinen Poren Feinstaub aufnehmen und verarbeitet diesen. "Bei glatten Dächern wird der Staub hingegen mit dem nächsten Wind wieder hochgewirbelt", so Steinbauer.
Das Potential für Gründächer ist hoch, genutzt wird es noch wenig. "Täglich wird eine riesige nutzlose Fläche von unbegrünten Dächern gebaut", kritisiert Steinbauer. Dabei liegen für ihn die Vorteile eines Gründachs auf der Hand: "Auf lange Sicht rentiert sich ein begrüntes Dach auch ökonomisch, denn es kann die Lebensdauer einer Dachabdichtung sogar verdoppeln." Daneben sei ein Gründach durch seine Funktion als Wasserspeicher und durch den zeitverzögerten Wasserabfluss auch ein wirksames Mittel gegen Überschwemmungen.
Feinstaub-Experte Manfred Neuberger vom Institut für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien bestätigt gegenüber pressetext die staubbindendende Wirkung von Gründächern. Sie sei im Sommer am stärksten, da hier die meisten Pflanzen Blätter tragen. Zur Senkung der Feinstaubkonzentration sei die Verhinderung seiner Entstehung vorrangig, es bedürfe jedoch auch Maßnahmen zur Bindung des bereits existierenden Staubs.
Feinstaub entsteht bei allen Verbrennungsprozessen in Industrie, Haushalt und Straßenverkehr. Gefährlich ist er deshalb, da seine Partikel ungefiltert in die Lunge gelangen und unter anderem Allergien, Asthma, Atemwegsbeschwerden und Lungenkrebs begünstigen. EU-weit gilt ein jährlicher Feinstaub-Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter, den die Politik in Bedarfsfall durch Maßnahmen zur Reduktion des Straßenverkehrs oder durch Tempolimits zu erreichen versucht.
Quelle: pressetext.austria 7.11.2008, Verband für Bauwerksbegrünung,
http://www.gruendach.at,
Institut für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien, http://www.univie.ac.at/umwelthygiene
Im Fokus: Bisher vernachlässigte Infektionskrankheiten
(6.11.2008) BMBF-gefördertes Projekt rückt bisher vernachlässigte Infektionskrankheiten in den Fokus wissenschaftlicher Untersuchungen. Es sollen Marktpotenzial und die Entwicklungskosten für neue Diagnostika und Impfstoffkandidaten in der Human- und Tiermedizin ermittelt sowie ein Konzept für ihre Verwertung erstellt werden.
"Angesichts der beobachteten Zunahme bisher seltener Infektionskrankheiten in vielen Ländern, auch in Deutschland und Europa, und der Zunahme der Wirtschaftskraft zahlreicher Länder außerhalb Europas besteht neuerdings größeres Interesse von Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen an Diagnostika und Impfstoffen für diese Krankheiten. Hinzu kommt, dass Diagnostika heute wesentlich kostengünstiger entwickelt und Impfstoffe durch ein einzelnes Verfahren für ganz Europa gleichzeitig zugelassen werden können.", erklärt Professor Hermann Müller, Direktor des Institutes für Virologie im Zentrum für Infektionsmedizin an der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig und einer der Teilnehmer des neuen BMBF-Projektes.
Das Projekt ordnet sich ein in das BMBF-Forschungsprogramm "Forschung für den Markt" (ForMat). Es steht unter der Federführung von Prof. Dr. Christian Jassoy, Institut für Virologie der Medizinischen Fakultät und soll das Marktpotenzial und die Entwicklungskosten für neue Diagnostika und Impfstoffkandidaten in der Human- und Tiermedizin ermitteln sowie ein Konzept für ihre Verwertung erstellen. Ab 2010 ist eine Technologieförderung möglich, mit der die Diagnostika und Impfstoffkandidaten bis zur Verwertung weiter entwickelt werden können. Antragsteller sind weiterhin wie erwähnt Professor Dr. Hermann Müller und Prof. Dr. Uwe Truyen, Institut für Hygiene und Öffentliches Veterinärwesen im Zentrum Veterinary Public Health, Veterinärmedizinische Fakultät.
