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Weltbevölkerung: UN erwartet 2050 nur noch 8,9 Mrd. Menschen

Die Fertilität wird voraussichtlich in 75 Entwicklungsländern bis 2050 unter das Ersatzniveau sinken. Zu dieser neuen Einschätzung kommt die Bevölkerungsabteilung der Vereinten Nationen in ihrer "2002 Revision" der offiziellen UN-Hochrechnungen der Bevölkerungszahlen. Bezüglich der Entwicklung der Fruchtbarkeitsraten und der Auswirkungen der HIV/Aids-Pandemie werden neue Annahmen getroffen.

Erstmals geht die UN davon aus, dass die Fertilität in den meisten Entwicklungsländern im Laufe des 21. Jahrhunderts auf unter 2,1 Kinder pro Frau sinken wird. Bis 2050 soll dies in drei von vier Entwicklungsländern der Fall sein. Die Auswirkungen von HIV/Aids werden gravierender eingeschätzt als noch in früheren Hochrechnungen. Bis 2010 wird danach die HIV-Prävalenz hoch bleiben, und dann voraussichtlich sinken. Allerdings wird sie gegen Mitte des Jahrhunderts immer noch von erheblichem Ausmaß sein, so dass die UN ihre Bevölkerungsprognose für 2050 von 9,3 Milliarden auf 8,9 Milliarden nach unten korrigiert hat. Ausgehend von heute 6,3 Milliarden bedeutet das immer noch ein Wachstum um 2,6 Milliarden in den kommenden 47 Jahren.

Mehr Aids-Tote
Rund die Hälfte der aktuellen Korrektur wird mit der höheren Anzahl von Todesfällen begründet, die meisten davon aufgrund von HIV/Aids. In den sieben am stärksten betroffenen Ländern im südlichen Afrika, wo die HIV-Prävalenz bei über 20 Prozent liegt, wird die Bevölkerung nur wenig wachsen (2000: 74 Mio., 2050: 78 Mio.). Bevölkerungsrückgänge werden für Botsuana, Lesotho, Südafrika und Swasiland vorausgesagt.
Die andere Hälfte der Korrektur wird den absehbar sinkenden Fruchtbarkeitsraten zugeschrieben. Bliebe die Fertilität weltweit auf dem gegenwärtigen Niveau, könnte sich die Weltbevölkerung bis 2050 mehr als verdoppeln. Sinkt sie langsamer als nach mittlerer Schätzung, bedeute dies eine Zunahme um mehrere Milliarden Menschen.

Regionale Unterschiede beim Bevölkerungswachstum
Weiterhin markant bleiben die Unterschiede in der Bevölkerungsdynamik einzelner Regionen. Während in entwickelten Ländern die Bevölkerung nur noch um 0,25 % pro Jahr wächst, liegt die Wachstumsrate in den ärmeren Weltregionen bei 1,46 % und in den 49 am wenigsten entwickelten Ländern (LDCs) bei 2,4 %. Die Unterschiede werden nach UN-Schätzungen auch bis 2050 fortbestehen, sich jedoch leicht abschwächen. Bis dahin werden die entwickelten Länder 20 Jahre Bevölkerungsrückgang hinter sich haben, während in den weniger entwickelten Ländern die Bevölkerung weiter um 0,4 % pro Jahr wächst. In den LDCs wird das Wachstum zwischen 2045 und 2050 voraussichtlich noch bei 1,2 % jährlich liegen, die Fertilität wird in dieser Ländergruppe auch bis 2050 noch nicht unter das Ersatzniveau sinken. Rund die Hälfte des Weltbevölkerungszuwachses wird auf die Entwicklung in acht bevölkerungsreichen Ländern (Indien, Pakistan, Nigeria, USA, China, Bangladesch, Äthiopien und die Demokratische Republik Kongo) zurückzuführen sein.

Steigende Lebenserwartung
Die Sterblichkeit wird insgesamt abnehmen, jedoch auch dies mit regionalen Unterschieden. Die Lebenserwartung bei Geburt wird weltweit von derzeit rund 65 J. auf 74 J. (2045-2050) steigen, in den entwickelteren Ländern von 76 auf 82 J., in den Entwicklungsländern von 63 auf 73 J. In den besonders von HIV/Aids betroffenen Ländern liegt die Lebenserwartung heute unter 50 J. und wird im Jahr 2050 voraussichtlich nicht mehr als 67 J. betragen.

Alternde Weltbevölkerung
Mit der stärker sinkenden Fertilität in Entwicklungsländern wird die Bevölkerung schneller altern als bislang erwartet. Weltweit wird sich die Anzahl der Menschen über 60 fast verdreifachen, von 606 Mio. im Jahr 2000 auf 1,9 Mrd. im Jahr 2050. Leben heute sechs von zehn der Personen über 60 in Entwicklungsländern, werden es 2050 acht von zehn sein. Der Anteil der über 60jährigen wird in entwickelteren Regionen von 19 auf 32 % wachsen, in Entwicklungsländern von acht auf fast 20 %. Die Zahl der über 80jährigen wird weltweit von 69 Mio. (2000) auf 377 Mio. (2050) steigen, in Entwicklungsländern von 32 auf 265 Mio.

Der Alters-Median (das Alter, bei dem 50 Prozent der Bevölkerung jünger und 50 Prozent älter sind) ist zwischen 1950 und 2000 von 23,6 auf 26,4 J. gestiegen. Bis 2050 wird eine Zunahme auf 37 J. angenommen. In 17 entwickelteren Ländern soll dieser Median sogar auf 50 J. oder mehr ansteigen, z.B. in Japan, Lettland und Slowenien, während am anderen Ende des Spektrums Angola, Burkina Faso oder Mali 2050 eine sehr junge Bevölkerung mit einem Median von weniger als 23 J. haben werden.

(Quelle: DGVN (Hrsg.): Bevölkerung & Entwicklung Nr. 51, Aug. 2003; UN (2003): World Population Prospects: The 2002 Revision., Highlights, Tables, Data. United Nations, Feb. 2003, Zusammenfassung, abrufbar im Internet unter http://www.unpopulation.org)

Kontakt:
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