Mehr Zwillinge durch Müllverbrennung?
In einer Studie sollte die Frage untersucht werden, ob in Wohnorten in der Nähe von Müllverbrennungsanlagen (MVA) vermehrt Zwillinge auftreten.
Für eine longitudinale Umweltstudie waren Schulkinder und deren Eltern rekrutiert worden. Die Anteile der Zwillinge aus der MVA-Region wurden mit zwei Gebieten ohne MVA verglichen. In einer zweiten Untersuchung wurden die Geburtsaufzeichnungen der Jahre 1994-97 des Hessischen Perinatal Surveys (HEPS) daraufhin abgeglichen, ob die Zwillingsraten in den Regionen in der Nähe der MVAs im Vergleich zu den Referenzregionen höher waren oder nicht.
An der Umweltstudie nahmen 61,5 % der Kinder und 95 % ihrer Mütter teil. Bei den Müttern lagen die Zwillingsraten bei 5,3 % in der MVA-Region im Vergleich zu 1,6 % bzw. 2,3 % in den beiden Vergleichsregionen. Der Anteil der Mütter mit fruchtbarkeitsfördernden Behandlungen lag bei 5,3 % in der MVA-Region im Vergleich zu 8,3 % bzw. 0 % in den MVA-freien Regionen. Die Prävalenz der Zwillingsgeburt war bei behandelten Müttern mit 4,5 % gegenüber 3,7 % bei unbehandelten Müttern nicht signifikant erhöht. Aus den Daten des HEPS wurden 20.603 Geburten ausgewertet. Der Anteil an Zwillingen war in Gebieten mit industrieller Belastung mit 1,4 -1,6 pro 100 Geburten gegenüber 0,8 pro hundert in den Referenzgebieten deutlich erhöht.
Resumee: Zwillingsraten scheinen assoziiert zu sein mit industrieller Umweltverschmutzung. Zukünftige umweltmedizinische Studien sollten Zwillingsgeburten als ein Ergebnis berücksichtigen. Außerdem sollte untersucht werden, ob die Anzahl an ein- oder zweieiigen Zwillingen mit industrieller Verschmutzung korreliert.
(Quelle: OBI-OSIUS N, MISSELWITZ B, KARMAUS W, WITTEN J (2004): Twin frequency and industrial pollution in different regions of Hesse, Germany, Occup Environ Med 61: 482-487)