Über die Arbeit an der Entwicklung von Diagnostika für Viruskrankheiten hinaus sollen durch weitere Projekte junge Wissenschaftler mit Erfahrung in der Grundlagenwissenschaft an die angewandte Infektionsforschung und den Prozess der Technologieverwertung herangeführt werden. Die Nachwuchswissenschaftler sollen auch die Möglichkeit erhalten, sich durch persönliche Kontakte und die Zusammenarbeit mit örtlichen Unternehmen in der Region zu verankern. Schließlich soll die engere Vernetzung von Forschern und Verwertern dazu beitragen, den Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkt Infektionskrankheiten in der Human- und Tiermedizin im Raum Leipzig weiter voran zu bringen.
Hintergrund:
"Obwohl von medizinischer Seite dringender Bedarf besteht und die technische Umsetzung möglich ist, gibt es für zahlreiche human- und veterinärmedizinische Infektionskrankheiten bisher keine geeigneten Diagnostika und Impfstoffe", sagt Professor Dr. Hermann Müller. "Dabei handelt es sich insbesondere um Infektionen, bei denen die Zahl der Erkrankungsfälle bisher nur gering ist oder das Einsatzgebiet regional begrenzt bleibt beziehungsweise in wirtschaftlich weniger potenten Ländern liegt. Dazu kommen Krankheiten bei Tierarten von geringerer wirtschaftlicher oder seuchenhygienischer Bedeutung." Für solche Krankheiten wird gelegentlich auch der Begriff "vernachlässigt" bzw. "neglected" verwendet. Der Terminus "Vernachlässigung" bezieht sich hierbei auf die Tatsache, dass die großen Unternehmen der Pharmazeutischen Industrie aufgrund verhältnismäßig kleiner Fallzahlen oder aufgrund der bisher geringeren Zahlungsbereitschaft beziehungsweise -fähigkeit der Endkunden keine Anstrengungen zur Etablierung entsprechender Produkte unternommen haben.
Aus den bereits genannten Gründen hat sich die Situation verändert und es werden verstärkt Anstrengungen unternommen, die bisher vernachlässigten Infektionskrankheiten in den Mittelpunkt der Forschung zu rücken. Um die Kompetenzen bei der Erforschung von Infektionskrankheiten zu bündeln, haben sich Forschergruppen der Veterinärmedizinischen Fakultät und der Medizinischen Fakultät sowie der Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie und des Fraunhofer Instituts für Zelltherapie und Immunologie, die auf dem Gebiet der infektionsmedizinischen Grundlagenforschung aktiv und an einer praktischen Umsetzung ihrer Forschungsergebnisse arbeiten, zusammengeschlossen. Der lose Verbund unterstützt die Institute beim Ausbau der infektionsmedizinischen Forschung und dem Austausch wissenschaftlicher Erkenntnisse. Ziel ist die Stärkung der bereits vorhandenen Forschung und Entwicklung im Bereich der human- und veterinärmedizinischen Infektionskrankheiten in der Region Leipzig zum Nutzen für Mensch und Tier.
Quelle: Pressemitteilung 6.11.2008, Universität Leipzig, www.vmf.uni-leipzig.de,
www.uni-leipzig.de/~virology,
Klimawandel: Wasserknappheit in den Alpen? Die ungleiche Verteilung der Wasserressourcen kann sich in Zukunft verschärfen
(5.11.2008) Sind die Alpen in ihrer Rolle als "Wasserturm" Europas gefährdet? Verändern sich die Abflussregime der vier großen alpenbürtigen Flüsse Donau, Rhein, Rhone und Po, die ihr Wasser zu etwa 50 % aus dem Alpenbogen beziehen? Es besteht keine akute Gefahr, meinen Experten auf einer Tagung in Bozen. "Dennoch sollten sich die Alpenregionen bereits jetzt an die bestehenden und künftigen Risiken veränderter Wasserbedingungen klug anpassen. Schlüssel hierfür sind gute Managementstrukturen, eine wirkungsvolle Kommunikation zwischen den Betroffenen und ein klarer Blick auf die Risiken", meint Benno Hain, Leiter des Fachgebiets "Klimaschutz" des deutschen Umweltbundesamtes, der die Tagung leitete.
