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VOC - komplexe Krankheitsbilder durch zelluläre Multifunktionsstörungen:
- Toxische Enzephalopathie (TE), toxische Polyneuropathie (TPNP), Sick-Building-Syndrom (SBS), Chronisches Fatigue Syndrom (CFS), Multiple Chemische Sensitivität (MCS)

Tino Merz

Zusammenfassung
VOC (Volatile Organic Compounds) sind eine ubiquitäre Luftbelastung. Nach Einwirkungen im oberen Bereich der heute üblichen Belastungen mit organischen Stoffen in der (Innenraum)Luft können Menschen dauerhaft erkranken. Das Krankheitsbild ist international verbindlich durch die WHO definiert. Der Krankheitsverlauf ist bekannt und verstanden: toxische Enzephalopathie (TE) oft in Verbindung mit toxischer Polyneuropathie (PNP). Seit 1997 ist diese Erkrankung als Berufskrankheit anerkannt (BK-Nr. 1317).
Die TE kann von Enzephalopathien anderer Ursache diagnostisch eindeutig unterschieden werden. Der Krankheitsverlauf und die Anamnese sind hilfreich. Frühsymptome sind Veränderungen der Persönlichkeit, gefolgt von mentalen Funktionsstörungen, wie Gedächtnis- und Konzentrationsdefizite, Störung der Planausführung. Danach stellen sich Schlafstörungen, Kopfweh, chronische Müdigkeit, Libidoverlust ein. Testbatterien der neuropsychologischen Toxikologie wurden in den 80er Jahren standardisiert und validiert.
Verlaufskontrollen zeigen, dass sowohl Reversibilität wie Irreversibilität als auch Progredienz nach Expositionsende beobachtet wurden.
Aus Stoffeigenschaften, biochemischen und zellulären Mechanismen können die Symptomvielfalt, die Variabilität bei den einzelnen Individuen, die Kombinationswirkungen der Gemische und die Chronifizierung im Ansatz verstanden werden.
Weitergehende Studien zeigen die Rolle der VOC bei anderen Umweltkrankheiten (SBS, CFS, MCS). Symptomvergleiche und die zellulären Mechanismen lassen letztere komplexeren Krankheitsbilder auf der Basis des Krankheitsbilds der TE verstehen.
Diese Erkenntnisse sind durch die Übereinstimmung von Symptombeschreibungen in der Toxikologie für eine große Anzahl solcher Stoffe wissenschaftlich gesichert. Die statistische Sicherung wird durch die Epidemiologie entsprechender Berufsgruppen ermöglicht. Die Diagnostik ist standardisiert und validiert durch Studien hoher Qualität. Schließlich wurde durch freiwillige Expositionsversuche die Wirkschwelle mehrfach überprüft und bestätigt [Merz 2003]. Diese Erkenntnisfortschritte erfolgten Seite Ende der 70er Jahre bis Ende der 80er Jahre. Trotz dieser Fortschritte ist dieses Wissen in der ärztlichen und gutachterlichen Praxis gänzlich unbekannt.

umwelt-medizin-gesellschaft 17 (1): 46-56

Autor: Dr. rer. nat. Tino Merz, Frankenstr. 12, 97292 Wüstenzell, Tel.: 09369/1559, Fax: 09369/980798, E-Mail: Merz.sys_oeko@t-online.de