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UNEP: Niedrigdosierte Kontamination
mit abgereichertem Uran (DU) in Bosnien
und Herzegowina gefunden

Ein neuer vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) herausgegebener Bericht bestätigt erstmals, dass abgereichertes Uran (DU) aus den 1994 und 1995 in Bosnien und Herzegowina eingesetzten Waffen die örtliche Trinkwasserversorgung an einem Standort kontaminiert hat und noch immer an Staubpartikeln in der Luft nachgewiesen werden kann. Allerdings ist der aufgezeichnete Kontaminationsgrad sehr niedrig und stellt keine unmittelbare radioaktive oder toxische Gefährdung für die Umwelt oder die menschliche Gesundheit dar, dennoch werden vorsorgliche Maßnahmen empfohlen.

"Diese neuesten Befunde aus den laufenden Nachkriegsgutachten der UNEP dürfen noch nicht als Grund für einen Alarm verstanden werden," sagte UNEP-Direktor Klaus Töpfer. "Dennoch empfehlen wir, dass Vorsichtsmassnahmen getroffen werden und dass insbesondere Boden und Trinkwasser an und in der Nähe von Orten, an denen das Vorkommen von DU bestätigt wurde, regelmäßig überprüft werden."

Der Bericht führt vier neue und signifikante Befunde an, wie sich abgereichertes Uran in der Umwelt verhält.
1.) Direkt an der Aufschlagstelle des Projektils tritt eine geringe Bodenkontamination auf, die typischerweise auf einem Umkreis von ein bis zwei Meter begrenzt bleibt.
2.) Nahe der Erdoberfläche eingegrabene DU-Projektile sind korrodiert und haben 25 % ihrer Masse innerhalb von 7 Jahren verloren. Die DU-Geschosse werden innerhalb von 25-35 Jahren nach dem Einschlag vollständig korrodiert sein.
3.) Korrodierendes Uran kann ins Trinkwasser gelangen. Die vorherigen UNEP-Gutachten über abgereichertes Uran auf dem Balkan wurden kurz nach Ende des Konfliktes erstellt, während in Bosnien-Herzegowina die seit dem Konflikt vergangene sieben Jahre dazu geführt haben, dass korrodierendes abgereichertes Uran in den Boden und das Grundwasser eindringen konnte. Wenn Kontaminationen gefunden werden, empfiehlt UNEP, dass alternative Wasserquellen genutzt und dass Wasserprobenahmen und -messungen für einige Jahre fortgeführt werden sollen.
4.) An zwei verschiedenen Stellen wurde eine DU-Kontamination der Luft nachgewiesen, darunter im Inneren zweier Gebäude. Das lässt sich auf das Wiederaufwirbeln von DU-Partikeln aus Projektilen oder kontaminierten Bodenbereichen durch Wind oder menschliche Aktivitäten zurückführen. Einige dieser Gebäude werden gegenwärtig genutzt, und UNEP empfiehlt eine vorsorgliche Entseuchung der Gebäude, um unnötige Belastungen von Menschen zu vermeiden.

Die Empfehlungen des UNEP-Berichtes umfassen ebenso das Einsammeln der Geschosse vom Boden, Abdeckung der Einschlagstellen mit Asphalt oder unbelastetem Boden, sichere Handhabung und Entsorgung des DU-Materials, Dokumentation der DU-belasteten Stellen, Recherche aller Berichte über gesundheitliche Folgen, und die Erlangung der noch fehlenden Koordinaten für sechs bestätigte Angriffsziele in Bosnien-Herzegowina.

"Die Ergebnisse dieser Studie unterstreichen erneut die Wichtigkeit angemessener Säuberungs- und Zivilschutzmassnahmen nach einem Konflikt", sagte Pekka Haavisto, der Vorsitzende des UNEP-DU-Projektes. "Wir hoffen, dass diese Arbeit für den Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt eine Rolle spielt, sollten sich in Zukunft unglücklicherweise Konflikte ereignen." "Wir haben jetzt wissenschaftliche Methoden, die Auswirkungen von DU zu messen, und diese Methodologie kann im Bedarfsfall in anderen Situationen genutzt werden", führte er aus.