In Zeiten des Klimawandels stellt sich jedoch die Frage: "Wie schnell verändern sich die Bedingungen des Wasserlieferanten Alpen?" Fakt ist: Es wird wärmer. In den vergangenen 150 Jahren hat sich der Großraum Alpen um 2 Grad Celsius (°C) erwärmt - doppelt so stark wie die restliche nördliche Halbkugel. Die südlichen Alpenregionen verzeichnen zudem - gegenüber dem 19. Jahrhundert - Niederschlagsrückgänge zwischen 10 und 20 Prozent. Für die nächsten Jahrzehnte wird ein weiterer Rückgang der Niederschläge, vor allem im Sommer, erwartet. Bereits heute kommt es - vor allem aufgrund einer ungleichen räumlichen und zeitlichen Verteilung der Wasserressourcen - in manchen Regionen durchaus zu Engpässen, sagen Experten. In Zukunft werden sich diese Probleme verschärfen, da, insbesondere im Sommer, nicht nur das Wasserangebot abnehmen sondern auch der Wasserbedarf zunehmen wird. Übers Jahr und für den gesamten Alpenraum gesehen, ist heute und vermutlich auch in der nahen Zukunft jedoch ausreichend Wasser vorhanden.
Zu diesem Ergebnis kam eine 20-köpfige Expertengruppe, die im Auftrag der Europäischen Umweltagentur EEA (European Environment Agency, Kopenhagen) derzeit eine Studie zur Wassersituation in den Alpen und über erfolgreiche Anpassungsstrategien an die klimatischen Veränderungen erarbeitet. Am 23. und 24. Oktober 2008 kamen Wissenschaftler und Praktiker aus den acht Alpenstaaten in der Europäischen Akademie Bozen (EURAC) im italienischen Südtirol zusammen. Aktiv beteiligt waren unter anderem der Generalsekretär und die für wissenschaftliche Fragen zuständige Vize-Generalsekretärin der Alpenkonvention, die Leiterin der Klimaabteilung des österreichischen Umweltbundesamts, der Leiter des Instituts für Fernerkundung der EURAC sowie Vertreter der europäischen und der slowenischen Umweltagenturen.
Die Experten gründen ihre Ergebnisse und Schlussfolgerungen vor allem auf die Analyse von sechs Fallbeispielen aus dem gesamten Alpenbogen. Es ist das erste Mal, dass sich die Europäische Umweltagentur nicht nur mit dem gesamteuropäischen Umweltzustand befasst, sondern sich direkt mit den Problemen einzelner Alpenregionen auseinandersetzt. Die Problemstellungen sind in den untersuchten Gebieten in Österreich, Frankreich, Italien (Südtirol), Slowenien und im schweizerischen Wallis ähnlich: Wasser sei generell vorhanden, so die Analyse-Ergebnisse, jedoch nicht immer zu jeder Zeit und an jedem Ort. In Spitzenzeiten, wie beispielsweise in Südtirol zur Frostberegnung als Schutz der Obstblüte im späten Winter oder in französischen Winterskiorten in der touristischen Hauptsaison, übersteige der Bedarf das Wasserangebot. Probleme ergeben sich auch aus den Ansprüchen der unterschiedlichen Wassernutzer: So wollen Landwirte oder Wasserkraftwerkbetreiber möglichst viel Wasser entnehmen, während Unternehmen im Fremdenverkehr und Ökologen die Erhaltung einer Niedrigwasserabflussmenge fordern.
