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Neues Curriculum zur Präventionsassistentin in der Pädiatrie

Das Modellprojekt "Curriculum Präventionsassistentin" des Netzwerks Kindergesundheit und Umwelt ist mit einer Förderung des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziales entwickelt worden (Gz 328-1720—55). Es hat zur Aufgabe, Kinderkrankenschwestern und -arzthelferinnen eine qualifizierte Fortbildung zur primären Prävention umweltbezogener Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen zu ermöglichen. Projektträger ist der Ökologischer Ärztebund.

In der 40-stündigen Fortbildung (an zwei Wochenenden) werden fachliche Kenntnisse zu Themenschwerpunkten wie z.B. Unfällen, SIDS, Asthma und Allergien, Ernährung und Impfungen erlernt bzw. vertieft sowie methodisch-didaktische Kenntnisse insbesondere für die Elternarbeit vermittelt.
Hierzu gehören u.a. Einzelgespräche und -übungen mit den Eltern im Rahmen der kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchung U2-U9. Ziel ist dabei die Vertiefung eines bestimmten Präventionsinhaltes und die Stärkung der elterlichen Kompetenz.
Auch Gruppengespräche bzw. -aktivitäten können angeboten werden, z.B. in Form eines Notfallkurses gemeinsam von der Präventionsassistentin mit Erste-Hilfe-Helfern und Kinderarzt. Weiterhin werden Fähigkeiten vermittelt, dass die zukünftige Präventionsassistentin lernt, mit vorhandenem Informationsmaterial z.B. der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) oder von PINA umzugehen bzw. gemeinsam mit Eltern damit zu arbeiten (Flyer, Broschüren, Bilder und Poster, Video und Arbeit im Internet).
In der Hausaufgabe, die die AbsolventInnen in der Zeit zwischen den beiden Wochenendterminen zu erledigen haben, wird an dem Thema "Meine Praxis als Keimzelle eines lokalen bzw. regionalen Präventionsnetzwerks" gearbeitet. Die Erfahrung lehrt, dass einerseits in der Praxis meist nur Anstöße gegeben werden können, andererseits aber eine qualifizierte Weitervermittlung bzw. die Einbindung der Praxis in ein Kooperationsnetz mit Ärzten anderer Fachrichtungen, weiteren Gesundheitsberufen wie z.B. Ernährungsberatung oder auch Selbsthilfegruppen für die Eltern sehr hilfreich ist und auch für die Praxis ein Mehr an Qualität bedeutet. Hier sind allerdings die infrastrukturellen Unterschiede zwischen Stadt und Land besonders zu berücksichtigen.
In der jetzigen Modellphase beschränkt sich die Fortbildung zur Präventionsassistentin im Rahmen der 40 h bewusst auf die Säuglings-, Kleinkinder- und frühe Grundschulzeit. Damit steht die Elternarbeit im Vordergrund, ab dem 4. Lebensjahr soll auch den Kindern im Sinne des "begreifendes Lernen" Wissens vermittelt werden. Kenntnisse zur Gesprächsführung, Gruppendynamik, Stellenwert von Rollenspielen, Lernen in der Gruppe sowie die Arbeit mit Familiensystemen und Gruppen werden erarbeitet. Das Curriculum wird analog den etablierten Patientenschulungen interdisziplinär, verhaltens- und familienmedizinisch durchgeführt.
Ein erster Durchlauf mit 28 Teilnehmern hat im Winter am Kinderhospital Osnabrück stattgefunden, ein zweiter Durchlauf findet im Herbst in München mit 30 TN statt. Weitere Termine für 2004 auch an weiteren Orten sind geplant.1
Begleitend wird eine TN-Befragung durchgeführt. Erste Rückmeldungen haben bereits dazu geführt, dass ca. ein halbes Jahr nach der Fortbildung ein Vertiefungsseminartag angeboten wird, an dem insbesondere die Umsetzung des Gelernten in die Praxis im Vordergrund stehen wird. In Zukunft ist auch eine offizielle Aufstockung der Fortbildung auf 60 h im Gespräch.
Drei Teilnehmerinnen aus einer Kinderarztpraxis des ersten Durchgangs in Osnabrück fassten ihre Eindrücke nachfolgend zusammen:
"Die Aufgaben der Präventionsassistentin sollen sich dahingehend entwickeln, dass z.B. Vorträge über aktuelle Themen wie Ernährung, Impfung usw. gehalten werden und dass wir dem Arzt durch die Möglichkeiten, die uns gegeben sind, besonders bei den Vorsorgeuntersuchungen in der Kinderarztpraxis hilfreich und unterstützend zur Seite stehen. Zusätzlich wird durch den verstärkten Kontakt zu den Patienten das gegenseitige Vertrauensverhältnis gestärkt. Die Teilnahme am Seminar hat uns sicherer im Umgang mit den Patienten gemacht; und durch die noch engere Zusammenarbeit mit den Ärzten wurde zusätzlich der Team-Geist in unserer Praxis gestärkt.
Unserer Meinung nach ist die Fortbildung zur Präventionsassistentin eine Bereicherung für den Praxisalltag und auch für den Patienten."

1 Osnabrück 30./31.1.2004 und 13./14.2.2004; München 5./6.3.2004 und 23./24.4.2004

Kontakt:
Netzwerk Kindergesundheit und Umwelt
Ökologischer Ärztebund
Fedelhören 88
28203 Bremen
neue Adresse ab 15.8.2006: Frielinger Str. 31, 28215 Bremen
oekologischer.aeztebund@t-online.de
Projektleitung: Dr. med. Thomas Lob-Corzilius, Kinderhospital Osnabrück, thlob@uminfo.de


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