Die Befunde in Bosnien-Herzegowina stimmen mit früheren UNEP-Studien im Kosovo (2001) und in Serbien und Montenegro (2002) überein. Dieser neue Bericht basiert auf den Daten eines Expertenteams, von dem im Oktober 2002 mehrere Stellen in Bosnien- Herzegowina untersucht wurden. 15 zu untersuchende Stellen wurden von UNEP ausgewählt. Fünf davon waren Gebiete, von denen die NATO berichtet hatte, dort DU-Munition verwendet zu haben. Die verbleibenden 10 Stellen waren Gebiete, über die die örtliche Bevölkerung oder Behörden Sorge hatten, dass dort eventuell DU-Munition verwendet worden war. Einer der 15 Stellen war den UNEP-Mitarbeitern aufgrund von Landminen nicht zugänglich.

Das Team verwendete hochempfindliche Instrumente, um Oberflächenradioaktitvität zu messen. Diese Messungen ergaben an drei Stellen Kontaminationspunkte und Stücke von DU-Waffen - der Hadzici-Panzerreparaturwerkstatt, dem Hadzici-Munitionslager und der Han Pijecak Kaserne.

Das UNEP-Team stellte fest, dass das für Minenräumung zuständige Personal genauso wie die allgemeine Öffentlichkeit sich nicht hinreichend der Gefahren und Fragen im Zusammenhang mit DU-Munition bewusst ist. UNEP ist der Überzeugung, dass die Information der Öffentlichkeit in dieser Frage verstärkt werden sollte, beispielsweise in Form eines leicht zu lesenden Flugblattes, das weit gestreut werden könnte.

Das UNEP-Team umfasste Vertreter der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA). Die IAEA-Experten prüften im Rahmen des Auftrages den allgemeinen Umgang und die Lagerung radioaktiven Mülls. Im Kapitel "Gesundheit" des Berichtes kam die WHO zu dem Schluss, dass Behauptungen, nach denen in steigendem Maße von abgereichertem Uran ausgelöste Gesundheitsbeeinträchtigungen auftreten würden, nicht bewiesen werden konnten, da ein geeignetes Krebsregister und -meldesystem fehlt. Die vorhandenen wissenschaftlichen Daten zu Uran und zu gesundheitlichen Wirkungen abgereichteren Urans deuten darauf hin, dass es höchst unwahrscheinlich ist, dass DU mit den berichteten Gesundheitsproblemen in Zusammenhang steht.

Das17 Mitglieder starke UNEP-Team umfasste Experten von UNEP, der Schwedischen Strahlenschutzbehörde, Laboratorium Spiez (Schweiz), der Italienischen Behörde für Umweltschutz und technischen Dienst (APAT, vormals ANPA), der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA), Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Griechischen Atomenergiekommission, dem Amerikanischen Armeezentrum für Gesundheitsförderung und Präventivmedizin der (USACHPPM), dem Institut für Nukleare Sicherheit der Russischen Akademie der Wissenschaften, und der Universität Bristol (UK). Spiez und APAT untersuchten darüber hinaus die gesammelten Proben von Geschossen, Wasser, Vegetation usw. auf Toxizität und Radioaktivität. Der Auftrag wurde von den Regierungen Italiens und der Schweiz finanziert.

(Quelle UNEP Pressemitteilung 25.3.2003; weitere Informationen "Abgereichertes Uran in Bosnien und Hergowina" unter http://postconflict.unep.ch. Kontakt: Robert Bisset, UNEP-Sprecher für Europa, tel +33-1-44377613, +33-622725842 (Mobiltel.), robert.bisset@unep.fr, oder Nick Nuttal, UNEP-Medienchef, unter+254 2 623084, +254 733 632755 (Mobiltel.), nick.nuttall@unep.org)

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