In den analysierten Regionen gibt es bereits erfolgreiche Anpassungsmechanismen, wie wassersparende Bewässerungstechniken, Netzwerke der Wassernutzer oder Wassernutzungspläne. Momentan verhindere jedoch häufig die begrenzte Koordination zwischen den einzelnen, aber auch innerhalb der Sektoren eine effiziente Wassernutzung und -verteilung, so die Experten. Als Lösung empfehlen die Wissenschaftler und Praktiker ein integriertes Wasserressourcenmanagement, an dem alle Wassernutzer, u.a. Landwirtschaft, Tourismus, Energielieferanten, aber auch Nicht-Regierungsorganisationen, die Medien und nicht zuletzt die Bevölkerung selbst, beteiligt sind. Dieses soll Wasserverluste reduzieren, zum Wassersparen anhalten, die Wasserverteilung verbessern, Kommunikationsnetzwerke unterstützen, Entscheidungsprozesse regeln und vor allem mehr Wissen bei der Bevölkerung, den Entscheidungsträgern und auch auf der wissenschaftlichen Seite generieren. Die Wasserproblematik im Alpenraum ist auch aktuelles Thema verschiedener Gremien der Alpenkonvention, die Anfang 2009 einen Alpenzustandsbericht mit dem Schwerpunkt "Wasser" herausgeben und ein Aktionsprogramm zu Klimaschutz und Klimawandel im Alpenraum verabschieden wird. Die kompletten Empfehlungen der Expertengruppe veröffentlicht die Europäische Umweltagentur in einem ca. 80-seitigen Bericht Anfang 2009.
Quelle: Pressemitteilung 5.11.2008, Umweltbundesamt, www.umweltbundesamt.de, Europäischen Umweltagentur EEA (European Environment Agency, Kopenhagen)
Fast 42 Milliarden Euro Subventionen schaden dem Umweltschutz
Neuer Bericht des Umweltbundesamtes
(3.11.2008) In Deutschland gab es im Jahr 2006 Subventionen von knapp 42 Milliarden Euro mit negativen Wirkungen auf Gesundheit und Umwelt. Dies ist das Ergebnis der Studie des Umweltbundesamtes Umweltschädliche Subventionen in Deutschland. Die Palette der negativen Umweltwirkungen reicht von der Förderung des Klimawandels über die Beeinträchtigung der Wasser-, Boden- und Luftqualität bis hin zur Erhöhung der Flächeninanspruchnahme und der Verringerung der Artenvielfalt. Umweltschädliche Subventionen konterkarieren die vielen Bemühungen im Umweltschutz, sagt Prof. Andreas Troge, Präsident des UBA. Indem wir auf der einen Seite viel Geld für den Umweltschutz ausgeben, auf der anderen Seite jedoch Marktverzerrungen zu Lasten der Umwelt finanzieren, ist das das Gegenteil einer ökologisch und ökonomisch nachhaltigen Haushaltspolitik. Wer nicht an den Bestand umweltschädlicher Subventionen herangeht, lässt es bei den Fehlanreizen von gestern und muss heute und morgen umso mehr gegensteuern, um die Umweltqualität zu sichern. Die Devise muss heißen: Mit mehr Konsistenz und weniger Instrumenten die Umweltqualität sichern sowie verbessern.
Die UBA-Forscher analysierten die wichtigsten Subventionen des Bundes in den Bereichen Energiebereitstellung und -nutzung, Verkehr, Bau- und Wohnungswesen sowie Landwirtschaft. Denn diese Bereiche verursachen die größten Umweltprobleme und profitieren am stärksten von umweltschädlichen Subventionen. Da die Studie Förderprogramme auf Länder- und kommunaler Ebene kaum betrachtet, lag das tatsächliche Volumen umweltschädlicher Subventionen in Deutschland noch höher als 42 Milliarden Euro. Von einem Abbau umweltschädlicher Subventionen würden sowohl die öffentlichen Haushalte als auch die Umwelt profitieren. Die eingesparten Gelder ließen sich für die Senkung der Steuerlast oder die Finanzierung zentraler Zukunftsaufgaben - wie Klimaschutz und Bildung - nutzen. Außerdem würden der Staat und die Bürgerinnen und Bürger indirekt entlastet, weil Folgekosten umweltschädlicher Subventionen, zum Beispiel in Form von Gesundheits- und Materialschäden , entfielen.
Ein prominentes Beispiel sind die vielfältigen Subventionen im Energie- und Stromsteuerrecht, die zusammen jährlich rund 5 Mrd. Euro betragen. Darunter fallen die allgemeinen Strom- und Energiesteuer-Ermäßigungen für das Produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft, ferner der Spitzenausgleich bei der Ökosteuer. Diese Subventionen begünstigen den Energieverbrauch und stehen damit im Widerspruch zum Ziel des Klimaschutzes. Daher sind diese Subventionen grundsätzlich abzubauen. Zumindest sollten nur noch solche Betriebe Energiesteuervergünstigungen erhalten, die ein verifiziertes Energiemanagementsystem vorweisen können und alle wirtschaftlich lohnenden Energiesparmaßnahmen durchführen. Dieser Vorschlag ist bereits im Integrierten Energie- und Klimaprogramm der Bundesregierung vom August 2007 im Ansatz enthalten.
Ein weiteres Beispiel für eine umweltschädliche Subvention ist die Befreiung des gewerblichen Flugverkehrs von der Energiesteuer für Kerosin. Dem Staat entgehen nach Berechnungen des UBA dadurch jährliche Steuereinnahmen in Höhe von 6,9 Milliarden Euro. Diese indirekte Subventionierung des Flugverkehrs verzerrt den Wettbewerb zu Lasten emissionsärmerer und damit umweltfreundlicherer Verkehrsmittel - wie der Bahn. Die Ungleichbehandlung der Verkehrsträger ist weder ökonomisch noch ökologisch sinnvoll oder sonst gerechtfertigt. Die Treibhausgasemissionen des Flugverkehrs sind wegen der Flughöhe sogar um das 2- bis 5-fache klimaschädlicher als bodennahe Emissionen. Neben der Einbindung des Flugverkehrs in den EU-Emissionshandel - dem sowohl das EU-Parlament als auch der Europäische Rat zugestimmt hat - schlägt das UBA daher die Einführung einer möglichst weiträumigen zumindest EU-weiten - Kerosinsteuer vor.
Die beiden Beispiele zeigen, dass umweltschädliche Subventionen nicht nur die Umwelt belasten und damit höhere zukünftige Umweltschutzausgaben verursachen, sondern häufig auch unbegründet und ökonomisch nicht gerechtfertigt sind. Der vielfach geforderte umfassende Subventionsabbau sollte deshalb nicht nach dem Rasenmäherprinzip erfolgen. Vielmehr sind gezielt unnötige oder umweltschädliche Subventionen zu streichen. Neue Subventionen sollte der Staat nur einführen, falls sie effektiv wären und keine gravierenden negativen Umweltwirkungen hervorriefen. Der Gesetzgeber sollte daher ein umweltschutzbezogenes Subventionscontrolling einführen, das alle Subventionen in einem Umweltcheck auf mögliche negative Umweltwirkungen hin untersucht und sie einer regelmäßigen Wirkungs- und Erfolgskontrolle unterwirft. Wir müssen hin zu einer nachhaltigen Finanzpolitik aus einem Guss, die Umweltschutzbelange systematisch berücksichtigt, sagt UBA-Präsident Troge.
Quelle: Pressemitteilung www.umweltbundesamt.de;
Der vollständige Bericht "Umweltschädliche Subventionen in Deutschland" unter:
http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3659.pdf
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